Verrat

Erster Tag in der Lounge lounch-zweiter-tag.JPG lounch-dritter-tag.JPG

Irgendlinks marodes Tackerdasein ist gezeichnet von Verrat und Hohn – der Weg der Werktätigkeit ist zu beiden Seiten gesäumt von den Unflätigkeiten böser Kollegen. Herr Irgendlink hat lange gehadert, obiges Dokument zu veröffentlichen – ein zufälliger Fund in der Werkstatt.

Leichte Lähmung im Bierglasstemmarm

Künstler Irgendlink ist einfach nicht tot zu kriegen. Kaum suhlt er sich im moorigen Pool der Werktätigkeit, ist er künstlerisch reger denn je. Die Kamera mit dem mittlerweile fest verwachsenen Weitwinkelobjektiv ist seine ständige Begleiterin. So auch heute Morgen, als kurz vor Arbeitsbeginn noch ein wenig Zeit war und Monsieur in einer verpissten Bahnhofsunterführung an seiner neuesten seriellen Arbeit „Böse Buben – böse Mädchen“ arbeitete. Da quatschte ihn der Afrikareisende J. an, der ein heruntergekommenes Dasein im Städtchen B. führt, und lud ihn zum Kaffee ein (J. trank natürlich Bier). Schauort: eine Raucherspelunke mitten in der Stadt. Herr Irgendlink kratzte einen Rest Beherrschung – weiß nicht woher – zusammen und bestellte tatsächlich nur Kaffee. Gut und gerne hätte der Tag auch in der Spelunke enden können. Gehörst du hier hin? Fragte sich Irgendlink rhetorisch.

Interessant ist J.s Tipp: „Du solltest dich auf Reportagen konzentrieren.“ sagte dieser schon gleich zu Beginn der Begegnung. Und da war er noch ein wildfremder Mann, dem man nicht so einfach trauen kann. Besonders nicht in verpissten Bahnhofsunterführungen. Man sollte keineswegs den Rat wildfremder Menschen missachten, denn sie sehen oft auf den ersten Blick genau das, was wirklich und echt ist.

Wie auch immer. Gegen 10 Uhr trudelte Monsieur Werktätigkeit auf der Arbeit ein, legte die Kamera bei Seite. Sein Owner war guter Dinge und fabulierte einen neuen Großauftrag – ein Ende der Werktätigkeit rückt ferner und ferner. Dennoch, wie schwätzte Herr Irgendlink noch kürzlich mit Kollege Ole aus der Seitenstraße: „2000 Euro würden reichen, um eine Weltumrundung mit dem Fahrrad zu starten. 5000 sind feudal und mit 20.000 kann man das einfach so machen.“

Klingt verrückt?

Je enger sich das materielle Korsett schnürt, desto bizarrer werden die Träume, die wir begehren.

Diesen Halloweens war Betriebsfest angesagt. Leider konnte Monsieur nicht mittrinken, da nicht nur das Weitwinkelobjektiv mit der Kamera verwachsen ist, sondern die Kamera auch mit dem Bierglasstemmarm.

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Amüsement bei der Betriebsfeier – Irgendlink hautnah, so dass er den Atem des Sängers riechen kann.

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Harte Künstlerarbeit in Bahnhofsunterführungen. Auf der Suche nach „bösen Buben und bösen Mädchen“ entdeckt Irgendlink den abscheulichen Kevin M.

Worte für Modem-User

Das weltweite Netz sendet ab und an Botschaften, Herr Irgendlink möge endlich wieder die langen, tragenden Textbotschaften senden, Worte voller Gehalt für Menschen auf Sinnsuche – denn, was ist der Sinnsuchende anderes, als der goldene Ritter im Meer der Verzweiflung – man möge diese schwülstigen Worte verzeihen, aber: gibt es existenzielleres, als Sinnsuche? Herr Irgendlink hat sich Jahrzehnte damit beschäftigt. Man möge sich nicht täuschen, er habe aufgehört damit. Vielmehr: er fängt gerade erst an.

Ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt, zitierte einmal ein Autokonzern einen Indianer. Herr Irgendlink ist derjenige, der den ersten Schritt tut. Dann legt er eine Pause ein, vergisst, was er gerade getan hat, tut erneut den ersten Schritt. Uns so weiter und so fort. Der erste Schritt provoziert automatisch den zweiten, dritten und vierten Schritt – was aber, wenn man aufhört zu zählen, zu messen und nach dem ersten Schritt einfach von vorne beginnt und einen ersten Schritt nach dem anderen tut? Dann täte man vielleicht Millionen erste Schritte, ohne je an die nächsten zu denken.

„Ich glaube, es ist wichtig, das Maß zu verlieren, denn das Maß ist von Menschen gemacht und alles, was der Mensch macht, tut er, um sich von anderen Menschen zu unterscheiden. Er setzt sich in den Sinn, Individuum zu sein, mehr noch, einzigartig. Deshalb misst er. Deshalb ist er schneller, besser, größer, reicher, schöner, glücklicher, gesunder, vielschrittiger, mächtiger als andere Menschen. Und deshalb ist das Maß der falsche Weg, um sich zu definieren.“ fabuliert Irgendlink.

Vielleicht ist er nicht bei Sinnen.

Warum steht hier dieser Text? Warum liegt denn da Stroh rum?

Chuck Norris weiß, warum hier dieser Text steht und warum da Stroh rum liegt. ;-)

Der Text wurde eigens für die lieben Modem-Nutzer geschrieben, die, ob der Kilobyte-Prasserei im vorigen Bildbeitrag sicher konsterniert sind wegen der langen Ladezeiten.

Die große wahre Lebensgeschichte

Zu ver mie ten

Herr Irgendlink schaute sich eine neue Wohnung an. Die Umgebung war nett, machte aber wegen ungestalter öffentlicher Plätze ein bisschen depressiv (Journalist F. schluckte literweise Ritalin, um die Tristesse, die sich in seinem Gehirn breit gemacht hatte annähernd zu dimmen).

Exezierplatz Pirmasens

Dennoch, Herr Irgendlink hatte es sich in den Kopf gesetzt, eine neue Behausung zu beziehen. Die Nachbarschaft versprach einiges an Vergnügen.

Vergnügen

Das Zimmer in einem Hinterhof – sicher nicht die beste Gegend, aber Waschbecken direkt auf dem Flur – wirkte von Anfang an heimelig.

Blutzimmer

Obschon die Toilette nicht ganz den hohen Hygiene-Ansprüchen entsprach, die Herr Irgendlink von Jugend an gewöhnt ist.

Toilette

Herr Irgendlink wusste: „Musst vorsichtig sein, Junge. Sag später nicht, man habe dich nicht gewarnt. Siehst ja, was deinem Vormieter passiert ist.“

Tatort

Dennoch fühlte sich Monsieur Unbelehrbarkeit von Anfang an pudelwohl in seiner neuen Behausung

Irgend zu Hause

 Tja, meine Lieben, mit ironischem Augenzwinkern einen guten Gruß in die neue Woche

PS: Die Neonröhre flackert