North by North by North …

Stetes Hintergrundrauschen der Straße – das graue Band, das niemals endet. Wir haben den 57. Breitengrad erreicht. Sonne rollt in den wenigen Nachtstunden unterm Horizont, so dass der Himmel im Norden eine Ewigkeit rotorange leuchtet und morgens so um drei schon wieder sich rötet. Auf der E4, der Fernstraße nach Norden immer wieder schwer beladene Kombi, rad schleift im Radkasten, Kofferraum pallettenweise voller Dosengetränke (oben immer eine Schicht Cola). Die Distnzen auf den Hinweisschildern lesen sich selbst für deutsche Augen wie ein Who is who der entferntesten Städte der Welt.
Gestern das weit entfernte Ziel Nordkap erstmal aus dem Hirn geXt. Das erleichtert das Leben im Moment.
Foto: erster Elchkontakt vor einem „Sweden-Shop“ etwa 100 km südlich von Jönköping am Vätterensee.

DreiUhr19 – Dämmerung

Nord, Nord, immer nur nordwärts. Ich verspreche D. den Elbtunnel und einen Blick auf den Hafen, aber es kommt anders. Um die Mittagszeit saußen wir auf der A1 an Hamurg vorbei. Nichts als grün. Wo ist die Stadt? Gobt es sie gar nicht? „Die Hamburg-Lüge“, titele ich insgeheim in einem nicht geschriebenen Blogeintrag. Hamburg ist das Bielefeld des Nordens. Eine Phantomstadt.
14 Uhr: Puttgarden. Wie ein Haifischmaul öffnet sich der Bug der Fähre. Stunde Fahrt – Dänemark. Stopover beim Geocache „Magleby Kirke“, gelbes Kleinod südlich von Kopenhagen. Dann die Øresundbrücke, bombastisches Bauwerk. Nun im Naturreservat Jäavallen, ein kiefernbewaldeter, sandiger Streifen nördlich von Malmö. Die Dämmerung dauert in diesen Breiten länger. Um 3 Uhr 19 ist es schon hell genug zum Lesen.
Bild: friedliche Magleby-Kirche, die so aussieht, als endete dahinter die Welt.

Northeim.West

Schon fast Mitternacht. Halsüberkopf habe ich gegen 19 Uhr das einsame Gehöft verlassen. Zusammen mit D. und per Auto Richtung Norden. Nun liegen wir unterm Sternenhimmel nur 800 m von der A7 entfernt. Gutes Rübenfeld hier. Laue Nacht. Nutellabrot. Aufgedreht schreibe ich diese Zeilen. Gerne wäre ich bis Putgarden durchgefahren. So ruhig wie heutabend habe ich die A-namenlos seit 10 Jahren nicht erlebt. Selbst Frankfurt nahezu ausgestorben. Erstmals den fast fertigen Flughafenbahnhof gesehen. Sieht aus wie ein Ozeandampfer, wenn man von Westen darauf zu fährt.
Habe ich mit Gibraltar seit ca. 1990 eine Rechnung offen und das Ziel nie erreicht, so ist die Rechnung mit dem Nordkap seit 1988 offen, seit ich mit Freund I. bis nach Narvik geradelt bin, scheiterte, umkehrte, es 1995 zusammen mit Freund QQlka bis nach Alta schaffte, scheiterte und umkehrte. Nun ein neuer Anlauf. Die Geliebte D. durfte vorhin auf der Autobahn erleben, wie verbissen ich bin. Nur noch 19 Stunden bis Østersund. Das ist mitten in Schweden. Soll schön sein, wenn ich dem älteren Ehepaar glauben darf, das ich 1988 in Mo i Rana traf, und das mir von seiner Heimatstadt vorschwärmte. Bilder: ewiger Birnbaum vorm einsamen Gehöft und Autobahn bei Kirchheimbolanden.

Verboten

Kontinuierlich arbeite ich an meiner Verboten-Serie. Ich Sammler, nicht Jäger, der Kunst, ich.

In Roses. An dem Bild faszinierte mich die grün geflieste Schräge; deshalb habe ich das Bild fotografiert. Leider hatte ich keine Lust, den Sonnenstand abzuwarten und somit verunschönt der kleine Schatten das Bild ein bisschen.

Wie sie sich in unsere Erinnerung schleichen

Morgens derzeit immer diese uralte CD im Wiedergabegerät, „Gros Son“ steht darauf. Mein alter Freund Steph aus Paris hat sie gebrannt. Knapp 20 tolle Lieder, individuell nach seinem Geschmack zusammengestellt (auch mein Geschmack). Er war mal Künstler. Ist es vielleicht immer noch. Wir sehen uns nur noch alle paar Jahre und längst schon hat er die Idee hinten angestellt, seine Haut auf dem Kunstmarkt zu verkaufen. Stattdessen verdient er mit den hochangesehenen Derivaten der Kunst, IT, Computerzeugs und Schulung sein Geld.

Kürzlich bin ich auf ein ganzes Nest von kleinen Gemälden gestoßen, die er mir einmal geschenkt hat. Vanitas Stilleben, die er auf Streichholzbriefchen gemalt hat, einfach so zwischendurch.

Der Umstand, dass diese Kleinigkeiten, die wir Künstler(Innen) so alltäglich ins Leben hinaus werfen, so als wäre es nur Atem oder Stoffwechsel, also ganz nebenbeie  Produkte unseres Seins, beschäftigt mich jeden Morgen, wenn ich die CD höre. Und jedes Mal, wenn ich eines der Streichholzbriefchen in den Händen halte.

Frag ich mich manchmal, was wohl von meinen künstlerischen Stoffwechselprodukten irgendwo noch rumgammelt und wem es wohl etwas bedeutet, wer sich daran erfreut, vielleicht täglich, vielleicht Menschen, von denen ich gar nicht mehr weiß, dass es sie gibt, oder gar, Blog sei Dank, Menschen, die ich nie gekannt habe, die nur so anonym durch die Blogwelt surfen und sich hie und da ein Stückchen Schreibe, ein kleines buntes Bildchen aus dem großen Kunstkuchen www nehmen?

PS das Wort Wiedergabegerät aus Zeile 1, habe ich mir beim Blogkollegen Bredenberg ausgeliehen. Find ich gut so Wort.

Hier muss noch das Bild eingefügt werden von den Stilleben-Streichhölzern. Ich finde es gerade nicht.