Grabshilein

Grabshilein Fundzettel

 Gefunden auf dem Weg zur Arbeit.

Ach wie nah liegen Glück und Unglück: an der Autobahnbrücke zur A6 steht weniger süffisant und so ganz und gar nicht romantisch gesprayt: Maria Sch. ist eine Schlampe, lügt und betrügt jeden.

Natürlich habe ich versucht, Maria Sch. bei wer-kennt-wen zu finden, um mir mein eigenes Bild zu machen. Pure Neugier. Es gibt leider keine Maria Sch. bei wer-kennt-wen.

Lass mich dein Sklave sein

Wie versprochen nun die Sklavengeschichte, welche auch einen guten Einblick gibt in Herrn Irgendlinks Arbeit als Lohntacker. Ich wage mich weit über den Arbeitsweg hinaus, hinein in die Arbeit, über die ich eigentlich nicht berichten will.

Aber es begibt sich, dass der Chef, liebevoll nennen wir ihn Chiefmaster, ab und zu Führungen durch seine Firma macht. Meist irgendwelche Kunden mit Anzügen, schönen Kleidern, Zierhunden und mords Parfüm in den Achselhöhlen. Das Problem ist: der einzige Ort, der wirklich spannend ist in der Firma ist unsere Tackerwerkstatt mit den vielen bunten Möbeln. Hier passiert immer etwas, hier ist Bewegung, Action wie man so schön sagt und wir Tacker sind ausgesprochen verruchte Wesen, der maskulin archaische Gegenpol zu Show, Glamour und Wohlschniegelei.

Natürlich läuft Musik in der Tackerwerkstatt. Einst war Besuch angekündigt, Chiefmaster hatte extra Bescheid gesagt, damit wir aufräumen und es trotzdem noch so richtig nach Arbeit aussieht. Zwei Agentinnen eines großen Konzerns liebäugelten mit einem Megaauftrag. Also inszenierten T. und ich die Werkstatt bis ins Detail. Fertige Möbel wurden wie ungefähr auf Tischen drappiert, der Boden bis aufs Feinste gefegt und wir choreographierten unseren Auftritt als Lohntacker bis ins Feinste. Alles musste stimmen, jede Bewegung sitzen und damit sich Chiefmaster und die Agentinnen auch wohl fühlen würden, durfte während ihrer Anwesenheit keine einzige Tackernadel geballert werden. Die sind ziemlich laut. Aber es gibt genug stille Arbeiten. Besonders attraktiv ist das Beziehen von kleinen Lederhockern, wobei man schön mit den Muskeln spielen kann. T. setzte dem Schauspiel die Krone auf, indem er im Tackerradio Beethovens Neunte auflegte.

Der Besuch war natürlich ein grandioser Erfolg, auch wenn sich die Agentinnen als Zicken entpuppten.

Eine andere Szene war diese: unangekündigter Besuch von einer Arbeitsvermittlerin im Schlepptau mit einer potentiellen neuen Mitarbeiterin. Gerade läuft im Tackerradio der Ärzte-Hit: „Bitte bitte lass mich dein Sklave sein“, da schneit Chiefmaster herein, stemmt die Hände in die Hüfte und sagt: „Das könnt ihr haben!“

Schlagfertig wende ich mich grinsend an die Arbeitsvermittlerin und sage: „Sehen sie! So ist er. Und wenn ich ihnen etwas verraten darf, das ist das einzige Lied, das wir hören dürfen. Tagein tagaus immer das gleiche Lied.“

Ab und zu machen wir uns einen Spaß und legen in den Korpus eines Ledermöbels kleine Zettel mit der Aufschrift: Hilfe! Ich bin in einer Tackerwerkstatt gefangen.

Die Schneiderin, die uns den Stoff zum beziehen der Möbel liefert hat einen ähnlichen Humor: Hilfe! Ich bin in einer Schneiderwerkstatt gefangen, fand ich kürzlich mit Bleistift auf die Rückseite eines Bezuges gekritzelt.

Ihr seht, das Leben als Lohntacker ist nicht übel, wenn es auch manchmal etwas hektisch ist (z. B. Feierabend heute 19 Uhr).

velo vidi vici

Inspiriert durch Kiryl im Kommetar einen Beitrag zuvor.

Noch mehr brachialromanische Ideen zum Thema Velo (Fahrrad)?

Kratzen am Mythos Kollege T.

Kollege T. hat das Weblog entdeckt. Nun liegt er mir immer in den Ohren, wenn ich über unsere gemeinsamen Halb-Neun-Morgens-Erlebnisse berichte. „Dies und das war aber anders; jenes hast aber du gesagt und nicht ich“. Oder: „Kann mich nicht erinnern, dass wir darüber gesprochen haben. Das saugst du dir aus den Fingern. Und überhaupt stellst du mich als Intellektuellen dar, dabei bin ich ein Proll. FickenFickenFicken“, sagte er zum Trotz, um jenseits einer großen Kreuzung neben mir radelnd einen Gedankengang über Schopenhauer zu lancieren und dass die Welt an sich vernunftlos ist. Feine Willen (Deiner, Deiner und auch mein Wille – jeder Mensch ein Wille) durchzögen unser Dasein wie leblose Goldadern, aber daran gäbe es weder Gutes noch Schlechtes, sondern man müsse die Sache wertungslos betrachten.

„Ficksau“, fügte er hinzu, was mir ein herzliches Lachen entlockte.

„Schon Recht T., sagte ich, „ich werde demnächst einen Beitrag schreiben, in dem ich dich ein bisschen prollisiere. Vielleicht schreibe ich: Daraufhin sagte Kollege T. dreimal Ficken und noch ein paar üble Worte mehr, um im selben Atemzug mit mir über Schopenhauer zu diskutieren. Wie gefällt dir das?“ Diesmal war es an T., herzlich zu lachen.

„Finde dich einfach damit ab, dass wir beide Schmierendarsteller in einem kleinen unbekannten Sinnsucheweblog sind.“

Und bei dem Wörtchen Schmierendarsteller brachen wir vollends in Lachen aus. Die Leute, denen wir begegneten müssen uns für verrückt gehalten haben. So verging der 15 km lange Weg zur Arbeit ins Kraftwerkstädtchen B. beinahe wie im Flug.