Kein Verkehr zwischen Mettlach und Taben | #UmsLand/Saar

Diese Stille, die Du auskostest wie ein Sternemenü, das französelnde Meisterköche eigens für Dich kredenzten und es mit viel Pomp auftragen. Du ahnst die Saar, kaum zwanzig Meter entfernt. Kann ein Fluss so leise fließen, dass man ihn nicht hört? Kein Tier, kein Wind in den Wipfeln, kein Geäst krächzt. Blätter fallen nicht.
Aufrecht hockend im Zelt, düsternis starrend, halb träumend denkst Du, bin ich tot? Vage Panik erupiert unterm Ozean des Halbschlafs. Gleich wird sie einen Tsunami aufwerfen, der Dich zermalmt. Ein kurzes Gebet noch um ein Auto, einen Güterzug, einen LKW, der Autos hinter sich staut, so wie es üblich ist hier im engen Saartal, so wie Du es verlassen hast, als Du endlich einschliefst am Abend unterm Halbmond neben der Buche auf einem zehn Zentimeter dicken Bett aus Laub und Eckern und dürrem Gezweig. Es 1:07 Uhr.

Vom Bostalsee schlängelt sich gestern der große Saarlandradweg entlang des Nackens der ‚Wutz‘ (siehe vorigen Blogeintrag, in dem erläutert wird, dass der Umriss des Saarlands einem Schwein ähnelt) über den Kopf zur sturen Schweineschnauze, die etwa bei Mettlach an der Saar beginnt. Dazwischen liegen drei Seen, die auch dem Themenradweg Dreiseentour seinen Namen geben. Eigentlich sind es Stauseen, der Bostalsee, durch den die noch junge Nahe fließt, der Primstalstausee, benannt nach dem Flüsschen Prims und in der Nähe von Wadern, genauer bei Losheim, der Losheimer See. Am spektakulärsten dürfte der Primstalsee oberhalb Nonnweiler sein. Er hat zwei Arme. Niedrigwasser sei Dank sieht man die Ufer besonders markant. Auf einer Infotafel ist skizzierr, wie das als Trinkwasserreservoir geplante Gewässer ‚funktioniert‘. Dass der Losheimer See ein Stausee ist, erfahre ich erst in einer Konditorei in Losheim, in der ich siebzehn Uhr abends unterzuckert ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte esse und einen Kaffee trinke. Da lang ein Lebensmittelladen? sagt die Verkäuferin, ne, da kommt nur noch der Stausee, und sie schickt mich in die andere Richtung ins geschäftige Städtchen zu einem Lidl. Der Weg dahin deutschfeierabendblechkarossenaggressiv, Drängelei, Huperei, multiple Anklagen derjenigen, die sich im Recht meinen. Für einen kurzen Moment des nach dem Einkauf Weiterradelns, den See links liegen lassend, weil es die Streckenführung des Saarlandradwegs so will, sinniere ich, ob es anders ist als früher mit der Aggression jenseits des Blechs, anders als früher mit dieser sinnlos kleingeistigen Machthuperei, dem Fahren auf den letzten Zentimeter, dem Rechthaben, ohne zu wissen, was Recht ist und dann wundere ich mich, dass die Menschen außerhalb ihrer Autos, also nicht eingebunden in Verkehrssituationen, so normal, so friedlich, so freundlich sind.

Nachdem der große Saarlandradweg zwischen Wadern und Losheim eher unspektakulär war, mausert er sich ab einem Dorf namens Häusern wieder zu einem Waldidyll und ab Mettlach folgt er dem Saarradweg, also dem großen Flussradweg. Ein Mann in Mettlach empfiehlt mir, links zu fahren nach Dreisbach an der Saarschleife. Dort gibts Flusswiesen zum zelten und eine Jugendherberge. Campingplatz gibt es in Mettlach nicht. Viele Hotels. Ich überquere die Hängebrücke. Hellblaues Teil. Jenseits ein riesiger Park, ich traue mich nicht hineinzufahren und dort zu Zelten, radele stattdessen entlang von Zäunen und Mauern von Tor zu Tor. Irgendwo steht Villeroy und Boch geschrieben. Eine Frau mit zwei Hunden sagt mir auch den Namen des ehemaligen Schlosses. Ich hab ihn vergessen. Ein paar Kilometer flussabwärts des Parks treffe ich die Frau an der einzigen Stelle in der Schlucht, an der man ein Zelt aufbauen kann. Ist zwar wahrscheinlich Naturschutzgebiet, sagt die sie, weist aber kinnwackelnd hinüber auf die andere Flusseite. Dort donnert ein Güterzug und auf der Straße ziehen die Kolonnen.

Ein ohrenbetäubender Lärm. Hier schlafen? Hab ich eine Wahl? Müde bin ich nach achtzig Kilometern. Abenddämmerung. In Kürze nichts besseres zu finden, sagt die Frau. Da vorne gibts eine Trinkwasserquelle. Da im Wald eine Bank. Ansonsten nur Fuchs und Luchs und Maus und Ratt‘ und falls ich etwas brauchen sollte, erklärt sie mir den Weg zu ihrem Haus, einfach klingeln.

Das mit der Bank war klasse, kann ich nun sagen. Unterm Gedonnere des Verkehrs einschlafen aber nicht und vorhin aus dem Halbschlaf zu erwachen und nichts, absolut nichts zu hören, war geradezu unheimlich.

Mittlerweile gab es doch noch das eine oder andere Auto und hinterm Zelt raschelte ein Fuchs, ein Luchs oder ’ne Ratt‘. Ich lege mich noch mal hin.

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