Zeit

Ein Artikel über die Zeit. Die Zeit dafür wäre jetzt reif. In der Morgendämmerung schnurgelt der Kaffee in der Freilandküche. Diesertage muss ich das einsame Gehöft auf Winterbetrieb umstellen. Leise wummert die Stadt und oben auf der Landstraße zieht die 8-Uhr-Morgenpendlerkette dahin.

Ich muss an Rio Reisers Tod denken. Und mit ihm an alle anderen Tode, die ich im Laufe meines Lebens erlebt habe. Seltsam deutlich haben sich diese Zeitpunkte eingeprägt. Rio Reiser starb auf Parkdeck 6 der Frankfurter Messe. Ich war mit einem Sprinter voller Edelsteine bis zum Lastenaufzug vorgefahren, just schickte ich mich an den Aufzug zu beladen, als der Strom ausfiel für über eine Stunde und im Radio meldeten sie, Rio Reiser sei tot und spielten „König von Deutschland auf allen Sendern in allen Variationen. Ouhshalala.

Alle meine Großeltern starben am Telefon, ihr Tod war zu erwarten. Niemand ging plötzlich.

7:34. Fast ist es hell. Ich muss mich in den Mahlstrom der Pendler einspeisen. Wir haben keine Zeit.

Wenn Zeit wäre würde dieser Artikel ewig dauern.

Kollege T. wartet seit Sieben-Uhr-pervers-früh sehnsüchtig auf meine Hilfe. Mister Oberfaul-Blogfuzzie muss aber unbedingt noch diesen Artikel … wenigstens beginnen.

2 Gedanken zu „Zeit“

  1. moin irgend! :)
    stimmt, bei mir starben alle, die ich persönlich kannte, auch am telefon. und rio starb beim erzählen eines freundes. hngsn. hab‘ also noch keine persönlichen tode zu verzeichnen, quasi. nn ich aber auch nicht scharf drauf.

    übrigens hatte ich einen ganz kleinen bandscheibenvorfall, quasi, ein fällchen.
    hat aber durchaus gereicht, dankeschön, und es ist auch prima, wenn’s mir jetzt schon wieder so gut geht. würde mein rechter fuß mal wieder ganz aufwachen (ist halt halb eingeschlafen), dann müsste ich nicht mehr humpeln und alles wäre ziemlich ok. so aber bleibt das ganze durchaus einprägsamer in erinnerung.

    r-rollen, ich sach der’s, genau, die zeit ist wirklich schon wieder angebrochen.

    verirrst du dich eigentlich nochmal irgendwann nach berlin?

    fracht sich
    die unentwehcht
    mit ’nem lieben gruß ans einsame gehöft!
    :)-

  2. Der Tod kam bei mir meist plötzlich und immer wenn er seine bleichen, lippenlosen Zähne zeigte, ging jemand der mir nahe stand.
    Rios Tod habe ich auf irgendeiner Autobahn erlebt. Bei ca. 90 km/h und den König von Deutschland danach laut mitgesungen.

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