Wege zum Paradies

Wege zum Paradies

Für die Ausstellung in Ostfriesland haben QQlka und ich kürzlich dieses Bild gemalt. Mein erstes Gemälde, an dem ich intensiv beteiligt bin. Die Traktorkatastrophe in der Wabe unter der Deutschlandfahne und die Fliege und der nackte Mann sind von QQlka. Ich habe die Verkehrsschilderabstraktionen gemalt und die anzüglichen Weibsbilder.

Das Schild wird zusammen mit anderen Schildern, gemalt von Mitgliedern des Mainzer Kunstvereins im Schlosspark Lütetsburg aufgehängt. Zu sehen ab heute bis 14. Juli.

Dies ist keine Toilette

Spätnachts lümmelte ich mit Journalist F. und den Mitarbeitern des Kulturamts der Mittelstadt S. in der Einsatzzentrale. Draußen tobte das Stadtfest. Da wurde mir klar, dass ich nun vollends die Seite gewechselt habe. Von vor der Bühne hinter die Bühne. Ich kann mit Menschenmassen nichts anfangen. Zudem mag ich die teils aggressive Athmosphäre auf Volksfesten nicht. Gegen drei Uhr war das Spektakel vorbei. Kehrmaschinen beseitigten Glas, Spucke und Blut, die Fußgängerzone kehrte in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Das Elektrikerteam zog die Stecker aus den Verteilerkästen – manche derart verschmort, dass dies nur mit hohem Kraftaufwand möglich war. Die Damen vom Kulturamtsstand schütteten den restlichen Jägermeister in uns. Mann, das Zeug haut rein.Den frühen Abend über habe ich im feuerroten Spülmobil gearbeitet. Jaa, Mr. Irgendlink kann alles. Die Arbeit im Spülmobil gestaltete sich minimalistisch spannend. Es war in einer Seitengasse positioniert, unweit des Toilettenwagens. Die Betrunkenen torkelten im Minutentakt zur Tür herein und versuchten, ins Spülbecken zu pinkeln. Deshalb hatte der Kollege ein Schild aufgehängt: „Dies ist keine Toilette“ (Link entfernt 2016-11-26). Von da an hatten wir doppelt Spaß. Diejenigen, die lesen konnten, kommentierten das Schild mit „Das ist kein Klo“ oder „Ach, schau an, kein Klo“ oder „Wo ist das Klo“ oder „Ich muss pissen“ und so weiter und so fort. Die Doppelsichtigen und Analphabeten versuchten weiterhin, das Spülmobil zu stürmen. Weiter oben riskierten Tollkühne Kerle alles, pinkelten ohne jegliche Scham an den Stromverteiler. Vielleicht war das die Ursache, dass die Stecker verschmorten?

Wir führten Strichlisten mit Edding an der Resopalwand, schlossen Wetten ab und lungerten die meiste Zeit vor der Tür. Einmal kam eine Frau vorbei. Ihr exorbitant großer Busen bleckte rosa in die Nacht. Der Kollege suchte meinen Blick, schmunzelte und seine Augen weiteten sich wie nur Männeraugen im Anblick des Unfassbaren dies tun.

Ich bin froh, dem Toben durch den Wechsel auf die Veranstalterseite entkommen zu sein. Es ist wie Fernsehschauen. Manchmal stellte ich mir vor, es wäre wie Früher und ich gehörte dazu. Mit wieviel Hoffnung man solche Feste besuchte, ja, und in seltenen Fällen sogar beglückt früh nach Hause ging. Die Regel jedoch ist der Absturz.

Mal wieder etwas für den Zettelkasten:

„Kaltabreise“

und

„Wo die Elefanten toben hat das Gras den Schatten.“ (Indisches Sprichwort)

Beides aus Tatort, letzten Sonntag.

Sex – ausreichend

(Bildlink entfernt 2016-11-26)
Tja, was tut Maler nach getaner Arbeit? Die Paletten mit dem Wörtchen Sex beschmieren. Klick Bild, um zur Galerie zu kommen.

Gemalt von QQlka, korrigiert von Irgendlink. (Bin ich nicht gnadenlos, bei nur einem Fehler Note Vier zu geben?) :-)

Eine Liebeserklärung an die Welt

Eine Liebeserklärung an die Welt lag mir auf den Lippen, als dünne Wolken vor Blau, Grau und Weiß die Pappeln an der Westgrenze passierten. Ein Geschmack von Norwegen ’88, lag in der Luft. Meine erste große Radeltour. Ich sah Mitternachtssonne, Fjorde, Gletscher und Wasserfälle. Einmal an irgendeinem Tag der Tour, lief ich über eine sumpfige Wiese zum Fluss, dessen Namen ich vergessen habe, rasierte und wusch mich. Da wurde mir klar, dass wir Menschen aus winzigen Teilchen bestehen, Bartstoppeln zum Beispiel, und dass unsere winzigen Teilchen sich mit dem Planeten mischen und der Planet sich mit uns. Jeder Atemzug ein wildfremdes Inhalat, vielleicht nur kurz zuvor von einem Anderen oder einem Tier ausgeatmet. Die Welt pumpt ununterbrochen. Winzig wirkt der Mensch, wenn er nicht der Mensch ist, sondern Gott in sich.

Schon weit im Norden durchquerte ich einen 5 km langen Tunnel und glaubte,sterben zu müssen, weil ein Laster mich gegen die rohe Tunnelwand quetscht, doch am Ende des Tunnels tat sich ein phantastisches Land auf mit glänzendem See – vielleicht war es Mayavatten – im Hintergrund Schneeplacken in den nach Norden gewandten Mulden.

Eine Liebeserklärung an die Welt wollte ich also gestern schreiben, aber es gibt ja noch so viel zu tun. So viele Dinge, die einen ablenken, weiterführen, an anderer Stelle und in anderer Zeit neu gebären.

Ich habe zu Malen begonnen. Abends sitze ich im neuen Atelier und pinsele kleine Bildchen auf große Leinwände, erforsche so das Metier. Die Technik ist denkbar einfach: wenn du Angst hast vor großen weißen Flächen – und das ist beim Malen oft der Fall – zerteile sie in kleine Stücke und knöpfe dir Stück um Stück vor. Der Maler Kuhn hat mich mit seiner COL- Art darauf gebracht.

Gemeinsam mit QQlka habe ich eine GPL-Tafel begonnen, Darauf sind die Logos von Software zu sehen, die unter General Public Licence lizensiert sind. Die GPL setzt dem Copyright das Copyleft entgegen. Eine menschliche Sache.

Jedenfalls: diese kleinen Logos zu malen ist eine prima Übung. Als nächstes wollen wir uns Biermarken vorknüpfen.

Nun steht eine besonders leidige Woche an, in der ich nicht viel zu tun habe außer warten, warten, warten. Da werde ich mir den Kompaktkurs Zeichnen einpacken, Stift und Papier und mich im Skizzieren üben.

Hmm. Ich schicke den Beitrag mal unkorrigiert. Habe meine Brille nicht griffbereit und kann gar nicht lesen, was ich hier schreibe.