Flussnoten ein live gebloggtes Buch vom Rheinwandern | #ibcoco #flussnoten

Die erste Reisewoche am Rhein von der Quelle bis zur Mündung. Eine Zusammenfassung.

Die offizielle Rheinquelle entspringt im Tomasee, ein paar Fußballfelder großer Gebirgssee in den Alpen. Unweit des Gotthards. Unweit von Andermatt. Man erreicht den ca 2300 Meter hoch gelegenen See nur zu Fuß über holprige Gebirgspfade. Die nächste Bahnstation ist der Oberalppass, etwas über 2000 Meter hoch. Ein schlichtes Wartehäuschen, Fahrkartenautomat, paar Sitzbänke. Kreischend keucht die Gotthard-Matterhornbahn hinauf. Am Bahnhof weisen gelbe Wanderwegschilder verschiedene Routen aus. Bis zum Tomasee kraxelt man 1:40 Stunden.
Soweit die Theorie. In der Praxis verirren wir uns, Frau SoSo und ich auf die Profiroute, die über den mehr als 2700 Meter hohen Pazzolastock und die Badushütte zum Tomasee führt. Nicht ungefährlich. Ein Fehltritt und man purzelt zig Meter den Steilhang hinab. Im oberen Teil müssen wir sogar Schneefelder durchqueren und über einen hunderte Meter langen Grat balancieren. Das Ganze mit je ca. 15 kg Gepäck im Rucksack.

Am zweiten Tag erreichen wir, nach Zeltübernachtung neben der bewirtschafteten Badushütte endlich die Rheinquelle. Steigen über Geröll und durch Matten weiter ab. Enzian. Es gibt ihn noch! Die Alpenflora ist exorbitant schön.

Nicht immer am Rhein verläuft der Trail, macht Windungen, aber ab etwa Tschamut folgen wir mehr oder weniger dem berühmten Fluss, den man auch Vater nennt.

Die Rheinquelle ansich gibt es eigentlich gar nicht. In der Gegend östlich des Oberalppasses heißen fast alle Rinnsäler, die sich im Tal vereinen irgendwas mit Rein oder Rain.

Wir sind mit Zelt und Kocher unterwegs, zelten meist wild, was bei Campingplatzpreisen um 40-50 Franken den schmalen SchriftstellerInnengeldbeutel schont. In der Schweiz gibt es in den meisten Kantonen eine Art Jedermannsrecht, das Wildzelten für eine Nacht erlaubt. Pauschalisieren kann man das allerdings nicht. Wie sagt man so schön hierzulande: Es ist von Kanton zu Kanton verschieden.

Als sich das Wetter verschlechtert, vier Tage lang von Dienstag bis zum gestrigen Freitag, buchen wir uns doch auf Campings ein. Der erste Campingplatz am Fluss liegt in der Nähe von Sedrun mit Blick auf die Baustelle des Gotthard Basistunnels. Kaum vorstellbar, dass noch vor wenigen Monaten unterhalb des Dorfs auf einer Wiese ein Containerdorf für 600 Gastarbeiter stand. Nun ist die Wiese wieder grün. Die Baustelle vernarbt. Nur vereinzelt fahren Transportlaster und Raupen. Den Abraum, der nicht verwertbar war hat man auf Geländen östlich Sedruns ausgebracht und allfällige Mulden in den Bergwiesen verfüllt.

Innerhalb von etwa zwanzig dreißig Kilometern steigen wir gut 1500 Meter ab. Der Rhein nimmt langsam die Gestalt eines Gebirgsflusses an. Erste Stauwehre, Kraftwerke. Dichter Föhrenwald. Klare Luft. Am vergangenen Donnerstag überraschte uns ein Gewitter nahe Mompé Medel. In dem Bergdorf gibt es weder Gasthof, noch Unterkunft, so dass wir in unserer Not bei einem Bauern fragten, ob wir neben der Scheune im Windschutz zelten dürfen. Glücksgriff. Er habe gerade erst die Kühe auf die Alm gebracht und den Stall mit Hochdruckreiniger gesäubert. So verbringen wir eine eiskalte Nacht im Kuhstall.

Es sei erwähnt, dass der Stallgeruch nur sehr langsam aus der Kleidung und den Schlafsäcken verfliegt.

Seit heute ist das Wetter besser. Sonne pur. Wir lagern bei einem Grillplatz nur etwa 850 Meter hoch. Auch die Temperatur steigt. Die Schneefallgrenze lag kurzfristig bei ca. 1500 Metern. Nicht auszudenken, unter diesen Bedingungen den Pazzolastock überwinden zu müssen.

Aktuell bloggen Frau SoSo und ich live und täglich in dem eigens für das literarische Projekt eingerichteten Blog http://flussnoten.de Außerdem gibt es mehrmals täglich Statements und Kurioses von uns auf Twitter zu lesen. Die Twitteraccounts sind in das Blog integriert und aktualisieren automatisch.

Ziel der Wanderung ist der Bodensee, der Luftlinie nur noch knapp 100 Kilometer entfernt ist. In Tagesetappen von etwa 10-15 Kilometern Länge werden wir etwa Ende Juli das große schwäbische Meer erreichen.

In einem weiteren Schritt werde ich dem Rhein per Fahrrad bis zur Nordsee folgen.

Aus den Reiseberichten machen wir im Herbst ein eBook.

Kanufahrer auf dem Vorderrhein nahe Trun
Kanufahrer auf dem Vorderrhein nahe Trun

6 Gedanken zu „Flussnoten ein live gebloggtes Buch vom Rheinwandern | #ibcoco #flussnoten“

  1. Es macht Spaß, euch beiden zuzulesen. Das verlängert die eigene Urlaubszeit enorm. Und ich bin immer wieder verblüfft, wie schnell doch die Zeit bei eurer Wanderung vergeht.
    Gutes Reisen!

  2. Ach ihr. Abenteurer. Entschleuniger. Rheinfolger. Schweizgänger. Kuhstallschläfer. Waldtoilettenfinder. Flußüberhüpfer.

    Ich bin so dankbar, euch kennen zu dürfen.

  3. Und schwupps hat Herr Irgendlink ein neues Projekt. Ich freue mich!
    Hach, wie gerne ich euch folge, euch und dir und ihr, denn ihr seid ja Zwei und das ist gut so!
    herzliche Grüsse (an euch Beide – lach und weg)
    Ulli

Kommentare sind geschlossen.