Mach' das was du machst, weil du es machen willst

Meinem Schreibtipp im Eintrag untendrunter folgend, krame ich in der Erinnerung, was denn heute ein besonderes Ereignis war, an dem ich mich festbeißen könnte, es ausformulieren und hier bloggen. Mancheiner wird sagen: Pah, Alltag, da passiert doch nichts. Nichts ist es Wert, in einem herkömmlichen Menschenleben, besonders beleuchtet zu werden und auf die Bühne der Literatur gebracht zu werden.

Das stimmt nicht. Ich glaube, fast alles kann beschrieben werden. Sowohl Kloputzen, als auch Geschirrspülen kann mit einiger Phantasie in ein schönes Schriftwerk verwandelt werden.

Die Künstler auf dem Jazzfest kochen auch nur mit Wasser. Vielleicht beherrschen sie ihre Instrumente ein bisschen besser, als Hobbymusiker. Das heißt aber nicht, dass es keine Hobbymusiker gibt, die nicht genauso gut sein können. Im Rampenlicht stehen ist nichts besonderes. Somit ist es für eine Geschichte auch nichts besonderes, wenn sie aufgeschrieben wird und dadurch erst eine Geschichte wird.

Alleine die Feuerwehrmänner, die immer um 18 Uhr auftauchen und die Halle inspizieren, damit auch keine Brandgefährdung herrscht, sind einen Satz wert: sie drehen ihre Runde, befummeln den Bühnenvorhang, starren auf die Feuerlöscher, heben sie hoch, stellen sie wieder hin, flanieren durch die Stuhlreihen und peilen mit dem Daumen, ob die Abstände groß genug sind. Manchmal bleiben sie vor einer Säule stehen und starren zur Decke, so dass ihre Mützen einen 45 Grad Winkel zum Boden bilden. Ein Bild wie aus einem kubistischen Gemälde.

Während des Soundchecks der Bigband aus dem hohen Norden, setzte ich mich in den Zuschauerraum. Ich war müde. Neben mir saß der Betreuer der Sanitären Anlagen, Herr M., den sie alle nur M. nennen. Nie nennt ihn jemand Herr M., oder gar beim Vornamen, F. Ich bin der Einzige der es tut und ich vermute, dass ich auch der Einzige bin, der seinen Vornamen kennt. Ich dachte über die verschiedenen Typen nach, die hier arbeiten. Allen voran den Caterer. Caterer scheinen mir eine Art moderne Rosstäuscher zu sein. Der Caterer hatte mich kurz zuvor abgewiesen, als das Essen zur Neige ging und ich für die Künstler etwas nachbestellen wollte: „Wir liefern nichts mehr“, sagte er kühl, „mehr war nicht bestellt“. Caterer catern nicht, damit die Leute satt werden und zufrieden sind, sie tun es, um sich die Taschen vollzustopfen. Da kam mir in den Sinn, dass ich einmal geschrieben habe, die Putzfrau putzt nicht, um etwas sauber zu machen, sie tut es, um Geld zu verdienen. Damals fabulierte ich, dass kaum ein Mensch eine Sache um ihrer selbst willen tut, sondern in der Vielschicht der Gründe fast immer ein Grund dominiert: das Geld.

Wie groß war das Gelächter, als Klomann F. sagte, er putze die Klos gerne. Das konnte niemand von den Kollegen verstehen. Klomann F. wird natürlich bezahlt. Obendrein stellt er im Sanitärbereich ein Körbchen auf einen Tisch, in dem, so sagte er letzten Sonntag, doch tatsächlich 36 Euro lagen. Guter Schnitt. Ich mag den Mann. Er hat mir letztes Jahr ein Feuerzeug mit Prägung geschenkt.

So dudeln in meinem Kopf diese Gedanken, warum so wenige Menschen die Dinge machen, die sie machen, weil sie sie tun möchten.

4 Gedanken zu „Mach' das was du machst, weil du es machen willst“

  1. Lieber Herr Irgend

    Sie werden Ihrem Anspruch vom Oktober 2007 in allen Belangen gerecht! Das muss ich jetzt sagen, weil ich es tun möchte. Und auch Ihren „Geschichten“ merkt man an, dass Sie möchten, was Sie da schreiben. Das ist schön!

    Gruss, Quer

  2. Seit Wochen stille Mitleserin deines Blog will ich nun, endlich, loswerden, was ich jedes Mal denke, wenn ich dich lese: DANKE!

    Du triffst den Nagel auf den Kopf. Immer wieder.

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