Fluchtkandidaten

Fluchtkandidaten lautet das erste Wort des Jahres. Es war notiert auf einem Zettel, der auf dem Schreibtisch des Chefs lag. Darunter standen zwei Namen. Meiner war nicht dabei.

Diesertage ist es gut, unerkannt zu bleiben.

Immer mehr kommt einem der zwölf Meter lange und zwei Meter breite Streifen hinter dem Tackercontainer vor wie Umschluss.

Frohes neues Jahr erstmal allen, bei denen ich mich nicht gemeldet habe, also bei allen.

Ich bin kommunikationsfaul, beantworte keine Mails und gehe nicht ans Festnetz. Diese Art zu leben hat Mitte Dezember eingesetzt, so dass man mich nur erreichen konnte, wenn man meine neue Handy-Nr. hatte. Kurz vor Weihnachten habe ich den Telefonstecker gezogen, weil es manchmal recht lange klingelte. Erst Tage später, als ich mich wunderte, dass das Telefon gar nicht mehr klingelt, ist mir das wieder eingefallen.

Nun, nach dem Nürnbergtrip, frage ich mich, was ich hier soll. M., so eine Art Liebe auf den ersten Blick. Ein Mann sollte gen Osten ziehen, dorthin wo die Sonne aufgeht. Er sollte sein Glück in einer fremden Stadt suchen. Aber in diesen Zeiten?

Leben ist ein Schlachtwerk, der Alltag ein Gletscher, der zwar langsam, aber mit ungeheurer Kraft sämtliche Ecken und Kanten zu Sand zermalmt. Sand geträumten Lebens – eines Sonderdaseins – jene speziellen Einblicke in das wie und warum die Welt funktioniert, Einblicke, die man nur dann hat, wenn man außergewöhnlich ist, also außerhalb des Gewohnten. Außerhalb des Gewohnten ist eine bedrohliche unheimliche Welt, düstere Masse durch die du dich frisst wie ein Holzwurm durch einen Balken, immer auf der Suche nach süßen Stellen.

Im Grunde ist es wie Kommerzradio hören in der Hoffnung auf ein gutes Lied.