Mansilla de las Mulas

Wie drastisch sich das Wetter ändert. Morgens Nebel, der in strömenden Regen übergeht, dicht gefolgt von strahlendem Sonnenschein. Ein Thermometer im wunderschönen Mansilla zeigt 11 Grad. Fast 20 Grad wärmer als vorgestern.

Eremita de la Virgen de Garcia in Mansilla de las Mulas
Hauptstraße Burgos- Valladolid in Mansilla. Blick Richtund Stadtmitte.
Camino etwa eine Dreiviertel Stunde vor Mansilla
Gestern auf dem Weg nach El Burgo Ranero

El Burgo Ranero

6:15 saukalte Albergue in El Burgo Ranero. Gestern war eigentlich eine lässige 22 km Etappe geplant. Immer noch dieses zermürbende weite Nichts aus braunen Feldern. Der Schnee schmilzt im Dauerregen. Seichte Plusgrade. Schon will ich die Mütze ins Gesicht ziehen, da laufen mir die beiden Rosen über den Weg. Pilgergequatsche. Aprendo Español mit der Andalusierin Rosa, die kaum ein Wort Englisch kann, es aber lernen will. So stoppeln wir kilometerweit Worte zusammen. Pietros zeigt sie auf den Weg, Stones, sag ich und deute auf einen Baum: Tree – Arbolo. Die Schreibweise ist uns egal, Silbe um Silbe ringen wir unseren fremden Sprachen ab. La lalluvia – rain über allem und some Blackbirds – pajaras negra auf den Feldern. Wenn wir gemeinsam ein spanisch-englisches Wörterbuch schreiben würden, würde es sicher die Qualität des ungarisch-englischen Phrasenbuchs in Monty Pythons ‚Sinn des Lebens‘ haben.
In Sahagun entern wir eine Bar, genauer die Cafeteria ROBLES. Schräg gegenüber der Kirche. Man kann sie eigentlich nicht verpassen, da es die erste ist, die der ausgehungerte Pilger aus Terradillo kommend erreicht.
Man sollte sie aber meiden! Denn der Barkeeper, der aussieht wie ein Fremdenlegionär, zockt grundsätzlich alle Touristen ab, auf die er als Stammkunden ja verzichten kann.
Betritt nie das Robles in Sahagun!
Unsere Rechnung weißt eine Flasche Wein für 25 € aus. Man könnte sagen, okay, ihr hättet ja vorher nach dem Preis fragen können. Das macht man aber nicht in einem Land, in dem der Wein das Standardgetränk ist und normalerweise zwischen 2 und schon wucherhaften 10 € zu haben ist. Weil ich weiß, dass man sich durch den simplen Akt des Bezahlens Frieden verschaffen kann, schlage ich vor, es zu tun und weiter zu laufen. Aber am Tresen murrt noch ein älteres Paar aus Bilbao über eine ungewöhnlich hohe Summe. Und der Wirt hat die Rechnung ohne die feurige Rosa gemacht, die die Guardia Civil ruft. Um andere Touristen zu schützen und dem Abzocker zu zeigen, dass wir nicht alles hinnehmen. Die Polizisten sind in fünf Minuten da und das Palaver geht los. Rosa schreibt den Anzeigetext, Name des Weins, der Bar, des Wirts usw. Bezahlen müssen wir dennoch. Aber ich glaube, es hat uns allen den verregneten Sonntag erhellt. Mir eine Story beschert, Rosas Ehre gerettet, den Polizisten den langweiligen Sonntagsdienst versüßt – der Bankraub des kleinen Mannes.

Die Herberge in Bercianos ist engegen den Angaben in diversen PilgerInnenführerInnen geschlossen. So dass die beiden Rosen und ich gegen 17 Uhr ziemlich dumm im Regen stehen.
Noch 7,8 km bis Burgo. Fast zwei Stunden. Und um sechs wirds dunkel. Wenn Frauen offenbar eines hassen, dann in der Dunkelheit im Regen in Burgo Ranero anzukommen. Weshalb die beiden zarten Rosen einen abartigen Stechschritt einlegen, ohne sich noch einmal nach mir umzudrehen, der ich wegen Unterzuckerung erst einmal eine zweiminütige Pause mache (nicht dass der Eindruck entsteht, sie seien wortlos gegangen. Natürlich sagten wir Tschüss). Aber ab da war jedEr sich selbst der/die Nächste. Wir schaffens in gut einer Stunde, militäriisch gedrillt singend: San tia go ist ein fei ner Mann – ich die ne ihm so guut ich kann.
Gegen 18 Uhr in Burgo, Chaeuk hat das Feuer im Kaminofen angezündet. Abends sitzen wir dicht gedrängt davor. Mit m Boot Hospitalero Sergio aus San Sebastian, Martina und der klatschnasse Gitarrero Patick aus Tschechien . Der dicke schnarchende Spanier ist auch da. Er hat ein Einzelzimmer. Nützt aber nix, da die Zimmer nach oben offen sind unter dem unisolierten Scheunendach.

The Schnarchtweets

Ich denke über das Twitterformat nach. Darstellung einer Reise in Form von hunderten von Textbausteinen. Das Experiment wärs wert. Ob das Format womöglich egal ist? Und die einzigen Voraussetzungen sind, dass man sich schreiberisch ausdrücken kann, struktiriert arbeitet und etwas zu erzählen hat?

Vorhin hätte ich folgendes getwittert:

„Eben auf Klo. Aus dem Zimmer vom dicken Neupilger abscheuliches Geröchel. Gut dass er in Einzelhaft.“
Gestern Nacht:
„Der alte Berber schnarcht wie ein Truppenübungsplatz.“
Vor einigen Tagen:
„Nora:’Oh my Goodness! She is (engl. schnarchen) like a Ghost‘ (über Martina)“
Und:
„Elender Blogschmierfink! Verpetzt uns alle beim Schmarchen :-)“
Sowie:
„Die (Schnarch)Reise nach Jerusalem: immer wenn das Schnarchen aufhört, müssen wir die Betten wechseln. Wir können also liegembleiben bis zum St. Nimmerleinstag“
Oder:
„VerJamesBondung des Schnarchens: ‚Lizenz zum Schnarchen'“