Tag 6 – Tagesstrecke und Nachtlager

Nach Sigmaringen alias Hundefänger-City ist Irgendlink weiter südwestwärts geradelt. Unterwegs hat er einige Panos und Collagen gemailt, die ich euch gerne am Samstag in einem exklusiven Bilderartikel präsentiere.

Sein Zelt hat Irgendlink heute in der Nähe von Waldhausen aufgebaut. „Gerade fängt in Waldhausen ein Fest an. Rockmusik. Bin aber zu faul zum Zeltabbau :-(„, schreibt er um halb zehn.

Die ungefähre Tagesstrecke findet ihr, wenn ihr hier draufklickt: Streckenlink.

Dog Catch City

Schon X Kilometer vor Sigmaringen findet sich neben einer Brücke ein Landartkunstwerk des werten Kollegen Hundefänger – Karl Rudi Domidian. Kunst am Fluss 3

Landart von Hundefänger Karl Rudi Domidian an der Donau
Ganz besonders mag ich Hundefängers Motto

Ich komme mit nichts. Ich gehe mit nichts. Und dazwischen ist Kunst

Kurz vor einem Gewitter erreiche ich die Stadt, stelle die Kamera auf Zufallsfilter und mache eine Schnappschussserie. Sigmaringen mit alles. Dog Catch City sei dein künftiger Name.

Gib mir mein‘ Donau zurück

Gestern habe ich erstmals das Gefühl, „in“ der Reise zu sein. Die Durchquerung des Schwarzwalds steckt mir zwar noch in den Knochen, aber durchs Donautal führt der Radweg abwärts, bzw. topfeben. In Donaueschingen, das ich scherzeshalber in Dona-Üschingen umtaufe, herrscht reger ReiseradlerInnenandrang. Meist zu zweit, manchmal in Gruppen, verstopfen sie die Straßen. Eine Gruppe ist besonders kühn und diskutiert den Besuch einer Pizzeria mitten auf der Hauptstraße. Die Autofahrer nehmen es seltsam gelassen. Regiert in der Stadt am Ende der Radler, so wie in Oldenburg? Durch eine Wiesenebene folge ich dem perfekt beschilderten Donauradweg. An kritischen Stellen, an denen man sich unachtsam verirren könnte, sind Absperrbänder angebracht. Ist fast wie das Landefeuer eines Flughafens. Einflugschneiße zum Schwarzen Meer.

Auf einer Bank tippe ich ein paar Zeilen mit der Bluetooth-Tastatur, ein seltsames Bild muss das sein. Wohl hält man mich für einen Börsenmakler, der mal eben die Kurse checkt? Okay, Arbeit ist es dennoch, die ich tue. Hallo fällt in allen Sprachen, sieben Französinnen fahren eine Weile gleichauf mit mir. Durch wechselseitige Fotostopps kommt es zu permanenten Pendelbegegnungen. Zwei Österreicher, die in Dona-Üschingen gestartet sind und nach Passau wollen – heute begegnen sie mir wieder, just als ich diese Zeilen schreibe. Gegen Abend kommt die Sonne wieder durch. Ich kaufe ein paar Lebensmittel, fülle alle Wasserflaschen, insgesamt vier Liter, und beginne mit der Suche nach einem Lagerplatz. Hinter Immendingen ist die Donau plötzlich verschwunden. Trockenen Fußes wate ich durch ein Kiesbett, das noch vereinzelte Pfützen hat, aber von Fluss weit und breit keine Spur. Stattdessen ein Schild, auf dem das Phänomen der Donauversinkung erklärt wird. Der Fluss kommt erst zwölf Kilometer entfernt in Aach wieder zu Tage. Durch Karsthöhlen fließt das Wasser im morschen Gestein. Zunächst war ich so naiv, zu glauben, dass es einfach dem Flussbett folgt, nur unterirdisch, aber ein weitere Informationstafel belehrt mich eines Besseren: Die Donau verliert einen Großteil ihres Wassers an den Rhein! Kaum zu glauben. Die ohnehin wackeligen Gesetze von Schrödingers Wasserscheide sind total aus den Fugen geraten. Die Aach liegt südlich zwischen Donautal und Bodensee und mündet in den Rhein. Die Aachquelle ist die größte Quelle Deutschlands und speist sich mehrheitlich mit Donauwasser. Tuttlingen liegt nur im Winter an der Donau, wenn man es genau nimmt. Im Sommer liegt es an zwei kleinen Bächen, deren Namen mir gerade nicht parat sind, die aber, zumindest im Winter in die Donau münden.

Ab Mühlheim wird das Flusstal enger und zunehmend reizvoller. Kurz hinter der Stadt finde ich einen Lagerplatz hinter einer Kirche. Der Abendnebel senkt sich und macht mein Zelt für die Blicke der Stadtbewohner unsichtbar. Grillen singen mich in den Schlaf.

Nun bin ich schon wieder etwa fünfzehn Kilometer weit geradelt. Der Fluss ist wieder da. kalkweiße Felsen zieren die steilen Hänge. Der Fahrradweg führt mal auf, mal ab, fast immer am Fluss entlang. Noch einen Kilometer bis nach Beuron. Der Ort, an dem ich diese Zeilen schreibe, war einmal eine Mühle. Noch immer rauscht das Stauwehr. Die Mühle wurde mitsamt den Müllersleuten und ihrem kleinen Sohn 1960 bei einem Erdrutsch verschüttet. Eine Gedenktafel auf einem Felsen erinnert an sie.

Tag 5 – Tagesstrecke und Nachtlager

Heute wurden wir von Irgendlink regelrecht verwöhnt. Bilder und Texte vom feinsten. Zwar hat er ja, wie geschrieben, die Donauquelle knapp verpasst, doch gibt er zum Glück auf einer solchen Reise noch viele andere Dinge zu entdecken.

Sein Zelt hat Irgendlink heute bei Mühlheim an der Donau aufgebaut.

Die heutige Tagesstrecke – wie immer nur ungefähr – findet ihr, wenn ihr hier draufklickt: Streckenlink.

Tu den Bregweg weg

Was ich bisher nicht erwähnt habe: zunächst hielt ich die Breg für die Brigach. Jeder weiß: Brigach und Breg bringen die Donau zu weg. Erst in Furtwangen bei der Überquerung des Flüsschens lese ich Breg. Der Radweg führt zunächst über die kaum befahrene Landstraße. In Furtwangen mache ich eine Pause in einem Telekom-Hotspot, um einige Bildtafeln ins Memory of Mankind zu übermitteln. Am Busbahnhof hocke ich auf dem Borstein und lasse das Morgenleben an mir vorbei flanieren. Gerade versuche ich, eine komplizierte Bildtafel auf dem Smartphone zusammen zu setzen, als zwei Studentinnen der hiesiegen Hochschule sich neben mich setzen. Die eine spielt ein Smartpohnespiel, das ständig lauthals Aufmerksamkeit fordert und mir mit einem künstlichen Zwitschern den Nerv raubt. Ich gerate durcheinander mit meiner Arbeit, belausche schließlich das Gespräch der beiden. Eine scheint so eine Art Wunderkind zu sein: in alle Klausuren geht sie grundsätzlich unvorbereitet und heimst trotzdem nur Einser ein.

Der Himmel zieht sich zu und es beginnt zu regnen, weshalb ich mich in den Nasswerdkönnen-Klamotten aufs Radel schwinge und weiter abwärts rolle. Der Radweg führt ab Furtwangen über Waldwege meist direkt am Fluss, eigentlich recht schön, aber als es Kilometer um Kilometer immer so weiter geht und nicht einmal eine Parkbank in Aussicht ist, auf der man mal ruhen könnte, werde ich zunehmend schlechter gelaunt, verteufele irgendwann dieses lieblose Ding, das bar jeglicher touristischer Infrastruktur scheinbar nur sich selbst genügt. In Donaueschingen wird mächtig gebaut. Somit ist auch der Zugang zur Quelle der Donau nicht ohne weiteres möglich. Überall Baumaschinen, Lärm, Staub, Arbeiter, Gerüste. Die Donauquelle, lerne ich später, ist eine Karstaufstiegsquelle. Sie sprudelt einfach so aus der Erde, gefasst in einem etwa fünfzehn Meter durchmessenden Becken. Dann fließt sie ein paar zig Meter bis zur Brigach, die sich anschließend mit dem kanalähnlichen Rinnsal, das von der Breg übrig ist, vereint. Versteh einer die Flussbenamung. Schon stelle ich mir vor, dass die Donau der Topmanager unter den Flüssen sein muss, der gegen fettes Gehalt für vergleichsweise leichte Arbeit zu Macht und Ruhm gelangt.