Tag 27 | Unterwegs nach Motala

Manche Tage sind stille Tage … Einfach radeln. Den Weg genießen. Voran kommen. Sein. Unterwegs sein …

Auf dem Camping in Motala haben die beiden ihr heutiges Nachtlager aufgeschlagen – eine Dusche ab und zu kann ja nicht. schaden. Und natürlich die tägliche Teatime … :-)

Hier → lang gehts zum heutigen ungefähren Streckenlink.

Tag 26 | Am Vätternsee

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Irgendlink am Vätternsee

Heute sind unsere Helden immer auf dem Runt Vättern-Radweg gefahren. Nordwärts. Bei Wetter, das im Laufe des Tage besser wurde.

Die heutige Strecke, wie immer ungefähr, findet ihr hier → klicken.

Und nun gibts wieder ein paar Tweets des Tages als Bettmümpfeli resp. Betthupferl:

Innenansichten eines Europenner-Zeltlagers #AnsKap

Isomatte auf nacktem Bein. Kälte kriecht durch den halb offenen Reißverschluss des Zelts. Eben noch war die Sonne da und verwandelte die Szenerie um den Landsjön in ein antikes Gemälde. Wie hieß noch mal der Maler mit den bombastischen Wolkenlandschaften? Er muss ein Radreisender gewesen sein, der morgens nach dem Aufstehen Pinsel, Öl und Leinwand zur Hand nahm und die Szenerie malte.Unsere Zelte stehen auf einer Art Kanzel, eine etwa dreißig Meter durchmessende gemähte Wiese oberhalb eines Hofes. Windgeschützt. Sichtgeschützt. Eigentlich mitten in einem weitläufigen Wohngebiet unweit von Huskvarna.

Nachts konnte man die E4 rauschen hören, die vierspurig am Vätterensee entlangbrettert. Mahlstrom des Tourismus und des Güterverkehrs.

Das Zelt ist Schlafplatz, Schutzhütte, Küche und Büro in einem. Zwei Packtaschen vom Frontgepäckträger liegen zusammen mit den entpackten Lebensmitteln neben der Isomatte auf einem dreißig Zentimeter breiten Streifen bis zur Zeltwand. An der Leine im Dach baumeln Socken und Küchenhandtuch,durch das Mieswetter der letzten Tage zu ewiger Nässe verdammt.

Der Schlagsack schlafwarm klamm. Auf dem anderen dreißig Zentimeter breiten Streifen neben der Isomatte liegen Kleider und die Techniktasche. Pufferakkus fürs Smartphone, Kabel, das Notizbuch, in dem ich mein iDogma Postkartenprojektorganisiere.

Um nicht den Überblick zu verlieren, brauche ich die Namen aller Empfänger übersichtlich auf Papier. Das Projekt muss dokumentiert werden. Wer hat wann welche Postkarte erhalten. Bloß niemanden vergessen.

Unter unserer Kanzel summt eine Maschine hundert Meter weit weg. Wind starkt auf und rauscht in den Birken. Das übertüncht die E4.

Eben schien kurz die Sonne. Wie gut das tat nach dem gestrigen Tag in tiefhängenden ständig nieselnden Wolken. Die Solarzelle hängt am Radel und füllt einen der beiden Pufferakkus. Am anderen Ende der Kanzel steht Rays Zeltlager. Seit er seinen Fahrradständer eingebüßt hat ist er auf Zeltplätze neben Bäumen zum Rad dranlehnen angewiesen.

Das Heu verfault. Schnecken kriechen aus dem Boden an den Zeltwänden hoch. Zehn Zentimeter lange, nackte, ekelerregende Viecher.

Meine Stimmung?

Sie ist zwar nicht schwermütig oder depressiv, alles andere als schlecht. Ich frage mich aber, wieviele Tage man ohne Sonne bei Wind und Regen wohl durchstehen kann. Es sieht nicht nach Wetterbesserung aus. Je weiter nördlich wir kommen, desto kälter wird es.

Wie wird das erst in Lappland, wenn die schützenden Bäume weg sind?

Bloß nicht an die Zukunft denken. Bloß nicht dem Ungewissen ein womöglich falsches Gesicht geben.

Ich könnte jetzt meinen warmen Pullover brauchen. Aber den habe ich Ray geliehen, der nur für eitel Schweden Sonnenschein gerüstet ist.

Wir müssen einen Winterkleiderladen finden. Im Juli. Tse. 

     

Tag 25 | Verirgendlink im Pippi Langstrumpfland

Der heutige Tag war wieder ziemlich abenteuerlich. Zur Sorge um Rays Rad gesellte sich das Ding mit den Radwegen. Immerhin haben die beiden sich nicht langfristig verfahren. Nur ein bisschen. Und sind doch noch am Vätternsee angekommen.

Seht selbst. Hier → klicken zum heutigen, ungefähren Streckenlink, wobei diesmal Google mehr anzeigt als die beiden gefahren seien.

Hier, jetzt, warm, trocken, süße Musik – #AnsKap

Dass nicht immer eitel Sonnenschein herrscht auf der Reise ans Nordkap war mir ja schon klar. Aber dass das Wetter so früh so ekelhaft einbricht und so nachhaltig trist und kalt bleibt, damit hätte ich nicht gerechnet. Mein England-Trauma von 2012 erwacht: ein Monat außergewöhnlich kalt und nass, von atlantischen Winden umtost. Ganz groß in dieser Erinnerung ist der Campingplatz in den Fenlands, nahe Boston war es glaube ich. Ein topfebener Platz, flach, wie eben die trockengelegten Fenlands sind. Dem Meer abgerungenes Land, das einst maßgeblich von Holländern gestaltet wurde, habe ich mir sagen lassen.

Der Campingplatz war fast leer. Niemand wollte bei dem Sauwetter campen. Geschweige denn zelten. Wenn man vom Kiesweg abbog auf die schöne, grüne Wiese, merkte man auch warum. Das war gar keine Wiese mehr. Das Fahrrad hinterließ quatschend eine Reifenspur in einem vollgesogener-Schwamm-nassen Stück Land. Jeder Schritt war deutlich sichtbar. Auf einem etwa zehn Zentimeter höheren Teil der Zeltplatzwiese baute ich das Zelt quasi schwimmend auf. Nie war ich froher über den 10.000 Millimeter wasserdichten Zeltboden, als damals in den Fenlands.

Nach dem Sonnenradeln der ersten Tage in Schonen, müssen wir nun „taktisch“ radeln. Müssen zwischen oft heftigen Regenschauern spießrutenfahren.Meist haben wir Glück, so wie gestern in Vetlanda. Gerade reiten wir in die Stadt ein, als es wie aus Eimern zu schütten beginnt. Wie Nacktschnecken kriechen Wolken am Himmel. Ein Café, die Rettung. Etwa zehn Männer an den Tischen schwatzen in den Morgen. Wir kaufen Sandwiches und halten uns an der hierzulande üblichen Kaffeeflatrate schadlos.

Kaffeeflatrate heißt, du kaufst einen und darfst dir am Buffet so oft nachschenken wie du willst. Wobei ich mir des So-oft-wie-du-willsts nicht ganz sicher bin. Vielleicht gibt es auch ein ungeschriebenes Limit?

Der Kaffee kommt, nicht wie bei uns daheim aus überkanditelten Kaffeeautomaten,sondern er wird handgefiltert in großen Kannen bereitgestellt.

Vor dem Café sorgen zwei durchnässte Harleyfahrer für aufsehen. Achja, und wir, mit unseren vollbepackten Fahrrädern, wir auch, bzw. die Fahrräder.

Handys laden. iDogmapostkarten verschicken. Mobiles Büro. Dazwischen schmatz-schmatz und schlürf. Wasserflaschen im WC- Waschbecken auffüllen.

Schwupp Sonne, blauer Himmel. 79 Kilometer bis Jönköping. Das liegt an einem der großen Seen. Dem Vätteren- (oder Vänneren?)sjön.

Dort führt der Smålandsleden hin. Unser Radweg. Und am See führt ein anderer Radweg nördlich.

Ich bin nicht mehr überzeugt von der Idee, tu‘ immer das, was dein Radwegschild dir sagt. Einerseits ist es sehr bequem, einfach den Schildern zu folgen und nicht an jeder Kreuzung die Karte oder das GPS herauskramen zu müssen, andererseits: wir fahren im Zick-Zack und das Streckenprofil ist geradezu barbarisch. Kurze nur wenige hundert Meter lange Steigungen im ersten oder zweiten Gang und dann genauso mit vierzig Sachen wieder abwärts. Als hätte man einen Alpenpass in Stücke geschnitten und ihn breitwürfig hier in Schweden verteilt.

Man findet keinen Rhythmus. Die Oberschenkel tun weh. Wollen nicht richtig warm werden. Dazu dieses ewige Katz‘ und Maus-Spiel mit den Nacktschneckenwolken. Regenkluft an, Regenkluft aus.

Just bei einem besonders starken Schutt können wir uns in einer Kirche unterstellen. Im Pfortenraum auf einer Holzbank. Drinnen Chorprobe, sopranesk baritonisch süß, das Herz erweichend, so dass ich auf eine der beiden graublauen Säulen des Portals starrend denke, hei, dieser eine Moment, hier, jetzt, warm, trocken, süße Musik, da draussen kalt eklig menschenunfreundlich, der ist doch die ganze Schinderei wert, oder?

Die Blogartikel könnten verstärkt Tippfehler enthalten, da die externe Tastatur kaputt ist und die Texte auf dem winzigen Smartphone-Bildschirm geschrieben werden.