Die ersten Gäste bzw. der „Staff“ zum Kunstzwergfestival sind eingetrudelt. Gestern nachmittags tuckere ich mit Trecker und Anhänger zum nahegelegenen Getränkehändler, 25 Kilometer pro Stunde schnell, eine ewige Autoschlange hinter mir herziehend. Ab und zu kann überholt werden. Kurz vor der Müllkippe, die sich mit Asbestbeseitigung ein paar Euro dazu verdient, stehen zwei Laster am Straßenrand, die mich zuvor überholt hatten. Die Fahrer zurren die eigentlich luftdichte Abdeckung fest, damit sie bei der Annahme der zwanzig Tonnenlast nicht abgewiesen werden. Muss ja alles seine Ordnung … abends kommt das Organisationsteam mit einem Auto voller Technik, Lautsprecher, Computer usw. Freund QQlka ist auch mit dabei, was mich jubeln macht. Und Ober-Kunstzwerg-Vampir Brandstifter spielt auf dem PC sein neuestes Stück „Von Kunde zu Kunde“, das er gemeinsam mit Edita Karkoschka vertont hat. Den ganzen Abend dudelt das Lied und wir versuchen, die Hintergründe herauszufinden, was den junggebliebenen „Er“, Jahrgang 51 wohl veranlasst haben mag, in einem Edekamarkt in Chemnitz eine Kontaktanzeige aufzuhängen am Schwarzen Brett. Von Kunde zu Kunde. Dass er sich damit in der Asphaltbibliotheque verewigt, hätte er wohl nicht gedacht.
Hier ein Link zu einer Podcastseite, auf der man das Stück hören kann – leider wird zuvor Werbung eingeblendet.
Manchmal kommt es mir so vor, als wäre die Kunst nur die Fortsetzung der Landwirtschaft mit anderen Mitteln. September ist ein Fluch. Erntemonat. Eine Ausstellung hetzt die andere. Seit halb sechs wach. Kaffee. Kälte kriecht ins Kreuz. Ich bin zu faul, den Ofen in der Künstlerbude anzuschüren. Sonne komm‘ endlich!
Ein Kunstereignis jagt das nächste und über allem gaukelt das Offene Atelier in zwei Wochen. Muss noch Bilder bestellen, Tinte, Papier und obendrein habe ich mir noch das Mittelrhein-Projekt zur Chefsache erklärt, sprich, ich blogge mir innerlich die Finger wund :-). Die Freunde vom Mainzer Kunstverein Walpodenstraße trudeln heute Nachmittag ein und dann wird es für drei Tage ziemlich stressig hier auf dem einsamen Gehöft. Das Atelier ist Austragungsort der elften Kunstzwergfestivals. So spaßig die Sache wird, so schwierig ist es auch für mich. Das Organisationsteam beansprucht die Künstlerbude. Ich habe dann keine Privatsphäre mehr, weil ja die Künstlerbude ein katarktisch fraktales Konstrukt ist, das man am ehesten als Einraumstudio bezeichnen könnte. Sessions bis drei Uhr nachts. Die Suffnasen werden nonstop am Tresen lungern und labern labern labern. Nicht dass ich nicht auch Freude daran hätte, ab und zu, aber doch nicht drei Tage am Stück! Gestern diagnostiziere ich eine Art Autismus, der sich darin äußert, dass ich ruckzuck das Interesse verliere an Gesprächen. Sei es noch so interessant. Irgendwann erreichen Situationen einen Wendepunkt, ab dem es weh tut, zu kommunizieren, bzw. das Gegenüber kommunizieren zu lassen. Unermüdliche Wordbucket-Challenge. Ich selbst verfalle in eine schweigende Starre, die das Gegenüber nur noch mehr zum Reden, reden, reden anstachelt. Meine Schwester besucht uns nachmittags und berichtet über eine Bande von Taubstummneppern auf einem Supermarktparkplatz, die nur so taten, als könnten sie nicht reden und sammelten Unterschriften, baten um Spenden. Wenn es die Situation erlaubt, durchwühlen sie die Taschen ihrer Opfer nach Geld. Die Schwester redet und redet und wiederholt sich. Wendekreis des Schmerzes: ich lasse sie zusammen mit meiner Mutter stehen und als ich ein paar Minuten später zurückkehre ins Haupthaus, redet sie immer noch.
Die Schwester trifft keine Schuld, klar. Ich vermute, das Problem liegt darin, dass wir im weltweiten aufblähungs- und immer-mehr-Wahn verlernen, was Stille ist, was Stillstand und Rückschritte sind. Hand in Hand geht der große Bruder Wachstum mit seinen Geschwistern aus allen Bereichen des Lebens. Die Menschen verlernen, Leerräume zu lassen. Und je mehr man selbst Leerräume lässt, zum Beispiel im Zwiegepräch, desto mehr werden sie von anderen vereinnahmt.
Halb neun jetzt. Keine Sonne. Klamm sind die Finger. Ich überlege, ob ich diesen Artikel ebenso wie den vorigen in die Privatschleife des Blogs schicken soll … ach, seis drum, es muss auch mal wieder Alltagstexte geben, gewürzt mit der Bitternis eines guten Schusses Larmoyanz, sonst verliert man ja jegliche Leutseligkeit … schaut mal vorbei beim Kunstzwerg.
Raubritterburg Sooneck im UNESCO Welterbe Mittelrheintal
Ihr Burgen-Basiskit im Mittelrheintal (Skizze): Burg Sooneck zwischen Bingen und Bacharach.
Wir beglückwünschen Sie zum Kauf des Burgen-Basiskits Sooneck. Unser langlebiges Top-Modell, das wir im Mittelrheintal schon seit nahezu achthundert Jahren anbieten, wird Ihnen viel Freude bereiten. Bitte prüfen Sie den Inhalt auf Vollständigkeit. Das Burgenkit enthält neben der Burganlage selbst auch ein 67 Kilometer langes Stück Rheintal inklusive einer der wichtigsten europäischen Wasserstraßen, zwei Bahnlinien, zwei Bundesstraßen und ein Gefolge von etwa 200.000 Menschen, die sich dicht an dicht in den etwa dreißig Gemeinden drängen. Neben zahlreichen Niederwäldern und einer beträchtlichen Fläche Weingütern beinhaltet Ihr Burgenkit eine Fülle unentdeckter Kleinode und skurriler Begebenheiten. Um sie zu entdecken und nutzbar zu machen, empfehlen wir Ihnen unser Burgherrenkit Irgendlink (Zubehör ist nicht im Basiskit enthalten).
Zubehör Burgherrenkit Irgendlink
Mit dem Modell Irgendlink als Flaggschiff unseres Unternehmens lassen wir keine Wünsche offen. Ursprünglich als Reisekünstler-Set konzipiert, kann das Modell auch zu beliebigen anderen blogtechnischen Zwecken eingesetzt werden. Schon 2010 wurde mit dem Modell Irgendlink das wohl erste deutschsprachige Buch, das auf einem Smartphone geschrieben wurde, erzeugt. Und zwar täglich live berichtend vom Camino Frances, dem spanischen Teil des Jakobswegs. Unter dem Titel „Schon wieder ein Jakobsweg“ ist es seit 2013 als eBook und gedruckt erhältlich. Weitere live gebloggte Reisen, bei denen das Modell Irgendlink seine Tauglichkeit im täglichen Blogeinsatz unter Beweis stellte, führten fotografierend und bloggend einmal rund um die Nordsee („Ums Meer“) auf Europas längstem Fernradweg, der North Sea Cycle-Route. Hier leisteten die serienmäßig eingebauten guten Englisch-Kenntnisse in Sprache und Schrift wertvolle Dienste. Obschon das Burgherrenmodell schon im Jahr 1966 konzipiert wurde, lässt es keine Wünsche offen an die Ansprüche einer hochdigitalisierten Zeit. Sei es programmierend per PHP und Skripten auf dem eigens angeschlossenen Webserver oder gestaltend im reinen HTML- und CSS-Modus. Last but not least lassen sich verschiedene Textmodi einstellen, mit denen sie nach Belieben eine klassische Reportage erstellen oder, wenn Sie es ein bisschen verrückter mögen, auch mal fiktiv abstrakte Elemente einspielen können. Schlagworte Ihrer Wahl wie zum Beispiel Mittelrhein lassen sich auf Knopfdruck programmieren und suchmaschinenwirksam unterbringen, ohne dabei die LeserInnen zu stören. Aufgewachsen mit dem Internet und – ein Jahr vor der Anerkennung des Mittelrheintals zum Welterbe – für das Internet zugelassen, ist bei unserem Top-Modell bisher noch nie ein Fehler aufgetreten. Viele renommierte Kundinnen und Kunden waren stets zu 100 Prozent zufrieden. Unter ihnen die Rheinpfalz (www.rheinpfalz.de) und das Welterbe Salzwelten Hallstatt (http://www.salzwelten.at/de/hallstatt/bergwerk/), das 2013 eine durch Irgendlink live gebloggte Reise auf 120 Keramikfließen im Memory of Mankind (http://www.memory-of-mankind.com/) einlagern ließ.
Erst kürzlich war die Einheit drei Wochen lang per Fahrrad und zu Fuß von der pfälzischen Heimat in Zweibrücken bis zum Gotthard, dem Ursprung des Rheins, unterwegs.
FAQ
Was passiert beim Einschalten des Burgherrenkits?
Das Modell Irgendlink wird unverzüglich seine Arbeit in dem gewählten Arbeitsmodus aufnehmen. Zu Fuß und per Rad werden die Geheimnisse, Anekdoten und die Geschichte des Mittelrheins erforscht, wobei Ausflüge in die Geschichte und der nahe Kontakt zu den Menschen oberste Priorität genießen. Im Fotomodus erstellt das Modell atemberaubende Bildcollagen und Panorama-Aufnahmen.
Was macht eigentlich der Knopf Kreativmodus an meinem Burgherrenkit Irgendlink?
Er schaltet die Einheit auf zufällige Wiedergabe. Entweder werden Sie verstört die Ergebnisse beobachten, oder vor Entzücken in die Luft springen.
Ihre Ritterburg ist zu 100 Prozent natürlich abbaubar. Sollte sie einmal kaputt gehen, lassen Sie sie einfach ein paarhundert Jahre stehen und nichts wird mehr davon übrig bleiben.
Service
Unser Service steht Ihnen wochentags zwischen 8 und 12 Uhr und zwischen 13 und 17 Uhr zur Verfügung. Per E-Mail rund um die Uhr.
Wenn Sie diese Bedienungsanleitung bis zu Ende gelesen haben, senden Sie bitte eine E-Mail an unsere Serviceabteilung.
In der Rubrik Mittelrhein sammeln sich ab September 2014 alle Artikel zu dem Thema. Außerdem bietet die Rubrik eine erweiterte Linkliste auf der rechten Seite, die zu interessanten anderen Burgenbloggern führt und zu den Hintergrundinformationen.
Neulich beim Einkaufen ticken zwei drei Kassen nebeneinander nahezu synchron – nur um Bruchteile versetzt piepsen die frisch gescannten Waren und am Ende trällern die Kassiererinnen den Preis: Neuneuroneunundvierzig hier bei mir. Einen Takt später höre ich an der Nachbarkasse Neuneurodreiundfünfzig. Wickiunddiestarkenmänneresque reibe ich mir die Nase und jubiliere innerlich. Ich haaabs! Eine zeitgemäße Synfonie des Konsums, ein Konzert für drei Supermarktkassen und neun Kundinnen wurde soeben komponiert. In C-Dur. Ich bin der Wolfgang Amadeus Mozart der feinen Künste, ein moderner Beethoven, der Mendelsohn Bartholdy der Scannerkasse, der – na wie hieß noch dieser Gluck mit Vornamen – des Massenkonsumzeitalters. Bach wurde von seinen Mitschülern gehändelt …
Der Kanon ist eingeteilt in drei mal drei Kunden, mit drei verschiedenen Warenkörben. Die ersten Drei kaufen für exakt Neun Euro Neunundvierzig ein, und sie müssen alle ihre Waren in der gleichen Reihenfolge aufs Band legen, ein bisschen zeitversetzt für den Kanoneffekt. Neuneuroneunundvierzig, werden die Kassiererinnen im Kanon singen und die Kunden bezahlen alle mit einem zehn Euroschein, so dass auch das Wechselgeld im Kanon gesungen werden kann: Und einundfünfzig Cent zurück. Einen schönen Abend noch. Dann kommt das nächste Tripel für Zwölf Euro Dreiundachtzig jeweils und die dritte Strophe – ich nenne sie die Wochenendsingleeinkaufsetüde – kauft Waren für je Sechsundsiebzig Euro Siebzehn.
Ich kann es kaum erwarten, dieses bahnbrechende musikalische Meisterwerk endlich aufzuführen. Könnte mir wohl jemand einen Dirigentenstab verkaufen? Wir müssen natürlich proben.
Wieder zwei Porschemodellautos an den Künstlerkollegen Ruppe Koselleck gespendet. Die Spendenquittung kam prompt per Post. Sehr schön sind die original Reifenspuren meiner beiden Porsches. Nun fehlen noch meine Nominierungen Für die #911bucketchallenge – ich nominiere die ersten drei, die diesen Artikel kommentieren :-)