Hodentritt

„meine schwester katrin tritt mier imer in die eier und ich glaube sie machtas giel was das vür schmertzen siend von den eier bis in den bauch dan kann mann wieder vür bar tage das wixen fergesen

bei der kleistn sache kickts mier in die hoden

mein muter sagteir imer einem jungen trit man nicht in die hoden

machen das ander schwester auch“

Gefunden beim Assoziationsblaster

Web 3.0 – die Rückkehr der Handschrift

Vollständiger Verlust des Glaubens. Die vielfältige Herumreiserei bringt es mit sich, dass ich wieder eine Kladde aus echtem Papier besitze, in die ich allmögliches Zeug hinein kritzele. Das Internet, welches mich die letzten Jahre intensiv begleitet hat, ist plötzlich ganz weit weg. (Nein tot ist es nicht, denn es ist nicht totzukriegen).

Ich muss mich neu ordnen. Unter dem Damokles Schwert der Reise im März werde ich unter ähnlichen Umständen leben wie die letzten drei Wochen. Fernab jeglichen Computers oder – wenn ich möchte – barzahlend in Webcafes an wildfremden Computern, bei denen man erstmal Tasten suchen muss, auf proprietäre Software angewiesen ist, sprich mit Windows arbeiten muss. Das macht doch keinen Spaß.

Der Web 3.0 Mensch ist nur gut, wenn er zu Hause an seinem eingespielten System mit den eigenen Hacks und Programmen arbeitet. Unterwegs ist er Legastheniker.

Ja, ich habe den Glauben an das Netz und das Immer-Online-Sein verloren.

Die Kladde, die mir QQlka vor ein paar Tagen geschenkt hat, hat schon gute Dienste geleistet. Ich schrieb nachts in Mainz, kritzelte in Kneipen, zeichnete Skizzen, fummelte im Zug in der Nähe von Ingelheim einen Artikel übers Reisen, bemalte frisch getoastetes Brot mit einem Portrait des Vorsitzenden des Mainzer Kunstvereins. Das Handschreiben fiel mir anfangs schwer. Nun geht es wieder. Weiß Gott, warum ich hier an meinem Computer sitze, anstatt diese Zeilen in die neue Kladde zu schreiben … ach ja, ich bin zu Hause. Zu Hause, was für ein großes Wort. Zu Hause ist es heimelig. Man ist umgeben von all den tollen persönlichen Gegenständen, wunderbaren karierten Decken, die einem die Knie wärmen, eigenes Geschirr, Bilder an den Wänden nach eigenem Geschmack. Zu Hause ist ein großes Wort. Zu Hause ist das Beste, was einem passieren kann.

Nein, nicht ganz. Besser als zu Hause, ist, unterwegs zu sein und sich so fühlen, als wäre man zu Hause. Etwa wie damals vor acht Jahren, als ich hinunter radelte nach Andorra. Das war 1500 km zu Hause, obwohl ich jeden Abend an einem anderen Ort verbracht habe. Die Straße war mein Heim. Wo ich abends müde war, begann ich stets, mich wohl zu fühlen. Das war auch zu Hause, eine 1500 km lange Schneiße des Wohlfühlens mitten in Europa. Und so wird es wieder sein, wenn ich Mitte März aufbreche nach Italien.

Dann wird es kein Weblog mehr geben. Stille wird herrschen. Alles was hier geschrieben werden würde, steht dann handgekritzelt in der Kladde, die mir QQlka geschenkt hat. Daneben tummeln sich Zeichnungen und Skizzen, denn im Gegensatz zu vor acht Jahren, habe ich meine Skrupel gegenüber dem „gezeichneten Wort“ abgelegt. Ich bin endlich da, wo ich immer hin wollte. Im Reich des vollkommenen Freestyle.

Du kannst als Web 3.0 Mensch tun und lassen, was du willst, aber du wirst nie einen plattformübergreifenderen Status erreichen, als den, den du mit einfachem Papier und Bleistift erreichen kannst.

Die Technik, so revolutionär und unvorstellbar sie sein mag, steht dir immer im Weg.

Direktes kann man nur mit knallharten direkten Mitteln authentisch rüber bringen.

Ein Gerät dazwischen zu schalten, etwa ein PDA oder ein Handy, schwächt den Effekt, legt sich kaum spürbar, aber immer da, wie ein Kondom zwischen dich und die Wirklichkeit.

Es dürfte hinreichend klar sein, dass sich wirkliche Wirklichkeit nur individuell und für alle Anderen unsichtbar im eigenen Kopf abspielt. In Deinem und Deinem und auch in meinem Kopf. Aber die nächste Stufe, die Wirklichkeit darzustellen und sie an Andere möglichst original zu vermitteln heißt Papier und Bleistift, nicht Tastatur und Festplatte. Je primitiver die Mittel, desto stärker sind ihre Ausdrucksmöglichkeiten.

Die mündliche Überlieferung ist das primitivste Mittel der Wissensvermittlung. Als Kind der Handschrift – Mensch des 20. und 21. Jahrhunderts – ist es mir leider nicht vergönnt mit dieser brillianten Form des sich ausdrückens zu arbeiten. Ich habe es nie gelernt, bin müde, abgehalftert und leer – einfach zu spät geboren.

Dichterin E. brillierte vorhin mit äußerst seltsamen literarischen Gebilden, über die ich die Pflicht habe, morgen früh zu schreiben. Ihr Experiment bestand darin, dass sie zwei Jahre lang so genannte Notate anfertigte, fünfminütige assoziative Texte, die sie in Oktavheften sammelte und deren Inhalt aus dem bestand, was in willkürlicher, assoziativer Folge in ihrem Kopf vorging. Assoziativ ist individuell. Individuell erzeugt automatisch eine Schranke, die einen vom Rest der Welt trennt. Will sagen: das was du assoziativ, ohne jegliche Redaktion und Logik niederschreibst, wird nie ein anderer Mensch dieser Welt verstehen. Zu unvorstellbar ist einfach die Komplexität deines Gehirns, als dass je ein Mensch die selben Assoziationen hat, wie du. Denkst du „Kamel“ und danach „braune Wand“, wird ein anderer, der „Kamel“ denkt in der Folge vielleicht „Zirkus“ denken. Die Wege die wir einschlagen sind unberechenbar. Es ist unwahrscheinlich, dass je im Universum zwei Menschen den gleichen Weg beschreiten. Unsere Assoziationen sind einmalig wie Fingerabdrücke.

Dichterin E. las unverständliches Zeug. Und die Gäste der Lesung hörten unverständliches Zeug.

Es gibt zwei Arten von Lyriklesungsbesuchern: die einen schütteln den Kopf und sagen, „das soll Lyrik sein, versteh ich nicht, das reimt sich ja noch nichtmal.“ Die anderen fallen in einen dumpfen Dämmerschlaf, in dem sie nur noch schemenhaft das Gelesene wahrnehmen und driften, wenn sie Glück haben, ab in assoziative, eigene Welten. Das Gebotene tritt in den Hintergrund. Ein Glücksfall. So kann es sein, dass man – besonders im Fall der Lesung mit Dichterin E. – zum Beispiel bei dem Wort „Kamel“, das sie laut und deutlich sprach, abdriftet in eine eigene Gedankenkette zum Thema Kamel und irgendwann hochschreckt, wenn Dichterin E. etwa „Garten“ liest, und man dann denkt, „huch, hier bin ich wieder, wir sind wieder auf dem selben Weg, nur habe ich vorhin bei „Kamel“ einen anderen Abzweig genommen, bin parallel gelaufen. Garten, Juhuu!“

Wir leben in einem vielmaschigen Netz der Assoziationen.  In den Löchern des Netzes ist Angst und Unsicherheit. Angst und Unsicherheit, den Anderen nicht zu verstehen, Angst und Unsicherheit, selbst nicht verstanden zu werden. Halten wir uns also an die feinen Fäden, auf denen wir, jeder für sich, jeder auf seinem eigenen roten Faden durch die Welt balancieren und wir kommen prima zurecht, wir Menschen.

Ferien auf dem Bloggerhof

Nach 8 Jahren zurück auf der Straße. Ich lebe im Flieger, im Zug und an zugigen Straßenecken. meine Kleidung: zwei kapitale Digitalkameras, GPS, Notizbuch, Kuli.

Paar Tage her, dass mich in der S-Bahn in Mainz – gerade auf dem Weg zur Arbeit – ein Handtelefonat der Redakteuerin D. erreichte, sie habe zwei Kulturmasochisten-Termine für heute, Sonntag, mich, oh Grauß.

Ich trinke Cappucino.

Die Kamerabatterien laden.

Da ich bis Juni kaum noch zu Hause bin, überlege ich, das Projekt „Ferien auf dem Bloggerhof“ wieder aufzunehmen, die Künstlerbude zu vermieten nebst DSL-Flatanschluss und Computer. An ruhebedürftige, sinnsuchende Blogger.

Inmitten der Stille, weit jenseits jeglicher Zivilisation bietet sich hier die Möglichkeit der Besinnung, besungen von zwitschernden Vöglein. Die hügelige Gegend mit ihren teils klammartigen Schluchten lädt ein zu ausgedehnten Spaziergängen und Radtouren. Nicht zuletzt liegen im Umkreis von 50 km etliche spannende Geocaches. Die nahegelegene Kleinstadt Z. bietet Rosengarten, Rennwiese, diverse Freizeitangebote, Flughafen (Berlin 2 x täglich) und das größte Outletcenter der Republik.

Jemand Lust? Ab April kanns losgehen.

Jujova und Satzfetzen

Der Salat an der Selbsterhaltungstheke.

Die Haupttsatdethnologin hat gemeinsm mit Herrn Hauptstadtethologe eine Art Yoga mit Spaß erfunden – Jujova. An der Küchenwand pinnt ein Zettel mit seltsamen Übungen mit noch seltsameren Titeln. Yoga für Menschen, die Spaß haben wollen.

Eine Übung heißt:  Salat an der Selbstbedienungstheke. Unbebrillt laß ich jedoch Selbsterhaltungstheke.

Weitere seltsame Worte:

Kabale und Milch

Wayne interessiert das schon

Musstafa, Kanntafa, Darftafa, Solltafa

Lebengenießen

Letzter Tag heute. Wir gehen ins Schwulenmuseum. Das ist gleich um die Ecke m Mehringdamm. Gestern war erstmals geocachen angesagt. Im Umkreis von 2 km liegen zig Geocaches. Am Gleisdreieck, einem verlassenen Bhngelände neben dem Technikmuseum sind wir in baufälligen Gebäuden herumspaziert, haben Logbücher gesucht – und gefunden. Eigentlich wollte ich viel öfter Cachen. ber es gibt so viel Anderes in der Stadt. Nicht zuletzt alle Freunde und Verwandten zu besuchen.

Man verzeihe, dass das A manchmal fehlt. Die Tastatur der Hauptstdtethnologin zickt. Ich bin obendrein lustlos. Bandscheibenbedingt schmerzt mein Mausarm noch immer ein bisschen.

Ein Fazit für die Livereise gibt es: Man erschwert sich das Reiseleben ungemein, wenn man versucht, ständig eines Computers habhaft zu werden. Deshalb werde ich ab März nicht versuchen ständig neues, live ins Web zu posten. Die oberste Prämisse lautet: Lebengenießen.

Wir entdecken die gute alte Hndschrift wieder. QQlka hat ein Tourbuch angefangen, in das wir unsere Eindrücke schreiben, zeichnen, kritzeln und kleben. Alles hat seinen Platz darin. So sitzen wir abends in Kneipen und geben das Buch an Freunde am Tisch weiter, manchmal auch dem Kellner, dmit sie etwas hineinschreiben. Ein tolles, charmantes Sammelsurium ist das.

Natürlich läuft die Digicam ständig mit. Mnchmal mache ich Filme. Zum Beispiel mit QQlka und der Hauptstadtethnologin durch die Bundestagskuppel. Die ist übrigens langweilig, aber die Aussicht von ganz oben ist gut. Asiaten und Nordamerikaner knipsen dort wie wild. besonders haben sie es auf die räudigen Tauben bgesehen, die in der Kuppel einen Unterschlupf gefunden haben.

In der Hauptstadt muss man manchmal durch Metalldetektor-Schleusen laufen. QQlka hatte es sich nicht nehmen lassen, mit Stahlkappenschuhen anzureisen, weshalb er ständig aufs peinlichste kontrolliert wird. Beim Hinflug musste er so einiges ausziehen – nein, die Unterhose natürlich nicht.

Einen Gutteil der Zeit haben wir scherzend mit Frau Unentwegt verbracht. Es lohnt, sich mal in ihrem Blog – siehe Linkliste zur rechten – umzuschauen.