Geocaching rulez

Tse. Ich kriege es einfach nicht hin, normale Tagesabläufe zu leben. Muss es ja auch nicht. Soeben mal wieder von einer Nightcaching-Tour aus dem großen Wald gleich nebenan zurück.

Wir leben in einer Parallelwelt, wir Geocacher – wie sagte doch Freund T.: „Erstaunlich wieviel kostenloses Vergnügen es auf dieser Welt gibt. Wir müssen nicht Kino, Theater, Weihnachtsmarkt und all den teuren Kommerzschnickschnack, das Einzige was wir müssen ist der große dunkle Wald und die tollen Verstecke, die wir uns gegenseitig kredenzen.“

Dass das Hobby auf milliardenteurer Satellitentechnik beruht klingt geradezu grotesk.

Silvester kristallisiert sich langsam. Nachdem ich Frau Busen gecancelt habe, die mit den schwarzen Spitzen, weil sie mich in eine komische Kneipe überreden wollte, lasse ich wieder den Desperado raushängen, der dazu steht, Silvester nichts vorzuhaben, oder einfach zu schlafen oder einen besonders kniffeligen Nachtgeocache anzugehen und spazierend im großen dunklen Wald das neue Jahr zu beginnen.

Mein Gott, für einen Menschen mit einem Planungshorizont von zwei Tagen ist die Woche bis nächstes Jahr ja auch verdammt lang.

Ist dies die Langzeitwetterprognose des gelebten Lebens?

Sie ist

Ein perfekter Tag. Der perfekteste seit Jahren. Ich habe den Glauben verloren. Den Glauben, dass es eine virtuelle und eine reale Welt gibt. Es gibt nur eine Welt und die ist weder virtuell noch real.

Sie ist.

Nun muss ich die K15, das Projekt im April-Mai 2008 nochmal überdenken und den Schwerpunkt ganz sicher auf das Amüsement in der realen Welt legen. Sprich: reise, genieße, nimm‘ alles mit und versklave dich nicht in deiner konzeptuellen Kunst. Das Projekt profitiert ganz sicher davon, wenn ein entspannter Künstler es durchführt, und nicht einer, der sich selbst unter Druck setzt, der den Maschinen gehorcht und somit nur die halbmögliche Performance erbringt.

Spätabends zusammen mit P. das Freikratzen von Autofensterscheiben celebriert, seltsamer Weise ein Highlight, denn sie legte eine ungleich hektischere Taktik an den Tag, als ich, was mich faszinierte, und während ich, fasziniert freikratzend sie beobachtete, schaute sie zu mir herüber und sagte, „seltsam, wie unterschiedlich unsere Freikratztechniken doch sind, komm‘, jetzt machst du wie ich und ich wie du.“ – auf diese Weise kratzten wir im Nu die Karre frei.

Ein kleines Erlebnis in der real-virtuellen Welt, welches einem niemand nehmen kann.

Ehrlichgesagt bin ich mir nicht mehr klar, was nun wirklich ist und was nur im Kopf. Das Geheimnis lautet – irgendwo im Niemandsland zwischen all den Milliarden Köpfen der Welt treffen wir uns in einem winzigen Punkt namens Realität.

Noch so eine Kleingkeit des Abends: Sie sagte, „was haben wir für ein Jahr?“ und antwortete sofort „Mittwoch“ – herzlich lachend spazierten wir durch die sternklare Nacht.

Ihre Bedenken sind ihre Bedenken

Die Welt ist im Kopf. In Deinem und Deinem und auch in meinem. Kein Wunder, dass die Welten differieren. Dass man manchmal fassungslos vor einem Menschen steht und denkt: wie kannst du nur? Unfassbares füllt den Raum zwischen unseren Realitäten. Warum wir einander manchmal trotzdem näher kommen, uns befreunden, verlieben, aufeinander einlassen ist mir ein Rätsel. Vermutlich ist es die gute alte Neugier, die uns dazu treibt.

Heute mit Künstlerin A. telefoniert. Das Gespräch mäandrierte um Kunst und was man so alles machen könnte, um schließlich in Island zu enden, wo wir beide Anfang der 90er Jahre tourten – sie per Ente (legendärer 2CV von Citroen) und ich per Radel (nein, wir haben uns nicht getroffen dort). Als sie es erwähnte, war sofort eine gewisse Verbundenheit da und vor allem das Gefühl, das eigene Leben ist richtig. Menschen fahren nicht einfach so nach Island, vor allem nicht per 2CV oder Fahrrad.

So verkorkst es vielleicht scheinen mag. Aber uns Künstler kann man partout nicht mit den Maßstäben des Gutbürgertums messen. Wir stehen jenseits von Grenzen, an die sich andere nicht im Geringsten heran trauen. Deshalb ist es richtig. Ich erinnere mich, mit der geliebten I. spazierend zwischen dem Vatna- und Myrdalsjökull im dichtesten Nebel den Weg zu suchen. Zwischen den beiden größten Gletschern Islands gibt es einen, im Sommer begehbaren Trail, der in 100 m Abständen kreuz und quer durch Schneefelder mit Pfosten markiert ist. Im Nebel, damals im August 1992 konnten wir verflixt nicht vom einen bis zum nächsten Pfosten schauen. Also blieb immer einer von uns beim letzten Posten zurück. Der andere suchte den folgenden Pfosten. Stets „piep“ rufend, „hier bin ich“, bewegten wir uns Meter um Meter bis zur Schutzhütte zwischen den Gletschern. Nur so konnten wir überleben.

In gemeinsamer Arbeit bauten wir den Weg, den wir zuvor in Karten zurecht gedacht hatten. Mulmig wars allemal. Aber nach vier Tagen und 70 Kilometern durch die Einöde den 60 Meter hohen Skogarfoss an der Südküste der Atlantikinsel zu erreichen, war eine große Sache.

Seither ist die Welt, meine Welt, in meinem Kopf.

Zurück aufs einsame Gehöft. Ich erfreue mich an den staunenden Augen derer, die noch vor Kurzem die neue Galerie als Kuhstall gebookmarkt hatten. Niemand konnte sich vorstellen, was ich aus dem Raum machen werde. Dass es wahr wurde ist einigen Wundern und viel energischen Beharrens zu verdanken.

Kurzgeschlossen auf das Künstlerleben könnte man formulieren: bleib bloß nicht stehen, auch wenn der Nebel noch so dicht (Stillstand bei dichtem Nebel produziert nichts anderes als einen Kuhstall aus einem Kuhstall – weitergehen macht Galerie). Der Weg ist wohlmarkiert in deinem Innern, kümmere dich nicht, was in anderen Köpfen vorgeht. Ihre Bedenken sind ihre Bedenken. Dein Ziel ist der nächste Pfosten, versteckt im Weiß des Nebels, der dich umgibt.

Zurück zu Künstlerin A. Nein, da besteht kein auch irgend geartetes Begehren. Sie ist glücklich verheiratet. Wir sind einfach nur spirituell vereint (wie B. das im Kommentar unter „Ich sah den Busen …“ sinngemäß ausdrückt).

Google rulez

Irgendwann wird es keine selbstgestrickten Webseiten mehr geben. Google übernimmt die Herrschaft. Alle sind bei Panoramio und bei den Maps registriert – und oh Wunder man profitiert davon.
Erstes experiment mit Google-Maps in Verschneidung mit dem Foto-Dienst Panoramio. Noch ist es sehr mühsam. Ich weiß nicht, ob ich das auf meiner Life-Reise im April und Mai 2008 leisten kann. Mühsam muss man Bild um Bil hochladen, Geopunkte in Karten markieren. Das ganze hier am heimischen Rechner – um wievieles komplizierter wird es in italienischen Webcafes zugehen?
Die Karte wird nur angezeigt, wenn Java-Script im Browser aktiviert ist.

Größere Kartenansicht

Die Katze im Luftschloss des Wahnsinns

Nu isses wieder soweit. Kaum hat der werte Herr Irgendlink die Kunst abgehandelt, schreibt er wieder über die Liebe und andere abstruse Dinge. Katzen zum Beispiel: wie sie sich anstarren und wie sie sich ihr Futter oder den Raum verteidigen. Schon seltsam mit den beiden zugelaufenen Tierchen hier auf dem Hof. Neulich haben sich beide den Weg in die Künstlerbude erschlichen und starrten einander von gegenüberliegenden Ecken an. Geradezu unheimlich. Ich irgendwo dazwischen, beobachtete das Spektakel. Diesen Status Quo kätzischer Instinkte und wunderte mich, dass wir Menschen im Grunde ähnliches Verhalten an den Tag legen. Nur dass es bei uns keine Instinkte sind, sondern Neid, Minderwertigkeits- oder Überlegenheitsgefühl, Überheblichkeit. So starren wir einander an.

Kurz vor dem Einschlafen fiel mir ein, dass ich einmal ein Buch schreiben wollte mit dem Titel: „Die Katze im Luftschloss des Wahnsinns.“

Immerhin: heute ist daraus ein Blogeintrag geworden. Mühsam ernährt sich das Hauskätzchen.