Glück?

Ist ’ne gute Woche her, dass ich mit Rockröhre S. schwadronierte. Wir standen in einem düstren Keller. Bierdunst klebte an den Wänden. Wir Künstler reden gerne über Ziel, Erfolg, das nächste Projekt. Irgendwann kam Materielles ins Spiel und ob Materielles – viel Geld zum Beispiel – Glück bringt. Die Rockröhre wünschte sich unermesslich viel Geld, die klassische Million, damit sie unabhängig ist und tun und lassen kann, was sie will. Ich wünschte mir unermesslich viel Freizeit, damit ich grundsätzlich tun und lassen kann, was ich will.

Vielleicht ist das naiv. Geld veredelt bekanntlich das Leben. Es macht frei. Es ist gut. Es ist lieb. Es ist schön.

Nun begab es sich, dass mein letzter Kontoauszug eine unerwartet hohe Summe anzeigte und ich trotzdem nicht glücklicher bin, als vorher. Somit ist einmal mehr bewiesen, Geld macht nicht glücklich. Und ich darf ein weiteres Geheimnis lüften: auch Freizeit macht nicht glücklich. Sie ist gut. Sie ist lieb. Sie ist schön. Und sie ist flüchtig. Außerdem ist sie nicht verzinsbar. Das heißt: im Gegensatz zu Geld, welches sich bei sparsamer Lebensweise vermehrt, schmilzt die Freizeit dahin wie Schnee. Weder Geld noch Freizeit sind Garant für Glück.

Ich glaube, Glück ist ein seltsamer Stoff, der sich in die feinsten Ritzen des Daseins setzt, ähnlich wie Dichtschlämme in altem Mauerwerk. Du kannst es nicht sehen, aber der Effekt ist fulminant.

Das wird nix mit der Kunst und dem Schreiben.

Überall Wände. Dinge, die sich einem widersetzen. Holzstücke etwa, die es morgens zu zerkleinern gilt, damit der Ofen schön schnurgelt. Ach wären es doch nur Holzstücke! Am meisten widersetzt sich derzeit die Kunst. Bin ich zu alt? Hab all mein Pulver verschossen? Kann mich nicht mehr selbst überraschen. Das Tolle an der Kunst ist – nee, war, dass man seinen Narzissmus voll und ganz ausleben und sich im Glanz der eigenen Sonne wärmen konnte. Diesertage jedoch fühlt sich’s so maschinenhaft an. Es gibt einfach keinen Lustgewinn, so wie früher, wenn man ein neues Bild arrangiert. Ich fürchte, ich bin das Opfer meiner eigenen Datenbank. Im großen Binär schlummern vieltausende Bilder, die ich mir – so hab‘ ich naiv gedacht – eines Tages vorknöpfen wollte und daraus prima lustige Arrangements kreieren wollte.

Wahrscheinlich habe ich den Zeitpunkt verpasst und muss den Rest meines Lebens damit verbringen, Daten zu sammeln, sie zu speichern, sie zu vergessen.

Ein möglicher Kunstgriff wäre, eine Metaebene zu schaffen, ein schiefes Etwas, auf dem man ähnlich wie ein Schlammcatcher agiert, schmutzig, roh, gewillt zu gewinnen.

Eine Metaebene, auf der man nur noch über die Dinge redet, anstatt sie zu tun. Ich muss der Datenbank eine neue Tabelle hinzufügen, in der die Anleitungen gelistet sind, wie man welches Kunstwerk zuzsammensetzt.

Schlau oder faul?

Nebenbei lenke ich mich mit Zeitungsartikel schreiben und Holzfällen ab. Frühmorgens im frostigen Wald zerlegten wir Eichen in ofengerechte Portionen. Die Sonne stach durch die Zweige, erhellte die Schlucht. Durch die Ohrschützer hörte man mit Wucht die ersten Frühlingsvögel zwitschern.

Später kürzte ich das zehnseitige Prospekt des des gestrigen Kammerorchesters auf Zeitungsartikelgröße – wie einfach doch das Schreiben über Dinge, von denen man keine Ahnung hat, sein kann.

Vorhin das Lied vom Scheitern. Das wird nix mit der Kunst.

Mir wird klar, ich kann die Fotos, die ich mache gar nicht so schnell verwerten, wie ich sie mache. Eine gute Bildtafel von 1 qm Größe dauert mindestens einen Tag. Am großen Verboten-Blatt beiße ich mir die Zähne aus, weil die Bildbearbeitung so aufwändig ist.

Und es wird auch nix mit dem Schreiben. Hast all dein Pulver im Weblog verschossen. Tse.

Wissensvorsprung, Leser, habentut

Heute wieder für Zeitung unterwegs. Brasilianisches Kammerorchester in dunkler Kirche. Ich habe keine Ahnung von Kammerorchestrischen Manövern im Dunkeln. Ich vermute, der Kerl mit der riesigen Gitarre vor den Füßen, war der Kontrabassist :-).

Es gibt Themen, an die sollte selbst ich mich nicht wagen. Der Wissensvorsprung, den die Leser vor mir haben, ist im Ernstfall Kammerorchester einfach viel zu groß. Kaum möglich das in einer Stunde Schreib- und Recherchearbeit aufzuholen.

Wäre da nicht … Glück. Absolut grandioses Glück. Nein, das Kammerorchester hat keine Homepage in portugiesischer Sprache, die man sich mit zweifelhaften Maschinen übersetzen lassen könnte. Viel besser: Sie haben ein zehnseitiges, zweisprachiges Prospekt aus echter Mahagoni-Cellulose, in dem alles drin steht, was das Herz begehrt. Namen der Musiker, Komponisten, Geschichte des Orchesters, Infos über die Stadt, aus der sie kommen, sowie eine komplette Liste aller Stücke, Solisten, Komponisten. Ein Traum für den nichts ahnenden Pressereporter. Fast schon komme ich mir vor, als arbeite ich mit unlauteren Mitteln, um den Wissensvorsprung, den die Leser vor mir haben aufzuholen.

Die Musik hat mir auch gefallen.

Nebenbei: Ich frage mich, ob es nicht manchmal gut wäre, wenn Reporter über Dinge schrieben, von denen sie selbst keine Ahnung haben. Schließlich schreiben sie für Menschen, die ebenso keine Ahnung haben. Dann vermeidet man nämlich drögen Fachjargon. Und Kulturgewichse im Dienste des neunmalklug gewitzten Fachlesers.

Wozu lernen? Sind doch nur 15 Jahre bis zur Rente.

Einige Weisheiten müssen einfach wiederholt werden:

„Das Leben ist nur eine Kombination verschiedener Gewohnheiten.“

Ich würde dies als eine Konstante, die Irgendlink’sche Lebenskonstante, bezeichnen.

Die „Jeden Tag ein Bisschen Methode“ ist auch so ein irgendlink’sches Irgendwas. Mir fällt nur gerade keine gravierende Bezeichnung dazu ein.

Blogkollege Journalist F. erzählt immer wieder die Geschichte von der namenlosen Kollegin mittleren Alters, die nicht gewillt ist, sich in Anwendungen wie etwa Word einzuarbeiten, stattdessen wieder und wieder den fachkompetenten Kollegen, Journalist F. bemüht, wenn es etwa gilt, einen Text fett zu drucken. Mit dem schlagfertigen Argument: „Es sind ja nur noch 15 Jahre bis zur Rente, warum sollte ich das lernen?“Fragt Journalist F., wenn Ihr mir nicht glaubt! Die Frau gibt es wirklich.

Unsereins hingegen ist verdammt zu lebenslangem Lernen.

Nun fällt mir leider nicht mehr ein, was ich zum Thema Gewohnheit schreiben wollte. Ich erinnere mich, dass ich frühmorgens einen Grundsatzartikel über die Gewohnheit schreiben wollte, aber da kam mir der Gimp dazwischen und diese verflixte Gigabyte-Datei.

Gimp 2.2, Gigabyte Dateien verarbeiten

Weil es doch nicht so einfach ist – und wie es dennoch funktioniert (manchmal)

Getestet mit Athlon XP 3200+,  2 Gigabyte RAM, 2 GB Swap Partition. Bildgröße ca. 13000 x 13000 Pixel, ca. 40 Ebenen a 1800x 1200 Pixel.

Der Gimp zickt beim Reduzieren der 1,8 GB großen Datei auf die Hintergrundebene. Stürzt öfter ab. Nicht entmutigen lassen. In den Gimp Einstellungen dem Programm allen erdenklichen Arbeitsspeicher zuweisen und möglichst viele Features wie z.B. Scrollbalken, Hilfesystem etc. deaktivieren, Gimp neu starten. Alle unnötigen Prozesse beenden (Musik, alle Programme außer Gimp).

Bild auf Hintergrundebene reduzieren mit Bild > Bild zusammenfügen.

Beten :-)

Nachdem das Bild auf Hintergrundebene nur noch 1024 MB groß ist, lädt auch das Jpeg-Plugin wieder und man kann es zum Versenden an den Fotobelichter auf „günstige“ 30-50 MB (Format .jpg) komprimieren. Alle anderen Plugins sollten auch laden und man kann das Dateiformat frei wählen.

PS: die weiter unten beschriebene Konsolen-Methode convert grossbild.xcf kleinbild.jpg ist auch nicht 100 Prozent absturzfrei.