#umsLand | Tag 1 – Was bisher geschah

Nun ist er also unterwegs. Heute Nachmittag, als der Regen aufhörte, radelte Irgendlink los. Zum Startpunkt der Tour hat er den Zweibrücker Herzogsplatz auserkoren, wo der Radweg, dem er die nächsten zwei Wochen folgen wird, die Stadt quert.

Jürgen auf dem Herzogplatz
Jürgen auf dem Herzogplatz
Wie schon bei früheren Touren werde ich* allabendlich kurz Irgendlinks Tag resümieren und euch einen Link der Tagesstrecke präsentieren.

Wir zwei freuen uns, wenn ihr mitradeln, in Gedanken und virtuell mitreisen mögt.

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Heute hat Irgendlink das Stück Saarland, das vor seiner Haustür liegt, umrundet und sich in den Radweg ums Land Rheinland-Pfalz eingefädelt.

Radel oberhalb Battweiler. Erste Sonnenstrahlenund Rückenwind. Eine Schlammwühlerei.
Radel oberhalb Battweiler. Erste Sonnenstrahlenund Rückenwind. Eine Schlammwühlerei.

Martinshöhe. Hart erächzt auf dem Schlapphutweg. Schlapphut, Krone des Pfälzer Wanderers.
Martinshöhe. Hart erächzt auf dem Schlapphutweg. Schlapphut, Krone des Pfälzer Wanderers.

Alter Grenzstein nahe Schmitshausen. Den dortigen Rosengarten hab ich nicht besucht. Mein Magen wollte nach Wallhalben zum nächsten Supermarkt.
Alter Grenzstein nahe Schmitshausen. Den dortigen Rosengarten hab ich nicht besucht. Mein Magen wollte nach Wallhalben zum nächsten Supermarkt.

Auch #MudArt Legende @hmoorlander hat seine Spuren hinterlassen. Hier: "Pole Position II" auf der Sickinger Höhe.
Auch Legende @hmoorlander hat seine Spuren hinterlassen. Hier: „Pole Position II“ auf der Sickinger Höhe.
Bei einer Fischerhütte in der Nähe von Waldmohr, bei Schönenberg-Kübelberg, wo er schon vor Jahren auf dem Weg ans Nordkap hätte übernachten dürfen, baute er nun, schon im Dunkeln, sein Zelt auf. Es gehe ihm soweit gut.

Hier → lang geht’s zum direkten Tagestrack.

Google maps:


* Für neue Mitreisende: Ich blogge normalerweise als Sofasophia, kurz SoSo, in meinem eigenen Bloguniversum, stehe aber Irgendlink während seiner Reisen als (Lebensreise-)Partnerin und Homebase zur Seite.

In einem zeitfreien Land jenseits der Hopplahopp-Gesellschaft – #Umsland

In den 1980er und 1990er Jahren gab es eine Legende von einem Volk, die man sich erzählte. Die Menschen arbeiteten in kleinen Gruppen zusammen auf ihren Feldern. Einzelne Familien lebten, Tagesmärsche voneinander entfernt, in unwegsamem Gelände. Wenn eine Familie eine andere besuchen wollte, machte sie sich irgendwann auf den Weg über Stock und Stein, bis sie am Ziel war, wo die Freunde auf den Feldern arbeiteten. Die Ankömmlinge setzten sich am Rande der Felder auf Baumstämme und warteten, bis die Arbeitenden mit ihrer Arbeit fertig waren. Erst dann begrüßten sich die Menschen. Das Fest begann.
Die Legende hatte mir ein Gefühl des in sich Ruhens vermittelt. Des so sollte es seins. Des du befindest dich in einem schönen, zeitfreien Land jenseits der Hopplahopp-Gesellschaft, in der man immer und überall für jeden verfügbar sein muss. Menschen, die andere Menschen in ihrem Kontinuum bestehen lassen, ohne sie zu überfallen und aus ihrer natürlichen Tätigkeit herauszureißen. Genauso muss Schaffen sein. Einswerden mit dem Moment, dachte ich mir.
Ich weiß nicht, ob diese Geschichte wahr ist. Mit dem Abstand jahrzehntelangen westlich zivilisierten Gesellschaftsgebarens kommt sie mir mittlerweile ziemlich hanebüchen vor. Wir leben in einer streng getakteten Hopplahopp-Welt, in der alles und jedes gezählt wird, berechnet, vergolten, und in der es eigentlich kein einziges unbezahltes Ding mehr gibt und auch keine einzige unterminierte Lebensminute. Wir sind kollektiv eingebunden in ein Zeitkorsett, aus dem es kein Entrinnen gibt. Immer wenn ein Ereignis stattfindet, ist in einer Bedingungsschleife schon das nächste Ereignis vorprogrammiert. Der Lebensfahrplan im Streckennetz der Gesellschaft ist streng getaktet und erlaubt keine Verspätung.
Irgendwann früh am heutigen Tag gibt es Komplikationen und ich muss den Tagesplan ändern, ein paar Pufferminuten habe ich, aber um 14 Uhr bin ich verabredet. Ein Team des Südwestrundfunks hat sich angesagt, um mehr über meine Reise – per Fahrrad rund um Rheinland-Pfalz – zu erfahren und eigentlich sollte die Reise ja heute starten, so will es mein selbst auferlegter Plan, zu sehen zwei Blogartikel zuvor.
Dann kommt alles anders. Morgens muss ich zwei Mal runter in die Stadt, rennen, takten, telefonieren, hetzen, aber es gelingt mir, Ruhe zu bewahren und die Erinnerung an die alte Legende wird plötzlich wach. Bildlich sehe ich die beiden Indianerfamilien, wie sie sich besuchen und ganz behutsam ihre Zeittaktungen einander angleichen, bis sie beide ähnliche Geschwindigkeiten haben, bereit sind füreinander. Ja, so sollte es sein, sage ich mir, stelle die Parkscheibe, verlasse das Auto, erledige etwas und fahre wieder nach Hause. Gerade so schaffe ich es, ins Atelier zurückzukehren und das Fernsehteam hat sich auch ein paar Minuten verspätet. Unser Zeittakt ist synchron. Purer Zufall. Glück.

Es regnet. Ohnehin kein gutes Omen, um mit dem Fahrrad aufzubrechen. Der Termin mit dem Fernsehteam dauert länger als erwartet. Plötzlich ist es fünf Uhr nachmittags, viel zu spät, um noch loszuradeln und eigentlich auch gerade recht. Überall spritzt Wasser. Bei überall spritzendem Wasser eine Radreise zu beginnen, wäre pure Selbstkasteiung.
Den lieben langen Tag schwingt die Legende mit vom indigenen Volk, das sich die Zeitblasen ihrer jeweiligen Kontinuen beobachtend (ist das richtig, Mehrzahl von Kontinuum?) Baumstamm sitzend, einander angleichend wartet. Ich habe gar kein so schlechtes Gewissen, dass das richtige Leben vom insgeheim geplanten Leben ein bisschen abweicht.
Der Fernsehdreh war ungemein entspannt – an dieser Stelle herzlichen Dank Euch drei Rackern und Rackerinnen, H. und A. und E. aus Mainz. Es hat mir große Freude gemacht und ich habe viel gelernt.

Facts about Kunststraßen 7

Kapschnitt Konzeptkunst Ausstellung

Eine Vernissage ohne Licht. Ausgerechnet vor der ersten Ausstellung einer Kunststraße fiel der Strom in der Galerie aus. Im knapp 150 qm großen Galerieraum im zweiten Kellergeschoß der Galerie Walpodenstraße war es im Dezember 1995 zappenduster, als der erste, verfrühte Gast auftauchte. Künstlerkollege Sven Schalenberg bekam kurzerhand eine Taschenlampe in die Hand gedrückt und konnte an der über hundert Meter langen Konstruktion, auf der die Straßenfotos von Mainz nach Norwegen montiert waren den ‚Kapschnitt‘ zu Fuß erkunden.

Dem Hausmeister gelang es erst wenige Minuten vor der offiziellen Eröffnung, den Stromausfall zu beheben.

Facts about Kunststraßen 6

In den ersten Jahren des konzeptuellen Kunststraßenbaus führten die Strecken über lange Distanzen auf Fahrradreisen kreuz und quer durch Europa und Deutschland. Norwegen, Schweden, Finnland, Irland und Spanien waren die angepeilten Ziele. In Abständen von zehn Kilometern fotografierte ich die bereiste Strecke, stets den Blick Richtung Reiseziel gerichtet.

Die kurzen Strecken kommen.

Was in der Ferne geht, geht auch daheim, dachte ich mir irgendwann und begann auf Spaziergängen, etwa von Mainz nach Wiesbaden, Fotostrecken zu erwandern. Die Bildabstände schrumpften von zehn Kilometern auf zum Beispiel 120 Doppelschritte (ca. 80 Meter). Auf zahlreichen Postrouten in Rheinhessen fotografierte ich den Weg in 1 Kilometer-Abständen. Einige dieser Konzeptkunststraßen wurden in Mainz und Wiesbaden ausgestellt, viele liegen noch heute unveröffentlich im Negativarchiv.

2001 entstand die Kunststraße 11 (Kelf) als Rauminstallation auf einem eigens reservierten Parkdeck in einem Zweibrücker Parkhaus. Sie dokumentiert den Weg vom Flugplatz Zweibrücken zur Fachhochschule. Die beiden Gebiete waren Konversionsprojekte. Ehemalige militärische Objekte wurden in zivil nutzbare Gebiete umgewandelt. Das Projekt Kelf wurde vom Kultursommer Rheinland-Pfalz und der Stadt Zweibrücken unterstützt.

Facts about Kunststraßen 5

Die Einladungskarten zu den ersten Kunststraßen-Fotoinstallationen waren Handabzüge im Format DIN lang. Je drei unterschiedliche Motive passten auf ein Stück Fotopapier. Ich nutzte Negativstreifen aus der Kunststraßenserie, die mit Tesafilm auf bedruckte Folie geklebt wurden. Der Einladungstext wurde zuvor per Tintentstrahldrucker drei mal an die entsprechenden Stellen gedruckt. Logischerweise musste ich drei verschiedene Negativstreifen benutzen, um einen Kontaktabzug zu bestücken. Die einzelnen Karten wurden per Schlagschere aus dem etwa A 4 großen Blatt geschnitten.

Somit gibt es von den drei wichtigsten Ausstellungen der ersten Jahre eine geringe Stückzahl von handabgezogenen echten Fotos, die als Einladungskarte verschickt wurden. Die Rückseiten waren mit Etiketten aus Papier versehen.

Es würde mich interessieren, ob der ein oder andere die Einladung aufgehoben hat.

Einladungskarte schwarz-weiß mit Datum und Text zur Ausstellung Kapschnitt und Kontaktabzügen von fünf Straßenfotos
Motiv 1/3 für die Einladungskarte zur Konzeptkunstausstellung Kapschnitt in der Galerie Walpodenstraße (Mainz) 1995. Der Negativstreifen ist auf dem Rennsteig, nördlich von Oberhof entstanden. Bei einem Remake des Kapschnitt 2015  – zwanzig Jahre später – radelte ich nicht die Landstraße, sondern Radwege bis hinauf zur ‚Höhe des Gebirgs‘. Die beiden anderen Versionen der Einladungskarte zeigen Kunststraßenfotos aus Mittelschweden (km 1200 etwa) und aus Lappland (km 2400 etwa). Die Tour ‚AnsKap‘ im Jahr 2015 wurde in diesem Blog live geschrieben und fotografiert. Sie finden Sie verlinkt unter dem Menüpunkt ‚Projekte‘.