Agribuntu – Linux für Landwirte
Der Porsche Junior ist ein knallrotes, uraltes Ding, ein Einzylindertraktor mit 15 PS, der bis in die 1960er Jahre in Landwirtschaftsbetrieben hervorragende Dienste leistete. Heute findet man die antiken Traktoren in den Vorgärten und Privatmuseen reicher Porschefans. Vornehmlich in den USA, habe ich mir sagen lassen. Auf dem einsamen Gehöft kommen gleich zwei Porsche immer noch zum Einsatz, um den großzügigen Gemüsegarten zu bewirtschaften und die dazugehörige Swap-Partition.
Hier wird der Artikel informationstechnologisch. Schon vor Jahren ist mir während der Gartenarbeit aufgefallen, dass sie dem Webdesign gar nicht so fern ist. Was tut ein Bauer anderes, als Flächen zu gliedern und sie mittels verschiedener Pflanzenarten gestalterisch zu einer Einheit zu fassen. Webdesigner arbeiten auf Monitoren. Bauern auf Äckern. Der Garten ist nichts anderes, als das Body-Element einer Webseite, das mittels verschiedener Div-Elemente gegliedert wird. Agrikulturelles CSS und HTML. Vermutlich würde manch einer sein Dünkel gegen die Auszeichnungssprachen des Web verlieren, wenn er sich vorstellen könnte, dass die Navigationsleiste seiner Webseite nichts anderes ist, als eine Zeile Möhren und der Hauptinhaltsbereich nur ein Kartoffelacker.
Aufgesetzt auf diese Erkenntnis bringt Monsieur Irgendlink sich derzeit tieferschürfendes Linux-Administrationswissen bei, um sich auf die LPI Zertifizierung vorzubereiten.
Es ist nicht ganz einfach, einen Porsche Junior zu starten. Der bald ein dreiviertel Jahrhundert alte Anlasser läuft langsam. Man muss vorglühen und mit einem Sechskantschlüssel an einer geheimen Schraube auf der linken Seite des Motorblocks „Mehrmenge“ geben, also fünfzehn mal pumpen. Und Vollgas geben und einen Metallknopf drücken. Im Winter bei Minus 15 Grad kann eigentlich nur mein Vater den Junior starten. So kompliziert ist das. Und er erklärt es mir in regelmäßigen Abständen immer wieder, mit dem Nachsatz, dass Du es weißt, ich will mein Wissen nicht mit ins Grab nehmen. Ich vergesse die komplizierten Abläufe immer wieder, wie ich auch gerne vergesse, wie man an einem Webserver diese oder jene selten benötigte Prozedur durchführt. Für den Server gibts zum Glück Skripte, einfache Textdateien, die, mit Ausführungsrechten versehen, für den reibungslosen Betrieb sorgen
Ein Startskript für den Porsche muss her:
#/bin/bash
vollgas
mehrmenge
mehrmengeknopf
vorgluehen -r tastfeldfuehlen
starknopf
Kurz: /etc/init.d/porschejunior start
Bitte nicht nachmachen. Das Skript enthält gravierende Fehler, da ich es im Garten sitzend nur so aus dem Kopf hacke. Ihr Garten könnte Schaden nehmen.
Ich arbeite derzeit an Startskripten für den Rasenmäher, die Kettensägen, Motorhacke. Ich fürchte, ohne das Aufsetzen eine Landmaschinenservers werde ich nicht weiter arbeiten können. Und es wäre ultrapraktisch, wenn ich den Kraftstoff mittels sftp von der Tankstelle in den Tank transferieren könnte. Für den Motorölstand plane ich einen vollautomatischen inkrementellen Backup mittels rsync.
Ich pickeliger, kleiner, colasaufender Nerd der modernen agrikulturellen Systemadministration, ich.
Die man nicht von Unten betrachten darf
Die, die man nicht von Unten betrachten darf, nennt sie mein Vater. Sie rammen ihre sturen Köpfe aus der Erde. Und ich nenne sie ganz harry-potteresk die, deren Namen nicht genannt werden darf, weil das Unglück bringt und man sie sich ggf. von Unten betrachten muss.
Eine Handvoll Dünger werfe ich darauf und gebe ihnen Wasser. Dünger, als die Polizei erlaubt, nenne ich die weißen Nitratphosphatkalziumkörnchen.
Das sind die einfachen Sprachcodes hier auf dem einsamen Gehöft.
Tempelhof – den Wind am Betreten der Baustelle nicht hindern

Nachtrag: SoSo erwähnt im Kommentar, dass folgendes weiteres Tempelhofbild auf Pixartix soeben erschienen ist: eine schwarz-weiß Aufnahme by Florian Fritsch.
Nächtliche Blogerkenntnisse
Das Blog als Werkzeug.
Kenne Dich in Deinen eigenen Einträgen bestens aus.
Verlinke tieferliegende Artikel.
Konzentriere Dich auf Deine Schwerpunkte – lass sie als Grundstimmung durchschimmern.
Selbst kleinste Artikel machen Sinn.
Unterscheide streng zwischen öffentlichen und nichtöffentlichen Artikeln. Nutze die Möglichkeit, Privatartikel zu posten, das Blogbuch als Arbeitswerkzeug, Skizzenbuch, Merkheft.
Beseitige alle Tippfehler.
Titele so, dass man es als Microblogeintrag lesen kann (z. B. Twitter).
Moderiere alle Kommentare.
Setze Dich nicht unter Schreibdruck.
Nutze die Möglichkeit, per Smartphone zu bloggen – sei ein Fischer, stets frische, gute Gedanken im Netz.
Fisch muss immer frisch.
Kreise um Deine Themen. Wiederhole Dich.
Wiederhole Dich.
Schau Dir Dein Blog im Textbrowser an. So sieht es die Suchmaschine.
Überarbeite wie folgt: Hauptschlagwort im Titel, einige Male im Text, in einer Überschrift H2. Füge ein Bild ein, das das Schlagwort im Titel und im alt-Attribut hat (das ist das Einzige, was der Textbrowser vom Bild sieht). Füge einen Link ein mit Deinem Schlagwort.
Schwafele nicht so viel über Suchmaschinenoptimierung. Halte es dennoch im Hinterkopf.
Wiederhole Dich nicht.
Widersprich Dir selbst. Nur so findest Du irgendwann zur Einheit.
Schreibe die Skizze Deines eigenen Lebens, bunt und voller Kraft.
Mut zur Gegenwart.
Nutze die Suchfunktion, um Links in Dein eigenes Bloguniversum zu finden und Deine Themen zu verdichten.
Wie ein Spiralnebel im Weltraum saugt das Blog die BesucherInnen an.
Gravitation Deiner Themen.
Ding auf Punkt bringen.
Diese Liste zum Beispiel ist schon viel zu lange.
Versprich ihnen nicht Seelenheil, Gesundheit und Erkenntnis, alles Dinge, die sie nur in sich selbst finden können und nicht in Deinem Blog.
Rege an.
Denkanstoß.
Sei so unfertig, wie Du gerade ertragen kannst – Blogschreiben ist immer Experiment, Generalporbe, Operation am offenen Herzen dessen, was einmal Literatur, Kunst, Revolution sein wird.
Oder nie gewesen.