Retroblogging

Auf der ersten live gebloggten Reise vor fast vier Jahren gab es einige handgeschriebene, abfotografierte Einträge. Dies ist ein Versuch, zu den Ursprüngen zurück zu kehren und ein einzigartiges reisekünstlerisches Produkt zu schaffen. Im handgeschriebenen Text wurde eine Lücke gelassen, um ein Foto nachträglich einzufügen. Der abfotografierte Text wurde mit Photowizzard unter das Birnbaumbild gelegt. Und: nein, man muss ihn nicht lesen. Interessanter Weise ist der letzte handgeschriebene Eintrag in der Kladde fast ein Jahr alt. Er formuliert grob schon die Faksimile Idee. So lange liegen die Dinge unsichtbar in unseren Köpfen.

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QQlka baut das Glück

Baldachinspinnen weiben im späten Herbstlicht. Die Luft funkelt von Fäden. Im Hintergrund das Murmeln der Freunde, die hin und her weben, aufräumen nach dem Konzert, Dinge packen. QQlka hat das Glas mit den hölzernen Kaffeeumrührstäbchen neben sich gestellt, daneben ein Wollknäuel. Mantrisch und ohne sich ablenken zu lassen umwickelt er die Stäbchen, konstruiert ein wollhölzernes Fachwerk, zudem schrillbunt wie die neumodisch vielfarbige Wolle es vorgibt. Nichts kann ihn ablenken. Wir halten ein abgehackt harmonisch ruhiges Schwätzchen. Es gibt nichts zu tun. Eine von Taten befreite Situation. Freihändig gerauchte Zigarette. Aber volle Konzentration auf Wolle und Holz. Ein Rhombus wächst oder ein Gebilde, das mathematisch nicht erklärt werden kann. Was wird das fragt einer im Vorbeigehen. Das wird das Glück, sagt QQlka. Das macht doch keinen Sinn, lacht der andere. Stimmt. QQlka webt weiter, die regenbogenfarbenen Innenstreben des Glücks, unsauber herausragende Außenkanten, ein unberechenbares kleines fragiles Fachwerk. Ist das da ein Nullstab, blökt jemand anderes im Vorbeigehen und piekst mit dem Finger gefährlich drohend mitten in die Konstruktion. Das Glück hat keine Nullstäbe. Wir trinken Kaffee draußen vor dem Haus weitestgehend schweigend bis QQlka schließlich das Glück für fertig erachtet, es am letzten Wollfadenstück aufhängt, damit sich die Baldachinspinnen daran machen können. Hier hängt es nicht gut, hier ziehen die Winterstürme herein. Was wenn das Glück runterfällt und kaputt geht?

Dann bauen wir ein neues, sagt QQlka.

+++ so geschehen nach dem Kunstzwergfestival 2013 auf dem Rinckenhof +++

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Die selbsterfundene Pentatenkurve

Um wievieles unwahrscheinlicher ist es, mit fünfzig fünfundfünfzig zu werden, als mit vierzig fünfundvierzig, mit dreißig fünfunddreißig und so weiter? Gibt es Auffälligkeiten in der Pentatenkurve mitten durch die Leben?

Bloglords und ihr „täglich frisch“

Unter Druck! Wenn man ein Blog zu lange vernachlässigt, geht es einem wie einem Landlord, der seine Ländereien verwahrlosen lässt oder den Besitzern von leerstehenden Mietshäusern: das Blog wird besetzt von Bloglosen oder Punkern. Sie nehmen den Blogstromzähler auseinander und fummeln ihre Audio-Anlage irgendwie an die losen Stromkabel und machen laute Musik. Ihren Straßenkötern geben sie einen eigenen Raum zum Spielen. Überall liegen Matratzen – sie schlafen bis in die Puppen, hängen Piratenflaggen aus dem Fenster. Nie spülen sie das Geschirr. Den Müll schmeißen sie auf der Rückseite des Blogs in den Hinterhof. Im Kommentarstrang häufen sich die Einträge „Eh Alda hasde ma ne Maak?“

Das Leben eines Bloglords, Aristokratie hin, Aristokratie her, verpflichtet. In Kürze wird es wieder etwas belebter im virtuellen Reisesalon des Marquis d’Irgendlink moi même.