Der deutsche Wurm

Ein ekliges Bild wurde mir da durch die Timeline auf Twitter hereingespült. Ein Klumpen Regenwürmer, die sich ineinander ringeln, auf der Straße liegend, aus menschlicher Sicht vielleicht so: wir haben uns zusammengeschlossen, um die Katastrophe zu überleben. Gemeinsam ist es leichter, den Einen oder Anderen durchzubringen als ganz alleine. Wir spenden uns Wärme, teilen so lange, bis womöglich keiner überlebt, aber vielleicht überlebt ja einer, zwei drei, viele? Das Foto wurde, so die Info im sozialen Medium, in Amerika aufgenommen. Dort gibt es gar keine Regenwürmer. Sie haben die letzte Eiszeit in Nordamerika nicht überlebt. Nun wurde aber der deutsche Wurm – ich weiß, das ist anstößig, denn Würmer kennen ja keine Grenzen, keine Nationen, es könnte auch ein Schweizer oder französischer Wurm sein – von Anglern nach Nordamerika gebracht und konnte Fuß fassen in einer Region der Erde, in der er längst ausgestorben war. Die Ozeane waren eine unüberwindliche Barriere für den Regenwurm. Somit hat sich in Amerika ein ganz anderes Bodenklima entwickelt als bei uns. Da es keine Würmer gab, gab es auch keine ‚Feinde‘, die sich von ihnen ernähren, die ein Gleichgewicht herstellen und für ein ausgeglichenes Wachstum aller Arten miteinander sorgen. Somit, so die Mini-Info, die ich in den sozialen Medien gefunden habe, hat der deutsche, europäische oder irgendwie sonstwieische Wurm leichtes Spiel in Nordamerika. Mit fünf Metern pro Jahr pflanzt er sich südlich wandernd in der Erde fort und stört das Gleichgewicht des Bodens. Er bohrt Löcher, höhlt aus, lässt kraft einer Existenz Wasser versickern, zieht Laub unter die Erde, mischt ordentlich auf, um es einmal salopp zu sagen.  Man kennt ähnliche Geschichten von Kaninchen in Australien, von Ratten, die auf Schiffen eingeschleppt wurden. Das Prinzip, Tier oder Pflanze, das oder die in eine andere Region der Erde gelangt, wo sie bisher nicht lebte, ist eigentlich ein alter Hut.

Wenn es Hochwasser gibt, schließen sich die Regenwürmer zusammen und versuchen, so will es ihre Natur, auf diese Weise, ihren Fortbestand zu gewähren.

Der Mensch. Was habe ich mich festgebissen in den kürzlich geschriebenen Artikeln des Flussnotenblogs. Kein gutes Haar hab ich an meinen Mitmenschen gelassen, wie ich sie beobachtete, wie ich den Fluss beobachtete, wie ich das Land beobachtete, das ich durchradelte. Von menschlichem Niemandsland in den Hochalpen erlebte ich, wie meine Mitmenschen, die Gesellschaft, letztlich auch ich, das Land nahmen und es formten, so wie sie, wie wir, wie ich das für nötig hielten und halten, um weiterzumachen, weiterzukommen. Beinahe depressiv erreichte ich den bisherigen Endpunkt der Rad- und Wandertour rheinabwärts in Lauterbourg. Ein beschauliches elsässisches Städtchen im Nordosten Frankreichs. Fachwerkhäuser, Bäckerei, Metzgerei, Torbogen, schön anzusehen, Zementwerk, Gestank, Terraforming à la Mensch. Tausende Autos auf Halde, um von irgendwo kommend nach irgendwo gehend verkauft zu werden. Umschlagsplatz. Strukturschwäche. Banlieu. Sozialer Brennpunkt, all das spürbar in dem kleinen Städtchen, dazwischen wir, auch ich, alle nur vorantreiben im stetigen Strom des Lebens. Irgendwo auf der ewigen Zeitlinie befinden wir uns, befinde ich mich, und erleben dies, erlebe ich dies. Eine Zustandsbeschreibung der Welt irgendwann zu Beginn des dritten Jahrtausends, titelte ich insgeheim. Ich durchradelte das Delta der Sauer, ein scheinbar naturbelassenes Stück Erde. Naturbelassen? Warum führt dann ein Radweg da durch? Auch so eine Frage. Kann ich als Beobachter überhaupt erkennen, ob etwas naturbelassen ist? Wenn ich den Ort erreiche, an dem ich beobachte, kann das doch nicht Natur sein? Doch! Ich bin ja auch Natur. Und die, die für mich die Wege gebaut haben, die sind es doch auch, oder?

Man sagt, die ersten Europäer, die auf ihren Segelschiffen waghalsig nach Amerika ausgewandert sind, hätten nie überlebt, wenn die Ureinwohner, die das Land seit Jahrtausenden bewohnten, ihnen nicht Nahrung gegeben hätten, damit sie die ersten Winter überleben konnten. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber ich kann mir vorstellen, wenn ich in ein fremdes Land komme, von dem ich keine Ahnung habe, wie es funktioniert, was da wächst, welche Gefahren dort lauern, es wäre ein hartes Ringen ums Überleben. Ich könnte nicht einfach so Gärten anlegen, so wie ich es von daheim gewöhnt bin, könnte nicht eins zu eins weitermachen wie daheim, ich müsste mich den Bedingungen anpassen, die ich vorfinde. Dem Unbekannten. Wie lange dauert der Winter in dieser Gegend? Wann ist die beste Zeit für die Aussaat? Wächst mein mitgebrachtes Saatgut überhaupt hier auf dem Boden, der so ganz und gar ohne Würmer auskommt?

Als ich das Wurmding entdeckt habe, das ist gerade mal ein paar Stunden her, überlegte ich, ob sich zu den Lebensweisen der Menschen Parallelen ziehen lassen. Ob es nicht genauso wie gerade mit den Würmern, Kaninchen, was immer man auch als Vorlage nimmt, in ‚mensch‘ lief. Die Europäer kamen artfremd per Schiff nach Amerika und fanden ein scheinbar leeres, eroberbares Land vor und breiteten sich und ihre  Lebensweise dort aus. Dass eigentlich eine andere Lebensweise auf dem Kontinent existierte, haben sie vermutlich gar nicht wahrgenommen. Wie der deutsche Regenwurm, der sich seit einiger Zeit unaufhaltsam durch den für ihn leer scheinenden amerikanischen Boden gräbt.

Moorlander, Scrivener und so eine Art Selbstauflösung. | #ibcoco

Heiß. Netzwerkausfall für drei Tage. Scrivener unter Linux installiert. Buchprojekte angelegt. Probleme gelöst. So war die vergangene Woche.

Nach der vollständigen Digitalisierung kommt die Selbstabschaffung, dämmerte mir.

Was bleibt, ist Kunst.

Heiko Moorlander zum Beispiel. 

Im Bild sein Mudart Kunstwerk ‚Schrodinger’s Glatze‘, über das in einem der ersten Buchprojekte, die ich mit Scrivener angelegt habe, zu berichten sein  wird.

Scrivener ist ein Programm, mit dem man große Textprojekte organisieren kann.

Heiko Moorlanders Mudart Schrodingers Glatze zeigt zwei auseinanderteiftende Reifenspuren auf rotbrauner Pferdekoppel. im Hintergrund stehen Bäume. 

Dienstreise in die imaginäre Armut | #ibcoco #flussnoten

Plötzlich mitten in Rheinhessen. Ein kleiner Parkplatz. Schautafeln, eine Hütte, ringsum Weinberge, abgeerntete Felder, garstige Kahle. Ich hatte mich verirrt, war irgendwo falsch abgebogen vom Selzradweg, von dem ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau wusste, wohin er führen würde, woher er kam. Die Selz ist ein kleiner Seitenfluss des Rheins. Der Mittelpunkt Rheinhessens liegt in der Nähe des Dörfchens Gabsheim. Man hat einen weiten Blick über das kahle Land. Rheinhessen ist das größte Weinanbaugebiet Deutschlands, lernte ich auf einer der Schautafeln. Sofort begann mein Künstlerhirn zu rattern und ich stellte mir vor, das kleine Ländchen in Rheinland-Pfalz einmal vom Mittelpunkt aus in immer größer werdenden Kreisen zu erkunden. Es gibt in Rheinhessen nur vier Dörfer, in denen kein Wein produziert wird, lernte ich beim Studium der Schautafeln.

Eigentlich war ich auf Dienstreise. Sonntags und montags verbrachte ich bei Freund Sven, um ihm bei seinen Webseiten zu helfen. Dass der Radweg fast direkt an seinem Atelier vorbeiführt, ein Glücksfall. In Rheinland-Pfalz kann man Fahrrad und Zug prima kombinieren, so dass ich auf dem Hinweg das Fahrrad gleich mit ins Abteil gepackt hatte. Auf dem Nachhauseweg ließ ich mich treiben. Der Termin war erledigt. Unformatierte Zeit ohne Ende lag vor mir. Ich folgte einfach den Radwegschildern in Richtung Süden, durchquerte das Städtchen Alzey, erfreute mich an der Strecke, bis ich am südlichen Ende Rheinhessens in Orbis schließlich die Quelle des gut sechzig Kilometer langen Rheinseitenflusses erreichte.

Heiß. Sonne. Durst. Einkaufen. Ein Café in Kirchheimbolanden. Die Stadt, deren Wahrzeichen ein Eber ist, liegt am Fuße des Donnersbergs, des höchsten Bergs der Pfalz. Über zahlreiche Aufs und Abs folgte ich der Ostflanke bis zur nächsten Bahnstation in Münchweiler an der Alsenz, nahm einen Feierabendzug. Die Strecke bis ganz nach Hause wäre an einem Tag im Bummelrhythmus auch kaum zu schaffen gewesen.

Wieder einmal kamen mir meine Pläne in den Sinn, mich endlich um die Heimat zu kümmern, es einmal gut sein zu lassen mit den langen Reisen. Kaum zu glauben, dass ich vor ziemlich genau einem Jahr live bloggend zum Nordkap radelte und die Tour im Frühling in die entgegengesetzte Richtung nach Gibraltar ist schon fast vergessen. Auch die unterbrochenen Flussnoten sind nur noch Schemen. Dennoch: die Selz ist ein veritabler Nebenfluss des Rheins. Im Grunde radele ich also im Flusssystem des Rheins. Ich bin hierzulande immer am Rhein, wenn ich den ‚erweiterten Flussbegriff nach Irgendlink‘ als Maßstab nehme (überall wo Wasser in den Rhein fließt, ist auch Rhein). Ist meine kleine Tagesradtour im Prinzip auch dem Buch Flussnoten zuzurechnen? Friedlich kurbelnd spielte ich mit dem Gedanken, orientierungslos daheim im Kreis zu fahren.

Bahnhof Homburg, der Regionalzug spuckt mich nebst Fahrrad aus und ich ächze in der Abendsonne die letzten zehn Kilometer zurück zum einsamen Gehöft. In der Homburger Innenstadt fleddert ein bärtiger Kerl alle liegen gelassenen Kekspackungen und Fastfoodtüten nach Essen und stopft hungrig alles, was noch essbar ist in den Mund. Die Mülleimer durchwühlt er nach Pfandflaschen. Wie der Scheinwerfer eines Leuchtturms strahlt sein Blick über einen weiten Platz. H&M, Bank, Glasfronten, Herumlungernde. Ich krame ein paar Münzen aus dem Geldbeutel und drücke sie ihm in die Hand. Wortlos schaut er mich an.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren, Herr Irgendlink? In einer deutschen Kleinstadt fremd den öffentlichen Raum nach Verwertbarem durchsuchend? Ungepflegt, niegeduscht, verwirrt, alles verloren? Vielleicht.

Aber bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein runter.

Bilder, Bilder Bilder von der #flussnoten Wanderung | #ibcoco

Dieser Artikel verlinkt auf acht Bildergalerien im Flussnotenblog (Links siehe weiter unten im Text).

Frau SoSo hat in den letzten Tagen ihr Bildarchiv durchforstet und unsere Wanderung den Rhein hinab in acht Abschnitten auf dem Flussnotenblog gezeigt. Von der Quelle des Vorderrheins führte die Wanderung drei Wochen über Stock und Stein bis zum Bodensee.

Für neu Eingestiegene: Das Blog Flussnoten.de ist ein Buch in Blogform. Es wird derzeit live geschrieben. Der Wanderabschnitt in den folgenden Galerien war der erste Teil. Den zweiten Teil des Buchs über den Rhein setzte ich per Rad ab Bodensee bis ca. Karlsruhe fort.

Wir haben das Blog so eingerichtet, dass man es auch in chronologischer Folge lesen kann – wie ein richtiges Buch. Ein Lektorat, gab es bisher noch nicht. Auch einige unveröffentlichte Texte warten noch auf Freischaltung. Wir planen das Buch nach Ankunft in Rotterdam zu redigieren und als eBook zu veröffentlichen.

Ab 12., 13. oder 14. September werde ich das Buch über den ‚Rhein, die Menschheit und den ganzen Rest‘ live zu Ende schreiben und per Fahrrad die Strecke Karlsruhe-Rotterdam erkunden.

#Flussnoten: Die Bilder (SoSo – 1. Teil)

#Flussnoten: Die Bilder (SoSo – 2. Teil)

#Flussnoten: Die Bilder (SoSo – 3. Teil)

#Flussnoten: Die Bilder (SoSo – 4. Teil)

#Flussnoten: Die Bilder (SoSo – 5. Teil)

#Flussnoten: Die Bilder (SoSo – 6. Teil)

#Flussnoten: Die Bilder (SoSo – 7. Teil)

#Flussnoten: Die Bilder (SoSo – 8. Teil)

 

Daheim | #flussnoten #ibcoco

Was ereignete sich in der vergangenen, vorerst letzten Flussnotenwoche?

Fast nichts.

Termine unterbrechen die Reise rheinabwärts. Sonntag, Montag und Dienstag radelte ich vom Breisgau entlang des Rheins, der Lauter, Queich und Schwarzbach zurück in die Pfalz.

Zwei Tage Ruhe, danach der Versuch, einen Alltag zu etablieren, was noch nicht so ganz gelungen ist.

Fortgesetzt wird das Buch, das live am Rhein über den Rhein und die Menschen geschrieben wird voraussichtlich am 14. September. Noch etwa sechshundert Kilometer muss ich radeln, bis ich bei Rotterdam die Nordsee erreiche. 

Vierte Woche #flussnoten – per Rad vom Bodensee in den Breisgau | #ibcoco

Wochenrückblick Flussnoten: Vierte Woche. Zweiter Akt.

Per Fahrrad setzte ich die Reise alleine fort. Bodensee, Untersee, Hochrhein, Aare mit Wasserschloss (Zusammenfluss von Limmat und Reuss in die Aare) , Kaiseraugst, Basel und Oberrhein bis Breisach. Frau SoSo brachte mich nebst Radel montags (am Schweizer Nationalfeiertag, dem ersten August) per Auto nach Fußach, wo wir zweieinhalb Tage zuvor unsere Wanderschaft beendet hatten.

Der Rhein taucht nahe Bregenz ab in den Bodensee. Sein kaltes Wasser mischt sich auf etwa 80 Kilometern bis Konstanz mit dem warmen Seewasser. Als Seerhein überbrückt er einige Kilometer, durchfließt den Untersee bei Radolfzell und tritt ab Stein am Rhein mit dem Hochrhein wieder als Fluss in Erscheinung.

Zweieinhalb Tage folgte ich dem touristisch perfekt erschlossenen Bodenseeradweg bis Radolfzell und weiter zur Aaremündung, machte einen Abstecher nebst Pausentag bei Frau SoSo, die in der Nähe des sogenannten Wasserschlosses lebt. Im Wasserschloss schließen sich drei große Schweizer Flüsse zusammen, Limmat, Reuss und Aare. Gemeinsam fließen sie etwa zwanzig Kilometer weit, bis sie bei Felsenau in den Rhein münden.

Höhepunkte der Woche sind der Rheinfall bei Schaffhausen, eine kurze Schifffahrt nach Eglisau, die alte Römerstadt Augusta Raurica (heute Kaiseraugst), Basel und Breisach. Zu lesen auf Flussnoten, wo ich regelmäßig bloggte.

Ich durchradelte ein nahezu vollständig von Menschen vereinnahmtes und kultiviertes Seegebiet und Flusstal. Einzelne Naturschutzgebiete muten an wie eine Art hilflose Wiedergutmachung, wenn man die Autobahn direkt daneben betrachtet, den Einflugschneisenverkehr zum Airport Zürich, Maisfelder, geschundene Nutzwiesen.

In aller Demut und mit der Frage Warum?, komme ich zu der unbeholfenen Antwort, dass das so muss.

Die Welt als Ganzes betrachtet wäre ein Prozess, der einfach abläuft mit aller Zerstörung, Nutzbarmachung, Wertschöpfung, Wiederaufbau, De- und Renaturierung. Wir Menschen sind Teil dieses Prozesses. Wir laufen ab, durchlaufen über die Jahrhunderte Wenn-Dann-Scheifen, bis wir irgendwann vergehen und als Bedingung im Gesamtprozess der Genesis aufhören als Kraft zu wirken. Mit allem Guten und allem Bösen, das wir einbringen.

Andere Kräfte werden Überhand gewinnen, andere Spezies, vielleicht Ameisen, Fische, oder gar etwas heute noch nicht Denkbares, Roboter, künstliche Intelligenz?

Bei den Römerbauten in Kaiseraugst kann man auf solche Ideen kommen. Begraben unter Metern von Rheinsediment liegt die einst blühende Stadt aus dem ersten Jahrhundert. Außer ein paar Fundamenten und Scherben und Steinmeißeleien ist kaum etwas übrig von der alten Hochkultur. Schrift und Sprache sind noch da, die Zahlen und auch die damalige Lebensart können von Archäologen rekonstruiert werden. In einem Flussnoteneintrag fragte ich mich, ob wir tatsächlich so viel weiter gekommen sind in unserer Entwicklung seit damals. Klar könnte man sich auf die technischen Entwicklungen berufen, Flugzeuge, Raumfahrt, Autobahnen, Kernkraft, Radwege, den Fluss gebändigt zu haben, Grenzen versetzt, Grenzen gezogen, globalisiert. Wir leben durchschnittlich zwanzig, dreißig, vierzig Jahre länger, stemmen uns dem Tod entgegen. Aber letztlich, waren nicht auch die Römer schon globalisiert, war ihre Lebenserwartung nicht auch schon erheblich länger als die der Steinzeitmenschen?

Im Grunde tun wir seit Jahrtausenden doch immer nur eines: uns in stetigem Miteinander und Gegeneinander langsam weiterentwickeln. Das Grundgefüge des Wie-wir-Menschen-leben hat sich kaum geändert.

Ein muskulöser Kerl, ich sah ihn im Augenwinkel mit nacktem Oberkörper an einer Trimmdich-Strecke nahe Basel von Stange zu Stange hangeln. Wie so ein Rocky Balboa. Demonstrativ mächtig. Daneben die zierliche Freundin, ihn anstarrend, was für ein Schnappschuss am Rande meines Weges. Der Muskelmann als Sinnbild für Menschheit, die affengleich im Rad der Jahrhunderte von Technologiestufe zu Technologiestufe schwitzt und in sich doch nur ein Rädchen im großen Evolutionsgetriebe ist.

Wie eine Erinnerung an das Ende stand plötzlich ein fast fünfzig Meter langer Plastikdinosaurier in einem Park vor Basel. Längst ausgestorben, von Menschen mühsam rekonstruiert. ein Seismosaurus, datiert auf die späte Jurazeit.

Das Anthropozän wurde kürzlich propagiert, das Menschzeitalter. Es klingt mir selbstherrlich, denn es bedeutet, dass wir Menschen ähnliche Auswirkungen auf den Weltenprozess haben wie etwa die Eiszeiten.

In den Flussnoten ging es für mich alleine schreibend weiter. Das live geschriebene Buch wächst und wächst. Ganz langsam. Blogeintrag um Blogeintrag. Genau wie der Fluss Tropfen um Tropfen wächst. Die Schreibarbeit auf dem Handy ist harte Arbeit. Stets bin ich am Denken, verarbeite die Eindrücke des Tages, abstrahiere, forme das Buch bewusst und zu einem guten Teil auch unbewusst; und wenn ich den größeren Komplex betrachte, mein Blogkonglomerat, das mittlerweile aus drei Blogs besteht, die ich regelmäßig füttere, so bin ich ein bisschen stolz. Noch letztes Jahr glaubte ich nicht daran, dass es funktioniert, mehr als ein Blog ernsthaft mit Inhalt zu bestücken. Dass nun dieses Blog auf irgendlink.de zu einer Art Metablog für flussnoten.de geworden ist und ich spielerisch auch noch das erdversteck.de als Sprachrohr des fiktiven Künstlers Heiko Moorlander mehrmals wöchentlich befülle, ist im Grunde auch eine Art Evolution. Meine kleine private Künstler- und Schriftstellerevolution sozusagen.

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