Wo ist Pilger T.?

Nun beginne ich, mir Sorgen zu machen um Ex-Kollege T. Pfingsten startete er mit dem Rad nach Santiago de Compostella. Von unterwegs meldete er sich ein paar Mal und berichtete knapp, was geschehen war und wo er sich gerade befindet. Meist musste ich ihm bei diesen Telefonaten einen Campingplatz oder eine Unterkunft ergooglen. Kein Problem. Web machts möglich. Den letzten Anruf erhielt ich aus Bordeaux. Mit einbrechender Dunkelheit war er in die Stadt geradelt (keine gute Idee), fand keine günstige Unterkunft, Handy-Akku beinahe leer. Ich konnte ihm mit dem letzten Saft, den sein Handy bot einen Ausweg smsen, und sogar ein kurzes Gespräch war noch möglich. Er hatte schließlich doch ein Bett in der Jugendherberge ergattert, sogar ein Einzelzimmer. „Ich sperre jetzt ab und trinke den Wein, den ich gekauft habe …“ Dann riss die Verbindung ab.

Die Spur verliert sich. Er wollte nach St. Jean Pied de Port, dem letzten französischen Pilgerort vor den Pyrenäen. Ab da würde er gut aufgehoben sein, denn der Camino Frances ist bekanntermaßen ein ausgelatschter Pfad, auf dem man hunderte von Gleichgesinnten trifft und der für den modernen Pilger offenbar perfekt erschlossen ist.

Ruft T. nicht mehr an, weil er keine Hilfe mehr braucht, oder weil sein Handy den Geist aufgegeben hat, oder ist ihm in Bordeaux etwas zugestoßen?

Verschwindet einfach im Nebel des Unwissens.

Alle seine Bekannten und Freunde, die ich gesprochen habe sind sich jedoch einig: T. hat es bis zu dem berüchtigten Weinbrunnen von Irache geschafft. Dort zeltet er seither und hat einen Bypass gelegt, so dass das köstliche Traubengetränk mitten durch sein Zelt fließt.

Wollen wir mal hoffen.

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