Flussnoten – Wandern am Rhein, zweite Woche | #flussnoten #ibcoco

Wenn Ihr mich fragt, wo warst du heute vor einer Woche, ich müsste passen. Tage, Stunden und Minuten spielen keine Rolle mehr. Der Alltag hat sich völlig aufgelöst und ist einem wandernden Dahintreiben am Rhein gewichen. Auch die Alltagszipperlein, die einen hin und wieder plagen, Verspannungen, Kopfweh, brennende Augen, sind wie weggeblasen. ‚Die heilsame Kraft der Reise‘, titelte Mitbloggerin und Mitwanderin Sofasophia gestern in unserem gemeinsamen Blog Flussnoten. Wie der Rhein, ist es gewachsen Eintrag um Eintrag, Seite um Seite. Stark geworden ist es. Ein richtiges Buch in Blogform.Wir sitzen gerade am Rheinstrand fast schon in Liechtenstein. Hinter uns ragen zig Meter hohe Felsen, um uns abgestorbene Bäume, Efeu, Beerensträucher, Gras, Sand und Kies, eine Feuerstelle. Unser Trinkwasser haben wir aus dem Rhein geschöpft und abgekocht. Es ist sandig. Seit Chur, der Kantonshauptstadt von Graubünden, wollen wir es nicht mehr einfach so trinken, obwohl man das wahrscheinlich gefahrlos tun kann.

Die Woche war unheimlich anstrengend. Ab Ilanz brachte die Rheinschlucht auf schmalen, teils gefährlichen Wanderpfaden ein einziges Auf und Ab mit sich, so dass wir wohl mehr Meter kraxeln mussten, als am allerersten Reisetag. Allerdings in Raten. Hier mal 200 Meter aufwärts, dort wieder runter zum Fluss, zum Einkaufen hoch ins nächste Dorf usw. In der Schlucht gibt es keine Läden, aber Bahnhöfe, die die Rhätische Bahn bedient.

Ilanz am letzten Sonntag. Erste größere Siedlung, eine Stadt sogar.

Richtig geschäftig wird das Rheintal aber erst ab dem Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bei Reichenau. Das Tal ist nun breiter. Es gibt Felder. Einzelne Gehöfte. Monströse schwarze Silos. Kieswerke. Stromleitungen. Die Autobahn summt, übertönt gar den gebändigten Fluss, der immer gerader wird, Begradigungen sei Dank. Spätestens ab Chur hat der Mensch die totale Kontrolle über Fluss und Tal übernommen. Stauwehre. Noch mehr Kieswerke, Industrie und Handwerksgebiete, Motorradhändler, Baufirmen, Dienstleister, ein Biotop bei Zizers, das per Menschengesetz eigens gebaut werden musste, um die Fläche zu entschädigen, die ein Gewerbegebiet nahe Landquart vereinnahmt.

Heute war der erste Tag, an dem wir nur am Fluss wanderten. Er heißt hier Alpenrhein bis zu seiner Mündung in den Bodensee. Schnurgerade gings auf dem Rheindamm flott voran. Rheinüberquerung 18 bei Landquart und 19 bei Bad Ragaz. Das Flussbett ist vielleicht dreißig, fünfzig Meter breit. Vorbei an Heidiland und der Heidigemeinde Maienfeld wanderten wir und landeten unerhalb Fläch in einem wunderbaren Naturgebiet. Ein Fest für Vogelkundler. Rechtsrheinisch steigen Felswände senkrecht auf. Hier hört man keine Autobahn, nur Vögel, Insekten und den Fluss.

Schätzungsweise hundert Kilometer, vielleicht hundertzwanzig oder noch mehr sind wir schon gewandert. Noch eine Woche bleibt uns für die etwa sechzig Kilometer bis zum Bodensee.

4 Gedanken zu „Flussnoten – Wandern am Rhein, zweite Woche | #flussnoten #ibcoco“

  1. he irgendlink,
    eine der drei georderten karten ist schon angekommen. ich mußte zwei mal hinschauen bis ich die spiegelung erkannte. bin gespannt wie die beiden anderen aussehen!
    wünsche euch weiterhin guten reisewind.
    ich schaue mir heute pfahlbauten und die hintergrundkultur in oberschwaben an.
    so long
    hundefaenger krd

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