Papa ante Erntas

Gestern bis spät die Bilder für unsere erste iPhoneart-Ausstellung in die Online-Galerie geladen. Unverschämt teure Bestellung aufgegeben. Die SoSo war so klug, ein Protokoll zu schreiben, so dass wir schon eine komplette Werkliste haben. Eines der Bilder zeigt meinen Vater hinter dem Maschen-Kunststoff des Gewächshauses in diesem Frühling. Wie er gebückt über Tomatenschößlingen steht. Der Titel war schwierig, so dass ich SoSo sagte, „nennen wir es einfach Papa“. Die Nacht ist ein guter Gesell für’s Hirn aufräumen. Am Morgen rufe ich plötzlich wie Wickie und die starken Männer: „Ich hab’s“ Düdelüüü – düdelüüü – düdelüüü di lüü di lüüüü (Wickie-Melodie), ich hab’s, wir nennen das Bild einfach Papa ante Erntas, Papa vor der Ernte. Schließlich zeigt das Bild ja den Papa beim Pflanzen, also lange vor der Ernte.“

„Das erinnert mich an ein Buch, Mama ante Portas“, sagt die SoSo. Und auch mich erinnert der komische Titel an etwas, ich dachte, es heißt Papa ante Portas. Im Hinterstübchen habe ich etwas mit Comedy verknüpft, Loriot? Aber kann mich ja auch irren. „Jedenfalls war das damals mit die Römer un‘ Hanibal, weißte,“ sag ich zur SoSo, „der wo mit den Elefanten über die Alpen ist und plötzlich mit Hunderttausend blutrünstigen Söldnern vor den Toren Roms stand und alle haben gerufen, Hanibal ante Portas, Hiiilfeeee.“

Nun, just nach den Abendnachrichten bin ich beunruhigt, zu hören, dass Loriot gestorben ist und man ihm zu Ehren den Film Papa ante Portas zeigt. So, als hätte sich in der Minute, in der er gestorben ist, mir unbewusst der komische Titel aufgedrängt.

Papa ante Erntas

Abends an Portugal denkend, eine Telefonnummer vergessen habend

Ein Stein außerhalb des einsamen Gehöfts. Unweit des ewigen Birnbaums. Die Künstlerarbeit wächst mir über den Kopf. Seit einer Woche nur Kunstschuften. In der Mittagshitze erleide ich eine Art Hitzschlag. Hochroter Kopf, weiße Augen, Blutdruck im Keller. Verkatert und matt tauchen die Vorsitzenden des Kunstvereins aus der Landeshauptstadt auf. Zwecks Vorbesprechung für das Festival hier vor Ort. Wie ausgelaugt, lethargisch wir in der unerwarteten Augusthitze sind. Nur die SoSo ist agil, rettet die Situation. Nun sind die Vorsitzenden in der Künstlerbude, ich außerhalb, outgesourced, glücklich unterm Sternenhimmel, wie 1994 in Portugal. Beruhigend, dass ich mich daran so lebhaft erinnere. Nachmittags hatte mich neben der Hitzschlag-Lethargie noch die Hirnsorge im Würgegriff. Konnte mich partout nicht an eine Telefonnummer erinnern, die ich sonst fast täglich wähle. Muss mich auf Alzheimer testen lassen. Macht das überhaupt Sinn?

Südterrasse, kühler Wind lässt Herbst ahnen. Ich bin gut voran gekommen mit den Arbeiten in der „richtigen“ Welt. Und wenn dieser Artikel hochlädt und die beiden, die ich vor zwei Stunden gehackt habe nicht öffentlich erscheinen, war die Serverarbeit auch fruchtbar.
Wordpress successfully updated.
Dann kommen morgen die Drupalseiten dran und idogma.com wird das Sahnehäubchen, wenn es von WP nach Drupal migriert.

Kasperle for President

Südterrasse, Grillen zirpen, immer noch so warm. Ich habe die Webpräsenzen überprüft. Viel Update-Arbeit steht bevor. Im Grund bin ich im Jahr 2008 stehen geblieben mit meinen verheißungsvollen Web-Ideen. Einzig dieses Blog hat sich weiter entwickelt.
Nun will ich die Dinge wieder professioneller angehen, auch die Kunst. Ich hätte einfach nicht sterben dürfen, zwischendurch. Sicher wäre Vieles anders. Aber wenn du einmal den Tod als Grundgefühl verankert hast, tickst du anders, kennst den Wert der Zeit, des Glücks und den Wert vom ganzen Rest kennst du auch.
Heute Kartoffelernte, kollektiv mit Verwandten und Freunden, Erde wühlend. Wie gut es tut, Bauer zu spielen, wie angenehm Hand in Krumen sich anfühlt. Wir witzeln: schon ein Drittel fertig. Kurze Zeit später: schon ein Viertel. Und so weiter. Bei zehn Zehnteln sind die Knollen alle in Körben verstaut.
Runter in die Stadt zum Einkaufen. Auge bookmarkt: Hofenfelsstraße, 14:45 im August bei viel Sonne, dieses Haus wirft mit seiner außen angebrachten Treppe einen unglaublichen Schatten in Korrespondenz mit der daneben stehenden Fichte. Jetzt nicht fotografieren, jetzt ist unruhig, merke dir Zeit und Ort. Hunderte Motive habe ich auf diese Weise gebookmarkt für „irgendwann mal fotografieren“. Ich bin froh, dass es das Mobilfunktelefon gibt, damit konnte ich einiges schon direkt vor Ort lösen.
Am Bahnhkf vorbei der Wahlkampfstrich, wo sie aufgereiht an Laternenpfählen prangen, der SPD-Stricher gefolgt vom CDU-Luder und einigen dubiosen unabhängigen Gestalten. Nur der amtierende OB, der wieder gewählt werden will, fehlt. Statt dessen schmuggelt sich auf groteske Weise ein Kasperle-Plakat für eine Theateraufführung zeischen die Stadtobersten-Stricher. Ich lache vorbei am durchaus fotografierenswerten „Haus mit Walmdach um 15 Uhr 59 Ende August“, hinter dem die kaiserliche Flagge weht. Was für eine grotesk schöne fotografierenswerte Stadt.
Mobil per iPhone geschrieben. Fipptehler bleiben.