Daten sammeln, Daten sammeln, Daten sammeln!

Ich übe. Arbeite die Radeltour von letzten Pfingsten über Everytrail auf. Eine aufwändige Sache. Unterwegs und live so etwas zu managen ist unmöglich. Für 100 km benötige ich gut und gerne eine Stunde.

Eine weitere Hürde stellt die derzeitige Technik dar. Ich wollte einen Track von 1300 km Länge in Island betrachten, aber der Firefox-Browser bearbeitet die Java-Skripte nur eine begrenzte Zeit, poppt dann auf mit der Meldung, das Skript antworte nicht, ob man es fortsetzen wolle. Man könnte natürlich wieder und wieder auf ja klicken und erhielte so irgendwann die gewünschte Tour. Aber welcher User tut das schon? Fazit: wenn du einen Weg zeigen willst, so dass ihn der Normaluser direkt angezeigt bekommt, fasse dich kurz, halte die Daten klein. Im Versuch habe ich ein 300 kB großes .gpx-File mit einer 318 km langen Strecke und derzeit etwa 20 Bildern. Das ist mächtig viel. Ich kopiere es mal hier ins Blog. Vielleicht wird es angezeigt. (Im Browser muss dafür JavaScript aktiviert sein).

Jura-Tour 2007, one Week cycling and wandering. Made at EveryTrail

Map created by EveryTrail:Share GPS tracks

Soweit die Theorie. Man sollte jedoch an die Zukunft denken. So wie sich das Web entwickelt, werden die Problemchen, mit denen wir uns jetzt herumschlagen in wenigen Jahren nichtig sein. Heißt Sammele fleißig weiter deine Daten, werter Irgendlink. Schon bald werden sie wunderbar verarbeitbar sein.
Ein weiteres Problem stellt das GPS dar. Es speichert nur 2000 Punkte pro Track. Das sind bei 10 Metern Punktabstand gerade mal 20 km. Wenn man einen Tag lang radelt und dabei 100 km zurücklegt, muss man fünfmal den Track speichern. Lösung: Punktabstand auf 100 Meter setzen.
Obiger Track ist überigens aus vier Einzeltracks zusammengesetzt, deren Punktabstand dynamisch ist. In Kurven werden mehr Punkte notiert, als auf Geraden. Dies widerum birgt ein Problem bei der Bildsynchronisation: wenn man 10 km geradeaus fährt werden im GPS nur 2 Punkte notiert, welchen sämtliche Fotos, die man auf den 10 km macht an Hand der Punkt und der Fotoaufnahmezeiten zugeordnet werden.
Ihr seht, ich bewege mich auf einem komplizierten, aber sehr spannenden Terrain.

Die vermehrten Einträge der letzten Stunden dürfen nicht täuschen. Nein, ich bin weder fleißig, noch besessen. Mir ist langweilig. Im Bett liegen ist zudem für die Bandscheiben nicht gut. Ab und zu schleppe ich eine Kiste Holz herauf. Dauernd flattern SMS herein mit Neujjahrswünschen, die ich aus Denkfaulheit nicht beantworte. Wäre ja doof, die vorformatierte SMS „Antwort ist Danke“ einfach wegzuschicken. Das haben die lieben Leute, die an einen denken, nicht verdient.

Fieber hält sich in Grenzen. Wären da nicht die Hustenanfälle. Ich glaube, K. hat recht mit dem was sie über Stimme und chronische Krankheiten formulierte. Chronische Krankheiten können Hinweise auf Defizite im seelischen Bereich sein. Vielleicht sollte man hinzufügen, dass jeder Mensch seine persönlichen Schwachstellen entwickelt. Beim Einen mag es das Herz sein, beim Anderen die Gelenke – unter starker seelischer oder körperlicher Belastung kracht es individuell verschieden an diesen Sollbruchstellen des persönlichen Warnsystems.

Beachte die feinen Signale, die Dein Körper dir sendet.

Tse. Und so komme ich gelangweilt, von Grippe auf Chronisches und die seltsamen Vorgänge im menschl. Körper.  Weblog schreiben bereitet den geringsten Schmerz.

Maps Maps Maps

Es ist wie damals, als ich das erste Mal mit CMS in Kontakt kam. Chaotisch durchsurfe ich das Netz auf der Suche nach geeigneten Maps-Anbietern, welche es ermöglichen, eigene Landkarten zu erstellen und im Web zu publizieren. Bei den ContentManagementSystemen bin ich irgendwann auf eine Liste gestoßen, in der mehr als 500 CMS verzeichnet waren. Von WordPress über Drupal, Joomla!, PHPWCMS, Spip bis hin zu Typo3. Es gibt Alles und von Allem ein Vielfaches.

Komischerweise ist man anfangs immer auf den Marktführer fixiert. In diesem Fall die absolut dominanten Google- oder YahooMaps mit ihren Anhängseln wie Panoramio, Google Earth usw. Kaum zu glauben, dass sich hinter den Riesen eine Vielzahl kleinerer aber teils ebenbürtiger Anbieter verbirgt.

Der GPSVisualizer zum Beispiel stellt auf seinem Server nur die Funktionalität bereit, aus einer Vielzahl von Datenformaten eine Vielzahl verschiedener Karten zu generieren. Alle gängigen GPS-Daten werden unterstützt und man kann sogar kommaseparierte Listen von Geopunkten in Karten verwandeln lassen. Als Ausgabekarten präsentiert GPSVisualizer u. A. klassische GoogleMaps, aber auch Grafiken wie .png, Höhenprofile, detailierte Strecken mit Zeit oder Längenintervall und vieles mehr.

Everytrail und Discovermachine sind Communities, in der man, einmal kostenlos registriert, Tracks von GPS hochladen kann und auf der Weltkarte anzeigen lassen kann. Im Gegensatz zu GoogleMaps bleiben die Tracks dabei offen im Quelltext und man kann sie problemlos downloaden, um etwa einen Spaziergang, den ein Mitglied eingestellt hat und den man nachvollziehen möchte, in seinem GPS zu speichern.

Bei Everytrail kann man z. B. GPX Files aus dem GPS hochladen, sowie Bilder von der Kamera. Wenn sowohl Bilder, als auch GPX-File Zeitstempel enthalten, werden die Bilder automatisch auf die entsprechende Geoposition gesetzt. Mehr noch: Sollten GPS und Kamera nicht synchronisiert sein, also verschiedene Zeiten anzeigen, so genügt es, ein Bild aus der Serie per Drag and Drop an die richtige Position zu setzen und das System erkennt die Zeitabweichung und berechnet alle anderen Bilder neu.

Discovermachine ist ein kleines feines System, programmiert von Ben Sinclair. Derzeit absolut werbefrei und vorbildlich übersichtlich, enthält es erst 500 Karten. Ebenso wie Everytrail hat es ein paar kleine Bugs (Editierfunktion für Tracks funktioniert nicht), die wenn man sie kennt, nicht weiter störend sind.

Reset All.

Ganz Unten – zwischen den Beinen einer Frau, genau wie bei der Geburt, möchte ich lakonisch sagen.

Fieber hat mich im Griff. Nebel umwabert das einsame Gehöft. Von Silvesterlaune verschont weiß ich, dass sich im Umkreis von 500 Metern kein Mensch befindet, im Umkreis von 2 Kilometern vielleicht knapp 100. Kann Stille stiller sein? Depeche Mode läuft. Genau die Stimmung. Existenzialistisch sentimental. Die Künstlerbude versinkt im Dreck. Ich habe das Ziel, sie vor Jahreswechsel zu polieren, verpasst. Auf dem Tisch stehen leere Konservendosen. Krümel auf dem Boden. Der Holzofen lodert. Ich esse übrig gebliebene Mutter-Weihnachtsplätzchen.

Ich bin da, wo alles beginnt. Unten. Schon schnippe ich mit dem Fuß, bereit zum ersten Schritt. Soll ich nach Norden gehen, nach Osten, Westen oder Süden? Soll ich den Rinnsälern folgen bis zum nächsten Bach, den Bächen bis zum Fluss und dem Fluss bis zum Meer? Oder ist es besser, einen x-beliebigen Geopunkt zu setzen, das GPS einzuschalten, der geraden Linie über Stock und Stein zu folgen?

2008, Griff zur Reset-All-Taste. Wie üblich wird es das Jahr der Liebe.

Im fibrösen Zustand habe ich eine GPS-Seite entdeckt namens Everytrail. Sie ist weniger proprietär, als Feind Google. Man kann bei Everytrail Spuren konstruieren, ohne dass sie verwischt werden. Das heißt: jeder kann sich die Wege, die man einst ging, gedacht, erlebt hat, herunterladen und – so er denn will, kann er ihnen folgen, sie ändern und verbessern, seinen eigenen Weg finden. Das ist mir wichtig. Die Spur, die wir in dieser Welt hinterlassen darf nicht verwischt werden. Heute habe ich bei Feind Google nur so zum Spaß eine grüne Route (Via Verde)in Nordspanien, einen urig coolen Radweg, der durchs Gebirge über unzählige Viadukte und durch unheimliche Tunnel führt, markiert, mit dem Ergebnis, dass das Ding zwar am Monitor angezeigt wird, aber man kann den GPS-Track nicht herunterladen, um ihn in sein handheld Gerät einzuspeisen. Everytrail ist da anders. Es verhält sich opensource-ig kooperativ. Nachfolgende können alle Informationen, die man selbst hat, auch einsehen. Es ist wichtig, dass wir Menschen zusammenarbeiten, dass wir Grenzen nieder reißen, Türen öffnen, alles so transparent und weiterverwertbar wie nur möglich gestalten. Nur so können wir in Zukunft bestehen. Das Credo proprietärer – besitzergreifender – Systeme lautet jedoch Geheimhaltung, Verschachtelung, den anderen Steine in den Weg legen, auf dass sie auch ja nicht vor einem auf dem Weg sind, vor einem das Ziel erreichen. Große Wirtschaftsmächte nutzen diese Taktik, um ihre Macht zu erhalten. Sie halten uns dumm und unerfahren, erlauben uns in keinster Weise, an Erkenntnissen, die allen zustehen, Teil zu nehmen.

Lange habe ich gedacht, ich wäre alleine, alles drehe sich um mich, andere seien bedeutungslos. Ich war eine große Wirtschaftsmacht. Ich habe mir eingebildet, so könne das Leben funktionieren. Mein Leben war ein Trampeln im Orchideenpark.

Kann denn Grippe chronisch sein ;-)

Gefunden bei Ein Buddha in Berlin:

„Die Stimme ist der Muskel der Seele, die Stimme hilft der Seele sich auszudrücken. Wenn man Schwierigkeiten mit der Stimme hat, will sie uns eigentlich mitteilen, wo unsere Seele blockiert ist, wo unsere Energie nicht im Fluss ist…. Letztendlich will uns das jede Krankheit sagen, wenn wir wach sind, hören wir auf unseren Körper und können Blockaden lösen, wenn nicht, dann haben wir bald etwas Chronisches.“

Die Frau, die das sagte, kannte ich einst. Eine großartige Frau. Der Buddha übertreibt nicht.

So viele sind gegangen. Man darf gar nicht über Vergangenes nachdenken, sonst überkommt einen Wehmut, Gefühlsduselei.

Ohne Erbarmen windet sich das graue Band, das niemals endet. So schreiten wir unseres Weges, hinterlassen Spuren, fabulieren phantastische Welten, die womöglich nie wahr werden, aber in unseren Köpfen existieren sie für einen kurzen Moment.

Noch immer plagen mich Grippeviren. Deshalb sitze ich am Silvesterabend hier am PC. Es macht mir nichts. Auf dem einsamen Gehöft hält sich das Getümmel in Grenzen. Zudem konnte ich diese fixen Termine, an denen man wahlweise hochheilig, andächtig oder fröhlich sein muss – so wie es die Gesellschaft fordert – noch nie leiden. Grippe ist eine prima Ausrede. Sie stützt das schwache Ego, das bedingt gewillt ist, sich der Massenhysterie zu unterwerfen: „Du bist krank. Du kannst nicht.“ Das ist wahre Absolution. So ähnlich müssen sich Katholiken im Beichtstuhl fühlen: das Konstrukt Gott, repräsentiert von seinem weltlichen Angestellten, ist die nicht existierende schützende Hand, ein Allesverzeiher. Ist Religion also eine Krankheit?

Liebe Christen, verzeiht mein ketzerisches Geschreibe. Die Grippe ist schuld. Ich rede im Fieberwahn. Verbrennt mich nicht.

Zurück zur Krankheit und zur Stimme und ins Jahr 1995, als K. mir gestand, dass sie ein Verhältnis mit A. hat, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, denn wir führten eine recht offene Beziehung. Solch ein friedlicher Tag. Wir spazierten auf dem Rheindamm etliche Kilometer, setzten uns schließlich auf eine Treppe. Ich sah den Schiffen zu, wie sie stur Kohle und Stahl und sonstiges stromauf stromab transportierten. Ein Schiff hieß Witha. Ein anderes Amarille. K. sagte, was ich schon längst wusste. A. fasziniere sie.

Kluger Weise hatte mich A. ein paar Abende zuvor in eine Mainzer Spelunke bestellt, es sei wichtig, er müsse reden. Er spendierte einige Weizenbiere und fing an zu mobben. Ob ich denn nichts bemerkt hätte. Ob es mir denn nichts ausmache. Er gab zu verstehen, dass er K. ganz für sich wolle. Ich habe keine Chance. Das war psychologisch gut. Es wirkte. Wir Männer sind seltsame Wesen, stets bedacht, unser Revier zu verteidigen, bzw. es zu erweitern. An diesem Abend erweiterte A. sein Revier. Der Tag mit K. am Fluss war ein ruhiger Abschied.

Hinweggespült vom großen Fluss, gerne auch Freund genannt. Hin und wieder sitze ich am Ufer (irgendeines Flusses) und beobachte die Schiffe voller Last. Dann fällt mir K. ein und dass es ein friedlicher Tag gewesen ist, damals 1995. Ihre oben zitierten Gedanken zu Stimme und chronischer Krankheit hatte ich völlig vergessen. Danke Dir, Buddha in Berlin, dass Du mich wieder erinnert hast.