Freiheit

Eine der faszinierendsten Darstellungen von Freiheit findet sich in einer Folge der Simpsons. Die gelbe amerikanische Zeichentrickfamilie. Opa Abe Simpson ist in einem Altersheim untergebracht. Aus irgendeinem Grund verschwindet das Pflegepersonal, das die alten Leute stets ruhig stellt und ihnen Vorschriften macht. Nun humpeln die Alten auf Stöcken und Rollatoren vor die Schiebetür des Heims und rufen im Chor, Hurra, wir sind frei. Sie bleiben abrupt stehen und starten in eine sonnige, friedliche Welt jenseits der Mauern. Stille. Stillstand. Nichts. Bis jemand kleinlaut fragt, Und was sollen wir jetzt tun?
Um sechs Uhr wach mit dieser Szene im Kopf, fabuliert mein Hirn über den Begriff Freiheit. Stellt die Idee, Freiheit ist, viele Wahlmöglichkeiten zu haben, der provokanten Idee gegenüber, Freiheit ist keine Wahlmöglichkeiten zu haben und garniert das Ganze mit ser Idee, Freiheit ist, alle Möglichkeiten zu haben, aber keine davon zu wählen. Der Traum ist abstrakt. Um acht stehe ich auf, sattele das Radel, stoße vier Bar Luft in die Reifen, gieße noch einmal den Garten, füttere die Katze, instruiere den Major Domus – ich nenne ihn Higgins, er wird im Atelier nach dem Rechten schauen – Higgins, sage ich, Du bist frei, Du kannst tun und lassen was Du willst.
Nun schon zehn Kilometer im Sattel, Hornbach, kurz vor der französischen Grenze. Ein erster Blogeintrag noch im deutschen Netz.
Bild: ein verlassenes Grundstück mitten in Zweibrücken. I like it.

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Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

7 Gedanken zu „Freiheit“

  1. Da haben wir den Salat:
    Freiheit gibt’s gar nicht
    gibt’s doch
    nicht
    doch
    nicht
    doch!

    Hab eine gute Reise, hör immer gut auf Dich und lass Dich nicht unnötig von Äußerem in Deiner Freiheit beschneiden. Vor allem in Zeit-Dingen (mir gefällt Dein vorheriger Beitrag sehr.)

    Und ganz lieben Gruß auch an die Weg- und Zielgefährtin :)

    1. hach, liebe ff., dich mal wieder (hier) zu lesen, ist wie eine umarmung. und die schicke ich dir. sag, habe ich dir zum geburtstag geschrieben? oder nicht? oder nur an dich gedacht? ach, mein gedächtnis … mail folgt.
      big hug per blogkomment einstweilen
      d.

    2. Dankeee. Gerade sitze ich vor einer Kapelle in Mouterhouse, versuche einen Stachel aus dem Finger zu ziehen und über mir hängt eine Sonnenuhr, auf der geschrieben steht: Die fliehenden Stunden des Lebens. Rührend.

  2. Zuerst wollte ich über Deine Baumarkt-Affinität kalauern (Hornbach). Dann dachte ich an dieses open-air-Konzert von Westernhagen (das Einzige, das zählt).

    Aber jetzt …

    Freiheit? Was nützt mir alle Freiheit dieser Welt, wenn ich sie mir nicht leisten, sie nicht bezahlen kann? Wenn mir sogar das Lebensnotwendige fehlen würde, sollte ich tatsächlich meine Freiheit leben?

    Wenn mir allerdings … Nein, stimmt ja nicht. Lieber weiß ich, daß ich nur eine eingeschränkte Freiheit habe, in dieser aber sicher überleben kann. Wie früher. Freiheit im Rahmen der (sicheren) Möglichkeiten — ist das Feigheit?

    1. Emil, das Thema ist so komplex. Und wahrscheinlich ist Freiheit sowieso für jeden unterschiedlich? Was das Materielle betrifft: es gibt viele reiche Leute, mit denen ich nicht tauschen wollte, eigentlich will ich mit niemandem tauschen. Jetzt bei Schleuse 46 im Welterwachen am Rhein-Marne-Kanal schon gar nicht.

    1. Das ist so. Was Emil schreibt hat aber auch was. Die materielle Beschränkung ist ein Hemmnis definitiv. Aber hemmender ist wohl noch, um jeden Preis dem Immermehr hinterher zu hecheln.

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