Aufbau der Ausstellung für das Offene Atelier am 20./21. September 2014. Ein intimer Blick hinter die Kulissen der Kunst. Kunst- und Fotointeressierte in und um Zweibrücken sind herzlich eingeladen (und natürlich auch entferntere Menschen). Schwerpunkt der Ausstellung ist Smartphonefotografie, die erstaunliche Möglichkeiten eröffnet, die man mit herkömmlichen Kameras nicht erreicht. Es wird auch einen Retrospektiven-Raum geben, in dem Werke seit 1999 zu sehen sind (u. A. einige wenige echte Schwarz-Weiß-Fotos). Videoclip 3:33 min. Ich freue mich auf Ihren/Euren Besuch. Mehr Infos gibt es in diesem Artikel.
Irgendlink wird Strickblogger, nein, Blogstricker
Was haben eigentlich Bloggen und Stricken gemeinsam, wenn man nicht gerade ein Strickblog führt und darin über das Stricken berichtet?
Die Exkursion in die Burgenbloggerei habt mir kürzlich die Ähnlichkeiten gezeigt. Ich beschäftigte mich intensiver mit Schlagworten und Kategorien und wie man die Inhalte des Blogs schmackhaft in den sozialen Medien platziert. Einhergehend mit Aufräumarbeiten und einer Neustrukturierung des seit vielen Jahren in Betrieb stehenden Irgendlink-Blogs kam ich nicht umhin, Analogien zum Stricken zu finden. Ein Gewebe aus verschiedenen Fäden durchzieht das Blog. Bloß sind sie ein bisschen ungeordnet. Wenn man sie entwirren würde und technisch versiert verknüpfen, wie etwa einen Norwegerpulli, könnte eine große Sache daraus werden. Im Backend kann ich die Funde beobachten, auf die täglich fremde Menschen stoßen und so ins Irgendlink-Blog gelangen. Ein Jakobsweg im Winter-Artikel zum Beispiel. Und ein Fahrradsurvival-Artikel, der die Geheimnisse des französischen Ventils lüftet. Das sind Fäden, die es weiterzuspinnen gilt. Potentielle Kategorien. Schlagwortwolken.
Bei den Blog-Aufräumarbeiten, mit denen ich in diesem Frühling begonnen hatte, kam ich an den Rand der Verzweiflung: wie kann man ein Blog mit mehreren tausend Beiträgen neu verschlagworten und kategorisieren, ohne es komplett von A bis Z durchzulesen? In einer vernünftigen Zeitspanne wohl kaum. Also versuchte ich mich meiner Fäden zu erinnern und benutzte die interne Suchfunktion, um Artikel aufzuspüren, die eine eigene Kategorie bekommen sollten. Zum Beispiel die bald entstehende Kategorie Liveschreiben (steht übrigens weit oben auf meiner Liste zu produzierender eBooks), die 2012 als lose Folge von Artikeln begonnen wurde und sich bis heute durch das Blog zieht. Ein roter Faden.
Mühsam, ihn zu entwirren.
Demjenigen, der vor einer ähnlichen Herausforderung steht, sein Langzeitblog neu zu strukturieren, kann ich nur eins raten: Blogge so weiter wie bisher, aber gewöhne dir an, schon im laufenden Betrieb deine Artikel zu verschlagworten und zu kategorisieren. Betitele jedes hochgeladene Bild, fülle auch die Felder Beschreibung, Alternativ-Text und Bildbeschriftung aus (gilt für WordPressblogs). Was zählt ist die Gegenwart. Hier spielt die Musik. Hier kannst du durch diszipliniertes Arbeiten Ordnung-en-passant schaffen. Die Vergangenheit ist etwas für die Nachwelt, für diejenigen, die sich dereinst für deine Kunst, dein Blog, deine sonstigen Hinterlassenschaften interessieren (oder, und das ist die Regel, einfach alles in die Tonne treten, was du jemals geschaffen hast). Trotzdem, wenn du magst, kannst du der Nachwelt helfen, indem du anfängst aufzuräumen, aber vergiss nicht das Jetzt. In diesem Jetzt lebst du. Dieses Jetzt ist das Fundament deiner Zukunft. Hier musst du glücklich sein!
Jetzt muss ich den Artikel kategorisieren: Hmmm? WordPress? Webwissen? Blog aufräumen? Onlinepublishing? Ich könnte ihn auch in der blogeigenen Knoddelkiste belassen … privat ist er allemal, zunächst … aaach, ich springe über meinen Schatten, mache ihn öffentlich. Vielleicht nutzt es ja jemandem?
Offene Ateliers Rheinland-Pfalz – Bildergalerie Atelier Rinck
Das Atelierfest 2014 (20./21. Sept.) auf dem Rinckenhof zeigt eine Retrospektive aus vier Jahren Smartphone-Fotografie (hundert Jahre Hipstamatic :-) ). Leinwanddrucke und eine wandfüllende Polaroid-Installation bilden den Kern der Ausstellung. Flankiert werden sie von Alu-Dibond-Bildern und Objekten. Erstmals gibt es Ausbelichtungen unserer (SoSo et moi) Urban Artwalks zu sehen – Fotocollagen, flüchtige Fingerabdrücke europäischer Städte, digital-forensische Bestandsaufnahmen unserer Umgebung.
Hier noch einmal der Link zum Download der Liste aller Offenen Ateliers in Rheinland-Pfalz.
Die Offenen Ateliers Rheinland-Pfalz zeigen sich herbstlich bunt
Nicht offene Offene Ateliers
Verflixt. Die ersten BesucherInnen des Offenen Ateliers sind da. Eine Woche zu früh. Ertappen mich im Sonntagsschlaf. Zum Glück ist Freund QQlka auf der Südterrasse. Empfängt die Gäste. Weckt mich. Kocht Kaffee. Serviert Gebäck. Kann ja die Leute nicht abweisen. Über Stock und Stein sind sie herauf gekraxelt zum einsamen Gehöft.

Das Atelier ist im Umbau. Habe doch erst nächste Woche Tag der offnenen Tür. Leitern und Krempel überall und ich bin ein bisschen zerknautscht. Wie man eben ist, wenn man aus dem Reich der Träume kommt. Wir schwadronieren über Kunst, Gott und die Welt. Der Kaffee wirkt. Ob man von der Kunst leben könne, stellt jemand die Frage. Kurzerhand sage ich ja und erst später wird mir bewusst, wie wahr die Aussage ist und wie viel Sich-winden, Rechtfertigen, Begründen und „Abern“ einem so ein Ja spart. Kann man vom Verkauf von Bildern leben? Nein. Als Durchschnittskünstler fernab der Tränken des Kunstmarkts muss man sich sich heutzutage immer als ein Mischprodukt auf dem Arbeitsmarkt vorstellen, das neben seiner eigentlichen Bestimmung, kreativ zu sein, eine Reihe weiterer Erwerbsquellen hat und obendrein den Begriff „Davon-leben“ auf eine ganz andere Art definiert als der Durchschnittsbürger. Kurzum, wenn du Durchschnittsbürger sein willst mit einem durchsschnittlichen Gehalt, von dem du dir die durchschnittlich nötigen Dinge, die du zum Leben brauchst, kaufen kannst, dann kannst du kein Künstler sein. Ich träume manchmal von solch einem Leben in wohliger Sicherheit. Aber letztlich geht es darum, glücklich zu sein und zufrieden mit dem eigenen Leben.
Was falsch verstanden werden kann, wird falsch verstanden. Manche Dinge sind so verquer, dass sie gar nicht verstanden werden können. So auch die Offenen Ateliers. Im Prinzip sind die Regeln ja klar: an zwei Wochenenden im September können alle Künstlerinnen und Künstler in Rheinland-Pfalz, die in der Profiliga spielen, ihre Ateliers öffnen. Die große, gemeinschaftliche Aktion bietet einen Blick hinter die Kulissen der Kreativität. Bloß: es gibt vier Spielvarianten, zwischen denen die teilnehmenden Ateliers wählen können. Entweder beide Wochenenden samstags und sonntags öffnen, oder an beiden Wochenenden nur sonntags oder nur das erste Wochenende samstags und sonntags, oder nur am zweiten Wochenende. Alles klar?
Im Programmheft steht es fein säuberlich im Kleingedruckten.
Das Atelier Rinck ist am 20. und 21. September 2014 von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Neben Foto- und Objektkunst gibt es Kaffee und Kuchen. Wer samstags kommt und sich etwas zum Grillen mitbringt, kann gerne auch nach 19 Uhr am Lagerfeuer im Ateliergarten mit den Künstlern und Kunstinteressierten über Gott und die Welt schwadronieren. Dieser Artikel vor ein paar Tagen gibt mehr Infos preis.
Revolutionäre Projekte zum Thema #Burgenblogger und #Mittelrhein
Was macht eigentlich der Knopf Kreativmodus an meinem Burgherrenkit Irgendlink?
Er schaltet die Einheit auf zufällige Wiedergabe. Entweder werden Sie verstört die Ergebnisse beobachten, oder vor Entzücken in die Luft springen.
Aus meiner Bewerbung zum Burgenblogger – Bedienungsanleitung für eine Ritterburg
Oder anders gesagt: wenn man dem Künstler nicht sagt, was er tun soll, dann macht er was er will. Treibt Schabernack. Lässt die Ideen sprudeln. So entstehen grotesk-phantastische Ideen auf dem weiten Feld zwischen Dada und Karikatur, zwischen Ironie und bissigem Humor.
Natürlich spielen die Reize, die die Umwelt auf einen ausüben eine große Rolle. Zum Beispiel das Bild, das die Rheinzeitung in ihrer Ausschreibung zur Burgenbloggerei verwendet hat. Es zeigt Burg Sooneck, auf der der Burgenblogger dereinst residieren und arbeiten soll, mit einem riesigen hineinmontierten Pfeil, der auf den Burgturm zeigt. Schon von Anfang an hat mich dieser Pfeil gestört. Er will und will nicht in das romantische Bild einer Ritterburg über dem Mittelrhein passen. Kann mal jemand den doofen Pfeil vor meinem Burgfenster wegnehmen, war einer meiner ersten Gedanken. Schrei’s laut hinaus. Als ob man, wenn man auf Burg Sooneck einzieht, immer diesen Pfeil vor den Augen hätte. Ha.
Kurzerhand habe ich das Bild aus dem Netz kopiert und durch Halftone auf dem Smartphone genudelt und einen Cartoon gebastelt, auf dem aus dem Burgturm eine Stimme in die Sprechblase schreit, Kann mal jemand den doofen Pfeil vor meinem Burgfenster wegnehmen.
So weit so gut. Der nächste Schritt wäre gewesen, auf den Teilenknopf zu drücken und das Bild zu Facebook, Google und Twitter zu portieren, aber halt halt halt, gibt’s da nicht noch so etwas wie ein Urheberrecht? Und, verflixt, wer hat überhaupt das Bild gemacht? Ist das ein Stockfoto? Ist es gemeinfrei? Darf ich es verwenden? Schnell mal nachschauen. Ach und tatsächlich, unter dem Bild steht ein Name: Ulrich Pfeuffer. Google fragen. Es gibt ja so viele Pfeuffers. Welche mit drei F. Und Ulrichs. Welche mit zwei L. Auch diesen Ulrich Pfeuffer gibt es. Fotograf in Koblenz. Mittelrhein. Könnte passen. Klasse Seite. Besonders gut gefallen mir seine Ostsee-Bilder in der Rubrik Unterwegs. Sie sind so schön still. So unprätentiös. Ein Augenschmaus.
Impressum gibt es auch auf der Seite, also Mail an Ulrich, mal nachfragen, wie er die Sache sieht. QQlka, mein Galerist meint zwar, oooch, das kannste verwenden, ist doch künstlerische Freiheit, Paragraf fünf oder so, wird doch keiner etwas dagegen haben. Aber das ist mir in Anbetracht des Wespennests Burgenbloggerei ein bisschen zu heikel. Und außerdem ist es höflich, zu fragen. Vielleicht lernt man ja nette Leute kennen?
Herr Pfeuffer hat noch nicht geantwortet. Vielleicht findet er diese Art Humor doof. So doof wie ich den Pfeil. Deshalb steht an dieser Stelle nicht das Cartoon-Bild, sondern … muss ich mir noch überlegen, wird sich ja in Irgendlinks Archiven irgendwas finden lassen, das man zurechtbiegen kann, dass es in den Artikel passt.
Schnitt.
Nachts erwache ich mit dem phantastischen Gedanken, ich könnte mein Alterego, den MudArt Künstler Heiko Moorlander zum Burgenblogger bewerben. Der hat sowieso viel mehr Charisma als ich. Und Geld wie Heu. Der könnte ein revolutionäres Projekt ausrufen, das das Mittelrheintal auf einen Schlag weltberühmt macht. Ein Dorado für Taucher und MudArtisten soll es werden. Der Rhein in Schlammen war geboren, in Anlehnung an die jährlich stattfindende Veranstaltung Rhein in Flammen.
Okay, es ist sicher keine gute Idee, sich als Burgenblogger zu bewerben mit einem Projekt, das das Rheintal ab Koblenz unter Wasser setzt und zweihunderttausend Menschen umsiedeln will. Aber revolutionäre Kunstideen fordern nunmal ihren Preis.
Vielleicht wäre es besser, wir würden die Staumauer im Binger Loch machen, sagt QQlka. Wir sitzen auf der Südterrasse des einsamen Gehöfts und lassen die Ideen sprießen. Man könnte das Tal trocken legen und eine 65 Kilometer lange Shoppingmall daraus machen. Ein Paradies für die kaufkräftige junge Mittelschicht. Dach drüber. Shops in den Felsen meiseln, fast wie Andorra. Gute Idee, sage ich. Die ist von dir, sagt QQlka. Von uns, beschwichtige ich. Ideen sind immer das Zusammenspiel vieler. Ideen sind produktiv gewordene Kommunikation.
Ab hier wird es vielleicht ein bisschen philosophisch in diesem Satireartikel, aber der Beweis, wie der Zusammenschluss von Ideen funktionieren kann, liegt ja ungeschminkt vor uns. Die Burgenbloggerkampagne nimmt ihren Lauf durch die sozialen Medien. Die vielen Bewerberinnen und Bewerber inspirieren sich gegenseitig, beflügeln einander. Eigentlich ist das virtualisierte Mittelrheintal durch die Kampagne ein fruchtbarer Acker geworden, auf dem theoretisch wir alle, die wir darüber schreiben, denken, hoffen, mitfiebern, wer denn nun der einzige Burgenblogger, die einzige Burgenbloggerin wird, prima leben können.
Auch ich habe viel gelernt. Die wenigen Profijournalistinnen (ja, tatsächlich konnte ich nur Frauen finden, die vom Fach sind und das Zeug hätten zur Burgenbloggerin), haben mich mächtig inspiriert und mir mit ihren offen gelegten Bewerbungen die Dinge klar gemacht, die ich zwar ahnte, aber die ich bisher nicht so im Fokus hatte. Durch die offene Darstellung unserer Bewerbungen und Ideen, haben wir uns gegenseitig weiter gebracht. Das war nicht nur ein kollektives Hose runterlassen. Das war gemeinsames Schaffen an einer großen Sache. Für den Kunststraßenbau und die nächsten Projekte konnte ich vor allem eins mitnehmen: höchste Blogdisziplin und tiefe Einblicke in die Promotion von Projekten. Ich werde es auf den nächsten Livereiseprojekten gut gebrauchen können.
In knapp zwei Tagen endet die Bewerbungsfrist für den Posten auf der Burg. Ich bin gespannt, wieviele sich beworben haben und wie es weiter geht.
Oh, und ehe ich’s vergesse, Blogartikel will Bild. Nehmen wir doch diese kleine Karikatur zu den Mitteln der Burgenblogger: Herzblut und Ideen:
























