Kunststraßen

Kunststraße

1994 – von Mainz aus radelt Irgendlink zusammen mit  seinem Galeristen QQlka Richtung Berlin. Alle 10 km schießt er ein Foto der Straße, stets Richtung Reiseziel. Der Kunststraßenbau als konzeptuelle Kunstidee war geboren. Die Reise scheiterte wegen schlechten Wetters schon am Vogelsberg in Hessen.

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Kapschnitt in der Mainzer Galerie Walpodenstraße. Im Dezember 1995 die zweite Ausstellung in dem Kellergewölbe. Die Kunststraße zeigt sich als räumlich gegliederter Film auf einer Konstruktion aus Holz und Pappe.

Ein Jahr später radeln die beiden Kunststraßenpioniere quer durch Deutschland, Schweden und Finnland bis nach Alta in Norwegen. Alle 10 Kilometer ein Streckenfoto. Im Dezember 1995 zeigt Irgendlink die Serie als Rauminstallation in QQlkas neu gegründeter Galerie Walpodenstraße (heute Walpodenakademie) in Mainz.

In den folgenden Jahren entstehen viele weitere Kunststraßen. Sie dokumentieren Wege nach Irland, in die Schweiz und nach Nürnberg.

Irgendlink:

Ab 2001 widmete ich mich dem Detail, fotografierte auf engstem Raum in Zweibrücken und realisierte mit dem Bliestallabyrinth (Login: gast/ingweiler), einem 42 km langen Zick-Zack-Kurs rings um Zweibrücken, meine wohl präziseste Kunststraße.

Gut die Hälfte der Kunststraßen-Projekte wurden in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt – das nicht veröffentlichte Material liegt teils roh und unbearbeitet, teils gescannt und bereit zur Ausbelichtung vor.

K11, Kunststraße 11 vom Flugplatz Zweibrücken bis zum Kreuzberg, Ausstellung im Mai 2001 im Parkhaus Hallplatz
Foto Stefan Folz. K11, Kunststraße 11 vom Flugplatz Zweibrücken bis zum Kreuzberg, Ausstellung im Mai 2001 im Parkhaus Hallplatz

Im Jahr 2000 verbindet der Reisekünstler seine Heimatstadt Zweibrücken mit dem Kleinstaat Andorra in den Pyrenäen. Natürlich als Kunststraße. Sie wurde 10 Jahre lang nicht veröffentlicht. Aus den Augen, nicht aber aus dem Künstlerhirn. 2010 war Zweibrücken-Andorra Vorlage eines neuen Kunstprojekts. Der Künstler begibt sich auf seine eigene Spur.

Was hat sich verändert in diesem Jahrzehnt? Wie hat sich Europa verändert, wie die Welt, die Technik? Wer war ich, wer bin ich, was treibt mich an?

2000__________

Irgendlink richtet auf dem Rinckenhof oberhalb Zweibrücken in der ehemaligen Scheune ein geräumiges Atelier ein. Noch ist der Euro nicht „erfunden“. Mit 3000 französischen Franc durchquert er Frankreich abseits der Hauptrouten. Irgendlink fotografiert analog mit zwei Nikon-Kameras. In einer Kamera steckt stets ein Dia-Film, in der anderen ein Schwarz-Weiß-Film. In einem französischen, feinen Notizbuch schreibt er akribisch seine Gedanken nieder, macht Notizen zu den Bildstandorten (anhand dieser kostbaren Aufzeichnungen ist es auch heute noch möglich, die Bilder zu ermitteln).

Es offenbarte sich mir ein verschwiegenes, friedliches, wildromantisches Land (wenn man einmal von der Adrenalin-ausschüttenden Durchquerung Lyons auf dem Rückweg absieht). Im April 2000 gab es keine Satellitennavigation. Am 1. Mai 2000 hat die USA ihr militärisches Satellitennetz für die zivile Nutzung freigegeben.

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Foto Stefan Folz. Im Scheunenatelier baut Jürgen Rinck die Kunststraße Nr. 11, die im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz in Zweibrücken gezeigt wird.

2010__________

Milliardenteure Satellitentechnik, der Euro, grenzenloser Kontinent, Kreditkarte, Gigabytespeicher an Nikon D300, iPhone 3GS. Strom per Solarzelle. Datenübermittlung täglich durchs Mobilfunknetz. Auf dem iPhone entstand live auf irgendlink.de ein elektronisches Logbuch der Reise.

Links zu den beiden Reisen innerhalb dieses Blogs

Die Etappen 2000 bei Everytrail (Rekonstruktion auf Basis der handschriftlichen Notizen)

  • Tag 1 -> Zweibrücken bis Lutzelbourg
  • Tag 2 -> Lutzelbourg bis Bayon (Mosel)
  • Tag 3 -> Bayon bis Montigny (Wildzeltplatz)
  • Tag 4 -> Montigny bis Dijon
  • Tag 5 -> Dijon bis Autun
  • Tag 6 -> Autun bis Motte aux Chennes bei Marcigny
  • Tag 7 -> Motte aux Chennes bis Villerest
  • Tag 8 -> Villerest bis Feurs (ein absolut verregneter Tag)
  • Tag 9 -> Feurs bis Prats de Mars bei Vorey
  • Tag 10 -> Vorey bis Chapeauroux
  • Tag 11 -> Chapeauroux bis Le Pont de Montvert
  • Tag 12 -> Le Pont de Montvert bis in die Tarn-Schlucht
  • Tag 13 -> Tarn-Schlucht via Millau … (Wildzeltplatz)
  • Tag 14 -> Tarn bis Roquecourbe
  • Tag 15 und 16 ->Roquecourbe Canal du Midi bis Ax les Thermes
  • Tag 17 -> Ax les Thermes bis Seo ‚d Urgell

Die iPhone-Fotos 2010 bei Everytrail (die Fotos wurden beim Hochladen an Hand ihrer Geodaten an die richtige Stelle auf der Karte gesetzt)

 

2 Gedanken zu „Kunststraßen“

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