Ouh Shalala-singend auf dem wüsten Acker östlich des einsamen Gehöfts. Eine gar groteske Situation wie Endzeitstimmung. „Morgen, Morgen: was wirst du bringen?“ murmele ich, stolpere durch diese Erdwüste, die tagein tagaus von LKWs und riesigen Raupen frequentiert wird, so dass man kein Auge zu kriegt. Direkt neben meinem Wohnzimmer. Quasi in meinem Bett herrscht reger Baustellen-Verkehr. Man darf berechtigter Weise fragen: warum schläft der Typ tagsüber? Nujaaa, das ist so eine Sache. Die ist mir morgens passiert und weitet sich seither aus. Prolaps kehrt mit aller Wucht zurück, was mich bestürzt, aber mich erinnern macht an einen Spruch, den ich kürzlich entweder geschrieben habe oder nur gedacht: „Du musst es ertragen.“ Ertragen ist, neben den Standardlösungen für schlimme Lebenssituationen – überstehen und ignorieren – die dritte, selten in Betracht gezogene Möglichkeit.

Im Westen hing eine schwarze Wolke vor der Sonne. Das ist keine Theatralik. Das war tatsächlich so, ringsum gesäumt von rotem Abendhimmel stand diese herzförmige düstere Wolke über der Szene und ich sang das Lied, es klang wie Blues. Mein einziger Ausflug an diesem Tag führte mich in diese Erdwüste, gebeugt, humpelnd.

Alles in Allem bin ich guter Laune, denn ich bin beweglicher, als letztes Jahr, setze mit der Reha schon am Mittwoch ein, hoffe, nächste Woche wieder ein halbwegs erträgliches Leben führen zu können.

Nun weiß ich, der Prolaps ist mein Meister. Nichts habe ich im Griff und nichts kann ich kontrollieren. Der Prolaps schwebt immer über mir und kann mich in jeder Minute meines Lebens packen. Ich bin ein Spielball der Zufälle. Endlich verabschiede ich einige Illusionen: Tschüss große Fahrradreise! Auf nimmer wiedersehen freischaffende Kunst. Bleibe im sicheren Hafen des Lohnerwerbs.

Und das ist auch gut so.

Ich fühle mich aber in der Lage, irgendwann nach Santiago zu laufen. Immerhin. Laufen und Lesen, das sind die beiden Dinge, die der Prolaptische noch tun kann. Und so tue ich es auch, genau wie letztes Jahr, laufe den Weg vor dem einsamen Gehöft auf und ab – einmal hoch und runter macht einen Kilometer. Habe ich gerade so geschafft vorhin. Ansonsten liege ich im Bett, höre den Baumaschinen zu und lese Vargas- und Nesbo-Krimis.

Bloggen lasse ich erstmal sein haut irgendwie hin.

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