Um wievieles unwahrscheinlicher ist es, mit fünfzig fünfundfünfzig zu werden, als mit vierzig fünfundvierzig, mit dreißig fünfunddreißig und so weiter? Gibt es Auffälligkeiten in der Pentatenkurve mitten durch die Leben?
Bloglords und ihr „täglich frisch“
Unter Druck! Wenn man ein Blog zu lange vernachlässigt, geht es einem wie einem Landlord, der seine Ländereien verwahrlosen lässt oder den Besitzern von leerstehenden Mietshäusern: das Blog wird besetzt von Bloglosen oder Punkern. Sie nehmen den Blogstromzähler auseinander und fummeln ihre Audio-Anlage irgendwie an die losen Stromkabel und machen laute Musik. Ihren Straßenkötern geben sie einen eigenen Raum zum Spielen. Überall liegen Matratzen – sie schlafen bis in die Puppen, hängen Piratenflaggen aus dem Fenster. Nie spülen sie das Geschirr. Den Müll schmeißen sie auf der Rückseite des Blogs in den Hinterhof. Im Kommentarstrang häufen sich die Einträge „Eh Alda hasde ma ne Maak?“
Das Leben eines Bloglords, Aristokratie hin, Aristokratie her, verpflichtet. In Kürze wird es wieder etwas belebter im virtuellen Reisesalon des Marquis d’Irgendlink moi même.
idogma.com ist wieder online.
Selfie
Das englische Wort des Jahres 2013 heißt angeblich „Selfie“. Ein Selfie ist ein Selbsportrait mit dem Handy oder Smartphone.
Voila Monsieur Irgendlink. Mit Mütze vor Pfütze und Sonne im Rücken …

Was noch? Ein leichtsinniges Betriebssystem-Update hat das Fon in einen Energiefresser verwandelt. Eine Livereise wie 2012 um die Nordsee wäre nun nicht mehr möglich. Es besteht die geringe Hoffnung, dass ich mein altes Arbeitsgerät durch Veränderungen der Grundeinstellungen wieder nutzbar machen kann. Der Betatest für eine neue Form der Liveübertragung ging leider schief. Aber so ist das nunmal mit den Pionierstaten. Ungegangene Wege müssen entbehrungsreich, ab und an gar gefahrenvoll begangen werden.
Immerhin bringt die neue Software auch viele gute Neuerungen: bessere Fotofunktionen und eine exorbitant einfache Tracking-App, die ich für die neuen Livereiseprojekte in diesem Jahr unbedingt einsetzen möchte. Hier einige Bilder, die während des heutigen Techniktests ins Netz gegangen sind. Dieser Beitrag ist übrigens der Blogsoftware-Test.
Hochsitz, wegen Gegenlicht und Schattenlage mit der App Hipstamatic sehr schwer zu meistern
Stacheldrahtzaun umgibt ein verlassenes Militärgebäude.
Ein verwüstetes verlassenes Militärgebäude in Zweibrücken
Kot is Poetry by Heiko Moorlander – gefunden in den „Killing Fields“ Zweibrückens – sprich auf dem Truppenübungsgelände.
Nachtrag: die Stromversorgung ohne Tracking scheint stabil. Bildbearbeitung und Blogsoftware, sowie seit zwanzig Minuten an diesem Artikel schuften, beansprucht den Akku offenbar normal, vielleicht sogar weniger? Am Nachmittag war versehentlich der Hotspot eingeschaltet. Womöglich hatte er den Akku angefressen?
Der unterbelichtete Hochsitz mit Dynamic Light und der nativen Fotoapp bearbeitet:
Jahr ohne Termin
Ein Jahr ohne Termin!, schießt es mir kürzlich in den Sinn. Ich stehe auf der Treppe zur Künstlerbude, umlullt von Herbstluft und phantasiere, wie es wäre, wenn sich Zeitempfinden in Luft auflösen würde. Eine nicht enden wollende Kette von Ewigkeiten wäre die Folge. Ich öffne die Wohnungstür, greife zum Telefon und vereinbare einen Arzttermin um Punkt acht Uhr im Februar. Kurze Zeit später liebäugele ich mit Winter in der Provence, greife zum Internet und buche eine Ferienwohnung von dannunddann 2013 bis dannunddann 2014. Das wars dann endgültig mit der phantastischen Idee vom Jahr ohne Termin. Wir müssen dannunddann um Punkt elf den Ferienwohnungsvermieter treffen und die Bude sauber geputzt zurück geben. Auch Silvester ist nicht gerade terminfrei. Um vier Minuten vor vierundzwanzig Uhr stehen SoSo und ich auf der Burgruine von Saint Viktor. SoSos Handywecker klingelt, damit wir rechtzeitig in Position sind, um über das knapp 2000 Seelendorf und die Rhône-Ebene zu schauen und uns ein schönes neues Jahr zu wünschen. Wir sind alleine. Vom Dorf hören wir zwei Silvesterparties, nervöse Hunde, durchsetzt von Stille und dem leisen Säuseln der weitwegen Autobahn. Der Tumult mit Rauch und Tamtam um Punkt null Uhr zeigt sich sehr verhalten. Ein zehntausend-Watt-Strahler streicht weißes Licht über die erste Burgmauer und erhellt das dahinter stehende einstige Burggebäude. Mit den Armen rudernd werfen wir Schatten an die Wand, scharfe, winzige Menschenschatten, die man von unten aus dem Dorf vielleicht gar nicht wahrnimmt, so weit oben sind wir. Flaggenanalphabetismus … was wir wohl gerade ausdrücken mit unseren ungelenken Flaggenarmbewegungen?
Nordöstlich über Orange zuckt Feuerwerk. Avignon, fast zwanzig Kilometer entfernt und ohne Wolkendecke, ist nicht zu erkennen.
Bild: Urban Artwalk Avignon, im letzten Jahr. Einige Stunden erforschten wir die als Welterbe anerkannte Stadt. Die Hipstamatic-App wurde auf Zufallsmodus gestellt. Die Fotos später in appspressionistischer Manier per TurboCollage zu einer sieben mal sieben Bildertafel arrangiert. Auch auf erdversteck.de gibt es eine Szene aus Avignon. MudArt Künstler Moorlander hat in seinem skandalumwitterten Werk Sur le gâchis d’Avignon eine bizarre Kulisse im Vordergrund der berühmten Pont d’Avignon geschaffen.

