Wer hat Angst vor den eigenen vier Wänden?

Malen hat mit dem Leben so einiges gemeinsam. Wer nie gemalt hat kann das vielleicht nicht verstehen. Da allerdings die meisten meiner Leser eine Wohnung besitzen, kann ich das Thema vielleicht an Hand der Wohnungsrenovierung beschreiben. Das funktioniert nämlich ähnlich wie Malen (und das Leben ansich).

Eine Wohnung besteht aus verschiednen Bereichen, in denen man sich aufhält, darin lebt, darin arbeitet. Nie ist man in der gesamten Wohnung gleichzeitig, sondern man konzentriert sich auf einem Teil der Wohnung. Die eigenen vier Wände sind eine Grundstruktur. In den Zimmern kann man ins Detail gehen, entweder, dadurch, dass man eine Wand neu anmalt, ein neues Bild aufhängt, ein Möbelstück verrückt. Beim Malen eines Bildes ist das so ähnlich. Wenn erst einmal die Struktur steht und man skizziert hat, dass z.B. eine Scheune im Hintergrund steht und zwei Menschen weiter vorne, kann man sich nach Belieben den Feinheiten widmen (z.B. die Gesichter fein ausmalen). Nun kommt der Rückschluss auf das Leben im Groben. Das funktioniert nämlich genauso. In der globalen Umgebung des eigenen Lebens ist man vielfach präsent an den verschiedensten Stellen, mal in der Liebe, mal im Beruf, konzentriert sich mal mehr mal weniger auf die einzelen Bereiche. Man arbeitet daran wie etwa der Maler auf der Großen Leinwand – sieh nur, ich male die Liebe!

Das Wohnungsgleichnis kann vielleicht eine kleine Stütze sein für diejenigen, die sich vor unbekannten Strukturen fürchten (es gibt ja das Phänomen der Angst vor der leeren Leinwand, oder dem ungeschriebenen Wort). Seid beherzt, legt Strukturen an, betrachtet die unbeherrschbaren großen Dinge mit den Augen, mit denen Ihr Eure Wohnung betrachtet. Kümmert Euch dann erst um die Details.

Ende meiner kleinen Predigt am Sonntag.

(Ich seziere sämtliche Dateien des ApacheWebServers. Das ist mein großes weißes Blatt. Seit ich weiß, dass etwa rewrite.load nur ein Sofa ist, fühle ich mich viel wohler).

So verabschiede ich mich mit einem dreifach schallenden a2ensofa (=Aktiviere das Modul Sofa) … dann nur noch /etc/init.d/sofa graceful-reload return

Frühgedanken

  • Das Leben aufgelöst in Pfade – Verzeichnispfade auf einer Festplatte
  • Alles Wissen, alle Freude lässt sich in Pfaden zu Dateien auf einer Festplatte darstellen)
  • Zum Beispiel: Musikdateien gleich Freude.
  • Eigene Dateien – oh ja, Du hast gewonnen, Herr Gates – Eigene Dateien sind die von Dir erfundenen eigenen Dateien – wie schäbig klingt dagegen etwa /home/foo – Eigene Dateien ist ein gemieteter Raum für persönliches Wissen – /home/foo IST persönliches Wissen.
  • Lesezeichen zu Wissensdatenbanken, individuell zusammengestellt.
  • Moderne Persönlichkeit lässt sich nicht abbilden, ohne den dazu gehörigen PC einzubeziehen.
  • Die feine ironische Notiz, mit der einen die Shell auf dem eigenen kleinen Server (dem zweitbilligsten der Welt) begrüßt: „Linux is like a Wigwam: no Windows, no Gates, Apache inside“ (Anm.: Windows=besitzergreifende Software, Gates=Chef von Windows, Apache=meistgenutzter Webserver des Universums und läuft unter Linux (nicht besitzergreifende Software)).
  • Jaa, große Worte in einer durchwirkten Welt.
  • Träumer, natürlich, sonst würde es ja keinen Sinn machen.
  • Die Potenz des selbst gefundenen Weges adelt dich.
  • Immer noch gilt: finde dich mit Verlusten ab, und zwar für immer (Thanx to Jack Kerouac).
  • Regen auf Dach ist Balsam für Seele, die beste Musik, zweifellos.
  • So.
  • Und wie wird nun die Welt verbessert?

Gute Katze – böse Katze

Die Fakten: jedes Jahr im Sommer während der Ferienzeit taucht eine neue Katze auf dem einsamen Gehöft auf. Letztes Jahr kam die Gute, dieses Jahr kam die Böse. Journalist F. hat sie ja schon vielfotografiert, nun aber hier noch zwei weitere bedrohliche Fotos, schließlich erlaubt der zweitbilligste Server der Welt unzählige Gigabytes von Uploads.

Böhse Kadse Böhse Kadse macht MjamMjam

Nuja, und weil’s so schön ist, noch ein Upload aus der Stadt der Rosen und Rosse. Dort steht eine der wichtigsten Uhren, die Apotheken-Uhr am Hallplatz, schon seit Jahren auf „Fu: 77“. Das will uns sicher etwas sagen. Ich schätze, wir sind alle verloren in der Kleinstadt … ja mein Gott, die UHR, die UUUUHR zeigt schon „Fu: 77“. Das Ende naht :-)

Es ist Fu 77

Tipp: Für vertiefende Lektüre die Suchfunktion in diesem Blog nutzen, Suchbegriff: „fu 77“

Steuern bis zum Ausbluten

Irgendwie unverschämt: fast 100 Euro Steuern für einen Flug, der nur 4,02 Euro kostet, oder? Noch viel unverschämter: der Hinflug ist mit 4 Euro 200 Mal teuerer als der Rückflug.

Schmarotzing Irgendlink hats gewagt und einen Flug vom örtlichen Provinzflugplatz in die Hauptstadt gebucht. Billiger als die Bahn ists allemal, zudem gilt der Flug für Zwei und man kommt auch wieder zurück.

Hauptstadtethnologin, wir kommen – nächstes Jahr.

Ein Rätsel, warum es ausgerechnet mit der Korsettierten enden musste

Diese Kneipe weit draußen, fast schon zu Hause auf dem einsamen Gehöft – musste ich auch unbedingt noch vorbei stolpern? Okay die Kneipe lag auf dem Weg. Dinge auf dem Weg sind meist verheerend. Sie sind wie vor Unwetter vermummte Menschen, denen man beim Spazieren im Wald begegnet und denen man aus purer Höflichkeit einen Gruß bietet. Daraus entwickeln sich manchmal bizarre Gespräche, die weit mehr über das unbekannte Gegenüber verraten, als man es sonst nur bei guten Freunden nach langen Jahren erfährt.

Halloween. War eigentlich mit merkwürdigen Damen verabredet, aber irgendwas lief schief, so dass ich alleine vor meinem Bankautomaten stand, SMS-end, Geld ziehend, nicht wissend, was in der Nacht noch zu tun wäre. Nur noch ein letztes Bier in der Kneipe oben auf dem Berg, knapp 2 km vom einsamen Gehöft entfernt. Die Kneipe war proppenvoll mit schwarz gekleideten Typen, wuchtigen Damen, die sich die Wimpern bis zum Ohr geschminkt hatten. Dunkle Musik per DJ. Kaum ein Platz am Tresen. Stimmung düster, aber ganz nach meinem Geschmack (düstres Cure oder noch düstrere Joy Division wäre ein Kindergarten dagegen gewesen – da war mehr, da war das dunkle, verruchte, Unbekannte).

Paar Leute die ich kannte, die mich zu Tisch baten, direkt neben einem Tisch mit Ladies. Konnte ich nicht verstehen, warum die Ladies so alleine an ihrem Tisch saßen. Ich saß Rücken an Rücken mit einer bis zum Ohr Geschminkten, überlegte ein Gespräch. Etwas Zufälliges, wie „Oh, ich hab dich angerempelt, tut mir Leid, tolle Stimmung, bist du öfter hier?“ Was Männern in solchen Situationen eben so durch den Kopf geht. Ich formulierte die Standards, aber die Frau gab sich schweigsam. Harter Brocken. Also weiter Musik lauschen. Der DJ leistete ganze Arbeit, verwandelte den Tanzraum trotz depressivsten Gothic-Klängen in einen Schmelztigel der Wollust. Eine knallrot gekleidete Krankenschwester – Latex war im Spiel – tanzte exzessiv. Alle starrten hin. Auch die Ladies. Sind sie lesbisch? Ein Punker rempelte sich bis ganz nach vorne, rotzte wüst aus dem Nasenloch, das gefällt, das hat Stil, das passt. Die Typen, die ich kannte, gierten in den Raum. Gierten hinüber zu dem Tisch mit den Ladies, direkt hinter meinem Rücken. Ich war in einer beschissenen Position, aber was solls. Den Ladies-Tisch taufte ich auf den Namen Ficktisch. Man beschönigt in solchen Zuständen gerne die Dinge. Einer der Typen bei uns am Tisch wagte sich, die Ladies anzusprechen, scheiterte in klagvoller Stille. Das tat weh. Anyway. Viel Bier floss und die seltsamsten Menschen stolperten herein, weiß nicht, ob sie halloweenverkleidet waren oder immer so rumlaufen. Beim Bierholen blieb ich bei einer Korsettträgerin hängen. Mageres Vieh. Sie schlürfte Sekt. Eins, zwei, drei vier und noch viel mehr. Ihr Tatto auf der Schulter, chinesischer Drache, standard, bannte meinen Blick. Gut so. Muss ich nicht in den Tiefen des Ausschnitts wühlen. Sowas ist ja immer peinlich. Weiß nicht, wieso es so enden musste.

Vielleicht ist unser kleines feines Menschenleben einfach nur von ganz profanenen Parametern bestimmt: der Weg nach Hause führt vorbei an den Verlockungen der Hölle, korsettiert oder nicht, aber irgendwo, kleiner Mensch, bleibst du immer hängen auf deinem ziellosen Weg durch die Nacht … oder?