Der große Reiseroman des 21ten Jahrhunderts

Schon merkwürdig, wie sich die Zeiten ändern. Ich hocke auf der Ofenbank, die Bluetooth-Tastatur vor mir und das iPhone, mein neuer Arbeitsplatz sieht echt cool aus, finde ich. Die Tasten sind gerade mal 25 cm breit, nur die nötigsten Zeichen darauf, der winzige Monitor vor mir, in dem der Text, den ich nun tippe, auftaucht. Ich stelle mir vor, wie ich auf diese Art draußen irgendwo in Europa vor dem Zelt hocke und den großen Reiseroman des 21ten Jahhunderts live in die Tasten hacke; ein bisschen Träumen darf ich? Sobald das Wetter schön ist, wird die SoSo Action-Fotos machen: wir werden das Zelt und das Fahrrad und das Gepäck und dieses, mein Mini-Büro und natürlich mich, unten am Waldrand hinter dem einsamen Gehöft aufbauen und für ein Prospekt, das ich als Werbung für das Nordsee-Umrundungsprojekt gestalte, einige Bilder machen. Der reisende, schreibende Künstler in Aktion.
Das Projekt ist natürlich nicht gestorben, obschon ich dieser Tage beinahe 2000 km eingebüßt habe. Die Rechnung fürs Auto war schmerzhaft teuer. Versicherung und Steuer tun ihr Übriges. Zum Spaß, also eher, um der Wahrheit in die Augen zu sehen, überschlage ich, was mich das Autofahren in den letzten anderthalb Jahren gekostet hat: 11.600 Euro. 21 Cent pro Kilometer. Zugegeben, die
Reisen zum Polarkreis und nach Frankreich waren sehr schön. Sowas geht aber auch mit dem Fahrrad :-)
Liebe Andrea (Kommenatatorin im vorigen Beitrag), Du hast Recht, ich muss das Projekt ja nicht in einem Rutsch machen. Wenn ich es genau überlege, spricht alleine die Tatsache, dass es zwischen den Shetland Inseln und Norwegen nur eine nicht gerade billige Flugverbindung gibt und die auch nur in den drei Sommermonaten, für ein Teilen der Strecke in mindestens zwei Abschnitte. Schottland ist viel zu interessant, als dass man es sich erlauben dürfte einfac h so daran vorbei zu radeln.
Noch kann ich mir nicht vorstellen, was mich ab April auf Europas Straßen für ein Abenteuer erwartet, geschweige denn, dass ich mir vorstellen kann, live den großen Reiseroman des 21. Jahrhunderts zu schreiben.
Die Fotoarbeit rund um die Nordsee hat das Team Frischluft aus der Schweiz 2011 wirklich hervorragend geleistet. Ich empfehle, dem Frischluft-Link in meiner Reiseroll rechts unter der Blog- und der Kunstroll zu folgen und die Bilderserie des Nordsee-Umrundungsteams aus der Schweiz zu schauen. Allererste Sahne. Macht Lust, es auch zu tun.
Nun, noch zu Hause, im Janaur, Vorstadium der nächsten Livereise, besteht die Aufgabe darin, die Grabplatte des Lohnerwerbs zu lupfen, Zombie der Kunst, das eigene Leben neu strukturieren, fit werden, werben, losfahren, live bloggen. Der große Reiseroman des 21. Jahrhunderts schreibt sich nicht von alleine. Braucht jemand ’n Auto? Frisch repariert.

Ein Gedanke zu „Der große Reiseroman des 21ten Jahrhunderts“

  1. ein auto brauche ich und dann doch wieder nicht… du aber brauchst die reise und es wäre doch zu dumm, wenn das jetzt wegen dieser kosten nicht ginge… wünsche dir sponsorInnen und ab und an einen schuhputzer auf dem weg
    herzliche grüße u.

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