Junger Mann zum Mitreisen gesucht #AnsKap

Junger Mann zum Mitreisen gesucht. Ein Traumjob, wie er früher oft hinter den Fensterchen in Jahrmarktsbuden ausgeschrieben wurde. Ich weiß nicht, ob es diese „Stellenagebote“ auch heute noch gibt. Ich weiß auch nicht, ob sich auf diese Ausschreibungen allzu viele junge Männer gemeldet haben, um mitzureisen. Vielleicht Verzweifelte, die die Stadt verlassen mussten aus dem einen oder anderen Grund? Oder zwielichtiges Millieu, oder Liebeskranke?

Wenn ich für meine derzeitige Arbeit eine Ausschreibung machen müsste, wären die Qualifikationen neben der rein körperlichen Komponente, 100 Kilometer am Tag durch Schweden zu raden, noch etwas spezieller, als die Kompetenzen eines jahrmarktsjungenMannes.

Ich habe das Radel am Straßenrand abgestellt, krame das iPhone aus der Fronttasche, schaue mich nach vorne und hinten um, gehe in die Mitte der Straße und mache vier Streckenfotos. Drei nach vorne mit verschiedenen Kamerafiltern und eines nach hinten, immer die Straße entlang. Schon über 240 Mal habe ich das so gemacht, seit ich in Zweibrücken gestartet bin. Alle zehn Kilometer. Wenn ich meine Stelle ausschreiben müsste, wäre dies eine der Aufgaben, die zu erledigen wären. Acht bis zehn Mal am Tag anhalten und diese Art Konzeptfotografiedurchführen. Eine leichte Sache, sagen Sie?

Direkt neben mir im Straßengraben liegt eine leere Bierdose. Die Straße ist kaum befahren. So muss ich mich nicht verstohlen umschauen, wie etwa in Deutschland, ob mich jemand beobachtet, wie ich so tief sinke, die Dose aufzuheben und in meinen Plastikbeutel auf dem Gepäckträger zu stecken. Das Dosenpfand in Schweden beträgt eine Krone, umgerechnet etwa zehn Cent. Nein, das Dosensammeln ansich gehört nicht zu den Aufgaben, die ich in meiner imaginären Reisekünstler Stellenausschreibung notiere. Das ist sozusagen das, was Sie sich zusätzlich noch verdienen können, wenn Sie diese Arbeit annehmen.

Ich schwinge mich wieder aufs 

Rad. Kilometerweit durch Wald. Ab und zu eine Siedlung, die wie ausgestorben wirkt. Es gibt keine Läden über zehn, zwanzig, dreißig Kilometer. Schotterpiste, rechts und links unwegsames Gelände. Sogar die Jagdhochsitze sind direkt neben der Straße. Ein ewiges Auf und Ab.

Ihr Hirn sollte ab und zu ein paar Worte formulieren über die Strecke, die Befindlichkeit, irgendwas witziges oder auch Tiefschürfendes, das in 140 Zeichen passt. Der Twitteraccount, den ich Ihnen für die Arbeit zur Verfügung stelle, ist natürlich gratis. Seien Sie lieb zu den Followern. Kommunizieren Sie. Auch das gehört zu Ihren Kernkompetenzen.

Endlich eine Stadt, nennen wir sie Alfta. Und was für eine Stadt. Quirlig, lebendig auf schwedische Weise. Vor dem Supermarkt sitzt wie hierzulande üblich ein Bettler. Freundlich ruft er von Weitem ein Heihei entgegen. In weiser Voraussicht habe ich schon ein paar Kronen aus dem Geldbeutel gekramt, bücke mich und werfe sie in den Pappbecher.

Ich weiß nicht, was es mit dem schwedischen Bettlerphänomen auf sich hat. Anfangs habe ich versucht, mit ihnen in Kontakt zu kommen, woher sie kommen, quelle Nationalite fragte ich romanisch-französisch und erhielt unisono stets die gleiche Antwort: Bulgaria … Sofia. Aha.

Ob es Banden sind, organisierte Bettelei? Wo leben sie, was machen sie in ihrer Freizeit? Werden sie ausgebeutet von einer bösen Bettelmafia?

Ich meine in Schwäbisch Hall war es, wo man kürzlich dem Bettlerphänomen einmal näher nachforschte und dabei auf folgende Geschichte stieß: In einem kleinen Dorf irgendwo in Bulgarien oder Rumänien, in dem die Arbeitslosigkeit 100 Prozent beträgt und in dem es keine Sozialhilfe gibt und keine Perspektive, hatten sich die Bewohner zusammengetan und fuhren per Fernbus ins reiche Deutschland, um dort organisiert zu betteln und sich und ihre Familien daheim zu ernähren. Jeder im Dorf war mal dran, die beschwerliche Reise zu tun und tagelang demütig vor einem Supermarkt oder einer Apotheke zu sitzen. Manchmal beschimpft zu werden, bespuckt, attackiert. Ein Job, den ich so nicht ausschreiben würde, wenn ich eine Firma betreiben würde.

Sie sollten in der Lage sein, etwa alle zwei Tage einen längeren Blogartikel zu schreiben, so wie diesen, in dem Sie die Beobachtungen und Empfindungen, die Sie unterwegs machen facettenreich miteinander verbinden. Ist Ihnen aufgefallen, dass dieser Bettler, von dem Sie gerade schreiben, eigentlich auch nur arbeitet? Genau wie Sie und der Handwerker, der gerade vor Ihnen in den Supermarkt gegangen ist. Das habt Sie drei gemeinsam. Ihr arbeitet und ihr versteht euer Handwerk, sozusagen. Aber ihr versteht nicht, dass das, was der andere jeweils tut, ebenso Arbeit ist.

Ich kaufe Milch, Obst, eine Gurke und fülle die Wasserflaschen an einem Waschbecken neben der Pfanddosenrückgabe.

Zum Abschied winke ich meinem Bettler noch einmal zu. Alfta hat einen Campingplatz und direkt daneben hat man eine Bühne aufgebaut, in der offenbar eine Rockband gerade Soundcheck macht. Gitarren jaulen monströs durch die Stadt. Über die Kartenapp auf dem iPhone navigiere ich hinaus weiter Richtung Norden. Ich habe den Sverigeleden verlassen, der mit grünen Schildern bisher meist den Weg zeigte. Radelnd denke ich über einen Artikel zum Thema Navigation nach. Wie Jonglierbälle halte ich stoisch krubelnd, schwitzend, die Umgebung in mich aufnehmend immer drei vier Blogartikel gleichzeitig in der Luft, forme Themen, zersetze sie wieder, extrahiere Besonderes, mische es neu, formuliere oft ganze Absätze, die niemals geschrieben werden , weil man nunmal nicht radfahrend denkend zugleich auch aufschreiben kann.

Auch dies sollten Sie können: etwas sein lassen, etwas nicht erzwingen, Ruhe bewahren, den Mut aufbringen, nichts zu tun. Die Dinge sacken lassen, sie liegen lassen und vertrauen darauf, dass sie wiederkommen und mit neuer Wucht einschlagen in Ihrem Bewusstsein.

Dann Sind Sie der/die Richtige für den Job.

Bauen Sie doch schon mal das Zelt ab und verstauen alles in den Packtaschen, nachdem sie die Enter-Taste gedrückt haben, um diesen Artikel zu veröffentlichen.

Tag 47 | Der unbekannte Sverigeleden

Heute kein Weg- nur ein Ort-Screenshot, und nur paar wenige Sätze. 

Irgendlink ist kurz nach Arbrå nun, hat über 100 km geradelt, bestes Radelwetter gehabt und klang richtig happy. Obwohl der alte und der neue Sverigeleden offenbar verwirrend sind.  Er hat seinen Weg trotzdem gefunden.

Hoffen wir, dass er das auch weiterhin könne und dass das gute Wetter bleibe!

(Ab morgen wieder bessere Homebaseberichte ab Heimrechner.)

  

Raus aus Falun #AnsKap

Restart.

Fast ist es so schwer wie am ersten Reisetag, damals, am 15. Juni. Wieviele Wochen? Fast sieben.

SoSo und ich laufen die 1,7 Kilometer von unserem Häuschen nahe Falun, in dem wir gut eine Woche Ferien gemacht haben, bis zur nächsten Bushaltestelle. Sie mit dem schweren Wanderrucksack auf dem Rücken, ich das Radel schiebend.

Der Abschied … lassen wir das. Minutenlanges Warten im Bushäuschen und immer wieder einander in die Augen schauen … Sie steigt ein, zahlt die Fahrkarte. Die Busfahrerin scheint die Szene zu begreifen, lässt die Tür einen Tick länger offen, als üblich, als wolle sie sagen, komm, küsst Euch nochmal. Aber wir lassen es bei Augenblicken.

Der Bus rauscht ab Richtung Falun Innenstadt. Wenn SoSo sich beeilt, schafft sie es noch auf die hinterste Bank, um nochmal durchs Fenster zu winken, denke ich. Durch die Spiegelung der Scheibe sehe ich nichts und just, als der Bus die nahe Kreuzung passiert, schiebt sich ein gelber DHL Vierzigtonner zwischen uns. 

Nun bin ich alleine. Nur noch ich und meine 2300 Kilometer bis zum Nordkap.

Der Radelroute „Blau“ (in Falun haben sie eine rot und eine gelb markierte und die blaue Route) folge ich nach Osten bis zu einem Dorf namens Danholm. Ein schwerer Regenschauer begrüßt mich. Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es in die Regenjacke. Gewitterrummeln querab. Aber der Spuk ist zum Glück schnell vorbei. Im Regen erreiche ich Sundborn, finde ein uriges Café in einer guten alten Stube. Über dem Tisch und der Sitzbank hängen zwei Portraits, ein Mann und eine Frau? Die Urahnen der jetzigen Besitzer?

Der Regen endet und ich folge wieder den grünen Schildern des Sverigeledens, der durch Sundborn führt.

Die Gegend ist einsam. Verdammt einsam und sie wird mit jedem Kilometer noch einsamer. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich, weil ich das nicht mehr gewöhnt bin, mehr noch, weil die Situation, eine halbe Stunde oder noch länger durch Wald zu radeln, ohne auch nur einem Auto zu begegnen, bisher noch nicht da war. Daran muss ich mich nun wohl gewöhnen.

In Svärtsjö kaufe ich ein. Ziehe am Automaten Geld. Zum Glück. Danach nimmt die Leere zwischen den Siedlungen ein erschreckendes Ausmaß an und die Siedlungen selbst sind wie ausgestorben. Es gibt keine Läden. Man sieht keine Menschen vor den Häusern. Noch nicht einmal Rasen mähen sie, der Schweden liebstes Hobby.

Vor dem Supermarkt empfahl mir ein Mann, der nur schwedisch sprach, ich soll doch die Landstraße westlich des Sverigeledens bis nach Bollnäs nehmen, die sei nicht so steil. Ich sagte, dass mir die Ruhe lieber ist, dass ich nicht von LKWs und Autos umschwirrt werden möchte. Später stelle ich diese Ruhe in Frage. Bis nach Vintjärn steigt die Strecke auf über 400 Höhenmeter. Sehr schön eigentlich, vorbei an Seen und durch lichten Fichtenwald. Die nördliche Breite setzt der Vegetation schon sichtlich zu. Alles wirkt irgendwie kleiner und kümmerlicher. Diesseits und jenseits der Straße rauschen braune Bäche. Wie von Moor gespeist. Oder ist das Eisen, was sich da im Wasser löst und es so braun macht? Egal. Ich kurbele weiter, muss an Smaland denken. An das Sägezahnprofil der Strecke dort unten. Sechzig siebzig Kilometer waren damals echt schon eine Höchstleistung. Alpenpässe scheibchenweise,habe ich das genannt. Hier ist es ähnlich, aber bei weitem nicht so dramatisch.

Ab Vintjärn geht es wieder abwärts. Mehr oder weniger. Vorbei an Ruinen, alten Mühlen und am einen oder anderen Hof. Immer den grünen Shildern des Sverigeledens, des tausende Kilometer langen Schwedenradwegnetzes folgend.

Åmot war die bisher letzte Siedlung, die ich durchquert habe. Bei einem Haus in dem weitläufigen Dorf klopfe ich und lasse mir die Wasserflasche füllen. Sicher wäre es möglich, die braune Brühe aus den Bächen zu trinken, aber man muss ja nicht den Helden spielen.

Nun auf halber Strecke zwischen Åmot und Gruvberget. Mitten im Wald, direkt an einem Forstweg in einer zwei Meter breiten Parkbucht. Hinter mir liegen kubikmetergroße Felsbrocken. Der Wald ist unzeltbar. Es gibt nichtmal ein zwei mal drei Meter großes Fleckchen für das Zelt. Aber das spielt auch keine Rolle. Seit ich gestern gegen 22 Uhr das Zelt hier aufgestellt habe, ist noch niemand vorbei gekommen. Nicht einmal die befürchteten Tiere, Füchse oder gar Schlimmeres, die die Packtaschen plündern, sind aufgetaucht. Auf der Straße, kaum hundert Meter oberhalb fährt vielleicht ein Auto pro Stunde. Gestern überholten mich zwei Baumtransporter kurz hintereinander.

Nun weiter nach Gruvberget.

Bis Bollnäs sind es vielleicht noch 50 Kilometer.

Was mich wundert ist, dass hier draußen der Internetempfang so gut klappt.

Tag 46 | Weiter geht’s #ansKap

Während ich meine zwei letzten Schwedenurlaubstage in Stockholm verbringe, radelt Irgendlink weiter Richtung Nordkap. 

Ab Sonntag werde ich meine Homebase-Streckeninfo-Tätigkeit wieder aufnehmen. Bis dahin gibts abendliche Screenshots.

Diese  hier zeigen die ungefähre Tagesstrecke.

 

Übergang #AnsKap

Vor mir liegt das Smartphone auf dem Tisch, Notizbuch-App geöffnet, winziger, weißer Bildschirm. Oben rechts symbolisiert ein Zacken, dass die Bluetooth-Tastatur gekoppelt ist und ich müsste eigentlich nur noch darauf losschreiben, aber es will und will nicht. Es. In mir. Es, das große „Widerstand“. Ein Unwesen, das sich in den unterschiedlichsten Situationen zu Wort meldet.

Das Smartphone ist fast leer. Mit dem schmutzigen, alten Ladekabel hängt es an einer Akkuzelle, die hinter der Kaffeetasse auf dem Tisch liegt. Der Kühlschrank brummt. Wenn ich aus dem Fenster schaue, kann ich den Runn sehen. Unseren Haussee. In einer Minute könnte ich unten am „Badplads“ sein und ein Morgenbad nehmen.

Wasser.

Kein anderes „Element“ lässt einen besser seine Aggregatszustände erfahren, als Wasser. Bei Null Grad Celsius gefriert es. Bei hundert Grad verdampft es. Vielleicht liegt es daran, dass wir Menschen überwiegend aus Wasser bestehen, dass wir es beim Wechsel von einem Zustand in den anderen so anschaulich beobachten, ja, erfahren, können? Vielleicht ist es, weil wir ES sind?

Minutenlang stehe ich bis zu den Knien im Wasser, starre hinaus auf den See und stelle mir vor, wie ich langsam in die Knie gehe, die Wasseroberfläche sich an meinem Körper hochschiebt bis zum Hals, ich mich abstoße und endlich hineingleite. Drüben am Ufer schimmern Boote und zwischen den Bäumen lugen Holzhäuser. Es ist wie aus dem Alltag in das Reiseleben hinüber gleiten, denke ich noch. Das Reiseleben erscheint einem ja zu Hause, „im laufenden Betrieb“ des eigenen Lebens auch wie eine kühle, unheimliche Wassermasse, in die man hineinsteigt.

Ich weiß, dass es nur ein kurzer Moment ist, an dem ich ein bisschen frösteln werde. Der See ist nicht besonders kalt, vielleicht 18 Grad, kaum kühler also, als die Luft. Und dennoch, diese Minuten des da Stehens und den See Beobachtens …

SoSo beobachtet mich und zweifelt an meinem Verstand, warum kehrst Du nicht um, warum springst Du nicht einfach rein, warum quälst Du Dich so zwischen hier und dort?

Ich blogge gerade, rufe ich ihr zu. Ich blogge über den Übergang.

Den Übergang?

Ja, den Übergang zwischen Alltag und Reise und wie gut er sich vergleichen lässt mit dem Übergang vom Land ins Wasser.

Es ist nicht das kalte Wasser, das mir Schwierigkeiten macht, in den See zu steigen und es ist auch nicht das Unterwegssein, das das Losradeln so schwer macht, es ist die Vorstellung, dass der See kalt ist und dass unter der Oberfläche, wenn man einmal schwimmt, Unbekanntes liegt, das jederzeit am schutzlosen Körper züngeln könnte. Unterwegs, wie hier in der konkreten Situation. Diese Seerose, da vorne, da verstecken sich doch sicher Tiere drinne, die nur darauf warten, den Schwimmer, wenn er denn mal endlich eintaucht, zu beäugeln. Hirngespinste. Genau wie beim Reisen.

Es war verdammt schwer, dieses Mal, die Reise zu beginnen. Ich erinnere mich, wie aufgeregt ich war vor nunmehr gut sechs Wochen. Der Kopf arbeitete noch diverse Alltagsunabdingbarkeiten ab und schusterte an einem Luftschloss der Sorgen, da stand das Radel schon fertig gepackt im Atelier und das Ziel der Reise war längst grob skizziert. Herzrasen. Schlechter Schlaf. Überall lagen Zettel mit nie abarbeitbaren Listen von Zutuns.

Wenn man keinen abrupten Alltagsschuldenschnitt macht, kommt man nie weg von zu Hause. Schließlich hängen an uns Menschen inmitten des Lebens jede Menge Unabdingbarkeiten, Familienkonstrukte, materielle und psychische Bedingungsketten, die einen davon abhalten, den Sprung in die große Reise zu machen.

Zum Glück kenne ich das Gefühl und weiß, dass es schon ab dem ersten Reisetag so sein kann, als wäre man wochenlang unterwegs. Genau wie mit dem Runnsjön, den ich bis zum Knie betreten habe. Ich weiß, dass ich mich zwei Sekunden, nachdem ich voll eingetaucht bin, so fühlen werde, als wäre ich nie außerhalb des Wassers gewesen. Das Wasser schwappt zentimeterweit an den Beinen auf und ab. Eigentlich spürt man gar keinen Unterschied zwischen da unten im See und hier oben, außerhalb, wo dieses verflixte Hirn allmögliche Szenarien skizziert, die das vollständige Eintauchen vereiteln.

Dieser Blogeintrag richtet sich an alljene, die davon träumen, einmal einfach aufzubrechen und eine Reise ins Nichts, jenseits von Pauschalvorbuchungen zu machen, explizit Outdoor und ohne festes Tagesziel unterwegs sein möchten, egal, ob per Radel, zu Fuß, oder sonstwie. Vielleicht sogar länger als ein zwei Wochen.

Es ist wirklich nicht leicht, sich frei zu machen und drauflos zu reisen. Das versichere ich Euch und denkt ja nicht, der Herr Irgendlink macht das einfach so, dem fällt das leicht, der ist ein loser Typ, der hat daheim nichts zurückzulassen. Verdammt viel musste ich opfern auf Zeit. Auch ich habe ein Privatleben, habe liebe Menschen daheim, die meine Hilfe und Gegenwart zu schätzen wissen. Aber es ist auch so, dass eine Welt nicht zusammenbricht, wenn man sie mal für ein paar Wochen oder Monate hinter sich lässt.

Auch der Strand hinter mir wird sich nicht einfach in Nichts auflösen, wenn ich jetzt in den See steige und eine Runde schwimme. Ich mach‘ das jetzt. Tief Luft holen, Nase zuhalten, Kopf runter. Rein. 

Ich mach‘ das jetzt, drauflos tippen, diesen Blogbeitrag, der zwischen See und Land längst geschrieben ist, auf dieses nackte, winzige, weiße Smartphone-Notizbuch schreiben.