Örebrooo #AnsKap

SoSo erzählt und sie hat auch Bilder.

Treffpunkt Hauptbahnhof. Gestern 19:14. Wie scheinbar in allen Ländern, die mit Schw beginnen, ist der Zug absolut pünktlich.

Auf dem 340 Kronen teuren Camping Lost City in Gustavsvik sind wir einquartiert. Immerhin zu dritt. Wobei wir die Zeltanzahl verschweigen.

In Schweden bezahlt man in der Regel pro Stellplatz. Ein Zelt, ein Platz. Wenn man lieb guckt, gehen zwei Winzzelte meist aber als ein Platz durch.

Der Campingplatz ist voller norwegischer Caravangespanne. Oslo ist nur vier Stunden entfernt.

Hier eine Bildcollage mit Fotos aus Örebro.

  
Drei Blogartikel hängen noch in der Warteschleife von Herrn Irgendlinks Gehirn.

Tag 28 = Tag 0 | Örebro, wir kommen

Heute ging es bei Irgendlink und Ray streckenprofilmäßig ganz schön zur Sache. Sägeblattprofil.

Sie haben südlich von Örebro einen Wildzeltplatz gefunden.

Heute ist Irgendlinks Tag 28 und mein Tag 0. Morgen werden wir drei uns abends in Örebro treffen, auf einem Campingplatz. Noch kann ich es mir zwar kaum vorstellen. Ich freue mich einfach riesig: Die Reise ist das eine, das Wiedersehen mit Irgendlink und Ray das andere.

Doch wie genau die Tagesstrecken-Gute-Nacht-Artikelchen-Service während meiner Schweden-Ferien aussieht, wird sich zeigen. Auf Tablet und Handy ist  Link-Generieren nicht ganz so einfach wie am Rechner. Vielleicht laden wir darum einfach den Nachtplatz-Link hoch, damit ihr dennoch virtuell mitradeln könnt? Mal sehen. Ich werde, so mein Vorsatz, auch bloggen – bei mir drüben. Wer mitlesen will, ist dazu herzlich eingeladen (Link in den Nachbargarten).

Die heutige Ungefähr-Strecke gibt es hier → klicken.

Mit den Tweets des Tages winke ich euch zu, wünsche euch eine gute Zeit und bleibt uns treu … :-)

Denkmal des unbekannten Lauthalses #AnsKap

Vor sechs steht ein Streifen Sonne über dem Horizont. Lang fällt der Schatten des Zelts bis hinüber zum zehn Meter entfernten Maschendrahtzaun, der den Campingplatz ‚Z Park‘ in Motala umgibt. Alles schläft. Möwen kreischen und ein paar andere raubeinige Viecher stimmen ein in den Chor.

Als ich aufstehe, um das Solarpanel am Zaun aufzuhängen, schiebt sich eine Wolkenfront von Westen über die Sonne. Zwei Krähen sitzen auf dem Fahrrad und schauen mir furchtlos zu. Die Platzwartin kommt mit dem Fahrrad und in Gummistiefeln am Sportplatz im Zentrum des Lagers herbeigeradelt, um das Sanitärhaus zu putzen. Wie Miss Marple sieht sie aus. Und so schrullig scheint sie auch. Sie spricht nur schwedisch.

Eigentlich wäre ich nicht auf diesem Campingplatz eingekehrt, wenn ich alleine unterwegs wäre. Er sieht ungemütlich aus, ist recht voll. Abends hörte man Bässe und Lärm vom nahen See. Familien polterten quer übers Gelände.

Das Alleinewesen in mir beäugt argusäugig das Treiben. Diese tiefergelegte Karre dort drüben mit den knallroten Aufklebern gehört doch bestimmt irgendwelchen Suffprolls, die spät laut in ihr Zelt torkeln und alle aufwecken.

Vorurteile und Schubladen. Herr Irgendlink ist ein ängstlicher kleiner Ikeaschrank voller lauthalser Plärrbanden.

Nichts von alldem. Die Dusche ist gut. Abends taumeln noch ein paar Familien vorbei, murmelnd, im Gehen zum Waschhaus die Zähne putzend. Die Front aus weißen Reihenhäusern jenseits der Straße schimmert rosa im Sonnenuntergang. Die Prollkarre steht da ohne jeglichen Besitzer. Kein Zelt daneben. Keine Prolls. Fast wie ein Denkmal des unbekannten Lauthalses.

Um 23 Uhr dunkelt es. Bei der Rückkehr vom Seespaziergang komme ich an einer Frau vorbei, die gerade vor dem Durchgang im Maschendrahtzaun pinkelt. Lächelnd, ihr ein Sorry in Richtung Dämmerlichthintern zurufend. Unbekümmert sagt sie etwas auf Schwedisch.

Die Nacht ist ruhig. Nun denke ich über das spärlich krächzende Vogelkonzert nach. Wie sehr es sich doch von den reichen mitteleuropäischen Klängen unterscheidet und wie sehr diese sich von den noch viel reicheren karibischen Klängen unterscheiden, die ich vor einem Vierteljahrhundert einmal hören konnte.

Eine Taube gurrt. Der Platz erwacht. Ray und ich wollen heute nach Örebro radeln, von wo aus er am Dienstag per Bus oder Bahn nach Malmö zurückfährt. Wie genau, ist noch offen. Am Bahnhof Motala jedenfalls nehmen die Provinzzüge nach Linköping keine Fahrräder mit. Wie es mit Fernzügen aussieht, wissen wir nicht. An den Aushängen am Bahnhof steht auf schwedisch, also schwer für uns zu verstehen, dass man Fahrräder im Bus mitnehmen kann.

Die Busfahrt nach Malmö bzw. Kopenhagen dauert elf Stunden. Weit haben wir es gebracht mit den Rädern.

Collage mit Bildern vom gestrigen Tag.

  

Drinnen und draußen #AnsKap

Es geht mir gut hier draußen. Wirklich gut. Vergesst das miese Wetter und die Radelstrapazen, das ewige schwedische Auf und Ab in einem unbarmherzigen Sägezahnprofil mal für einen Moment. ‚Innen‘ ist alles bestens. Und wenn es mit dem Innenleben stimmt, dann ist alles Äußere unwichtig. Dann darf man tagelang eingeregnet sein, die Klamotten verschwitzt, Füße und Hände klamm und die Zukunft, wenn man dieses Denken in nur wenigen Stundeneinheitenmal so nennen darf, die Zukunft kann getrost ungewiss sein.

Denn man hat sein Ziel erreicht: Gegenwärtigkeit. Ein Zustand friedvollen Insichruhens.

Gift. Ich komme nicht umhin, das Zusammenleben im herkömmlichen Alltag, zu Hause, im Job, auch in der Freizeit und im Hobby, als eine Art Gift zu sehen. Kein tödliches Gift. Eher so eine Art Droge wie etwa Alkohol. Man nimmt es ständig zu sich und es wirkt und diese Wirkung zeigt Symptome. Innere Unruhe, Unbestimmtheit, Angst, Hatz, Sorge, wie seh‘ ich heute aus? Darf ich das so und so? Was wird dieser oder jener denken? Kriege ich den Job? Streichen sie mir die Leistungen? Auch die virtuelle Welt fehlt hier draußen. Auch sie ist ein Krankmacher. Die Welt der Nachrichten und prügelt zu Hause tagtäglich auf dich ein und du stehst alleine im Informationsdjungel und musst zu allem und jedem eine Meinung entwickeln. Was ist mit den Griechen? Dem Islam? Den Aktienmärkten? Der Freihandeln?

Alles Dinge, von denen man als normaler Mensch keine oder kaum Ahnung hat, zu denen man sich aber unweigerlich eine Meinung bildet und sich dann im Netz, in sozialen Medien oder in Foren gegeneinander aufreibt.

Die meisten Meinungen und Gegenmeinungen, die in Kommentardiskussionen oft unter aller Würde geführt werden wie Krieg, fußen auf Nichtwissen. Auf Vermutungrn. Auf Glauben und auf dem Wiederspiegeln der Meinungen anderer, die man sich unbewusst überstreift.

Hier ‚draußen‘. Was weiß ich wirklich?

Dass dort Norden ist und da Süden. Von da komme ich. Dort will ich hin. Ich erinnere mich, vor der Reise einige Gesundheitschecks gemacht zu haben, weil sich der Körper marod anfühlte. Die Knochen. Kopfweh. Verspannung. Morgendliche Unruhe bis hin zu Herzrhythmusstörungen. Diese Rumpeln im Brustkorb war am zweiten Reisetag verschwunden wie alles andere auch.

Was ist hier draußen anders, als da drinnen im Kerngehäuse der Gesellschaft?

Das Webgift ist weg. Die Alltagsbanalitäten, die das Menschsein so mit sich bringen fehlen. Keine Formalitäten.

Konzentration auf das Wesentliche. Essen, schlafen, vorankommen.

Es war nicht leicht, mich drei Monate loszureißen und aus dem Alltagsleben auszusteigen. Diesmal war die Hürde besonders hoch. Den schönen Garten nicht wachsen zu sehen. Das Künstleratelier zurückzulassen, die Lieben nicht in ihrem Alltagsleben unterstützen zu können. Beinahe hätte ich es nicht geschafft.

Mit zunehmendem Alter wird es immer schwieriger, sich loszueisen. Das ist meine Erfahrung. Ich weiß nicht, ob sie allgemein gilt.

Handele jetzt.

Warum geht es mir hier und jetzt, draußen, gut und dort damals, drinnen, nicht? Das ist die Frage, die in mir brennt.

Und wie kann ich das, was ich hier und jetzt habe, was mir da drinnen offenbar fehlt, retten und mitnehmen?

Tag 27 | Unterwegs nach Motala

Manche Tage sind stille Tage … Einfach radeln. Den Weg genießen. Voran kommen. Sein. Unterwegs sein …

Auf dem Camping in Motala haben die beiden ihr heutiges Nachtlager aufgeschlagen – eine Dusche ab und zu kann ja nicht. schaden. Und natürlich die tägliche Teatime … :-)

Hier → lang gehts zum heutigen ungefähren Streckenlink.