Die fein gemahlenen Gebirgsreste meines Variskischen Gebirges

Dass ich Lust habe, dieses Jahr ans Nordkap zu radeln. Dass ich mir das letztes Jahr versprochen hatte, wenn mein maroder Körper die Pandemie halbwegs gut übersteht, als Belohnung ans Nordkap zu radeln. Dass es ein Traum ist. Dass es jederzeit möglich ist. Dass mir bei dem Gedanken daran, sechs Wochen alleine mit dem Fahrrad unterwegs zu sein Angst und Bange wird … herrje, wie sehr hab ich mich verändert. Schon der Gedanke daran, einfach nur das Haus auf einen Tagestrip zu Fuß oder per Rad zu verlassen, macht mich unruhig. Ich muss mich regelrecht dazu zwingen, hinauszugehen. Und wenn ich dann unterwegs bin, dann geht es auch, dann fühle ich mich wohl, dann bin ich voll drin in der Sache. Auf dem Weg. Bin zu Hause in einer kleinen, sich bewegenden Blase des langsamen Vorankommens.

Eine Art Variskisches Gebirge gelebten Lebens ist mir in Form von Erinnerungen geblieben, die manchmal sanft aufleben. Wie über die Zeit erodierte Hügel. Spuren einstigen Unterwegsseins. Hier mal eine Erinnerung an eine Kaltwasserquelle in Lappland, die wir 1995 bei unserer Radtour entdeckten, Freund QQlka und ich, direkt an der unendlich leeren, fein geteerten Straße. War es in der Gegend mit den Orten, die allesamt auf die Silbe ’sele‘ endeten? Asele, Ramsele, Edsele, Lycksele? Ich weiß es nicht mehr. Das Vattenschild am Straßenrand im Nirgendwo existierte jedenfalls auch zwanzig Jahre später noch, im Jahr 2015. Als ob es nie verändert wurde. Ein handgeschriebenes Schild, das auf eine Quelle abseits des Teers verweist, an der man sich die Wasservorräte auffüllen kann. Und ich gehe jede Wette ein, dass sich um die Quelle Geschichten ranken, die das Wasser lobpreisen als besonders weich, besonders gut, besonders gesund und dass die Menschen der Gegend auch von weit her anreisen, um sich Kanister damit zu füllen.

„Wenn de des trinkscht, wersche hunnert Johr alt“, erzählte mir ein Lothringer jüngst an einer Quelle südlich des Städtchens Bitche. Vom Rhein her kämen die Leute dahin und füllten hektoliterweise das Wasser ab in ihren Kofferräumen voller Kanister. Oft gar die Besitzerinnen und Besitzer von Restaurants. Sagt man. Und das Wasser der Quelle nahe Mouterhouse ist tatsächlich ein Gaumenschmeichler, sage ich Euch. Es lohnt sich, sich die Flaschen damit zu füllen, den Mythos, ob man damit hundert Jahre alt wird, gibt es obendrauf, als kleines Schmankerl für den inneren Phantasten.

Der Phantast, der mir innewohnt und der sich auf die fein gemahlenen Gebirgsreste meines Variskischen Gebirges gelebten Lebens – in Form von mehr oder weniger präzisen Erinnerungen – stützt, sich an ihnen nährt, ist es auch, der mich sowohl vorantreibt, Neues zu erleben, Neues erleben zu wollen, als auch mich daran hindert, das Haus überhaupt noch einmal verlassen zu wollen.

Eine komplizierte Lebenssituation zwischen Unruhe, ich will nicht sagen Angst oder Phobie, auch wenn es vielleicht darauf hinauslaufen könnte – und der ungebremsten Lust, Neues zu erleben oder schon Erlebtes wieder zu erfahren.

Und um beim geologischen Bild zu bleiben vom alten, einst über zehn Kilometer hohen Gebirge, das im Laufe der Zeit abgewaschen wurde und von dem bestenfalls noch Reste in Mittelgebirgsklasse übrig sind, so gibt es doch hoffentlich auch die eruptiven Neubildungen, mal wieder raus mit dem Fahrrad auf eine große lange Reise in weite Ferne, ich muss nur die Türschwelle überwinden, der Rest gibt sich von alleine. Das Radel und das Zelt, der Sommer und die Weite und der Zufall sind mir dann Kokon genug, mich unterwegs daheim zu fühlen. Was ist man als langsam dahin tuckernder Europenner anderes als eine Schnecke, die ihr Sofa mit sich schleppt, die heimischen Wände im Sinn und die Geborgenheit und den Frieden, den einem das Daheimsein immer gibt.

Der Versuch, den Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz zu erradeln letztes Wochenende, war schon recht vielversprechend. Fünfzehn Stunden war ich unterwegs für eine Stecke von 200 Kilometern. Die Strecke fast ausschließlich auf Bahntrassenradwegen oder Flussradwegen, in der Hauptsache Glan-Blies- und Naheradweg wäre bis nach Bärweiler nahe dem Flughafen Hunsrück Hahn, wo sich der Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz befindet etwa 130 Kilometer gewesen, hin und zurück also 260 Kilometer. Eine Distanz, die ich noch nie an einem Tag, bzw. in einem Stück geradelt bin. In Kirn an der Nahe, unterhalb meines finalen Ziels, beschloss ich, umzukehren, da ich mir nicht vorstellen konnte nun auch noch hinauf in die Berge zu strampeln. Ich hatte sehr wenig Ausrüstung dabei. Nur eine Regenjacke und eine Hängematte und den ganzen Tag drohten Gewitter und Unwetter und ich hatte vor allem keine Lust auf Berganstiegsqualen, gefolgt von einbrechender Nacht und Kühle und eben, womöglich Starkregen, den man in einer Hütte, frierend, abwarten müsste.

Der kleine Ausbruch in die weite Welt, das Verschieben meines schmalen Wohlfühlkokons in unvorstellbare Gefielde, gerieten zum körperlich anspruchsvollen, dennoch recht leichten Spaziergang und ich hatte mich zu jeder Minute der Minireise wohl gefühlt. Auch auf dem Rückweg, nachts, alleine mit Fuchs und Hase auf dem meist ungeteerten Glan-Blies-Radweg, fühlte ich mich wohl, obschon ein reges Wetterleuchten den Ausbruch eines Gewitters ahnen ließ, was zum Glück ausblieb.

Nachts um drei war ich erschöpft, aber trocken und warm zurück in der Künstlerbude. Im Prinzip ist das die Blaupause für eine Radelreise beliebiger Länge. Für die Reise des Lebens gar selbst. Du kannst Erinnerungen hinterher radeln, auch wenn sie nur noch sehr blass wirken, aber die Reise wird dennoch etwas Neues werden. Seien die Pfade noch so ausgetreten. Dein Weg ist immer Dein Weg und er wird immer neu sein, auch im alten, postulierte ich. Aber es gibt diese Überwindungsbarriere, die Grenze, über die man den inneren Schweinehund treiben muss, damit die Angst weggeht. Weiß nicht, ob das ein allgemeines Phänomen ist und ob das über die Jahre schlimmer wird. Durch das Pandemie-Jahr jedenfalls scheint es mir so, als habe es sich, als habe es mich verändert.

Warum ich Lust habe, dieses Jahr ans Nordkap zu radeln? Vielleicht, um das Vatten-Schild irgendwo in Lappland wieder zu sehen, meine Trinkwasservorräte aufzufüllen an öder Landstraße, beäugt von Elch und Rentier. Oder dort eine Weile zu warten, einen Tag oder auch zwei, auf Menschen, die mit dem Auto voller leerer Kanister dahin fahren, um die Vorräte aufzufüllen und ihnen das Geheimnis der Quelle zu entlocken. Oder ist es die 9 Prozent steile Sause runter in den Nordkaptunnel, die bis ein paarhundert Meter unters Meer führt und ebenso neun Prozent wieder hinauf, was mich reizt? Oder einfach nur das alltägliche Plündern eines Süßigkeitenregals in einem schwedischen Supermarkt? Erinnerungen, blass und verklärt. Das war kein Zuckerschlecken, im Nordkaptunnel ganz unten anzukommen und zu wissen, man muss mit dem elend schweren Reiseradel wieder hianuf. Und auch beim Vatten-Schild, erinnere ich mich, herrschte während der Tour 1995 kalter Wind mit Regenneigung aus arktischen Gefielden und es wäre geradezu tollkühn gewesen, unbestimmte Zeit am Straßenrand zu lagern, den Holzlastern beim Vorbeidonnern zuzuschauen und auf einen wunderlichen Menschen zu warten, der vorbeikommt und einem das Geheimnis der Quelle erzählt.

Alles ist nur im Kopf. Die Erinnerungen, die einen anfixen, etwas noch einmal zu erleben, das man als schön empfunden hat, die Phantasie und die Neugier, die einen Neues erforschen machen mag, und nunja, wer garantiert einem, dass man sich richtig erinnert. Insbesondere beim Reisen, das muss ich mir eingestehen, färbt man im Nachhinein so manches schön.

Es war nicht schön, wochenlang verloren durch Lappland zu radeln. Es war nicht schön, letzte Woche in die Nacht und ins Ungewisse des Wetterleuchtens zu radeln.

Es war aber auch nicht Nichtschön.

 

 

Ein ultimativer Ultramarathon am Rand unserer stark angelebten Leben

Ich müsste mittendrin beginnen.

Ein Platzregen geht nieder. Blitz, Donner, Getöse. Alles andere an Wetterstimmung als rundumes Wohlgefühl. Beklommen sitzen wir unter dem kleinen Baldachin vor der Pforte des unheimlichen alten Seniorenstifts. Der Journalist F. und ich. Der Regen ist so stark, dass gerade mal sein Rollstuhl Platz findet und ich mit dem Po auf der Stuhlkante in einem Terrassenstuhl hin und her rutsche. Der einzige von etwa fünf Terrassenstühlen, auf dem noch ein Sitzkissen liegt. Der einzige, der im Trocknen unter dem Zeltdach ist. Von allen anderen hat das Pflegepersonal die Sitzkissen entfernt. Sherlockesk rattert mein Hirn und stellt zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Entweder ist die Person, die, kurz bevor das Unwetter losging, die Sitzkissen wegräumte, mit der Regenwasserspritzsituation unter dem Zelt so vertraut, dass sie weiß, dass auf genau diesen einen Platz kein Spritzwasser kommt, oder es saß noch jemand auf dem Stuhl, als die Sitzkissen abgeräumt wurden und in einer wasserdichten Terrassensitzkissenkiste hinter den Stühlen verstaut wurden.

Ich muss an Winnie Heller denken, die Fernsehkommissarin, die kürzlich in der letzten Folge der Krimiserie, nachdem sie den Fall gelöst hatte, vor die Tür eines alten feinen Gebäudes im Grünen trat und vom Blitz erschlagen wurde. Nicht übel, dieses Finale. Gefiel mir irgendwie. Es war ja nur ein Film. Hier das ist Realität. Dieser fette, mittelgraue Dunst, die Schwerlastwolken, die sich die letzten Tage übers Land schieben. Ich weiß gar nicht, wie ich die Nacht vor ein paar Tagen, es war Freitag auf Samstag, schutzlos radelnd zwischen Hunsrück und Pfälzer Wald so angstlos überstanden hatte. Wetterleuchten ringsum und ich mit kaum Gepäck, nur eine Regenjacke hatte ich dabei, und ein bisschen Essen auf fünfzehnstündiger Fahrradtour. Nachts zwischen Hunsrück und Pfälzer Wald ist man mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Wenn ein Platzregen niederginge, ein Unwetter, Hagel und so weiter, wäre jeder Kilometer zu viel, den ich radeln müsste, bis ich eine Schutzhütte finde, ein Vordach oder eine Scheune irgendwo. Da wäre es auf Minuten angekommen und dann, dann hätte ich womöglich Stunden warten müssen ohne wärmende Kleider – während der Nachtradeltour kam mir der Bericht eines Ultramarathons in den Sinn, bei dem kürzlich in China etliche Athletinnen und Athleten ums Leben kamen. Überrascht von einem Unwetter mit Temperatursturz, das sie in die Orientierungslosigkeit getrieben hatte, sie umher irrten zwischen Kilometer Null und Einhundert und schlichtweg erfroren oder vor Erschöpfung liegen blieben.

Der Journalist F. und ich rauchten eine Zigarette und da der Regen nicht nachließ und im Seniorenstift das Abendessen serviert wurde, schob ich ihn zur Tür, nur drei vier Meter, unser ultimativer Ultramarathon am Rand unserer stark angelebten Leben, ein kurzes Tschüss, machs gut, bis bald und bis ich die hundert Meter beim Auto war ganz ohne Schirm war ich klatschnass, die Scheiben beschlugen sofort.

Die letzten Wochen waren für den Journalisten F. ein massiver und traumatisierender Umbruch. Von der Klinik brachte man ihn direkt in die Kurzzeitpflege des Seniorenstifts, auf der Bettkante teilentmündigt, denn das Klinikpersonal schätzte ihn, nicht ganz zu unrecht, so ein, dass er sich alleine zu Hause nicht mehr helfen könnte. Wenn es nur darum ginge, die Treppe in der ersten Stock seiner Wohnung zu bewältigen. So regelt nun eine Sozialarbeiterin seine Belange. Meine Person kam ins Spiel, als es darum ging, die Wohnung zu räumen, denn neben den körperlichen Problemen hatte sich auch einiges an materiellen Querelen aufgetürmt.

So war ich also ein zwei Wochen damit beschäftigt, die Journalistenwohnung nach persönlichen Dingen und einigen wenigen Möbelstücken zu durchsuchen und diese bei mir im Atelier zwischenzulagern, bis der Freund hoffentlich irgendwann nach der Kurzzeitpflege ein größeres Einzelzimmer kriegt. Die Wohnungsräumung war selbst für mich als relativ Unbeteiligter ein wehmütiger Akt. Ich kann mich so schlecht abgrenzen und denke bei Menschen, denen ich helfe, immer auch, ich könnte dieser Mensch sein und wie mag es sich wohl anfühlen. Gefährlich, wenn man dabei zu tief in die Situation geht.

Nach etlichen Fahrten hatte ich die wichtigsten Dinge ins Zwischenlager gebracht und auch schon den PC ins winzige Zimmer des Seniorenstifts. Vielleicht der erste und einzige PC in Patientenhand, den das Stift jemals sah. Auch dürfte Journalist F. der jüngste Bewohner sein. Das Stift ist ein altes barockes Gebäude mit zwei Flügeln, das einmal ein Kloster war. In der Werbung auf der Homepage ist man besonders stolz auf den angegliederten Park voller uralter Bäume, ja, der ist wirklich schön. Da oben im Türmchen wird Dein neues Zimmer sein, scherze ich mit dem Journalisten. Der Turm sieht jedoch mehr nach Taubenschlag aus, aber dennoch, mit ein bisschen Phantasie … hätte was. F. kokettiert gerne damit, dass er nun alles hat, was er sich immer gewünscht hat: ein Stadtschloss und Personal.

Leider sieht die Realität ganz anders aus. Ein Blick in die Pflegehölle. Eingelagertes Fleisch, das, zwar professionell – manchmal auch herzlich – umsorgt aufs Ableben wartet. Typen wie Journlist F. sind in dem System nicht abgebildet und entsprechend schwer hat er es dort. Es sind Kleinigkeiten, denkt man, die Art wie man ihn anspricht, bemutternd bevormundend tadelnd, wenn sein kleines Zimmerchen etwas unordentlich ist etwa. F. könnte theoretisch von seinem PC-Arbeitsplatz auch arbeiten, aber es gibt kein Wlan im Haus. Nicht für die Patientinnen jedenfalls.

Manchmal denke ich darüber nach, dass ich das alles aufschreiben sollte. wieder bloggen sollte. Mitschreiben als eine Art privater Chronist des eigenen Lebens, scheißegal, wen es interessiert, ein Mann ein Blog, so wie früher, mach was draus,  du Chronist des eigenen Lebens und des Lebens derer, die dein eigenes Leben kreuzen und all der anderen weltbewegenden Dinge, die da draußen vorgehen.

Ich müsste mittendrin beginnen. Und vor allem sollte ich mir das Schreiben wieder zur Angewohnheit machen. Ich muss, fürchte ich, mich zu diesem Funken Disziplin zwingen.

Von Verirrungen, Ideen und ’nicht meinen‘ Gegenständen

Ich verliere den Überblick. Es bleibt mir nur, durch die Gänge meines Lebensgemäuers zu streifen, hie und da erinnernd, suchend, findend, staunend, von einem Stapel voller Dinge etwas zum anderen Stapel voller Dinge zu schichten, in der Hoffnung, es ordentlicher zu gestalten. Übersichtlicher. Logischer. Das Leben kennt aber keine Logik, also nicht in dem Sinn und nicht so, dass die Logik für den selbst in dem Leben steckenden verständlich wäre.

Wenn ich es recht bedenke, so muss ich mich als denjenigen betrachten, der an der Spitze seines Lebenswegs tapfer voranschreitet und erlebt. Leben und erleben. Dulden und erdulden. Denken und erdenken. Muten und vermuten.

Vermutlich stehe ich nahezu still. Bewege mich auf engstem Raum. Verliere mich in einer fetten Spur vergangener Dinge wie eine demente Spinne, die sich in ihrem eigenen Netz verfängt.

Immer wieder blicke ich zurück dieser Tage, ein paar Monate bis zu einem Jahr. Der Zustand ist nicht gut, wenn ich es mit dem Vergleiche, woran ich mich erinnere. Dass ich vor einem Jahr mächtig was wegschrieb mit Blogexperimenten, reisend ohne zu reisen und dabei eine Art wikipediabasierte Art entwickelte, Geschichten zu schreiben, die so klingen wie echt. Ich denke, das war schon ein bisschen revolutionär, also für meine Verhältnisse. Könnte mir denken, dass die Art Fiktives mit Wiki- und anderen Informationen zu vermischen und etwas Neues daraus zu gestalten, schon längst im Gange ist. Schließlich ist man nie alleine mit seinen Ideen. Ideen sind wie Pilz, der sich unsichtbar in Form von Sporen über weite Strecken ausbreitet, fruchtbaren Untergrund findet, günstige Bedingungen und der dann dort wächst in diesem oder jenem Hirn. Das Urheberrecht kann als eine Art ideeisches Fungizid betrachtet werden. Die Fußpilzsalbe der allgemeinen Einfälle, mit denen man die Flächen und Gehirne bestreicht, die nicht von der Idee befallen werden sollen.

Natürlich gibt es in seltenen Fällen auch einzigartige Ideen. Aber die Regel dürfte wohl sein, das ähnlich tickende Menschen in ähnlich durchlebten Zeiten auf ähnliche Gedanken kommen, aber nur, wer sich diese Gedanken schützen lässt oder als erster den Zeigerfinger reckt, ich ich ich Herrfrau Lehrerin, der darf die Früchte der Idee ausbeuten.

Es wäre vielleicht besser voranzukommen, gemeinsam und gut für alle, wenn man sich solidarisch zeigen würde, aber was weiß denn ich.

Nach einigen Aufräumtagen am Hof und etlichen Dreckecken weniger, gelang es, das Inventar aus Maschinen und Gegenständen und irgendwann von irgendwem Abgestelltem etwas besser zu verstehen. Ein Bild des eigenen Habs und Guts, das doch so ganz und gar nicht mir gehört, aber ich lebe darin und ich bin täglich damit konfrontiert, manchmal suchend, da war doch das und das, das könnte ich jetzt dringend gebrauchen, um dies und jenes, bloß wo liegt es, in der Werkstatt, der Garage, im Schuppen? In solchen Momenten muss ich mich immer bremsen, auf die Suche zu gehen, denn dann verliert man sich hier auf dem einsamen Gehöft ruckzuck. Lieber warten und finden, als suchen und enttäuscht irgendwann aufgeben. So lautet die Devise.

Vorhin sammelte ich einmal alle meine Publikationen. Neben echten gedruckten Büchern mit viel ISBN darauf, gibt es auch etliche Unikate Selbstdrucke. Ich brauche die Publikationen, um im September das offene Atelier etwas besser zu bestücken als letzten September.

Letzter September war schäbig. In der Durchfahrt der alten Scheune zwischen Staub und Abgestelltem hing die Kunst und konnte nicht so recht wirken. Zudem gab es wenige Besucherinnen, was mir aber gerade recht war.

War im letzten Herbst schon die Luft raus? Zweifellos ja. Ich hatte zwar noch zwei Kunst- und Literaturprojekte angezettelt, den Passfälscher und Circulum Vertikalis. Es fehlte aber an der Kraft, so dass ich sie nur halbherzig anging.

Ich bin zuversichtlich, dass es wieder besser wird. Ich weiß, dass mein eigentlicher Platz, bzw. die Position, von der ich am besten arbeiten kann und die besten Texte schreibe, an der Spitze einer aktiven Reise ist. Nur unterwegs läuft das Hirn auf Hochtouren, finde ich selbst den roten Faden, der mir nötig ist, um weiterzumachen. Daheim, im Stillstand, verzettele ich mich, lenkt mich zu vieles Artfremdes ab, verliere ich mich in den Vergangenheiten meiner Vorfahren, Freunde, Bekannten und zwischen deren Gegenständen, die sie allesamt hier auf dem Gehöft, das mir doch gar nicht gehört, dessen Hausmeister ich bestenfalls bin, abgestellt haben.

Manchmal, nein oft, frage ich mich, wer ich selbst bin, was mir gebührt, anhängt, welcher Gegenstand nur von mir stammt und dann komme ich zu der Gewissheit, dass das Wenigste mir gehört, ich am Wenigsten dafür Verantwortung übernehmen müsste und ich eigentlich so gut wie nackt dastehe. Zwei Schubladen voller Kleider, Schubladen, die nicht mir gehören, ein paar Fahrräder, ein Zelt. Selbst ein Blick in die Besteckschublade oder den Küchenschrank zeigt mir, dass sich darin keine Gegenstände befinden, die ich selbst gekauft habe.

Mein eigentliches Ich? Das Hirn mit den Gedanken und Ideen und den Plänen für die Bücher, aber ständig lenkt Äußeres ab, ständig dieses Gefühl erst einmal die Außenwelt in Ordnung zu bringen, die mich eigentlich nichts angehen müsste, ehe ich mit der eigenen Innenwelt anfangen darf. Daran krankt mein Vorankommen.

Bearbeitet und veröffentlicht am 25. September 2022. Eventuell als Vorwort nutzen für ein eventuelles Buchprojekt ‚Zweibrücken-Andorra‘.

Zwei Halbimpfprinzen im diffusen Geschiebe der Security

Einen schönen kleinen Ginster habe ich mir da ausgesucht zum Pinkeln. Der einzige Ginsterstrauch auf dem riesigen, gut zweihundert Meter langen Parkplatz am Nordende des Großklinikums. Mannshohes, gelb blühendes Gewächs. Leichter Nieselregen. Fast fühlt es sich an wie Irland. Windumwehte Nase, schöne frische Luft, im Hintergrund unberührter Wald. Ein Fetzen Stille, kurz bevor der Rettungshubschrauber einfliegt.

Es ist ja heutzutage so schwer, gute Toiletten zu finden. Frühmorgens, ein paar Stunden zuvor, nutzte ich die Wartepause beim örtlichen Schnelltestzentrum, um nebenan auf dem Friedhof in der Nachbarstadt eine Toilette zu suchen. Nur mal kurz pinkeln. Tu‘ immer das, was deine Blase dir sagt. Im Testzentrum wies man mich schulterzuckend ab, keine Ahnung, wo es hier eine öffentliche Toilette gibt. Also schlenderte ich rüber zum Friedhof, flanierte zwischen Gräbern zur Kapelle. Dort müsste eigentlich ein Örtchen sein. Es ist nicht besonders dringend, zum Glück. Friedhofsarbeiter bedauert, dass das WC dieser Tage geschlossen ist, Sie wissen ja, die Pandemie! Man müsste ständig desinfizieren. Schamlos frage ich, ob es womöglich einen Komposthaufen gibt, einen abgelegenen Ort der Verrottung. Der Arbeiter grinst verschmitzt und zeigt mir den Weg. Hinter einem Container werde ich fündig, etwas schäbig, vertretenes Gelände, ab und zu Tempotaschentüchlein, aber keine Tretminen.

Der Test ist gewohnt negativ, zum Glück. Ich mache Einkäufe und wage sogar, zum örtlichen Baumarkt zu fahren, denn die Windschutzscheibe bildet einen schlimmen Riss aus, den man vielleicht mit einem Reparaturkit stoppen könnte, bis man endlich mal die Reparatur angeht. Vor anderthalb Monaten schleuderte mir ein Transportfahrzeug auf der Autobahn einen Stein auf die Scheibe. Mächtiger Knall, aber nichts zu sehen. Erst ein paarhundert Kilometer und viele Tage später bildete sich ein Riss. Die Einschlagstelle war unterhalb des Scheibenwischers im schwarzen Randbereich der Scheibe, so dass ich das Loch nicht bemerken konnte. Der Riss wanderte im Laufe der Zeit aufwärts, wurde sichtbar, machte schließlich eine Biegung etwa eine Hand breit über dem Wischer und kehrte zurück zum Ursprung. Der Geheime ‚Riss-in-der-Windschutzscheibe-Friedhof‘. Am Ende ihres Lebens begeben sich alle Risse dorthin zurück. Wie die Elefanten. Nur eben als Riss. Soweit so gut. Ein runder Riss kann nicht weiter Schaden anrichten. Vor einigen Tagen tauchte ein weiterer Riss auf, der dem anderen parallel folgte. Stoppte, machte eine Kurve, setzte seine Spaltung fort, stoppte wieder. Wenn das Auto nicht in der Sonne steht, schreitet der Riss nicht voran. Nur wenn es warm ist, wandert er, schlägt Haken. Noch ist nicht abzusehen, ob er weiter nach oben führt, oder ob er wie sein Ahne zum Friedhof der Scheibenrisse zurückkehrt und sein Dasein beendet.

Im Baumarkt wies man mich ab, weil ich kein Handwerker bin. Da dürfen nur Arbeitende rein. Ich könne aber gerne im angegliederten Gartenmarkt Zwiebeln kaufen oder Topfpflanzen oder Samen oder das Gewünschte im Internet bestellen und später abholen.

Unverrichteter Dinge kehrte ich heim, vergaß zu tanken, bzw. man tankt nicht gerne, wenn man mit einem angezählten Auto umher kutschiert.

Wieder zu Hause kam eine Botschaft von Journalist F., der momentan in der Klinik im Nachbarstädtchen logiert. Zigaretten, Handtücher, Zahnbürste, Rasierzeug und so weiter würde er benötigen, just als der Himmel die Pforten öffnete. Was es etwas komplizierte, die Strecke mit dem Radel zu fahren. Also doch Auto. Tankstelle. Laden Nummer eins war proppenvoll, nichts für Typen wie mich, selbst in Nicht-Pandemie-Zeiten würde mich das Betreten eines solch vollen Geschäfts Überwindung kosten. Weiter zum nächsten Laden in einem Dorf, wo es gemächlicher zuging. Und pünktlich beim Treffpunkt mit F. vor dem Eingang der kosmodämonischen Klinik, wo wir die Ware übergaben wie Dealer im Park, eine schnelle Zigarette rauchten, argwöhnisch beäugt von der Security. Ein unangenehmes Gefühl ist das, so zwischen Tür und Angel in einer Halbwelt der Legalität ein paar tröstende Worte zu wechseln, einen aufmunternden Blick, ein Schulterklopfen. Journalist F. und ich sind immerhin beide halbgeimpft, was es ein bisschen moderater gestaltet, sich zu treffen. Obendrein bin ich eingetragener Pfleger für ihn, versichere ich der Securityfrau. Zwei Halbimpfprinzen im Elend dieser Zeit, das sind wir.

Der arme F. erzählt mir, dass er wohl noch bis nächste Woche bleiben muss. Ganz starker Tobak für die Psyche sei das. Mit drei weiteren alternden Patienten auf einem Zimmer. Dreihundert Jahre Elend vereint auf vielleicht dreißig Quadtratmetern. Einer habe keinen Magen mehr, der andere habe wohl Krebs, wolle es aber nicht wahr haben und der dritte würde von Tag zu Tag weniger, falle vom Fleisch. Ein ständiges multiples Getelefoniere, Geschnarche, Geräuspere und Gestöhne.

So sieht wohl die Hölle auf Erden aus, denke ich, als ich in den Regen stapfe. Manchmal möchte man auf die Knie fallen und die Hände zum Himmel recken und flehend schreien oder umgekehrt.

Schon sehe ich das Auto, müde die steile Straße zum Parkplatz gehend. Schranken öffnen sich, lassen Bediensteten-LKW passieren, schließen sich wieder. Ich und meine Blase wie wir gut miteinander sind und dieser Ginsterstrauch ganz hinten im Eck, der einem das Gefühl gibt, wie es einmal gewesen sein mag vor vielen zig Jahren im frühlingsverregneten Irland. Ich lasse es laufen.

Im großen Rund des Bundeslandes #UmsLand

Kartenausschnitt mit darüber liegendem Popup eines Bilds, das ein Verbotsschild hinter engmaschigem Drahtzaun zeigt.

Zaghaft schiebt das kleine weiße Händchensymbol die Karte entlang der gestrichelten Linie. Hangelt sich – über als unbewaldetes Land Gekennzeichnetes – entlang hellen Grüns hinüber zu einem Mischwäldchen, folgt dem offenbaren Radweg bis zu einem Dorf namens Langenbach bei Kirburg. Zoomfaktor was-weiß-denn-ich, ziemlich hoch jedenfalls; fast ist es wie echtes Radreisen. Ich erinnere mich an die Gegend. Eine kahle Hochgegend, durchdrungen von abundzuen Wäldchen. Viel Funkmast, Windrad und eine Ansammlung von Industrie, in der ich mich verirre, weil das Radwegeschild fehlt oder ein Laster oder ein Bus just in dem Moment davor steht als ich das fünfzig Kilo schwere Reiserad über die Kreuzung kurbele. Jedenfalls verirrte ich mich und kurbelte einen halben Kilometer in eine Richtung, ehe ich den Fehler bemerkte, umkehrte, in die Gegenrichtung zurück kurbelte. Deutlich ist der Schlenker auf der Karte zu sehen. Manchmal denke ich, Verirrungen sind nur Marker im eigenen Kopf, damit man sich besser an Situationen erinnert.

In der Tat sind Verirrungen auf Fernradwegen unvermutet oft auf das temporäre Verdecktsein der Hinweisschilder durch Reisebusse oder LKW zurückzuführen. Einmal verpasste ich die Abzweigung der Schweizer Radroute 53 am Bözberg im Aargau, weil ein Baustellenfahrzeug vor dem Hinweisschild stand. Arglos kurbelte ich bergauf, bis die Strecke so steil war, dass ich absteigen und schieben musste. Erst an der nächsten Kreuzung, an der partout kein Hinweisschild zu finden war, dämmerte mir, dass ich die Abzweigung verpasst hatte.

Kartenausschnitt mit darüber liegendem Popup eines Bilds, das ein Verbotsschild hinter engmaschigem Drahtzaun zeigt.
Kartenausschnitt Rheinland-Pfalz-Radroute

Das Händchensymbol, das der Mauszeiger annimmt, wenn man die Landkarte anpackt und verschiebt, um gedanklich vorwärts zu kommen, ist mir dieser Tage ein treuer Begleiter geworden. Langsam kommt ein grüner Bömpel, also ein Bildmarkierungspunkt ins Bild. Ich klicke. Ein Bild poppt auf, das ein Verbotsschild zeigt, das sich hinter einem engmaschigen Gitterzaun verbirgt. Durchgang Verboten ist da zu lesen. Ha! Das passt. Es gibt keine Wege mehr in dieser Welt. Es gibt nur noch PCs und Virtuelles. Tausend Tasten und Monitore und Mäuse und dahinter Tausend Bytes.

Oder ein paar mehr. Der Künstlerberuf liegt ganz schön auf Eis, diagnostiziere ich. Die Rheinland-Pfalz-Umrundung unter dem Hashtag im letzten Sommer war das Letzte, was ich beruflich gemacht habe. Seither herrscht Stillstand. Scharren mit den Hufen auf der Stelle. Ein ewiges Wetzen unruhigen Stillstehens, so dass man sich vorkommt wie ein grübelnder Dagobert Duck, kreislaufend, die Hände auf dem Rücken verschränkt.

Der Beruf. Ach. Es ist kompliziert. In der Not gab es tatsächlich noch einige  Projekte in den letzten Monaten, mit denen ich Körper und Gemüt beschäftigen konnte. Fernab des ‚Kerngeschäfts‘: reisen und darüber berichten. Zwei sind noch in der Mache. Der Passfälscher ist an einem Punkt angelangt, an dem es virtuell nicht mehr weiter geht, an dem klar ist, dass ich nun hinaus muss in die Welt und das Blogprojekt live zu Ende bringen muss. Es geht nicht ohne echte Welt, stelle ich fest.

Das andere, gerade laufende Projekt ist ein ‚bauesoterischer‘ Roman, der sich zu meinem Erstaunen ganz anders entwickelt als gedacht. Zu Beginn des Literaturprojekts liebäugelte ich damit, eine Art Nichtkrimi im Stil von Flann O’Brians ‚Der dritte Polizist‘ zu schreiben. Stellte während des Schreibens fest, dass die Sache womöglich in einen banalen Regionalkrimi abdriften könnte, was mir gar nicht gefiel. Nicht noch so ein Zeugs, davon gibt es genug. Später nahm die Sache Züge an, die mich an Burroughs‘ Naked Lunch denken ließen. Kurzum, ich habe mich mit dem Buchprojekt hoffnungslos verirrt und es wird wohl nie den Blogstatus verlassen. Mir fehlt die ‚Stimme‘. Bzw. sie ist da, das spüre ich, das Schreiben geht mir virtuos von der Hand, so muss sich Musizieren anfühlen: es tun, es vergehen lassen, während des Tuns genießen, nicht darüber nachdenken. Schreiben ohne Absicht auf Basis einer Struktur, die schon von Anbeginn in einem steckt. Ich könnte mir vorstellen, dass Circulum Verticalis, so das Label meines bauesoterischen Romans, einmal ein gutes Buch wird, aber vielleicht bin nicht ich derjenige, der es zu Ende bringt.

Eigentlich war geplant, das Projekt Mitte April, also heute, vom Tisch zu haben. Ich hinke hoffnungslos hinterher, habe wohl etwa ein Viertel der Geschichte in Rohform gebracht. Allesamt privat gestellte Blogartikel. Ein echtes Buch daraus zu machen, ist das Ziel. Es scheint mir unendlich weit weg.

Wenn ich nur langsam genug bin mit meinem kleinen Mauspatschehändchen und die Karte in Zeitlupe entlang der gestrichelten Linie ziehe, brauche ich im Rund des Bundeslands vielleicht so lange, dass ich, wenn ich diese Stelle wieder erreiche, in ein zwei Wochen, Monaten oder Jahren, vergessen habe, was sich hier befindet oder ich entdecke neue Details, die mir bisher entgangen sind? Welch hanebüchene Kunstbübchendenke! Ha! Tatsache ist, dass ich mich sehr genau an die in echt bereiste Strecke erinnere, weil ich die Strecke nämlich schon zweimal bereiste. Einmal so ‚rum, einmal anders ‚rum. Dazwischen liegen drei Jahre. Nach der ersten Reise mit dem Patschehändchen der eigenen Maus auf der Landkarte, erinnere ich mich, erinnerte ich mich nicht so gut an die Gegend wie sie in echt ist, aber nun, nach der Auffrischung liegt das große Rund des Bundeslands Rheinland-Pfalz klar und deutlich vor mir. Ich weiß, wo die Strecke steil ist, wo es über Waldwege holpert oder entlang stinkender Bundesstraßen und wo die ‚Zonas de Descanza‘ (Link zu Radlantix/ZwAnd2020 einfügen) in Form von Bahntrassenradwegen verlaufen.

Ist fast wie Impfen. Auffrischung.

Verflixt, jetzt isses doch ins Blog gelangt, das längste aller kollektiven medialen Dauerthemen. Der Kalte Krieg war ein Klacks gegen diese Pandemie. Nie fühlte sich das Leben endzeitlicher an, für mich persönlich. Die gefühlsmäßigen Parallelen zum Kalten Krieg vor fast vierzig Jahren sind ähnlich. Die Psyche, so spüre ich, tickt ähnlich. Problematischer Weise ist der Körper schon so angeschlagen, dass er das Ganze nicht mehr so einfach wegsteckt wie damals. Aber ja, die unterschwellige Dauerpanik, die Perspektivlosigkeit, ich erhalte gerade eine Art Auffrischung von Endzeit, vielleicht. Was hat dieser Gedanke nun in diesem Blogartikel zu suchen? Eigentlich wollte ich das Thema Pandemie ja ausklammern und mit mir selbst ausmachen, aber nun … ja, Endzeit, das ist der Anker und was es für uns Künstlerinnen und Künstler bedeutet und natürlich für alle anderen Menschen auch: Das Gespür für zu knappe Zeit. Für dahin rinnendes Leben. Das nahende eigene Ende ist sicher nicht das Ende der Welt, sonst wäre längst alles geendet weil seit jeher Menschen apokalyptische Gedanken hegten und immer schreckliches passierte, wovon sich der Erdenlauf aber auch mit all seinen Wesen wieder erholte … das eigene kleine Ding retten und sich ins weite Feld jenseits der Struktur begeben.

Inhalt, Inhalt, Inhalt, um es einmal auf die Blog- und Selbstdokumentationsebene zu bringen. Die Zeit wird nicht reichen, die Dinge, die mir vorschweben, sei es nur ein bauesoterischer Roman, so zu fügen, dass sie eine mir gefällige Form annehmen. Ich muss jedem Versuch widerstehen, mich um eine Form zu kümmern, bevor ich nicht den Inhalt, der seit Jahrzehnten in meinem Hirn wächst, sichtbar gemacht habe.

Doch das nur als Randgedanke.

 

Landkarte mit viel Grün und einer rötlichen gestrichelten Linie, auf der ein Bildfenster aufpoppt, das einen großen neben einem kleinen Bagger zeigt.
Kartenausschnitt Rheinland-Pfalz-Radroute

Unheimlich langsam und konzentriert schiebt sich die kleine weiße Patschehand südwärts auf der Landkarte bis nach Nisterberg, klickt den grünen Marker und siehe, ein kleiner Bagger steht wie Piggeldi neben einem großen Bagger wie Frederick.