style=”baugeschichte:embedded; tagebuch:einfachso; pipapo:#c0c0c0;”

Wie es hier aussieht. Das einsame Gehöft liegt unter trägen Wolken. Jemand hat Regen gemeldet. Darauf warte ich jetzt. Die Pappeln im Westen zittern. Mein Schwager, der Jäger wird sich nachher in den Hochsitz bequemen um einen Fuchs zu erschießen. QQlka, der mal kurzfristig unterwegs war, ist wieder eingetrudelt. Er näht an der ewigen Hose. Eine uralte Jogginghose mit ausgebeulten Knien und unzähligen Löchern. Sie ist ihm lieb und teuer. Vielleicht ist er Hosenfetischist?

Die Knie verstärkt er mit Leinen. Das sieht schick aus, wenn es weiß durch den ansonsten schwarzen Stoff schimmert. Ein geradezu mantrisches Dasein, wie er unter dem Vordach auf der Freilandcouch sitzt. Katzter liegt in der Ecke. Journalist F. hat wieder einmal die Wahrheit geschrieben über das unsäglich gefräßige Vieh. Ein echter Sonntag ist das heute. Wenn mein Leben ein Fluss wäre, dann wäre es sicher der Rhein zwischen Mannheim und Worms. Ungebremst, langsam, gemütlich, ruhig. Wären da nicht die Lastkähne, die auf mir rumschipperten und für Unruhe sorgten. Ich fordere ein Sonntagsfahrverbot auf dem Rhein des gelebten Lebens!

Vorhin im Wald spaziert und das Totholz betrachtet. Seit mein Vater die kroatische Winde ersteigert hat, ist er ununterbrochen in der Schlucht und zerrt viertonnenschwere Eichen und Douglasien auf den Weg. Das passt mir insofern nicht, als ich eigentlich vor hatte, den Raupenfahrer M. zu engagieren, den schmalen Waldweg zu verbreitern.

Ich kann einfach nicht mehr mit ansehen, wie mein Vater den 50er-Jahre Porsche Traktor auf zwei Rädern durch die Schlucht steuert. Er lenkt das Ding, Vorderräder in der Luft, indem er die Hinterräder einzeln bremst. Irgendwann geht das schief.

Zustände herrschen hier. Das Gehöft ist eine 50-jährige Baustelle. Nie ist etwas fertig geworden. Die Stallwände zum Beispiel, immer noch unverputzt. Alles was ich anpacke perlt blasengleich wie in einer Sprudelflasche. Blasen der Ordnung im Chaos. Aber vielleicht ist das Leben generell so: man leiert Projekte an und beginnt und stellt irgendwann fest, das Ding ist zu groß und es gibt so viel Neues, was man auch noch tun könnte und so häufen sich die Baustellen. Davon träume ich: eines schönen Tages alle Projekte zusammen zu bringen – im Prinzip gibt es ein Masterziel, das erreicht werden kann und wohl auch wird. Der Weg ist lang und von krähenfußähnlich grinsenden Irrwegen begleitet.

Wenn man zurück blickt, kommt einem alles, was man getan hat logisch und konform vor. Aber man befindet sich ja dummerweise in der Gegenwart und in der Gegenwart sind die Bausteine wirr verstreut, man muss suchen, fummeln, fügen, so entsteht Ganzes im Angesicht ungewisser Zukunft.

Die Stadtlinks besuchten mich gegen Fünf. Man debattierte über den örtlichen Kunstclub, schmunzelnd ob der Rivalitäten.

Ich weiß, dieser Eintrag ist krasse Tagebuchtechnik, sprunghaft – am Besten, die geneigte Leserschaft stellt sich ein Haus vor, das noch nicht gebaut ist. Häuser, die noch nicht gebaut sind, durchleben diverse Stadien: Zuerst existieren sie als vager Entschluss in den Köpfen der Bauleute. Kann ein paar Monate dauern, bis das Geld zusammen gekratzt ist, Baugrund gefunden, und die Bauleute – in der Regel Ehepaare um die 30 – schon ein gewisses Bild vom Häuschen haben. In Stadium Zwei geben sie ihre Träume dem Architekten. Der rechnet, zeichnet, printet und kommt zu Beginn von Phase Drei in die Mietswohnung der Bauleute, rollt die Pläne auf dem Tisch aus und erklärt ihnen den Grundriss, dramaturgisch sinnvoll, denn mit dem zweiten Plan entrollt er die schön gemalten Seitenansichten von Norden, Süden, Osten und Westen mit einem Bepflanzungsplan des Gartens, pi, pa und po.

In Phase Drei karren Laster Steine und Zementsäcke auf das Grundstück, eine leere Grube gähnt, ein Kran wird gestellt. Diese Phase ist nicht sehr ansehnlich – und somit für die Bauleute ziemlich aufregend.

Ich überspringe die dynamischen Zwischenphasen 4A, B und C, sowie Fünd, die aber durchaus ihren Reiz haben, weil sich auf Baustellen täglich etwas tut – von der Grundsteinlegung bis zum Richtfest. Und komme direkt zu Phase Sechs: das Haus ist fertig, die Mietswohnung ist gekündigt, Die Möbellaster rollen an und die Hütte wird eingerichtet.

Ein paar Jahre geht das gut bis zur Phase Sieben: Scheidung. Die Schulden sind erdrückend. Der Bauherr trinkt, die Baufrau amüsiert sich in Swingerclubs, Die Baukinder stehen unter Ritalin oder pöbeln.

Das Haus wird verkauft.

Das Schicksal der Bauleute verliert sich im Dunkel gesplitteter Familienzukunft.

Wie jetzt die Geschichte weitergehen soll, fällt mir gerade nicht ein, deshalb zurück aufs einsame Gehöft. (Ich hatte ursprünglich überlegt, die Baugeschichte zu extrahieren und als standalone Blogeintrag zu posten, aber das ist mir zu kompliziert.)

Das Einsame Gehöft ist seit drei Generationen in Linkscher Hand. Die Links haben es gebaut, sie haben es bewirtschaftet, sie leben nun in Harmonie zwischen Vöglen, Katzen, Bilchen und unheimlichem Gezücht, welches nächtens über den Hof streicht, keiner hat dieses Gezücht je gesehen. Ja.

Und das könnte immer so weiter gehen, denn die Scheidung vor Phase Sieben kann mir ja z. Zt. nicht passieren.

PS: Der Titel hat mir einige Schwierigkeiten bereitet, deshalb hab ich ein erfundenes style-Attribut benutzt, wie man es in HTML-tags benutzt.

4 Gedanken zu „style=”baugeschichte:embedded; tagebuch:einfachso; pipapo:#c0c0c0;”“

  1. Wir besorgen Deinem Papa ein schweres Kaltblut, mit dem er die Stämme aus dem Wald ziehen kann und damit das Huftier nicht so einsam ist, bekommt es ein Pony als Freund, das dem Neffen dann als Reittier dient.

    Der Linkenhof wird zum Pferdeparadies (c;

    Die Waldarbeiter hier sind nicht so vorsichtig wie Dein Papa, hier werden regelrecht Autobahnen in den Wald geschlagen, befestigt mit tonnenweise Schotter – weder fuß-, und pfoten- noch huffreundlich.

    Und über Umwegen schadet das auch wieder den Autoreifen.

    Schönen Tag wünsche ich Dir!

  2. .. mich in einem Satz mit solch großen Persönlichkeiten zu nennen, schmeichelt mir natürlich :-) Danke.
    Und ich werde mein Bestes geben.

  3. Mein neuer Lieblingssatz: „Wenn mein Leben ein Fluss wäre, dann wäre es sicher der Rhein zwischen Mannheim und Worms.“ Genial.
    Heute wieder keine Bilder geschickt. Aber ich vergess es nicht. Heute seit 5 Monaten zum ersten Mal wieder so richtig in der Blogwelt unterwegs.
    Innerhalb der nächsten 5 Monate wirds vielleicht auch was mit den Bildern.
    Grüße an Paul und die Hühner
    frau freihändig

  4. … eine kleine Reise in die Vergangenheit! Was für ein weiser Artikel! 7,5 Jahe her und siehe da: der Hof ist noch ungeschieden und die Galerie ist verputzt! Steter Irgend malt den Stein – mit Links.

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