Tag 77 – Bilder

Dusche auf Tollenäs Camping …
„Spare Wasser, dusche mit einem Freund“ – sparsame Menschen, diese SchwedInnen, muss ich also echt sagen! :-)

Klasse, Mili lädt wieder! War wohl nur ein Wackelkontakt oder nass geworden. Mit ein bisschen Power kann ich es zum Restart des Fons nutzen. In Göteborg habe ich aber doch noch ein zweites Mili-Ding gekauft.

Als Akkusparmassnahme hat Irgendlink diese Bilder heute nur in mittlerer Auflösung geschickt. Sie lassen sich dennoch durch Anklicken ein wenig vergrößern.

Tag 76 – Bilder

Reparatur an der Malöfähre …
>>> für einmal sind zwei Bilder nur in mittlerer Auflösung gekommen, wegen der langsamen Internetverbindung = Akku-Sparmassnahme, ein wenig vergrössern geht aber trotzdem via Draufklick.

Gestern vorm Supermarkt in Ellös. Mopsen Retriever – mach Hundebild, Hundebild verkauft sich! ;-)

Schubkarren auf Tollenäs Camping …

Des Rätsels Lösung? Das Seilrätsel vom 75. Tag, hat Szintilla im dortigen Kommentarstrang herrlich gelöst. Hier meine Umsetzung. Guckt das Bild in groß auf pixartix_dAS bilderblog.

Bildvorlage: Irgendlink (Klick zum Bild)
Collage: Sofasophia

Es einfach nur gut sein lassen

Sei lieb zu dir selbst.
Geh‘ schräg über die Straße
Wind umsäuselt dein Haar.

Blechernes Donnern am Fähranleger kündigt die nächste Wagenkolonne an. Kaum fünf langsame Autos.
Das Handtuch, das ein Schwarzes Loch werden könnte, wird bald Kunst – Hommage an Douglas Adams.

Nicht drängen, es dabei belassen, als Antwort auf die Frage nach Elektronikläden in Göteborg „a lot“ zu hören. Als frage man nach Muscheln am Strand.

In der Gemeinschaftsküche von Malö Camping die Welt „passieren“ lassen. Es einfach gut sein lassen schräg zurück zum Zelt über die schmale unbefahrene Inselstraße.

Läuft das Projekt aus dem Ruder? Kann es überhaupt aus dem Ruder laufen, wenn es von Beginn an als ein Experiment gesehen wurde, das eine starke Eigendynamik entwickeln wird. „Es ist nie die Situation selbst“, phantasiere ich, während ich den Kilometer bis zur Fähre kurbele, mit der ich die Insel Malö verlasse, „es ist das, was man sich in Windeseile um die Situation herum strickt.“ Jener Baum kommt mir in den Sinn, schon zwei Wochen her, den jemand „eingestrickt“ oder „-gehäkelt“ hatte. Von der Wurzel bis zu den Ästen in bunte Wolle gehüllt mit Streifenmuster und direkt daneben stand ein Laternenpfahl, ebenso einge-irgendwast in bunte Wolle. Kunst? Spielerei? Lust am Schaffen?

Ich machte an diesem Tag, kurz nachdem ich Baum und Laterne passiert hatte, das erste Mal Bekanntschaft mit dem Vestlandske Hovedvegen, der alten Postroute, die Oslo mit Kristiansand und Stavanger verbindet.
Wie auf einer Perlenschnur reihen sich die Ereignisse dieser Reise. Wie mit offener Blende fotografiert, rückblicke ich und richte den Fokus mal auf diese Stelle, mal auf jene. Mal wird dieses vergangene Ereignis scharf, mal jenes. Und vor mir eine ebenso schwer fokussierbare Gegenwart. Ich will Göteborg erreichen an diesem Montag, Ray treffen, mit ihm nach Varberg weiter radeln. Unterwegs will ich einen Elektronikladen finden und eine neue „Mili“ kaufen, einen Pufferakku. „Schnell wegda wegda wegda, wir haben keine Zeit“, tönt, ich glaube, ein Siebzigerjahre-Hermann-Van-Veen in der Hermann Van Veen-Show für Kinder. Das Lied verdeutlicht am Besten, was aus uns wird, wenn wir uns in den Strom des Erwerbs einspeisen und versuchen, mitzuschwimmen mit all den vielen, erfolgsgetrimmten Fischlein im großen, westlich zivilisierten Schwarm.

Die Fähre fährt nicht. Ausgerechnet an diesem Montag tauschen sie die Seile aus, die zweihundertdeißig Meter weit durch die Fahrrinne gespannt sind, und an der die Fähren geführt werden. Beidseits des Kahns werden die Stahltrosse durch Walzen geführt. Die Stahlseile liegen unter Wasser. Erst um 15 Uhr soll das Ding wieder laufen, sagt ein Schild. Ich beobachte die Arbeiter. Göteborg rückt in weite Ferne. 90 km ab 15 Uhr. Das schaffe ich nie. Es zu versuchen, würde eine unglaubliche Hektik bringen.

Das Schicksal räumt mir den Weg frei, hatte ich neulich erwähnt. Es bestimmt auch meine Geschwindigkeit. Vielleicht weiß das Schicksal mehr über mich, als ich ihm zutraue? Das Schicksal will, dass ich bedächtig wie ein Kahn an imaginären Stahltrossen dahinreise. Kunstmaschine. Die Kunstmaschine ist eine Einheit aus Fahrrad, Mensch, Fotoapparat, Zeichenpapier, Bleistift, Tastatur etc. Will sagen, der Mensch ist eingebunden in seine frei wählbaren Mittel, mit denen er das ausdrückt und wiedergibt, was er erlebt. Wie würde die Kunstmaschine der Zukunft aussehen? Mit genetisch-chirurgischer Unterstützung könnte der künstlerisch tätige Mensch sich in eine Art Kunstcyborg verwandeln lassen. Darüber habe ich schon auf dem Jakobsweg phantasiert: man müsste nur eine Möglichkeit finden per Augenblinzeln die Bilder, die durch die natürliche Linse des Auges projiziert werden, in Daten zu verwandeln und als Bypass am Hirn vorbei per Datennetzwerk auf eine Festplatte zu speichern. Quasi der direkte Weg ohne die mühsame Umgehung über einen Fotoapparat, der in einem Smartphone integriert ist. Genauso müsste es möglich sein, gedachte Worte und Sätze als Text auszugeben und zu senden.

Vermutlich wird das irgendwann wahr. Vermutlich wird sich meine fiktive Figur, Knildnegri alias Lind Kernig, die ich zusammen mit Kommentator und Blogmitstreiter Emil in England und Schottland erdichtet habe, einmal über eine solche Kunstmaschine wundern.

Was ist wirklich, was ist Phantasie an diesem live geschriebenen Reisebuch? Wo hätte ich gedacht, dass ich mich einmal so weit weg entwickele von der reinen Reisebeschreibung, dass ich neue Welten entwerfe, dass ich Verkehrsminister erfinde, dass ich längst gefallene Soldaten des schottischen Highlander Korps wieder ins Leben rufe, dass ich teilweise die Identität eines gewissen Mysil Bergsprekken annehme, der zu Beginn des 20ten Jahrhunderts unter einem Felsen im Jøssefjord gehaust hat?

Der Phantasie und dem Phantasmus sind wahrlich keine Grenzen gesetzt in diesem Schreibexperiment. Seit wievielen Monaten bin ich nun unterwegs? Wie weit bin ich von zu Hause entfernt? Wo ist zu Hause? Könnte ich ewig so weiter machen? Bin ich nach viertausendvierhundert Kilometern nun auf zwei Dritteln der Strecke schon auf dem Rückweg? Wird dieser Kreis sich schließen? Vertändere ich mich? Liegt, wenn ich heim komme noch ein Stein auf dem anderen?
Ich habe das Gefühl, langsam zu resozialisieren.

Nach der Einsamkeit Norwegens, der Shetlands, der Orkneys und Teilen Schottlands, dient die grausame schwedische Radwegrealität, der Lärm, der Gestank, die E6, dazu, dass ich mich wieder an mitteleuropäische Verhältnisse gewöhne. Fernseher blecken aus Kneipen, zeigen Fußball, die Menschen sprechen mich an und melden mir, wie es um Deutschland steht, um Schweden, um die Ukraine und so weiter und die Eurokrise wird immer wieder erwähnt, so dass ich fast Angst kriege, in fremder Währung zu bezahlen, weil der Kurs unkalkulierbar ist.

Spanien sei reif, sagt vorhin ein Schwede. Es greife immer mehr um sich mit den Finanzen. Informationstechnisch werde ich resozialisiert. Wir schwelgen in dem Europacupfinale zwischen Göteborg und Kaiserslautern, lange Zeit her, und der Mann ist ganz glücklich, dass Göteborg gewonnen hat – dazwischen ein bisschen Lebensgeschichte, Urlaube an der Mosel wegen des Weins, die Sache mit dem Hirn, hatte er einen Schlaganfall? Er könne sich die Dinge nicht mehr so gut merken, nur noch Göteborg Kaiserslautern, aber nicht, gegen welches Land die Schweden letzte Nacht im Euro-Spiel verloren haben und sein Hund heißt Leila und er wurde von Tierschützern in Rumänien gerettet und er sei der einzige in der Familie, der einen Europapass hat – so geraten wir vom Hundertsten ins Tausendste.

Ich könnte ewig so weiter schreiben am großen Roman, der auf einem Campingplatz in der Nähe von Stenungsund geschrieben wurde. Morgen kommt der Sommer, sagt der Schwede mit dem Hund namens Leila, das Blau des Himmels nimmt langsam Kontur an.

(sanft redigiert und gepostet von Sofasophia)

Tag 76 – die Strecke

Eben hat mich Irgendlink von Stenungsunds Camping aus angeskypet. Dort wird er diese Nacht sein Zelt aufbauen. Da er keinen Zusatzakku mehr hat, ist er aktuell auf stromhaltige Unterkünfte angewiesen, doch wildzelten ist in dieser Gegend auch nicht so attraktiv, ist es doch bereits wieder dichter besiedelt.

Aktuell muss er seine Internetbesuche ein bisschen reduzieren, weil dies Strom frisst. Strom, den er lieber fürs Fotografieren und Schreiben verwenden will.

Bis er ein neues Ladegerät, ein neues Herz, gefunden hat (falls er eins findet), wird er eure Kommentare nicht immer gleich beantworten können und für Blogbesuche wird es vielleicht auch nicht reichen. Je nachdem. Doch das kann sich ja schnell wieder ändern.

Morgen Göteborg. Daumen drücken, dass er dort ein neues Herz findet.

>>> Malö Camping – Stenungsunds Camping: zum Kartenausschnitt der heutigen Tagesstrecke: bitte hier klicken!

Tag 75 – Bilder

Hinweisschild mit Radel oder Milchkanne oder sonstigem Antikem findet man oft in dieser Gegend …

Was will uns der Seemann damit sagen? Schiffstau in Lysekil, das Rätsel aufgibt. Sachdienliche Hinweise herzlich willkommen.
>>> groß durch Draufklick auf pixartix_dAS bilderblog