Ums Meer Projektstart Mittwoch 28. März

Kurz vor dem Aufbruch auf die dreimonatige Nordsee-Umrundung per Radel. Im Atelier und der Wohnung liegen überall Gegenstände, Zelt, Schlafsack, Werkzeug, Ladekabel, eine Kiste mit komprimierten Lebensmitteln, nur das Allernötigste.
Nun müssen noch die GPX-Files ins GPS oder im Kopf die halsbrecherische Entscheidung getroffen werden, ohne GPS loszufahren. Und ohne Karten. So wie Früher. Immer erst unterwegs nach dem Weg schauen, sich treiben lassen. Darauf wird es auch letztlich hinaus laufen.
Obschon auf meinem Schreibtisch ein Zettel liegt, auf den ich die ersten Etappenziele bis Boulogne sur Mer gekritzelt habe: Saarlouis, Esch sur Alzette ins Gaalgebirg auf 400 Metern Höhe – was wohl der höchste Punkt der Reise sein wird bis Schottland, irgendwann – Sedan, Hirson, Arras und Boulogne. Tja, Liebling, so wird meine Woche.
Vielleicht.
Nichts ist klar. Alles ist offen. Die grobe Skizze, die in der Projektbeschreibung eingefügt ist mit der Europakarte, ist abfotografiert von einem 20 Euro-Schein, die Kontur, die den Nordseeküstenradweg zeigt, ist einkopiert in die Bilddatei.
Gestern waren SoSo und ich bei dem befreundeten Künstlerpaar B. Es gab die beste Lasagne der Sickinger Höhe. Fast schon eine Henkersmahlzeit. Ich bin ungewöhnlich nervös dieser Tage. So nervös wie noch nie vor einer Reise. Wohl, weil sie so sehr an die große Glocke gehängt ist, mit dem Presse und Info-Backend, das SoSo aufgebaut hat. Ihre Arbeit trägt unglaubliche Früchte. Die Zeitungen berichten, zunächst nur regional in Zweibrücken. Noch habe ich ja nichts geleistet, noch ist die gesamte Runde ein Hirngespinst, Fiktion, die kurz vorm Wahrwerden steht. Aber durch die Zeitung ist der örtliche Fernsehsender aufmerksam geworden und bittet zum Studiobesuch, wenns klappt noch morgen. Auch ein Radiotermin steht noch an. Puuuh. Das Leben könnte so beschaulich sein, wenn ich wie gewohnt im Stillen reisen würde.
Um der Livereise-Sache willen scheint es mir dringend nötig, die Kreise ein bisschen größer zu ziehen. Somit ist es gut so wie es ist mit dem vielen Tamtam.
Künstlerin B., die die gestrige Henkers-Lasagne kredenzt hatte, regt einen bizarren Gedanken an: „Du solltest etwas mitnehmen auf die Reise und es jemandem überbringen.“-„Hä?“, zucke ich ratlos die Schulter, „Wassn mitnehmen und wem bringen?“ – „Das weiß ich auch nicht“, antwortet sie, „aber du solltest das machen, und das, was dir der Jemand gibt, dem du das Mitgenommene übergibst, das bringst du dann zu mir.“ Die Situation ist geradezu Paulo-Coelho-esque, der Tischwein war schwer und stimuliert meine Phantasie: Werde ich also etwas mitnehmen auf die Reise, von dem ich nicht weiß, was es ist, nur, dass es wertvoll ist, und das ich es jemandem überbringen werde, den ich weder kenne, noch eine Ahnung habe, wann und wo ich ihm begegne. Und er, oder sie, wird sich zu erkennen geben. Puuh. das fängt ja gut an.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

11 Gedanken zu „Ums Meer Projektstart Mittwoch 28. März“

    1. Gestern hat SoSo das Bild gemalt, dass das Endlich-loskommen sich anfühlt, wie das erste Mal im Schwimmbad auf dem Dreimeterbrett stehen. Gaaanz langsam tasten wir uns vor bis zum Rand der Reise, ja, auch sie, die ja im selben Gewohnheitsgewebe lebt, wie ich. Und auch andere Menschen in meiner Umgebung, Gewohnheitsgewebsnachbarzellen quasi, sind etwas unruhig.

  1. Werde immerzu gucken, wo Du gerade bist und ob Du die dicke Wollmütze unterm Helm hast….Ich finde das so STARK, was Du vorhast, beeindruckend, beinah der Wahnsinn. Alles Gute. Sonja

  2. Ich musst auch sofort an Coelho als ich dieses las, ja mach das! Das hat doch was.
    Toi, toi, wir halten die Daumen, die Buchfeen halten ihre Flügel gekreuzt und wir werden dich gedanklich begleiten udn immer wieder schauen wo du gerade steckst.. Gute Reise! LG Dina

    1. Dankeee, Ihr Lieben. Das ist ja wie Rückenwind bergab mit Euren Mutmach-Kommentaren. Und der Zwischenstopp in Cley ist eine unglaubliche Stütze, Dina.

  3. klingt nach… „im Stillen reisen“ JETZT ist der ungewohnte Trubel, aber ich bin überzeugt, dass es in den drei Monaten auch viele stille Momente geben wird.

    oh ja, soooo spannend, was du da vorhast und ab morgen tun wirst!
    liebgrüß u.

  4. Pingback: Auch wenn schon wieder Dienstag ist… « mein ganz persönliches Tohuwabohu
    1. jaaa, das ist gar nicht so einfach. also, angefangen hat es ja vor einem jahr *lach* aber konkret: am einfachsten findet sich der anfang, wenn du rechts auf die ums-meer-category klickst. dann landest du hier: http://irgendlink.de/category/umsmeer/
      zugegegebn, von da aus heisst es rückwärts scrollen. der „fluch“ von blogs.
      viel spass beim weiterlesen
      liebe grüsse, sofasophia

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