Der Kontrolleur im Schafspelz

Niedertracht ist eine Eigenart, die nur wenige Menschen beherrschen – wer es beherrscht, könnte Fahrkartenkontrolleur werden.

Gerade rechtzeitig wieder gesund. Heute erster Tag voller Kraft. In weiser Voraussicht habe ich, schwer hustend einen Trip nach Nürnberg gebucht, um weit draußen in der fränkischen Schweiz mit dunkel gekleideten Freunden einen Spaziergang zu machen. Ich muss verrückt sein, eine Bahncard 25 deswegen gekauft zu haben.

Nachdem ich es getan hatte, erzählte mir Freund QQlka am Telefon, was ihm widerfahren war und weshalb er seine Bahncard wutentbrannt am Schalter in Mainz dem Servicemenschen auf den Tisch geknallt hat:

Irgendwo in Rheinhessen an einem Fahrkartenautomaten versuchte er mittels 20-Euro-Schein eine Fahrkarte zu kaufen. Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass man Fahrkarten, die nur fünf Euro kosten nicht mit 20-Euro-Scheinen bezahlen darf, da man in der Regel 5-Centstücke als Wechselgeld erhält. Da könnte ja jeder kommen.

Also fragt QQlka das freundliche Kontrollpersonal auf dem Bahnsteig, wie er denn nun mit dieser Situation umgehen solle. Kein Problem, sagt das freundliche Kontrollpersonal im Schafspelz, steigen sie erstmal ein. Der Zug legt ab. Das freundliche Kontrollpersonal im Schafspelz kontrolliert die Fahrgäste, bittet QQlka um seinen Ausweis, verpasst ihm ein Ticket für 45 Euro wegen Schwarzfahrens. Ein Riss im Schafspelz zeigt die grimmige Fratze des Kontrolleurs.

Nun ist diese Geschichte natürlich aus zweiter Hand. Ich habe sie nicht selbst erlebt. Aber ich lege meine Hand ins Feuer, dass QQlka, mein bester Freund, in dieser Sache nicht lügt. Ich verstehe diesen Kontrolleur im Schafspelz nicht. Ist er pervers, krank, schizophren, oder zahlt die Deutsche Bahn ein Quotengeld für erwischte Schwarzfahrer?

Wie weiter? Nun, Herr Irgendlink geht mit gemischten Gefühlen auf die Reise. Da in Stuttgart beschleunigtes Umsteigen angesagt ist (das geben die manchmal genauso in den Lautsprechern durch, beschleunigtes Umsteigen, tse (ist nix für Omis und Herzkranke)), habe ich sämtliche Geocaches ausgedruckt, die es im Umkreis vom HBF Stuttgart gibt, um die mögliche 2-stündige Wartezeit zu überbrücken. Da die Rückfahrt am 7. ist und Streiks drohen, weiß ich nicht, ob ich je zurück kehre.

Autor: Irgendlink

Konzeptueller Reisekünstler, Artist in Motion, Appspressionist. Irgendlink nutzt mobile Technik in Vereinigung mit Servertechniken, um literarische, fotografische Kunstwerke zu kreieren.

Ein Gedanke zu „Der Kontrolleur im Schafspelz“

  1. cool, dann hat qqlka freien eintritt zu den surfpoeten im mudd-club.
    da steht unter faq:

    „Gibt es irgendwelche anderen Ermäßigungen?
    Ja. Wer eine Rechnung vorlegen kann, die bescheinigt, dass er im vergangegenen Monat beim Schwarzfahren erwischt worden ist, darf umsonst rein.“

    bist ja viel unterwegs, irgend! bloß gut, dass wieder gesund!
    pass auf dich auf
    sagt
    fr.f.

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