Kann gar nicht genug kriegen von der neuen mobilen Bloglösung. Sitze am Ofen in der Künstlerbude und erinnere mich einer Idee, die ich vor einem halben Jahr hatte: Tu jeden Tag so, als wärst du unterweg. Sehe die Welt und deinen Alltag mit den Augen eines Fremden. Staune um jedes Detail. Sei verblüfft, wieviel Neues sich in den Ritzen des Alltags verbirgt. Du wirst eine wahre Wunderwelt erleben.
Und: blogge darüber auf dem iPhone, um den Ernstfall zu üben. Der Ernstfall ist, ohne Komfort schauend durch die Welt zu wandern und jeden Tag einen kleinen Bericht zu posten. Langsam hebt sich der Nebel. Seichte Sonne vertreibt den Frost. Der Ofen summt. Ich sollte erst mal frühstücken

Der ewige Birnbaum Mitte Oktober 2010.

Ein Blick in den zentralen Holzofen der Künstlerbude. Sinnig: der Ofen heißt „Etna“

Der Kurzdialog am Morgen

Owner im Vorbeigehen am Tacker-Arbeitsplatz: „Und? Alles klar?“
Ich (etwas unschlüssig): „Joaah.“
Owner geht weiter.
„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!“ rufe ich hinterher.
Owner kehrt kurze Zeit später zurück: „Besser als verhungern.“

Zeit

Ein Artikel über die Zeit. Die Zeit dafür wäre jetzt reif. In der Morgendämmerung schnurgelt der Kaffee in der Freilandküche. Diesertage muss ich das einsame Gehöft auf Winterbetrieb umstellen. Leise wummert die Stadt und oben auf der Landstraße zieht die 8-Uhr-Morgenpendlerkette dahin.

Ich muss an Rio Reisers Tod denken. Und mit ihm an alle anderen Tode, die ich im Laufe meines Lebens erlebt habe. Seltsam deutlich haben sich diese Zeitpunkte eingeprägt. Rio Reiser starb auf Parkdeck 6 der Frankfurter Messe. Ich war mit einem Sprinter voller Edelsteine bis zum Lastenaufzug vorgefahren, just schickte ich mich an den Aufzug zu beladen, als der Strom ausfiel für über eine Stunde und im Radio meldeten sie, Rio Reiser sei tot und spielten „König von Deutschland auf allen Sendern in allen Variationen. Ouhshalala.

Alle meine Großeltern starben am Telefon, ihr Tod war zu erwarten. Niemand ging plötzlich.

7:34. Fast ist es hell. Ich muss mich in den Mahlstrom der Pendler einspeisen. Wir haben keine Zeit.

Wenn Zeit wäre würde dieser Artikel ewig dauern.

Kollege T. wartet seit Sieben-Uhr-pervers-früh sehnsüchtig auf meine Hilfe. Mister Oberfaul-Blogfuzzie muss aber unbedingt noch diesen Artikel … wenigstens beginnen.