Langeweile ade … ein Pinkeln auf den Wohnzimmerteppich der feinen Künste

… so titelte kürzlich ein Artikel, den ich nicht geschrieben habe (also der Titel war ohne Pinkeln, aber mit Langeweile). In MEI-NEM Blog. Das fühlt sich an, wie wenn einem jemand auf den Wohnzimmerteppich pinkelt. Der Dude lässt grüßen. Einer seltsamen Verquickung von Weiterleitungen und Artikelverbreitungen ist es zu verdanken, dass ich den Artikel überhaupt entdeckt habe. Eingehängt war er irgendwo in der Blog-Chronik im letzten Jahr. Eine Stunde nach der Veröffentlichung habe ich ihn entdeckt, unter Quarantäne gestellt, analysiert und mir Gedanken über die vermeintlich sicheren Passworte des Blogs gemacht. Die Suche nach anderen Spamartikeln ergab keine Treffer. Ob das Blog sauber ist, weiß ich dennoch nicht. Alle Passworte geupdatet. Sicherung des korrupten Blogartikels, sowie Sicherung der letzten drei Backups. Einbau von Sicherheitssoftware, Update der Blogsoftware. 3.6.1 ist ein Sicherheitsupdate. Man sollte es möglichst gestern installieren. Der neue Anmeldeblocker registriert 10.000 Anmeldeversuche in vier Stunden. Hundert Emails erhalten, die mich warnen. Somit ist es durchaus denkbar, dass ein laaaanges Passwort, das aus t&u/;zu18=?-klK9Mi … ähm, also aus total kryptischen unsinnvollen Zeichen besteht nach drei bis vier Monaten Loginversuchen dennoch erraten wird. Habe Maschine dafür. Zeit ist mein gut Freund. (sagt die Hackmaschine).

Der gepostete Spamartikel war echt gut. Den hat ein Mensch geschrieben. Und er wurde vielleicht gezielt fürs Irgendlinkblog geschrieben, um Links zu platzieren. Menge Zeit mit Recherchen verbracht. Schlaflose Nacht hie, schlaflose Nacht da. Nebenbei Leben aufrecht halten, Kopf hoch, weiter gehts. Liebling, so war mein Tag seit ein paar Tagen …

Eine Art irdischer Weltraumspaziergang ohne Schutzanzug

Die Künstlerbude sieht aus wie ein Elektroschrottfriedhof. Überall Festplatten, Kabel, Computer – alte Gurken. Unkompatibles. Fetisch Ladegerät. Accumulateur je t’adore.

Auf einer zehnjährigen Festplatte gaukelte noch meine erste Homepage und einige längst vergessene Bilder. Mittels USB-Adapter konnte ich das staubige Ding anschließen und – oh Wunder – lesen. Die Straßennamenserie ist darauf. Irgendwo müssen die Bilder auch noch in Originalgröße sein.

Die Zeit rennt. Wenn man nicht täglich mitbloggt und an der eigenen Chronik schreibt, begräbt ein Ereignis das nächste. Die vielen Details der letzten Wochen: eine Verdichtung von Bildern. Jedes für sich in einen einzigen Satz gepackt und aneinandergereiht ergäbe einen völlig wirren Text. Keine Ahnung, wieso es uns Menschen gelingt eine plausible Vorstellung von der Welt zu erlangen? Vielleicht, weil zwischen den Fixpunkten des Alltags auch immer genügend Vakuum herrscht, das eine Außenbetrachtung ermöglicht? Eine Art irdischer Weltraumspaziergang ohne Schutzanzug?

Längst ist die kleine blaue Tupperdose auf dem Müll gelandet, auf der mit gelben Buchstaben geschrieben stand: „Auf den Inhalt kommt es an – FDP“ und als ich sie öffnete, stieg ein beißender Schimmelgeruch empor und etwas matschiges, grünes lag darin. Mein Gott, ich wusste doch, dass ich vor einigen Wochen noch einen Packen Schwarzbrot hatte.

Warum erwähne ich die Tupperdose? Sie wäre eines jener Mikroben, die ich hätte können zum Blogartikel fabrizieren.

Auch der Schriftzug: „Die Welt im Kopf ist immer schlimmer, als die echte Welt“, der seit dem Kunstzwergfestival auf meinem Kühlschrank steht, wäre einen Blogartikel wert gewesen.

Straßen von Zweibrücken 10
Straßen von Zweibrücken 10

Sowie das konsequente Scheitern, das ich auf allen Ebenen des Daseins bis zur Perfektion kultiviert habe … gepaart mit der Erkenntnis, dass der Weg des Scheiterns dem Weg des Erfolgs mindestens ebenbürtig ist, so rein als Lebensmodell.

Die Bildtafeln, die ich wiederentdeckt habe, werde ich ab 27. September bei Prismakunst zeigen.