Alltag, der 10. Januar 2026 – ran an die Arbeit

Winterlandschaft im Weitwinkel. Blick unter kahlen, von Misteln bewachsenen Ästen hindurch auf eine ferne Zeile Obstbäume in schneebedecktem Feld.

Zwei Wochen „außer Dienst“, obschon ich zwischenzeitlich immer wieder versucht war, etwas zu tun. Als freischaffender Mensch hat man die Freiheit ebenso wie die Last, dass man seine Zeit frei einteilen kann, dass man seine Zeit frei einteilen muss. Und da viele Arbeitsschritte im Kopf stattfinden, was Grübelei und Sorgen bedeutet, ist es oft nicht möglich, „einfach abzuschalten“. So hatte ich den PC mitgenommen in den Ferien in Frankreich, ihn zum Glück nur einmal angeschaltet, um für eine Stunde etwas aufzuschreiben, das Hirn zu sortieren; die Stille und das weite Wegsein von der Heimat brachte ihr Übriges. Man konzentriert sich andernorts, dem Alltagsgewirre entronnen doch viel leichter auf das Wesentliche, als mittendrin. Wohnen. Einfach nur wohnen. Bis mittags in der Ferienbude, dann Ausflüge in die herrliche Juragegend. Die GTJ, die Grande Traverse du Jura, ein knapp 400 Kilometer langer Fernradweg führte durch unsere Feriengegend. Immer wenn ich die Hinweisschilder entdeckte, begann ich zu träumen, ey, das machste wahr dieses Jahr. Die Route startet in Montbeliard, welches ungefähr auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Rhone liegt, dort wo sich Vogesen und Juragebirge beinahe berühren. Über Landstraßen gehts südwestwärts immer entlang des Juras und des Flüsschens Doubs und über zahlreiche Höhenmeter bis in die Gegend um Lyon, glaube ich. Das machste wahr. Und im Kopf noch so viele andere Dinge wie Norwegen natürlich, und für die eigene Künstlerarbeit mal wieder live bloggend rund um viele Länder. Dennoch: Ich schwanke mal wieder, aufzugeben. Den Künstlerberuf an den Nagel zu hängen. Nichts mehr zu tun. In den letzten drei vier Jahren ist die Gefahr ziemlich groß, dass ich das tatsächlich mache. Vielleicht hält mich nur davon ab, dass ich mittlerweile in einem Alter bin, in dem ich sowieso keine andere Chance mehr habe als weiter zu machen. Gefällt mir gar nicht. Der Körper geht langsam kaputt. Das Hirn ebenso. Ich lerne, das Ende zu verstehen und wie zur Verhöhnung drischt das große Weltengeschehen unermüdlich auf mich ein, drehen scheinbar alle Menschen um mich durch, frisst sich der Krieg von den vielen „echten“ Fronten dieser Welt, gepowert durch die hysterisierende und polarisierende Kraft giftiger sozialer Medien bis in den eigenen Freundeskreis, bis in die eigene Familie. Zum Glück nicht mit Waffen wird er ausgetragen, aber ich frage mich, ob es im Nachhinein einen Unterschied machen wird, ob ein Krieg mit Waffen oder mit Gedanken und „Meinungen“ geführt wurde.

Okay, ich gebe zu, das ist so ein spezielles Irgendlink-Ding. Die Verlagerung der vermeintlich so echten Welt – haptisch-physischen Gesetzen gehorchend wie sie ist – in die eigene Gedankenwelt. Immer öfter erlebe ich für mich, dass ich denke, das und das sollteste tun, diese Ausstellung dort und dort realisieren, dieses Liveblog da und dahin durchführen, die Leute dabei mitnehmen und dann denke ich mich ein in die Sache und es fühlt sich fast an, als würde ich es tatsächlich erleben und ich arbeite es aus bis ins feinste Detail und am Ende sage ich mir, gutso, das haste auch erledigt, brauchst gar nicht da raus in die echte Welt. Willkommen Sofa, willkommen warmer Ofen. Ich hänge unten eine Liste der Gedankengebäude an. Allesamt Liveblolog Projekte, die ich noch zu realisieren, äh, oder auf dem Sofa auszusitzen gedenke.

Schaue die Welt durchs Fenster an. Hier gleich rechts neben meinem Arbeitsplatz. Garstig kahle Hecken neben glänzenden Hainbuchenstämmen, mit Neuschnee belagert. Wind aus Südwest. Gestern war sämtlicher Schnee weggetaut. Ein Sturm namens Elli zauste am Land, selbst hier in der Pfalz recht wütend. Ich hatte einen Termin beim Kardiologen. Mal das Herz anschauen nach Blutdruckeskapaden, Rhythmuskapriolen, Bruststechen, -bohren und -ziehen. Der Herzdoktor erklärte, ich sei vermutlich gesund. Ich solle die Tabakexzesse, die ich ein- bis dreimal im Jahr mit den wenigen Freundinnen und Freunden, die noch rauchen, exerziere, ganz sein lassen; kein Problem sagte ich. Tabak ist weit weg, wenn er weit weg ist. Die Arztpraxis hatte ich zuvor als Absteige bezeichnet, weil es ein kleiner Ärztekonzern ist, den der Kardiologe aufgebaut hat, der mir vor zwei Jahrzehnten prophezeihte, dass mein Herz irgendwann stehen bleiben würde. Die angestellten Doktorinnen und Doktoren haben eine hohe Fluktuation, doch vermutlich hatte ich Glück und einen hoch motvierten Menschen am anderen Ende des Echogeräts. Hasse mich ein bisschen dafür, dass ich die Praxis als Absteige sah. So despektierlich, denn ich wurde nett behandelt, musste gar nicht warten und überhaupt gab es den Termin sprichwörtlich von heut auf morgen, also von vorgestern auf gestern. Gutso für einen Herzwehzimperer wie mich. Da hat das zur Hypochondrie neigende Gehirn nicht genug Zeit, ein Krankheitsluftschloss zu errichten.

Ich sehe gerade, ich gerate ins Plaudern. Egal, mach mal wieder Alltag, Mann. Ist Fingerübung. Taste Dich an die Arbeit heran. Schließlich sollte man sich vor dem Leistungssport auch erst aufwärmen.

Wie erwähnt, nette Menschen. Die Sprechstundenhilfe nahm mich sofort nach dem Checkin mit ins Behandlungszimmer, legte mir ein EKG an, eiskalte Gummimanschetten, erklärte mir, was wie muss und wie ich auf der Behandlungsliege mich positionieren solle. Wir plauderten über den Sturm, und dass er oben auf dem Berg bei mir daheim gar arg zauste. Er solle noch schlimmer werden, samstags. Und dass der Schnee über Nacht weggetaut ist, sagte ich, so bedauerlich, so etwas erleben wir ja nur noch selten. Ich kam mir vor wie ganz normaler Mensch unter ganz normalen Menschen. Fast fühlte sich diese mikroskopisch kleine Zeiteinheit im Umgang miteinander an wie früher in der heilen Welt, bevor alle an die Meinungsfronten gerückt sind und ihre Schützengräben ausgehoben hatten.

Nun Samstag. Eigentlich kein guter Tag, um wieder mit der Künstlerarbeit zu beginnen. Als abhängig Beschäftigter würde ich erst Montag neun Uhr wieder im Job sein müssen. Das Hirn aber tut was es will und es beißt sich an der kommenden Retrospektive fest. Noch anderthalb Monate bis zur Ausstellungseröffnung. Ich habe das Konzept halbwegs im Kopf und wenn ich so darüber nachdenke, das genügt mir eigentlich. Es wäre okay, die Ausstellung dabei zu belassen, ein Kopfgebäude zu sein. Ich weiß, welche Bilder wo hängen werden und ich habe viele schöne Dinge eingebaut in die Ausstellung …

Hier die versprochene Liste meiner Luftschlösser:

  • UmsLand Sachsen
  • UmsLand Baden-Württemberg (ach seit wievielen jahren liebäugele ich damit)
  • UmsLand Brandenburg (darauf hab ich richtig Lust)
  • UmsLand Hessen (steht auch schon lang auf der Liste)
  • Andorra (da gabs letztes Jahr einen Bericht über einen Wanderweg rings um)
  • Thüringer Wald (hätte ich voll Bock drauf. Die Runde ist etwas größer als nur der reine T-Wald, dafür aber auf ausgeschilderten Radrouten)

Von Kunst, Literatur, Landkarten und Bauchpinselei #Retrospektive

Landkarte mit den Konturen der grenznahen Radwege rund um Rheinland-Pfalz, Saarland, dem Tourismus-Konstrukt Paminaland (Pfalz, Nordelsass, Mittlerer Oberrhein), sowie nahe der Westgrenze Bayerns von etwa Würzburg bis Lindau. Zwischen den Linien entstehen neue Flächen.

Wenn wir über Retrospektiven reden, müssen wir unbedingt auch über UmsLand reden. Jenen Hashtag, der ab März 2017 auf Twitter seine Kreise zu drehen begann und dies nun, bald ein Jahrzehnt später im freien Teil des Internets, dem Fediversum immer noch tut.

Die Umradelung von Bundesländern geriet mir eher zufällig in den Blickwinkel. Ich entdeckte irgendwann die etwa 1000 Kilometer lange Rheinland-Pfalz-Radroute. Weil sie direkt vor der Haustür lag, wurde sie mein nächstes Liveblogprojekt. Wegen des Jubelfests 70 Jahre Rheinland-Pfalz sogar mit Begleitung des SWR. UmsLand war Teil einer Dokumentation von Henriette von Hellborn. Mehrmals traf ich das Team am Rande der Route und ich erinnere mich noch gut an den verregneten Abreisetag, als sie mich im heimischen Atelier so lange von der Arbeit abhielten, dass ich erst am Folgetag aufbrechen konnte. Zum Glück. Denn da schien die Sonne. Am Ende meiner Runde landete ich sogar auf dem roten Sofa in der Landesschau Rheinland-Pfalz.

Kunst und Bauchpinselei, sie liegen oft nahe beieinander.

Nach den tragenden oft Wochen dauernden Fernreiseprojekten widme ich mich seither der näheren Umgebung. Das Saarland folgte, denn neben Rheinland-Pfalz hat auch das Saarland einen wunderbar beschilderten Radweg entlang seiner Grenze. Andere Bundesländer machen es einem da schon schwerer. In händischer Kleinarbeit erarbeitete ich Runden um Bayern (2018-2022), Baden-Württemberg (geplant wie auch Hessen, Sachsen und Brandenburg). Auch die Schweiz (2023) ist im Programm. Rund um Westberlin filmte ich 2024 und das Paminablog war ein wunderbar gescheiterter Versuch, mit einem Tourismusprojekt, sagen wir mal etwas Geld zu verdienen – eine schöne Kunststraße und UmsLand-Reise war es trotzdem.

Ich liebäugele, in der Retrospektive im kommenden März in der Galerie Beck auch eine „Ecke“ mit Screenshots der uMaps zu zeigen, in denen ich diese Projekte skizziere. Denn eins ist klar. Neben Foto, Film und Blogartikeln ist eine weitere Säule des künstlerischen Schaffens die Erhebung von GPS-Daten und die Kartenarbeit.

Bild mit 192 quadratischen Bildern
Collagen-Poster der Rheinland-Pfalz-Umradelung 2017

Exemplarisch an dieser Stelle die Rheinland-Pfalz-Umrundung – 2020 radelte ich die Strecke in Form eines Stipendiums sogar ein zweites Mal (und landete erneut auf dem roten Sofa). Liegt ja vor der Haustür. Beide Reisen sind in dieser Karte dargestellt: -> UmsLand Rheinland-Pfalz

 

Wenn es zwei Anfänge gibt, nimm den dritten | Guerilla-Technik der tageweisen Langstrecke | Metatext #UmsLand Bawü

Was tun, wenn ein Blogbeitrag theoretisch zwei mögliche Anfänge hat?

Einen dritten Anfang machen. Den Artikel in der Intention schreiben, ihn auf „privat“ zu setzen. Freestyle. Geplauder. Einfach drauflos. Ungares Zeug muss ja auch. Vor allem muss man als Autor, der „größeres“ vorhat sich da durchwurschteln bis hin zur Klarheit. Im Schreiben ist man ja immer alleine und nur für sich selbst verantwortlich. Sprich, wenn man sich davor drückt, an den eigenen Dingen zu schreiben, weil es einem zu kompliziert scheint oder man keinen Anfang findet – wie bei einem Blogartikel – dann schadet man sich selbst und der eigenen Sache.

Die Dinge, die man erledigen möchte in der Welt, im Fall Schreiben und Kunst, nimmt einem niemand sonst ab. Es ist ratsam, so viel Lebenszeit wie möglich in die eigenen Projekte zu investieren. Wir Künstlerinnen sind keine Milliardärinnen, die sich die Lebenszeit anderer kaufen können. Mit ein wenig Geschick können wir unsere Produkte verkaufen. Meist aber nicht. Vor dem Finanzamt stehen wir dann recht flott da mit einem „Wirtschaftszweig Liebhaberei“.

Dieser Artikel gehört wohl in die Sparte „privat“. Zu veröffentlichen erst irgendwann. Vielleicht.

Er wird nichts nutzen. Liebhaberei.

Eigentlich will ich an meinem Bawü Umsland Projekt weiterschreiben. Am Natenom-Demo-Fahrt-Prolog. Ich hatte entgegen meiner sonstigen Art, zeitnah unterwegs zu schreiben lange damit gewartet, die Reiseerlebnisse zu skizzieren. Es waren ja nur vier Tage „ins Land“. Ich radelte, sah und schrieb nicht. Es gibt aber ein Videolog auf der Gopro. Sowie diese Artikel, die ich nun, bald einen Monat später aus der Erinnerung schreibe.

Es scheint mir wichtig, neue Wege zu gehen. Neben dem Abweichen vom Konzept, nämlich stringent rund ums Land zu radeln, hatte ich ein paar aus der Not geborene Ideen bei der Saarlandumrundung im Herbst/Winter 2024 herüber gerettet. Ich nenne es Guerilla-Radeln. Unterbrochene Langstrecken-Reisen, die nicht etwa linear Tag auf Tag geschrieben und erlebt werden, sondern bei denen ich nach Zeit (und Lust) mit dem Zug anreise und mich in die Materie vertiefe. Weiß nicht, ob das sinnvoll ist, ob es funktioniert. Das wird sich zeigen, wenn ich den Strang durchexerziert habe. Vielleicht entdecke ich ganz neue Mechanismen, jaja, sicher werde ich das tun. Die Guerilla-Technik der tageweisen Langstrecke funktioniert nur bei nahen UmsLand-Projekten, Das Saarland ist sehr nah. Aber auch Bawü lässt sich prima per Zug und Rad häppchenweise erkunden. In drei vier Stunden kann ich von daheim fast überall sein in „The Länd“.

Natürlich träume ich immer noch davon, Baden-Württemberg in einem Rutsch zu umradeln und dabei live aus dem Zelt von Parkbänken, aus Cafés zu bloggen. So wie früher. Und nicht vergessen die Zehnkilometrie, sprich alle zehn Kilometer ein Foto der bereisten Strecke zu machen. Das hatte ich nämlich beim dritten Abschnitt UmsLand Bayern nicht mehr gemacht. Es reut mich sehr. Ich habe mein eigenes Konzept verraten. Ich hab das Kreuz niedergelegt und bin einfach so zu Ende spaziert, könnte man sagen. Nuja. Vermutlich hätte ich es auch nicht geschafft, das Projekt zu Ende zu bringen. Zu verstört war ich durch die vielen Unterbrechungen (UmsLand Bayern hatte ich 2018 begonnen und erst 2022 beendet).

Nun, bald sieben Jahre später, bin ich ein anderer. Hab den alten Irgendlink, den Kern meines Selbsts wieder belebt und mit neuen, nassforschen Vollstrecker-Attributen ausgestattet. Ein Irgendlink, der ausdauernd ist. Geduldig, stoisch mit weitem Tunnelblick; Kunstbübchen, Kunstmaschine, Europenner, Radler, Reisender, Vielseher, Welterleber, Nachdenker, Vordenker, Zwischendenker, in die Tastatur Hacker, Chimäre der Poormans-Programiererei mit einem Schuss kreativer  Freestyle-Harissa-Würze. Ein Denkapparat mit Herz, der manchmal weder Zeit noch Schmerz empfindet.

Lass das mal so stehen als Privatbeitrag.

Unkorrigiert darfs dann auch …

… oder ne, jetzt hab ichs korrigiert. Jetzt gehts auch online.

Du musst es ja nicht lesen …

… wobei, wenn Du diese Zeile liest, hast Du es ja gelesen.

UmsLand Bawü – Prolog Tag 2 | Gernsbach nach Freudenstadt | Tour de Murg

Es regnete die ganze Nacht. Heilfroh, dass ich das Zelt in der Schutzhütte des Grillplatzes oberhalb Gernsbachs aufgestellt hatte. Nicht, dass das Zelt undicht und untauglich wäre, aber es ist nie gut, ein klatschnasses Zelt am Morgen zu verpacken, es ggf. und mit etwas Glück tagsüber wo trocknen zu können. In der Nacht war ich kurz draußen, um den Kochtopf unter einem Rinnsal, das vom Dach der Hütte plätscherte aufzustellen. Das aufgefangene Wasser würde das Spülen am Morgen erleichtern und Trinkwasser sparen.

Gegen Dämmerung kamen zwei Gemeindeangestellte in orangenen Klamotten am Lager vorbei. Grüßten freundlich. Spät dran verpackte ich alles, kochte einen schnellen Kaffee und verschob das eigentliche Frühstück mit Brot und Marmelade und Alles auf später irgendwann. Hatte eigentlich um vier Uhr im Halbschlaf überlegt, schon aufzubrechen, dann hätte ich genügend Zeit zum radeln gehabt, um rechtzeitig gegen 12 Uhr in Freudenstadt zu sein, wo ich Frau Laut treffen will, so der Plan, High Noon in Freudenstadt.

Die Tour de Murg ist ein feiner etwa sechzig Kilometer langer touristischer Radweg, der meist abseits der Bundesstraße das Murgtal hinauf schlängelt. Ich hätte ihn prima auch im Dunkeln radeln können. Verwarf, im warmen Schlafsack wälzend, dem Plätschern des Regens lauschend jedoch die Idee, mitten in der Nacht aufzustehen und in den Morgen zu radeln (obschon das gar wunderbar sein kann), schlief wieder ein, erwachte gegen halb neun.

Es würde niemals reichen, die etwa 50 Kilometer bis Freudenstadt bis 12 Uhr zu schaffen. Theoretisch wäre es zwar kein Problem. Aber der Künstler in mir hat dabei mitzureden. Er will ständig stoppen, schauen, sich Gedanken machen um die Beschaffenheit der Welt, fotografieren, jaja und vielleicht würde er auch wo eine längere Rast halten wollen und ein paar Zeilen ins Tagebuch schreiben. Kunstmaschine still alive.

In der Morgenluft, die deutlich kälter war als tags zuvor folgte ich der Tour de Murg, passierte kleine Dörfchen, kurbelte ein paarhundert Meter direkt neben der Bundesstraße auf dem Radweg, nicht schön. Ich erinnerte mich an die frühen Touren in den 1980er Jahren als wir mit Mülltüten voller trocken zu bleibendem Tourenbedraf, Schlafsack, Isomatte, Essen, diese Bundesstraße hinauf radelten. Es gab damals noch keine Tour de Murg und in meiner Erinnerung regnete es permanent auf diesen frühen Touren von der Nordpfalz bis zum Bodensee. Meist fuhren wir in der 17.-Juni-Woche für neun Tage Alsenz-Bodensee und zurück etwa 800 bis 1000 Kilometer. Ohne Zelt, in Neubauten und Sägewerken und Schuppen hausend, in Bäckereien um Brot bittend.

Dergestalt bin ich nun geradezu hightech unterwegs. Mit allmöglichem elektronischen Zeugs, mit Winterzelt – und das werde ich auch brauchen. Die kommende Nacht soll es Frost geben, Regenklamotten, Hochdichtigkeitspacksäcken, pi, pa und po.

Ich fotografiere am Wegrand. Nebel, der sich löst, ein merkwürdig senkrecht aufgestellter Anhänger, Straße, Landschaft, Schilder, bummele in der Gewissheit, dass durchs Murgtal alle Stunde die S8 ab Karlsruhe bis nach Freudenstadt, ach was, weiter noch, bis nach Bonndorf fährt. Gegen zehn schaue ich bei einem Bahnhof, um welche Zeit der Stunde in etwa die Züge fahren. Bahnhöfe gibt es alle paar Kilometer. Dieser hier ist ein Bedarfshalt. Man muss einen Knopf drücken, wenn man möchte, dass der Zug anhält und einen mitnimmt. Genauso ist es im Zug. Dort gibt es auch Bedarfshaltsknöpfe. Fast ist es wie die gute kleine Waldbahn im Bayrischen Wald. Nur eben Baden-Württembergischer. Hmmm. Was heißt Baden-Württembergischer? Weniger streng, weniger autoritär, eine Prise Unordnung vielleicht? Denn, schaue ich mir die Fahrradabteile an, sie sind nicht als solche zu erkennen. Ich steige in Langenbrand zu. Halb elf etwa. Noch 40 Kilometer bis Freudenstadt. Der Bahnhof liegt abseits des Dorfs, durch das der Radweg führt. Um dahin zu kommen, empfiehlt ein Schild den Radelnden, die Treppen der Unterführung der Bundesstraße hinab zu steigen und drüben wieder hoch. Das spare ich mir. Quere die Bundesstraße, rolle bis zum Bahnsteig, hab noch zehn Minuten Zeit. Keine 250 Meter über dem Meer liegt das Gleis, sagt eine Höhenkote am Bahnhofsgebäude. Plaudere mit einer Fahrgästin. Smalltalk über den Segen, den die Bahn übers Tal brachte. Dass früher Flößer am Fluss unterwegs waren und dass es eine Grenze zu Schwaben gab, irgendwo weiter oben und dass die Flößer da nicht drüber durften und daher eine Seilbahn gebaut wurde, elende Kleinstaaterei und Handaufhalten für freie Bahn. Gott seis getrommelt, dass das vorbei ist. Zack sitzen wir im Zug. Ein Mädchen im Vierersitz neben dem Fahrradabteil weiß leider keinen Rat, wie bitteschön und wo man denn hier Fahrräder abstellen kann, soll oder darf. Das Fahrradabteil ist einer von vielen Einstiegen am Zug. Es gibt jedoch einfach nur den Eingangs- und Ausgangsbereich. Daneben ist die Gummimanschette des Wagengelenks, wo theoretisch Platz wäre fürs Rad. Doch dort ist ein Schild, Fahrrad abstellen verboten. Die S8 ist eine rollende Doublebind-Situation. Ich stelle das Fahrrad mitten in den Türbereich und so ists wohl gedacht. Bei jedem Halt muss ich schauen, dass ich ggf. die Tür freigebe, an der Leute zu- oder aussteigen möchten. Zum Glück ist nicht viel los im Zug.

Noch mehr verwirrt mich die Ansage im Zug, also eigentlich ist sie klar: Beim nächsten Halt kann man im hinteren Teil des Zugs nicht aussteigen, Schönmünzach? Egal, ich will ja nach Freudenstadt und bleibe also sitzen. Da kommt ein Zugbegleiter vorbei und macht mich rennen: Also wenn sie nicht zurück nach Karlsruhe wollen, müssen sie nach vorne in den Zug. Puh, schnell raus und fünfzig Meter weiter vorne in den anderen Zugteil. Keine Ahnung, ob der hintere Wagen abgehängt wurde. Für mich als einfacher Fahrgast heißt am-nächsten-Bahnhof-nicht-aussteigen-können nicht, dass der Zug geteilt wird und der Nichtaussteigenkönnten-Zugteil in die andere Richtung fährt.

Gegen elf Freudenstadt-Stadt. Das ist der höher gelegene Bahnhof in Freudenstadt. Frau Laut muss am tiefer gelegenen Bahnhof noch einmal umsteigen, damit sie die 50 Höhenmeter nicht bis hierher kurbeln muss. Sie wird eine Stunde später hier sein. Ich quäle das vollbepackte Reiserad zwischen labyrinthischen Gittern hindurch über die Gleise. Irgendwie besser als nicht funktionierende Aufzüge durch Unterführungen, finde ich. Eine Scharade mit vielen anderen, die durch die Gitter müssen. Treibe mich in der Stadt herum, komme just als ein Glockenspiel bimmelt, das bestimmt eine Sehens- und Hörenswürdigkeit ist, in dessen Nähe, folge dem Klang, filme, stehe auch gleich vor einem Café. Da geh‘ ich rein. Da ess‘ ich Kuchen. Da trinke ich Kaffee. Da bummele ich und warte und beobachte und geh‘ aufs Klo und wasch‘ die Hände. Es gibt Schwarzwälder Kirschtorte, was sonst, Schwarzwälder Kirschtorte und Milchkaffee für nur acht Euro. Ich bin glücklich. Es ist warm. Im Café sitzen nur Frauen. Ich muss an Frau Rebis denken, die in der Türkei oft in Teestuben voller nur Männer sitzt und daran wie privilegiert ich bin, dass ich als Europenner männlichen Geschlechts hier einfach so sitzen kann, ohne begafft zu werden, ohne gar als Fremdkörper angesehen zu werden.

Später bummele ich zurück zum Bahnhof, fotografiere seltsame Dinge, abblätternde Farbe an Mauern, eine Reifenspur auf einer Grünfläche. Freudenstadt erschließt sich mir nicht so recht. Ich bin ja auch nur kurz hier, zu kurz, um künstlerisch warm zu werden mit der Stadt und da bleibt dann nur das Standard-Entdecken, stadtbummlerischer Mainstream, da entdeckste nichts Neues. Die blinden Flecke, die man neuen Gegenden gegenüber oft hat, müssen erst überwunden werden und dafür braucht es Zeit und Ruhe und Kirschtorte und Kaffee und Wiederholung und Muse und keinen Termin. Mag sein, dass wenn ich bis Nachmittag bleibe, das Glockwerk ein weiteres Mal beim Bimmeln schaue, dass dann die Szene kippt, dass ich dann sehe, dass dann die Scheuklappen fallen? Aber nun bin ich fixiert auf Bahnhof. 12:09 kommt der Frau-Laut-Zug und die kenne ich ja kaum. Sie sagte, sie würde mitradeln als ich die Tour vor Tagen auf Mastodon ankündigte und ich sagte: ja gerne. Wir sind uns erst einmal kurz begegnet, radelten jahrs zuvor nebeneinander zur Natenom-Gedenkstätte.

Ob wir zurecht kämen miteinander oder nicht, das würde sich dann zeigen. Und überhaupt, es sind ja nur 70 Kilometer bis zu unserem gemeinsamen Ziel in Pforzheim.

Ran ans „Länd“ | #UmsLand Bawü | Prolog

Hochkantbild einer Bärenskulptur aus Polyester. Der weiße Bär steht auf zwei Beinen und Hält die Ortsschilder von Berlin und das Ortsausgangsschild von Berlin, durchgestrichen mit Hinweis auf Gaggenau in 700 km nach oben. Er ist beklebt mit zahlreichen bunten Stickern von Unimog-Fahrzeugen. Der Hintergrund aus Pflastersteinen, einer Sitzbank und einem Spielplatz und Gemäuer lässt eine innerstädtische Position vermuten vorm Protal des Unimogmuseums ind Gaggenau.

Doch zurück in die Gegenwart. Wörth. Rheinradweg. Eurovelo. Praktisch die A7 unter den Fernradwegen. Somit sollte sie eigentlich für den internationalen Radverkehr immer befahrbar sein oder wenigstens gut umgeleitet. Genau so wie die A7 für Autofahrerinnen und -fahrer ständig offen gehalten wird. Frei sein. Ungebremstes Vorankommen Richtung Süden oder Norden.

Unter der Rheinbrücke eine Blockade. Achtung Hochwasser. Lieblos barrikadiert eine rotweiße Bake. Keine Umleitung beschildert. Die Bake steht nur bis zur Hälfte des Wegs; jemand hat sie weggezogen und der Weg, unter der Brücke hindurch, ist nicht überschwemmt. Aber das Wasser steht hoch. The Tide is High singend wage ich mich voran. Dort vorne läuft ein Mensch, den frage ich mal und ja, sagt der, man kommt da weiter. Ist kein Hochwasser. Zumindest nicht soweit die Füße tragen.

Ich folge den Schildern, überquere den Rheindeich, passiere eine Kindergartengruppe, hier ein Ebiker, dort eine Hundegassigängerin. Die Sonne lacht. Ich bummele. Stoppe ständig das Rad, um zu fotografieren oder zu filmen. Vielleicht, mit etwas Glück und Besinnung, finde ich zu meiner alten Balance zurück, mutiere zur „Kunstmaschine“, finde den richtigen Reisetakt. Die letzten Jahre unterwegs im Schnellschnell waren nicht gut für die Kunst. Zwar hatte ich die Gopro immer im Anschlag, filmte was mir auffiel, filmte was geht, aber mit Etappen bis 160 Tageskilometern, das weiß ich, bin ich viel zu schnell, um Kunst zu schaffen und das Radreise-Kunst-Konglomerat in eine für beide Seiten angenehme Form zu gießen. Beide Seiten? Meine zwei Ichs. Der voranstrebende Naseweiß, der weiter weiter weiter will, steht im ewigen Clinch gegen den blümchenträumenden Kunstbub, der hier mal steht, dort mal nascht und sich Zeit, unendlich viel Zeit für den Moment nimmt. Die letzte gelungene Langstrecke, an die ich mich erinnere, waren die Flussnoten, 2016 den Rhein abwärts. Darauf folgte eigentlich nur noch Huschhusch, Hektik, Schadensbegrenzung und eine Pandemie und Müdigkeit und Frust und Selbstaufgabe.

Dieses Jahr wird besser. Das verspreche ich mir eigentlich jedes Jahr. Dieses Jahr machste wieder mal etwas, was dir selbst entspricht. Koste es was es wolle.

Bald bin ich in Frankreich. Ohne es zu bemerken habe ich die Grenze bei Neuburg überquert. Fahre durch Rheinauen, stapfe hie und da durch schlammige Felder Richtung Horizont, weil dort etwas ist, das ich fotografieren möchte. Ein Hochsitz. Eine Baumzeile, ein Industriegebäude oder tatsächlich auch einfach nur Horizont, der näher in die Kamera kommen soll als von radwegischer Perspektive erkennbar.

Schlammige Füße. Langsam summieren sich die Kilometer auf dem Tacho. Ich schaue nicht so genau hin. Eigentlich führt meine Route doch direkt zur nächsten Brücke, denke ich, bei Beinheim im Elsass, kann doch nicht so weit sein. Und doch, es ist so weit. Bald dreißig Kilometer muss ich kurbeln. Das hatte ich zuvor gar nicht auf dem Schirm. Südlich von Lauterbourg durchquere ich ein „Wenns-rappelt-dann-renn-Gebiet“. Am Radweg steht ein Schild auf Französisch, dass es eine Gefahrenzone ist und falls ein Alarm losgeht, soll man die Zone schnell verlassen. Etwas weiter westlich nahe Haguenau ist auch solch eine unheimliche „Wenns-rappelt-dann-renn-Zone“. Ich glaube dort ist es ein Munitionslager. Die Schilder bei Haguenau legen einem obendrein nahe, dass man zügig durchfahren soll und nicht pausieren. Das ist hier anders. Ich tippe auf Chemie.

Die Auengebiete jenseits der Siedlungen sind unheimlich schön. Winterverschlafen. Abgestorbene Bäume im Sumpf, große weite Teiche, Schilf, Wiesen, kleine intakte Boote, kaputte halb abgesoffene kleine Boote und in Munchhausen gibt es ein feines touristisches Areal mit im Sommer wohl offener Tourimus-Infrastruktur.

Die schräg stehende Sonne im Süden, auf die ich zu fahre, macht Lust, einfach weiter zu radeln. In zwei Tagen könnte ich am Jura sein, könnte westwärts queren zwischen Vogesen und Jura. Es wäre wie früher vor dreißig vierzig Jahren, als ich oft nach Süden radelte, mich an dem hellen Streifen Sonne im Süden orientierte, dem Winter davon radelte, versuchte, per Radel nach Gibraltar zu radeln und wie oft bin ich gescheitert!

Meine heutige Mission lautet, den Rhein zu überqueren und ins Murgtal zu radeln. Es ist Donnerstag. Freitag gegen Mittag bin ich mit Frau Laut am Bahnhof in Freudenstadt verabredet. Gemeinsam wollen wir Freitag-Samstag nach Pforzheim weiter radeln. Freudenstadt liegt am oberen Ende des Murgtals. Wahrscheinlich ist die Murgquelle ganz in der Nähe. Eine S-Bahn von Karlsruhe führt hinauf. Jedes Dorf hat einen Bahnhof. Das sind super günstige Bedingungen, falls es mit der Zeit knapp werden sollte.

Selz. Ich kann die Brücke sehen. Zwei Kilometer flussaufwärts. Aber da ist auch ein Hinweisschild zur Fähre. Im Rhein sehe ich ein Ponton, auf dem schon ein Radler rastet. Wer weiß, vielleicht fährt die Fähre ja. Obschon ich kein Schiff sehe. Hundert Meter weit führt der Steg hinaus zu einem runden Ding mit einem Häuschen darauf. Verflixt! Das ist die Fähre. Jaja, sagt der andere Radler, du bist schon auf dem Schiff. Die Überfahrt ist kostenlos und die Fähre funktioniert ohne Motor. Mittels Seilzügen, die an einem über den Fluss gespannten Tau hängen, wird der Schiffskörper schräg in die Strömung gestellt und das Wasser treibt ihn an. Geht ganz schön schnell. Die Überfahrt ist gratis. Einen Motor gibts auch, erklärt mir der andere Radler. Falls die Seile reißen. Es kam wohl mal vor, dass man die Fähre flussabwärts wieder einsammeln musste nach einer Seil-Havarie. Da isser wieder, mein Möglichkeitsbaum. Fünfundzwanzig Kilometer bin ich geradelt in der sicheren Gewissheit, dass ich über die Brücke fahre und nun, zack, Abzweig, Fähre, andere Route als geplant.

Baden-Württemberg. Endlich. BaWü. Hallo neues Kunstprojekt, hallo neues Bundesland, hallo „The Länd“. Hier bin ich. Ich will über Dich schreiben. Dich erforschen. Fotografieren und filmen. Lang hab ich mich geziert. Seit Jahren liegt mein Reiseplan bereit. Jaja, ich gebe zu, ich habe Respekt vor Dir. Neben Sachsen bist Du für mich das zweitunheimlichste Bundesland Deutschlands. Ich weiß nicht woran das liegt. Doch ich weiß es: Kehrwoche. Kehrwoche und Wohlgeordnetheit Flusenaufklauben (danke, Frau Hauptstadtethnologin für die Geschichte vom Flusen aufklauben). Wohlgeordnetheit, Flusen aufklaubende Kinder und Kehrwoche und mein Dünkel, dass vermeintlich alle Menschen super sauber, super ordentlich sind und dass ich als lapidarer Europenner anecken könnte … nennen wir es beim Namen: Vorurteile.

Nieselregen treibt mich nach Rastatt. Ich folge einem Ebiker, der einige hundert Meter vor mir fährt. Der Radweg folgt der Landstraße, quert verschiedene Straßen. Dann erreiche ich die Murg. Ihr muss ich folgen. Der Fluss ist vielleicht 15, 20 Meter breit und in Rastatt kanalisiert. Feierabendverkehr. Blank liegen die Nerven. Ein Männlein mit röhrendem Motor macht seinem Frust Luft, im Stau zu stehen. Ich schlängele mich vorbei. Verliere die Murg. Verliere die Radwegeschilder, frage mich zum Radweg durch, stehe im Stau, finde Radwegschilder, erinnere mich an 2018, als ich im Paminablog Rastatt durchquerte, erinnere mich, dass ich auch damals umher irrte.

Nichts hat sich getan für die Radwegeinfrastruktur in fast sieben Jahren. Null, nada, niente! Die gleiche nicht vorhandene oder miese Beschilderung. Die selbe schäbige Betonbrücke, die man auf einer 15 Prozent-Rampe unterquert, drüben wieder hoch muss, auf unbefestigten Pfaden landet, aber dann, so sagt es mir ein junger Mann, folge dem Gewässer und das ist nicht die Murg. Das Gewässer heißt Gewerbekanal. Ich folge ihm bis Kuppenheim und ab dort läufts mit der Tour de Murg.

Hochkanbild einer Bärenskulptur aus Polyester. Der weiße Bär steht auf zwei Beinen und Hält die Ortsschilder von Berlin und das Ortsausgangsschild von Gaggenau, durchgestrichen mit Hinweis auf Berlin nach oben. Er ist beklebt mit zahlreichen bunten Stickern von Unimog-Fahrzeugen. Der Hintergrund aus Pflastersteinen, einer Sitzbank und einem Spielplatz und Gemäuer lässt eine innerstädtische Position vermuten vorm Protal des Unimogmuseums ind Gaggenau.
Bärenskulptur vorm Unimogmuseum in Gaggenau.

In Gaggenau schaue ich mir das Unimogmuseum an. Nur von Außen. Luge durch die großen Fenster, fotografiere, mache ein Quatschvideo wie ich mit dem Reiserad über eine Schau-Rampe schiebe, auf der normalerweise Unimogs aufgestellt werden oder die darüber fahren, zur Schau eben. Es dunkelt. Ein paar Leute räumen Kuchen und Geschenke aus ihren Autos, tragen sie hinein. Offenbar kann man in dem Museum seinen Geburtstag feiern. Ich muss an Freund Journalist F. denken. Der hätte Spaß gehabt an dem Museum. 2018 als ich vorbei radelte und es dem Journalisten noch gut ging, er noch lebte, hatte ich überlegt, dass man mal einen Ausflug in das Museum machen könnte.

Weiter auf der Tour de Murg, die links des Flusses auf der ruhigeren Talseite aufwärts führt. Die andere Seite gehört der Bundesstraße. Und die Bahn wechselt je nach Lust und Laune. Fast dunkel ists als ich Gernsbach durchquere und der Regen stärker wird. Ein Junge folgt mir und will und will nicht überholen. Als ich am Ortsausgang stehen bleibe, um nachzudenken, bleibt er auch stehen und als ich keine Anstalten mache, wieder loszuradeln, fährt er weiter. Kein Licht hinten. Okay. Aber wir sind auf der kaum befahrenen Radroute. Da oben eine Kirche. Ich muss mich mit mir selbst beraten, könnte dort im Vorbau etwas kochen und dann in die Nacht weiter radeln. Sitze eine Weile auf kaltem Stein. Es regnet sich ein. Das wird kein Spaß bei Dunkelheit im Regen flussaufwärts zu radeln, denke ich. Finde eine Schutzhütte hinter der Kirche. Nur 160 Meter entfernt. Ein Grillplatz. Der Weg ist durch eine Schranke abgesperrt. So will es das Schicksal, denke ich. Die Hütte ist gerade groß genug, um das Zelt darin aufzubauen. Ich koche Nudeln, trinke Wasser, richte das Lager ein. Am Ortsrand gehen Flutlichter an. Fußballtraining.

Es regnet die ganze Nacht.


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