Die Ausstellung ist tot, es lebe die Ausstellung

29 Nordseeradweg Reifenstücke - Reliquien eines Europenners 2012-2014

Bei Prismakunst wechselt diese Woche die Ausstellung. Am Freitag, 5. September um 19 Uhr wird mit Margit Bauer (Keramik) und Horst Kraemer (Mischtechnik) und sechs der sieben Prismastammmitglieder Prismas Neunte eröffnet. Monsieur Irgendlink, moi même,  ist wegen des bevorstehenden Offenen Ateliers am 20./21. September 2014 und des Kunstzwergfestivals, das zum vierten Mal in seinem Atelier tobt, leider nicht, oder nur mit einem winzigen Schreibbeitrag in der Neunten vertreten.

In der vergangenen Ausstellung debütierte Monsieur mit einem Objekt, dessen Ursprünge auf seine Nordseeumrundung per Fahrrad zurückgehen. Der Original Hinterreifen, der nach über 7000 Kilometern und mit nur drei Platten, total abgefahren das zeitliche segnete, ist, zerlegt in 29 Einzelstücke, zur „Reliquie eines Europenners“ geworden. Die Teilstücke waren zum Preis eines Schwalbe Marathon erhältlich. Kunden, die Piero Manzonis Künstlerscheiße gekauft haben, hätten auch Monsieur Irgendlinks Hinterreifenstücke gekauft. Aber davon gibt es in Zweibrücken leider keine.

 29 Nordseeradweg Reifenstücke - Reliquien eines Europenners 2012-2014
29 Nordseeradweg Reifenstücke – Reliquien eines Europenners 2012-2014 – by Irgendlink

Auch die Fahrradkette wurde zur Reliquie.

Nordseeradweg Kettenstück 2012-2014 by Irgendlink
Nordseeradweg Kettenstück – Reliquien eines Europenners 2012-2014 by Irgendlink

North Sea Cycle Route Kette

Nordseeradweg Kettenstück 2012-2014 by Irgendlink

Warum wird Elvis‘ Unterhose zum Millionenpreis versteigert, Marilyns Kamm, Michael Jacksons Sonnenbrille? Was muss geschehen, um – eigentlich wertlose – Gegenstände mit Bedeutung zu laden und ihnen ein kapitalanreicherndes Potential zu verleihen, das, bar jeglicher menschlicher Vernunft, in der zeitgenössischen Gesellschaft dennoch eine ungeheure Kraft ausübt?
Mit den Reliquien eines Europenners versucht Monsieur Irgendlink, moi même, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Die Fahrradkette, mit der der Artist in Motion 2012 über 7000 km um die Nordsee geradelt ist, wurde in 23 Stücke zerteilt und steht nun zum Ausgabepreis von 49 Euro zum Verkauf.
Ab dem Jahr 2035 ist verstärkt mit Monsieur Irgendlinks Tod zu rechnen. Bis dahin wird er vier literarische Romane geschrieben haben, etliche Livereisen direkt in diesem Blog veröffentlicht haben, zigtausend digitale Kunstfotos auf Festplatten und im Internet veröffentlicht und wahrscheinlich eine signifikante, weltweite Bekanntheit erreicht haben. Sprich: die Reliquien eines Europenners werden in dreißig Jahren ein Vielfaches ihres Ausgabewertes erreichen. Es ist also durchaus lohnend, jetzt zu investieren. Für die eigene Altersversorgung, für den Nachlass, zur Grundsicherung der Nachkommen. Oder einfach nur, weil das Kunstwerk einen marod faszinierenden Charme hat.

Irgendlinks Nordseeradweg-Kette 23 Objekte signiert