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Die Machthaber

[…] Die Machthaber in ihm hatten den rohstoffreichen Körper heruntergewirtschaftet. Und sie gaben keine Ruhe. Der Abbau ging weiter.
Sie arbeiteten im Akkord. […]

Harte körperliche Arbeit and the 17 Jungfrauen

Wie schrecklich das Leben im sozialen Netzwerk doch ist: da stellt man sich auf einen ruhigen rekonvaleszenten Sommer ein mit viel Gymnastik, Muskeltraining, Quigong, Ärobik, Nordic Walking …

… aber alles kommt anders.

Pfingstmontag rüber geradelt zu Freund T., um ein paar Lammsteaks zu verspeisen. Man spielte Boule. Cool! Trank und scherzte. Zugegen war auch W., der gerade eine coole Event-Agentur klargemacht hatte, man könne dort arbeiten, es sei traumhaft, 17 Jungfrauen würden mit einem zusammenarbeiten und die Familie müsse nie wieder hungern, sagte W. und spitzte T. an, mal vorbeizuschaun und reinzuschnuppern in den coolen Job. Und nun kommt das soziale Netzwerk: T. fragte, „Hey, und was ist mit Irgend?“

W. musterte mich intensiv: „Hmm, sind ja noch 34 andere Jungfrauen da und auch deine Familie soll nicht hungern.“

So kam ich wie die 17 Jungfrauen zum Kind. Schufte tagein tagaus in dem coolen Laden – Freitag ließ es sich besonders gut an, denn der Chef lud uns ein zum Grillfest. Es gab Rosmarinsteak. Zwischen Bäumen lugte Kunst. Freie Zeiteinteilung bei anständiger Bezahlung.

Ich glaube, ich bin im Paradies.

PS: nein, ich habe mich nicht als Selbstmordattentäter verdingt ;-)

Glaube

Der Ungläubige wäre nicht ungläubig, wenn die Gläubigen nicht auf ihrem Glauben beharren würden (und somit glaubten, der Ungläubige sei ungläubig, weil er nicht das richtige glaubt).

Prozentual gesehen ist der Gläubige ungläubig, weil er viele andere Glauben ausschließt (er glaubt nur Bruchteile dessen, was glaubbar wäre).

Glauben ist ein Ausschlussverfahren, das einem das Leben erleichtert.

Es muss erst noch bewiesen werden, ob ein Beweis ein Beweis ist, oder nur ein gefestigter verfestigter Glaube.

Die Schönheit der Welt 2 – zum Lieben Grün

Appelbach Altes Schulhaus St. Alban Gießkannen auf dem Friedhof Wuerzweiler

1. Der Appelbach zwischen Gaugrehweiler und Oberhausen.

2. Altes Schulhaus St. Alban.

3. Gießkannen auf dem Friedhof Würzweiler (das Bild ist Teil der Serie „Gießkannen“ – Herr Irgendlink ist nämlich serieller Fotograf und keines seiner Bilder ist zufällig oder gar wahllos ;-) )

Vor ein paar Tagen habe ich ein Projekt aufgenommen, das ich schon seit letztem Winter verfolge: das malerische Appeltal zwischen Pfalz und Rheinhessen (Rheinland-Pfalz) zu protokollieren. Die Bilder sind auf einer 15km-Wanderung entstanden, wobei mir die Laufrichtung von Süd nach Nord, rein fotografisch, besonders gut reinlief: Sonne im Rücken heißt Rundumglücklichfotografie, nicht nachdenken, keine komplizierten Belichtungstricks. Alle 240 Bilder sind geotagged und mittels GPS metergenau bestimmt. Ich arbeite an der noch leeren Seite www.appeltal.de, welche eine Art Experimentierfeld ist für meine These, dass sich virtuelle und reale Welt prima verbinden lassen.

Im 36 km langen Appeltal gibt es einen prima Rad- und Wanderweg, welcher abseits der Straße stets dem kleinen Appelbach von seiner Quelle am Donnersberg bis zur Mündung in die Nahe nördlich von Bad Kreuznach folgt.

Die Idee zur Fotostrecke kam mir letzten Harbst am Grab meiner Tante E., welche im gesegneten Alter von 90 Jahren den Weg unter die Erde antrat: „Dass hier in dieser Idylle Leute lange leben, ist kein Zweifel“, dachte ich, „dass niemand nachwächst, bzw., Nachwachsende das Tal verlassen auf der Suche nach einem Auskommen, ist eine Schande!“

Wir Menschen sind einfach pervers in unserer unglaublichen Gier nach Mammon, Sicherheit und billiger Unterhaltung. Das Gute, darf ich an dieser Stelle verraten, liegt irgendwo da draußen in den, zum Lieben grünen Tälern.

Vom Jammern

Ein gutes Zeichen. Als heute Morgen die Lionscluberin fragte, ob es mir besser ginge, sagte ich ja. Das ist eine positive Lebenseinstellung. Die Vernunft gebietet jedoch, zu jammern. „Lerne zu klagen, ohne zu leiden“ ist ein durchaus akzeptabler Spruch, der einem so manchen Ärger vom Hals halten kann. Wenn die Leute dich für halbtot halten, hast du einen Freibrief. Du schläfst länger, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Du drückst dich vor seltsamen Veranstaltungen, bei denen sich die Lachmenschen an Achtziger-Jahre-Musik erfreuen, tanzen und sich betrinken. Stattdessen sitzst du gepflegt auf deinem einsamen Gehöft und belauschst den Wind, wie er mit den Pappeln spielt, starrst in den Mond, während drunten in der Stadt ein Feuerwerk abgebrannt wird.

In den stillen letzten Wochen habe ich erkannt, dass ich mir Männer, die mit mir trinken wollen vom Hals halten muss, sowie Arbeitgeber, die nichts bezahlen. Und Frauen, die etwas von mir wollen mindestens so lange bis die Richtige kommt.

Ich bin ein moderner Mönch, ungläubig; meine Tonsur ist die Langhaarigkeit, meine Bibel sind die Wanderschuhe, mein Weg ist nur so lange der Jakobsweg wie er mir gefällt. Sobald ein Funke Unstimmigkeit am Weg erglimmt, verlasse ich ihn. Schließlich gibt es ebenso viele Kreuzungen in der Welt wie es zweifelhafte Produkte gibt, die man kaufen sollte.

Du musst dich grundsätzlich verweigern. Darin stimme ich mit dem witzigen Flann O’Brien überein: Fragen, die man mit Ja oder Nein beantworten kann, sollte man sicherheitshalber mit Nein beantworten. Außerdem ist es besser, links abzubiegen als rechts. Nicht zuletzt aus politischen Gründen.

So führe ich ein äußerst verschrobenes Leben und wundere mich immer mehr, dass es trotz all der Verschrobenheit noch Menschen gibt, die noch verschrobener sind als ich. Freund T. zum Beispiel und der unbezahlbar göttliche QQlka, Journalist F., ein moderner Mystiker im Gewand des schillernden Kulturorganisators, die schrille Hofbewohnerin P., die kürzlich einem Schafsbock das Leben gerettet hat und der nun stinkend in ihrem Garten seinen Lebensabend fristet. Ich liebe diese Menschen.

Mein Leben ist bunt wie nie zuvor. Zum Spaß stelle ich mir vor, ich würde 2009 sterben. Kann ja passieren. Was würde ich tun? Jammern und verzweifeln? Nein nein, Jammern muss unbedingt ein schauspielerischer Akt sein, mit dem man sich unliebsame Plagegeister auf Distanz hält. Ich glaube, das Beste, was man im Angesicht des Todes tun kann, ist, keine Zeit mehr zu empfinden.

Neulich sagte Journalist F. am Lagerfeuer: „Die Zeit ist eine Erfindung“. Die Funken stiepten in die Luft, der Mond war viertel voll.

Eine Erfindung wie Cola oder Bigmac, wie Versace-Anzüge oder Parfüm von Chanel. Ein unwichtiges Produkt, mit dem Handel getrieben wird. Die Zeit ist im Gegensatz zu Gold zwar unbegrenzt verfügbar, sieht man jedoch genauer hin, so ist sie in Form von Lebenszeit für einen jeden von uns ein unschätzbares Gut. Die Zeit ist aber auch eine Frage der Wahrnehmung und der Gewöhnung für diese Wahrnehmung. Wenn man an etwas gewöhnt ist, fällt es einem schwer, es irgendwann nicht mehr zu besitzen. Wenn das Gewöhnte obendrein frei erfunden ist, ist es Aufgabe des Geistes, für Klarheit zu sorgen und sich dieser Erfindung zu entledigen.

Aus dieser schwer verständlichen Passage leiten sich nun drei Fragen ab:

Erstens: wie schaffe ich Zeit, wie maximiere ich sie, wie fülle ich mein Konto damit?

Zweitens, gilt für Neugeborene: wie verhindere ich Zeit?

Drittens, gilt für Betroffene: wie werde ich die Zeit, das Zeitgefühl wieder los?

Ehrlichgesagt, meine Lieben, weiß ich nicht, worüber ich gerade geschrieben habe, verstehe es auch nicht, lasse es trotzdem mal stehen – es ging alles so schnell.

Lerne Jammern, ohne zu sprechen.