Laden für Hysteriebedarf – Hysterieoutlet

Oder: warum es plötzlich wichtig ist, wenn in China ein Sack Reis umfällt.

Anregung hierzu gab das philosophische Quartett, welches von einer Hysterisierung und Hypochondrisierung der Gesellschaft redete.

Funktioniert ungefähr so: Fernsehen berichtet über eine Gefahr (z. B. des Fuchswurms) und ermöglich somit dem Zuschauer, diese Gefahr auf sich zu beziehen (als ob es den Fuchswurm nicht schon seit Jahrtausenden gäbe … tse).

Wir segeln an den scharfen Klippen des Aberglaubes, weit wissenschaftlicher zwar als früher, aber immer noch fern der Realität.

Das Hysterieoutlet-Center vereint auf einem Hektar Ladenfläche viele kleine Läden, in denen es z. B. verseuchte Zecken zu kaufen gibt, Urlaube in Tsunami-gefährdeten Hotels oder neben auszubrechen drohenden Vulkanen. Auch Spaziergänge unter Steildächern mit losen Ziegeln gibt es dort zu buchen und natürlich Brombeeren zu kaufen, die mit Fuchswürmern verseucht sind …

Greif zu, iss billig.

Übersetzungstausch

Eine Idee, wie man gute mehrsprachige Homepages gestalten kann: Übersetzungstausch.

Die Tauschpartner müssen in der Lage sein, Texte in der jeweils anderen Sprache zu schreiben (sprich: ich übersetze grob meine Artikel in die fremde Sprache und der Muttersprachler feilt dann die Texte, so dass sie allgemein verständlich werden).

Würde sich auch lohnen bei mehrsprachigen Homepages, deren fremdsprachlicher Inhalt aus Übersetzungscomputern generiert wurde.

CMS sei Dank wäre das problemlos lösbar: man erstellt einen Zweig für jede Sprache, räumt dem Tauschpartner Autorenrechte auf diesem Zweig ein, schreibt die Artikel grob übersetzt in die Warteschlange, der Tauschpartner feilt sie und schaltet sie frei.

Nuja, was red ich, irgendwie funktioniert ja mein gesamtes Betriebssystem auf diese Weise. Viele tausend Freiwillige, von denen jeder sein spezielles Wissen, sei es nun Grafik, Übersetzung, Code-schreiben usw., in die große gemeinsame Datenbank speist.

Akten aus der Psychiartrie

Gefunden bei Robby R. am 9. Juli 2007 (muss man runterscrollen):

“ … Es werden Alltagssituationen beschrieben – meist auch autobiographischen Charakters – was sich z. B. während eines Spaziergangs an einem Sonntag im Frühling 1895 zugetragen habe. Einfach so. Ich lese also, was ein Mensch an einem Sonntag 1895 gedacht hat, was er getan hat; wie er in der Folgezeit gelebt und gearbeitet hat. Wie er zum Vorarbeiter aufgrund tüchtiger Leistung aufgestiegen ist; wegen Reibereien mit seinen Kollegen diesen Posten verloren hat. Dann folgt ein Leben voller Veränderung. Ständiger Wechsel des Arbeitsplatz. Trinken und Saufgelagen. Sittlichkeitsdelikte und kleinkriminelle Taten; und schließlich Unterbringung in eine psychiatrische Anstalt. Und dort scheint er dann die Hälfte seines restlichen Lebens verbracht zu haben.

Eine unwichtige Person, in einer unwichtigen Welt. Ich fühle mich peinlich berührt, da ich Privatdinge gelesen habe, die mich eigentlich nix angehen. Ich habe etwas über seine Eltern erfahren. Sein Vater hat sich totgesoffen; und seine Mutter hat sich als ungelernte Magd verdingt, bis sie wahrscheinlich völlig entkräftet irgendwo in einem schweizer Kaff nahe bei Bern verstorben ist. Er selbst wurde dann als 8 – 14 jähriger Bub von Bauer zu Bauer geschickt (Losbube), um Drecksarbeit zu verrichten. Wurde meist geschlagen und mißhandelt. Kein Jugendamt, keine soziale Einrichtungen oder Sozialarbeiter: Das war normal und üblich zur damaligen Zeit. …“

Muss mich hüten, so einen Unsinn zu behaupten, in Weblogs stehe nur belangloses, verunechtetes Zeug.

Abschaum schwimmt oben

Schweißgebadet aufgewacht, weil die Managergehälter in den letzten Jahren um 30 Prozent gestiegen sind. Fröstelnde herbstkalte Bude. Ich ziehe das luxuriöse Moskitonetz auseinander, pinkele vom Balkon. Erstmal runterkommen von diesem Alptrip.

Puuuh, kannst ja jetzt auch nix mehr anfangen mit der Nacht. Sich wieder hinlegen hieße hin und her wälzen, schlafen bis in die Puppen und es gibt doch noch so viel zu tun.

Da kommen mir die Zahlen wieder in den Sinn aus diesem Bericht, den ich abends geschaut habe: Managergehälter stiegen um 30 Prozent, Angestelltengehälter sagen wir mal um zehn. So genau weiß ich das nicht mehr. Spielt auch keine Rolle. Fabuliere eine Formel während ich Kaffee koche. Zehn Prozent von 2000 Euro sind satte 200 Euro. Nur damit man sich das besser vorstellen kann: das ist eine Zwei mit zwei Nullen dahinter. Von 1,9 Millionen Euro wären 30 Prozent 570000 Euro, also eine Siebenundfünfzigtausend mit nur einer Null dahinter.

Nackte Fakten, die mich zu einem grundlegenden Gedankenloop über das Geld und dessen Wichtigkeit veranlassen. Der Kaffee dampft in der Nacht, der Rechner fährt hoch und ich komme zu dem Schluss: Geld ist nicht wichtig (Anm. d. Psychoanalytikers: dafür sollte man dich für immer wegsperren!)

Beiße mich fest am Wörtchen Wichtig und verfange mich in einer philosophischen Überlegung, was das Wichtige wohl wichtig macht. Ich meine, ähm, zunächst sind doch alle Dinge gleich wichtig, wie auch alle Menschen gleich wertvoll sind, aber der Lauf der Zeit und die Vielfalt der Interpretationsmöglichkeiten scheidet das Eine vom Anderen. Wichtiges kristallisiert sich heraus. Das ist wie wenn du durch wasserloses Land läufst immer bergauf, bis weit jenseits des Orts, an dem alle Bäche versiegen und dich plötzlich in einem Arreal sprudelnder Rinnsäler befindest – welchem Bach folgst du? Der Beginn des Wertens ist dort wo alle Bäche versiegen.

Spreu hat mit Abschaum eines gemeinsam, sie trennt sich vom Weizen, weil sie leichter ist. Dies kann man sich physikalisch zu Nutze machen und Maschinen bauen, mit denen man das Leichte oben absondert. So funktionieren Kläranlagen und so funktionieren auch Weizentrennmaschinen.

Ich schweife ab.

Die Dinge werden besonders, weil eine Mehrheit der Menschen sie für besonders hält. Gold und Blei sind ungefähr gleich schwer, beides nicht essbar, beider Aussehen, reine Geschmacksache. Es soll Menschen geben, die die Farbe Gelb dem Grau vorziehen, andere wiederum mögen eher Grau. Rein von der Farbe und vom Gewicht könnten einem Blei und Gold also egal sein. Wenn du hundert Menschen fragst, ob sie lieber einen Barren Gold haben möchten, oder einen Barren Blei, werden sich genau hundert für Gold entscheiden. Warum nur? Weil Gold verwichtigt wurde.

Zurück zu den Gehältern: die könnten einem ja eigentlich auch egal sein. Hab nen alten Freund, der so einen komischen Spruch gesagt hat: Hauptsache, du lebst. Es war so ein mantrischer Spruch mit einem Schuss unterschwelliger Verzweiflung. Ich würde es in dem Wörtchen Demut zusammenfassen. Und Demut, das ist es, was uns allen gut anstehen würde. Jene Demut, in der die Erkenntnis liegt, dass man nicht mehr als essen, atmen, leben kann und all der Klumbatsch, mit dem wir uns so gerne schmücken – schicke Kleider, goldene Uhren, schnelle Autos, verdingte Menschen, die wir heiraten und unser Eigen nennen – ist nur Ausdruck der Hilflosigkeit, in dieser Welt nicht bestehen zu können.

Bin ich also ein Prediger der Armut und Demut, des Runterkommens vom hohen Ross?

Oder ist das die pure Vernunft?

Der Meister des unerreichten Ziels

Verflixter Konflikt. Ich bin zwei Menschen. Abends lebe ich die Welt der Ferne, in der ich mich in die südliche spanische Wüste sehne. Jetzt und hier losradeln, in einem Monat dort ankommen, leben, leben, leben und dem Unbekannten begegnen. Morgens ist die Pflicht wieder da und ich beiße mich fest im Hier und Jetzt, mit all seinen Komplikationen und Pflichten. Nicht dass ich fliehen wollte. Ich habe im Gegensatz zu den meisten Menschen extreme, denk- und lebbare Alternativen.

Abends stelle ich mir das Leben da draußen vor. Schmachte. Höre Musik. Das macht es so malerisch und so verträumt, aber es ist bei weitem nicht malerisch. Man sagt, wenn man unterwegs ist, der Weg sei das Ziel. Der Spruch ist vollkommener Quatsch. Das Ziel ist das Ziel und der Weg ist der Weg. Wenn es keine Ziele gäbe? Und auch keine Wege?

Vielleicht wäre das ein Ansatz?

Alles so verquer. Soll ich den Vorsitz des Vereins übernehmen? Das wäre etwas für den Künstlerlebenslauf. Ein weiterer Stein in der Mauer. Aber das macht doch keinen Sinn, sich mit den örtlichen Kunstgiganten herumzustreiten. Laufe derzeit wie gegen eine Wand, wenn es nur darum geht, Ausstellungsaufsichten zu finden.

Ich bin von hier, und bin nicht von hier. Zwar geboren, aber nie hier gelebt. Vielleicht ist das mein großes Ding. Nie verwurzelt gewesen zu sein, vielmals an der Liebe vorbei geschliddert, ein losgelöstes Solitärwesen ohne jegliche Bindung, für das es keinen Platz in dieser Gesellschaft gibt. Sehe den erstaunten Blick von Susanne W., als ich letztes Jahr beiläufig erwähnte, ich will dem Kunstclub beitreten, weil ich endlich zu etwas oder jemandem gehören will. Sie konnte das vielleicht nicht verstehen?

Letztenendes muss der Abend gewinnen, sonst bin ich in zehn Jahren unter der Erde. Totgeraucht. Ich muss so vieles beenden. Zur Wahrheit zurückfinden. Die Liebe finden. Eine einzige erwiderte Liebe würde schon genügen.

Aber ist der Weg nach Draußen der Richtige. Alles hinschmeißen. Saußen lassen? Ist nicht vielleicht genau das das Problem? Dass ich nie etwas zu Ende gebracht habe?

Der Meister des unerreichten Ziels.