Die Schöne, das Biest und der Pilger

Wassen Tag! Frühmorgens erwache ich mit sofort einsetzender Grundnervosität, die sich den ganzen Tag über auf einem einheitlichen Niveau hält, so als würde in meiner Brust jemand sitzen, der ununterbrochen „Ommmmm“ singt. Aber das Omm trägt nicht zur Beruhigung bei. Gegen 11 überfällt mich Künstlerin H., welche sicher der seltsamste Mensch ist, den ich kenne, und belagert mich mit ihren Geschichten – davon erzähle ich besser ein Andermal, denn das ist ziemlich abgedreht. Ich Hobbypsychiarter, ich. Aber gute Ablenkung vom Ommmmm. Genauso wie die Mail vom Künstler Schalenberg, dass noch dies und das an seiner Homepage zu erledigen sei, und ich sogleich im Quelltext wühle. Nebenbei immer wieder den Arbeitsplatz verlasse, Dinge auf den Boden werfe neben den nigelnagelneuen Rucksack, eine Packliste kritzele. Einkaufen, telefonieren, die Welt retten. Liebling, so ist mein Tag aber das Schlimmste kommt ja noch: Die Steuererklärung, die mir Journalist F. gestern Abend in sein Laptop gehackt hat, ist noch immer da drin! Da ich i-Dogmatiker bin und somit gewohnt, alle relevanten Daten über, durch und mit dem iPhone zu beackern, habe ich keinen Drucker. Und so musste der Herr F. die Declaration of Steuer bei sich zu Hause ausdrucken, sie mir gegen Punkt 19:55 Uhr vor der Festhalle der Stadt in einem neutralen Umschlag zu überreichen (er hatte einen journalistischen Termin, keineZeit, keineZeit, keineZeit). Wie konspirativ wir doch sind. Im Schatten eines Baumes wartete ich neben fahlem Laternenlicht und beobachtete das Spektakel: die halbe Stadt hat sich Tickets besorgt für das Musical Die Schöne und das Biest. Menschentrauben strömen im Halblicht in die bunt beleuchtete Festhalle. Es riecht nach süßem Parfüm, Fönwelle und Ganzrasur. „Das Alles“, denke ich, während ich auf Journalist F. warte, „wirst du fünf Wochen lang vermissen.“

Gleich nachdem ich das Kuvert mit der Erklärung in der Hand halte, schleiche ich zum örtlichen Finanzamt und werfe es verstohlen in den Briefkasten.

Was noch? Gegen Mittag strömen im Minutentakt Kommentare in den Blogeinträgen herein, welche mir Mut machen, Wildgans, Soulsnatcher, Axel, Andrea – hab ich jemanden vergessen: IHR SEID EINFACH GOLD. Danke für die lieben Wünsche, Tipps und Rippenknuffer. Ich werde die nächste Zeit eher schludrig die Kommentare verfolgen können – Ihr wisst ja: das Live-Blogging steckt noch in den Kinderschuhen und ich muss mit zwei nicht zufrieden stellenden Apps hinausziehen und das Blog mit Texten versorgen. Aber das wird schon.

Ein Gedanke zu „Die Schöne, das Biest und der Pilger“

  1. Ich lasse mich in 5 Wochen gern berichtigen, doch so lange gillt:
    Nein, du wirst das Parfüm, die Fönwellen und die Ganzrasuren nicht, oder nicht sehr lange vermissen.
    In spätestens drei Tagen ist der Schweiss dein Parfüm, die Föhnwelle wird vom Wind in den Pyrenäen gelegt und rasieren ist eh nur für die anderen.
    Viel Spass. :-)

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