Montagsdilemma (feat. Denkensunwillig Privatblog)

Gesundheitschecks. Montags nie gut. Wie alle Menschen machen auch ÄrztInnen und RöntgenassistentInnen montags besonders viele Fehler. Die Anzahl der Loungemöbel, Die montags quasimodo-esk in Umlauf kommen ist erschreckend hoch. Wenn es irgend möglich ist, vermeide ich die Montagsarbeit. Und gehe stattdessen zum Arzt. Das leere Wartezimmer hätte mich stutzig machen müssen. Aber es ist zu spät. Die Röntgenassistentin presst meinen Körper an die eiskalte Brustauflage, kurbelt das Ding hoch und höher, bis mein Körper unnatürlich gestreckt da steht. Hinter einer Glaswand gibt sie Anweisungen, einatmen, Luft anhalten … das Gerät rattert und ich fühle mich irgendwie vergiftet … weiteratmen. Als sie die Filmplatte aus der Maschine nimmt, sehe ich’s an ihrem Gesicht, dass etwas nicht stimmt. Hinter der Glaswand streicht sie eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Atmet schwer, wie ich das manchmal mache, wenn ich beim Loungemöbelbau daneben getackert und den Bezug zerstört habe. Sie legt einen neuen Film ein, kurbelt die Platte, an die man die Brust presst, fünf cm herunter. Nochmal, sagt sie zerknirscht. Krieg ich also die doppelte Dosis, aber das sei nicht gefährlicher, als dauernd Flieger fliegen. Als Stewardess würde ich viel mehr Strahlen abkriegen, sagt sie. Und als Pilot, denke ich, würde ich montags bestimmt den Flieger abstürzen.

Rund um die Nordsee 2012

In der Kategorie Ums Meer 2012 wird es ab Mitte April 2012 einen neuen Live-Blog-Bericht – ja, wie nenn‘ ich das Kind denn am besten? – geben. Ich will von Zweibrücken nach Boulogne (das ist Zweibrückens Partnerstadt) radeln und von dort weiter rund um die Nordsee. Ziel ist, die gelebte Gegenwart unterwegs auf Europas Straßen so unterhaltsam, hautnah und ehrlich wie möglich darzustellen (siehe hierzu den Liveblogbericht Jakobsweg 2.0 aus dem Jahr 2010)). Es gibt für dieses chimärenhafte Genre zwischen Kunst und Literatur keine Vorlage. Weder ist es klassischer Reisejournalismus, noch Roman, noch Fotodokumentation, weder vereinfacht philosophische Welterforschung, noch Reiseliteratur, weder Doku TV noch was auch immer. Die Worte iDogma und Appspressionismus ins Spiel zu bringen, klingt hochgestochen. Obschon daran kein Weg vorbei führt.

Der große Reiseroman des 21ten Jahrhunderts

Schon merkwürdig, wie sich die Zeiten ändern. Ich hocke auf der Ofenbank, die Bluetooth-Tastatur vor mir und das iPhone, mein neuer Arbeitsplatz sieht echt cool aus, finde ich. Die Tasten sind gerade mal 25 cm breit, nur die nötigsten Zeichen darauf, der winzige Monitor vor mir, in dem der Text, den ich nun tippe, auftaucht. Ich stelle mir vor, wie ich auf diese Art draußen irgendwo in Europa vor dem Zelt hocke und den großen Reiseroman des 21ten Jahhunderts live in die Tasten hacke; ein bisschen Träumen darf ich? Sobald das Wetter schön ist, wird die SoSo Action-Fotos machen: wir werden das Zelt und das Fahrrad und das Gepäck und dieses, mein Mini-Büro und natürlich mich, unten am Waldrand hinter dem einsamen Gehöft aufbauen und für ein Prospekt, das ich als Werbung für das Nordsee-Umrundungsprojekt gestalte, einige Bilder machen. Der reisende, schreibende Künstler in Aktion.
Das Projekt ist natürlich nicht gestorben, obschon ich dieser Tage beinahe 2000 km eingebüßt habe. Die Rechnung fürs Auto war schmerzhaft teuer. Versicherung und Steuer tun ihr Übriges. Zum Spaß, also eher, um der Wahrheit in die Augen zu sehen, überschlage ich, was mich das Autofahren in den letzten anderthalb Jahren gekostet hat: 11.600 Euro. 21 Cent pro Kilometer. Zugegeben, die
Reisen zum Polarkreis und nach Frankreich waren sehr schön. Sowas geht aber auch mit dem Fahrrad :-)
Liebe Andrea (Kommenatatorin im vorigen Beitrag), Du hast Recht, ich muss das Projekt ja nicht in einem Rutsch machen. Wenn ich es genau überlege, spricht alleine die Tatsache, dass es zwischen den Shetland Inseln und Norwegen nur eine nicht gerade billige Flugverbindung gibt und die auch nur in den drei Sommermonaten, für ein Teilen der Strecke in mindestens zwei Abschnitte. Schottland ist viel zu interessant, als dass man es sich erlauben dürfte einfac h so daran vorbei zu radeln.
Noch kann ich mir nicht vorstellen, was mich ab April auf Europas Straßen für ein Abenteuer erwartet, geschweige denn, dass ich mir vorstellen kann, live den großen Reiseroman des 21. Jahrhunderts zu schreiben.
Die Fotoarbeit rund um die Nordsee hat das Team Frischluft aus der Schweiz 2011 wirklich hervorragend geleistet. Ich empfehle, dem Frischluft-Link in meiner Reiseroll rechts unter der Blog- und der Kunstroll zu folgen und die Bilderserie des Nordsee-Umrundungsteams aus der Schweiz zu schauen. Allererste Sahne. Macht Lust, es auch zu tun.
Nun, noch zu Hause, im Janaur, Vorstadium der nächsten Livereise, besteht die Aufgabe darin, die Grabplatte des Lohnerwerbs zu lupfen, Zombie der Kunst, das eigene Leben neu strukturieren, fit werden, werben, losfahren, live bloggen. Der große Reiseroman des 21. Jahrhunderts schreibt sich nicht von alleine. Braucht jemand ’n Auto? Frisch repariert.