Appspressionismus – eine neue Kunstrichtung erblickt das Licht der Welt

Gestern war das Wort plötzlich da: wie nennt man das eigentlich, wenn Leute mit dem Smartphone und deren Erweiterungen, den so genannten Apps, Kunst schaffen? SmartPhoneart? Mobile Art? iPhoneart? iPhoneography? Oder ganz dogmatisch iDogma?

Was, wenn daraus eine Kunstrichtung entstehen würde, ein ganz profaner Ismus? Würde man von Smartphoneismus sprechen? Wie wird sich die kunstinteressierte Nachwelt in 10 oder 20 Jahren mit dem Phänomen der digitalen mobilen Kunst zu Beginn dieses Jahrtausends auseinandersetzen? Wird das mühsame Fummeln auf den winzigen Touchscreens überhaupt als künstlerische Betätigung wahr genommen? Und ist das, was da raus kommt Kunst? Oder wird die geradezu immense Flut an Bildern, die diese wilden Alltagskünstler, die im bürgerlichen Leben einer ganz normalen Arbeit nachgehen, ins Netz stellen, am Ende ungesehen verebben?

Auf dem Sektor Smartphonekunst gibt es kein vernünftiges deutsches Wort, mit dem man das Phänomen beschreiben könnte.

Im Artikel zuvor habe ich erstmals das Wort Appspressionismus gebraucht. Auch nicht gerade deutsch. Aber ein Ismus ist es.

Eine Suche kurze Zeit später egab Erstaunliches: nur 2 Ergebnisse nach 0,17 Sekunden Suchzeit. Beide führen auf den Artikel, den ich gerade geschrieben hatte.

Sei dahin gestellt, was aus dem Appspressionismus wird.

Interessant finde ich diese moderne Form der digitalen Geburt: Kaum nehmen die Dinge, Worte, Ideen im Kopf Gestalt an, kann man sie auch schon mittels Kurznotizen in Blogs, Facebook oder Twitter ausplaudern – eine appspressionistische Schwangerschaft quasi, die nur wenige Minuten dauert, bis ein neuer Begriff im Netz die Runde macht

iDogma – Trainingslager

2011 ist nicht nur das Jahr fürs Feine. Es ist auch das Jahr, in dem ich mich an die Öffentlichkeit wenden muss, um die viele Arbeit an den komplexen Kunst-Ideen sichtbar zu machen. Das iDogma etwa wäre ein guter Kandidat, es in iPhone- und anderen Smartphone-Foren zu diskutieren und die werten KollegInnen Künstler zu animieren, auch Kunst nach dem iDogma zu gestalten (und heraus zu finden, wer sich schon alles auf dem Sektor tummelt). Ich bin zwar immer wieder erstaunt, wie wenige Menschen mit dem kleinen Wunderkasten sich künstlerisch betätigen, aber es muss doch diese Typen geben wie ich, denen es in den Fingern juckt, Neues auszuprobieren; der kreative Einsatz von Apps bringt bizarre Ergebnisse.

Im Grund leisten wir iDogma-KünstlerInnen Pinoiersarbeit.

Ich prophezeihe eine Kunstausstellung, bei der zur Vernissage kein einziges Bild an der Wand hängt, der Künstler (hoffentlich ich) nicht anwesend ist, trotzdem sich 100 Gäste um Schnittchen und Champagner scharen und gebannt auf einen Flachbildschirm in der Ecke starren. Auf dem Monitor sieht man einen Kartenausschnitt mit einem blauen Punkt, der sich langsam durch irgendeine Gegend der Welt bewegt. Der Artist in Motion. Mitten im Raum beginnt ein Drucker zu rattern. Der Galerist schreitet wie ein Magier zur Bildausgabe, hebt das druckfrische Kunstwerk hoch, heftet es mit einer Klammer an die Wand. In Echtzeit kreiert der Künstler die Ausstellung, indem er per iPhone die Werke draußen in der echten Welt erfotografiert, erschreibt und mit den Software-Werkzeugen, die ihm auf dem Kleinstcomputer zur Verfügung stehen zu einzigartigen Kunstwerken kredenzt. Digital vom Akt des Schöpfens bis zum fertigen Kunstprodukt. iDogma!

Berauscht durch diese Vorstellung wünsche ich mir einmal mehr, dass endlich der Gedankenchip erfunden wird, den man ins Hirn implaniert und welcher es ermöglicht, die Gedanken selektiv zu steuern, Fotos durchs eigene Auge im Hirn zu puffern, gedanklich das Kunstwerk zu entwerfen und per geistigem Tastendruck ins Internet zu funken. Dass dieser Tag einst kommen wird, dessen bin ich überzeugt. Ob die Vision so friedlich und kreativ sein wird, wie ich sie male, bezweifle ich. Ich hätte Lust das auszuprobieren.

Zurück nach 2011: die Vernissagenvision ist sicher machbar.

Mühsam bewege ich mich voran, ich Pionier, ich. Mit dem iDogma Postkartenprojekt laufe ich blind, da die Karten, sobald ich sie per App verschicke und ausdrucken und an echte Menschen versenden lasse, weg sind, ich sie nie in „echt“ in die Finger kriege, keinerlei Bildkontrolle habe. Gestern habe ich mir ein Motiv, an dem ich sehr lange geschuftet habe, selbst geschickt. Als iDogma-Referenz-Bild. Die werde ich sehen können. Dass es noch keine eierlegende Wollmilchsau unter den Apps gibt, die meinen Ansprüchen genügt, ist auch ein Problem: Die Versendungsapp friert regelmäßig während des Versendens ein und ich weiß nicht, ob mein Vorgang bearbeitet wird oder das Kunstwerk im digitalen Nirvana hängen bleibt. Bei einzelnen Adressatinnen für die Postkarten kam es zu Zustellproblemen mit der Post.

Eigentlich eine berauschende Art der Kunst. Wenn ich unterwegs wäre für eine virtuelle Live-Vernissage, bei der ich mir quasi auf Knopfdruck die Kunstwerke aus dem Hirn leiern müsste, wäre das knallharte Arbeit.

Ich befinde mich im iDogma Trainingslager.

Solltest Du oder Du oder Du eine iDogma-Postkarte erhalten, bewahre sie gut auf – auch wenn sie nicht gelungen scheint. Die Kugel rollt.

Ein Noname Künstler geht durch die Straßen.

iDogma Postcards

Nach zwei Tests ist nun die erste „fremde“ iDogma-Postkarte unterwegs. Zum Künstlerkollegen und Sammler Schalenberg.

iDogma ist jedes Kunstwerk oder Schriftstück, das nur unter Benutzung eines Smartphones entsteht. Ein Foto, aufgenommen mit dem Smartphone und auf dem Smartphone bearbeitet mit entsprechenden Bildbearbeitungsprogrammen. Oder mein Jakobswegbuch, das live nachts in den Pilgerherbergen geschrieben wurde und morgens, noch pixelfrisch auf dem Bildschirm der LeserInnen landete. iDogma ist schnell und direkt und bis zur Ausgabe des Kunstwerks auf  einem Drucker rein digital. Vielleicht die digitalst mögliche Kunst, die auf herkömmlichen Medien gezeigt werden kann? In den Jakobsweg Spoken-Skripts findet sich eine Notiz, die weit in die Zukunft schaut: der Künstler mit dem Chip im Kopf, der das Smartphone ersetzt und der steuert, welche Gedanken auf einem Drucker ausgegeben werden, per Mail gesendet, gebloggt, getwittert, hinausgeworfen. Ein langer Weg. Momentan darf der iDogmatist froh sein, wenn er halbwegs sauber programmierte Apps hat zum Vorbereiten seiner Kunst.

Nun nutze ich die Touchnote-App zur Versendung von Kunstpostkarten. Bild mit dem Smartphone machen, Text schreiben für die Kartenrückseite, Adresse übermitteln und die Karte wird in London ausgedruckt und kommt mit der Royal Mail zum Empfänger. Zwei Tage aus dem Telefon des Künstlers bis zum Empfänger.

Als ersten Anbieter hatte ich natürlich die Deutsche Post mit ihrem Schreibcenter getestet. Aber: deren Schreibcenter-App (Version Februar 2011) ist so miserabel programmiert, dass das übermittelte Bild schief und mit Fehlfarben ausgedruckt wurde und der Text mitten im Wort umgebrochen wurde. Zudem kostet die Postkarte fast zwei Euro ins Ausland sogar Zweizwanzig – Touchnote versendet – beinahe weltweit – für Einsfünfzig.

Was keine Werbung sein soll. Der iDogmatist ist grundsätzlich nicht mit den Apps zufrieden, läuft mit seiner Kunst auf dem mobilen Kleinstcomputer hart am Wind.

Die beiden Test-iDogma-Karten tragen die Nummer 1 (Schreibcenter Post) und 1.1 (Touchnote). Beide haben das gleiche iDogma-Bild, ein in Sandwichtechnik hergestelltes 3-Megapixel-Bild mit dem Titel „Phasfaldpfahl“. Schalenbergs iDogma Postcard ist die Nr. 2. Ein unbearbeitetes 3-Megapixel-Bild, das eine Eins auf Pflastersteinen neben Zigarettenkippe zeigt.

Ich werde eine Galerie einrichten für die Einzelwerke. Ein richtungsweisendes KunstProjekt.