… ich werde nie wieder bloggen.
Neben mir der Arbeitsvertrag und was mich völlig verdutzte am Morgen, das Gelöbnis mit Wappen der Stadt in bunt – „die bunten Kopien sind für Sie, die schwarz-weißen für uns“, sagte Herr M., der als Zeuge bei der Feierlichkeit zugegen war.
Dabei ging es doch nur mal wieder darum, einen Knebelvertrag über ewige Knechtschaft zu unterzeichnen. Dennoch war ich völlig überrascht, als mich der Dienstherr in das Besprechungszimmer bat und mir den bunten Bogen Gelöbnis überreichte, welches ich ihm nachsprach.
Es gibt doch immer wieder Situationen im Leben, die man noch nie erlebt hat. Im Knebelvertrag verpflichtete ich mich, alle Überstunden der nächsten Zehntausend Jahre zu übernehmen, sowie nachts und, was noch viel perverser ist, frühmorgens zu arbeiten. An multiplen Stellen. Für einen Hungerlohngehalt.
Da lobe ich mir doch den guten alten Owner, dessen Arbeitsvertrag aus einer einzigen Zeile bestand, die noch nichtmal einen vollständigen Satz ergibt:
Für immer für nichts.
Mehr muss nicht. Aber diese Verwaltungsleute sind da ja super korrekt und wissen, Einfaches in Kompliziertes zu verwandeln, was nicht immer schlecht sein muss. Ich liebe Lyrik, gebe ich offen zu.
Nun gestehe ich, dass mir das Gelöbnis schon ein bisschen auf den Magen geschlagen ist, weil da Zeilen enthalten sind, die irgendwie, wenn man sie richtig verdreht, dem Bloggen widerstreben. „Ich gelobe, keine schmutzigen Tätigkeiten zu tun, die dem Ansehen der Stadt S. schaden könnten“. Ursprünglich formuliert, um den Konsum von Erotikseiten aus dem Internet zu unterbinden und einen christlichen Lebenswandel der Mitarbeiter zu erzwingen, kann diese Zeile sicher auch anders interpretiert werden: „Ich gelobe, nie wieder zu bloggen; wohlgefällig will ich Schweigen über die Dinge, die mir täglich auf dem Präsentierteller geliefert werden, und die das Leben so wunderbar bunt machen“.
„Freiheit der Kunst“, sagte Journalist F., „mach dir da mal keine Gedanken, Artikel 5 glaube ich“.
„Mich wundert schon lange, dass dein Kopf nicht rollt“, antwortete ich.
Später, zu Hause, beging ich den Fehler, nach meinem richtigen Namen im Netz zu suchen und ihn mit gewissen Schlagworten zu garnieren, die ich hier nicht nennen mag. Erstaunlicher Weise landete ich bei einigen sehr neuralgischen Dingen in diesem Weblog. Wieso ist das mit meinem Namen verknüpft? Er steht hier nie geschrieben. Ich bins doch, Irgendlink und nicht etwa dieser Knildegri Schneider, Hut Knamsun oder Ganther Grüss oder Manning Henkel oder Fätz Schranking.
Junger Mensch, wenn du dich je ins Netz begibst, hüte dich – auch nur irgend ;-) – deinen echten Namen ins Spiel zu bringen.
Kurzfristig überlegte ich, eine Reinigungsaktion zu starten. Aber dann wurde mir klar, dass die Sache gar nicht so dramatisch ist. Ich kann höchstens die neue Arbeit verlieren. Und das ist es ja, was ich seit Anbeginn will. Seit ich tackere, will ich nicht tackern, seit ich kulturorganisiere, will ich keine Kultur organisieren. Manchmal komme ich mir mit dem Scheitern vor, wie Stieflriemen-Bill, der nicht sterben kann.
Okay, ich gebe zu, das Amt gibt weitaus bizarrere Geschichten her, als die Lohntackerei. Es ist wert, darüber zu schreiben. Es fängt alleine schon damit an, dass es im Amt einen Schrank geben muss, in dem sich ein schwarzes Loch gebildet hat, in dem sämtliche Schokolade, die in seine Anziehung gerät, für immer verschwindet.