Nicht offene Offene Ateliers

Irgendlinks Atelier im Umbau

Verflixt. Die ersten BesucherInnen des Offenen Ateliers sind da. Eine Woche zu früh. Ertappen mich im Sonntagsschlaf. Zum Glück ist Freund QQlka auf der Südterrasse. Empfängt die Gäste. Weckt mich. Kocht Kaffee. Serviert Gebäck. Kann ja die Leute nicht abweisen. Über Stock und Stein sind sie herauf gekraxelt zum einsamen Gehöft.

Irgendlinks Atelier im Umbau
Irgendlinks Atelier im Umbau

Das Atelier ist im Umbau. Habe doch erst nächste Woche Tag der offnenen Tür. Leitern und Krempel überall und ich bin ein bisschen zerknautscht. Wie man eben ist, wenn man aus dem Reich der Träume kommt. Wir schwadronieren über Kunst, Gott und die Welt. Der Kaffee wirkt. Ob man von der Kunst leben könne, stellt jemand die Frage. Kurzerhand sage ich ja und erst später wird mir bewusst, wie wahr die Aussage ist und wie viel Sich-winden, Rechtfertigen, Begründen und „Abern“ einem so ein Ja spart. Kann man vom Verkauf von Bildern leben? Nein. Als Durchschnittskünstler fernab der Tränken des Kunstmarkts muss man sich sich heutzutage immer als ein Mischprodukt auf dem Arbeitsmarkt vorstellen, das neben seiner  eigentlichen Bestimmung, kreativ zu sein, eine Reihe weiterer Erwerbsquellen hat und obendrein den Begriff „Davon-leben“ auf eine ganz andere Art definiert als der Durchschnittsbürger. Kurzum, wenn du Durchschnittsbürger sein willst mit einem durchsschnittlichen Gehalt, von dem du dir die durchschnittlich nötigen Dinge, die du zum Leben brauchst, kaufen kannst, dann kannst du kein Künstler sein. Ich träume manchmal von solch einem Leben in wohliger Sicherheit. Aber letztlich geht es darum, glücklich zu sein und zufrieden mit dem eigenen Leben.

Was falsch verstanden werden kann, wird falsch verstanden. Manche Dinge sind so verquer, dass sie gar nicht verstanden werden können. So auch die Offenen Ateliers. Im Prinzip sind die Regeln ja klar: an zwei Wochenenden im September können alle Künstlerinnen und Künstler in Rheinland-Pfalz, die in der Profiliga spielen, ihre Ateliers öffnen. Die große, gemeinschaftliche Aktion bietet einen Blick hinter die Kulissen der Kreativität. Bloß: es gibt vier Spielvarianten, zwischen denen die teilnehmenden Ateliers wählen können. Entweder beide Wochenenden samstags und sonntags öffnen, oder an beiden Wochenenden nur sonntags oder nur das erste Wochenende samstags und sonntags, oder nur am zweiten Wochenende. Alles klar?

Im Programmheft steht es fein säuberlich im Kleingedruckten.

Das Atelier Rinck ist am 20. und 21. September 2014 von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Neben Foto- und Objektkunst gibt es Kaffee und Kuchen. Wer samstags kommt und sich etwas zum Grillen mitbringt, kann gerne auch nach 19 Uhr am Lagerfeuer im Ateliergarten mit den Künstlern und Kunstinteressierten über Gott und die Welt schwadronieren. Dieser Artikel vor ein paar Tagen gibt mehr Infos preis.

Fan der Band, die nicht auftritt

Seit Donnerstag im Ausnahmezustand. Die kataraktisch labyrinthische Künstlerbude ist voller Gäste. Das Sofa belegt, irgendwo auf einem Futon lebt nun Freund QQlka und heute Abend noch zwei weitere Gäste, die untergebracht werden wollen. Habe SoSo und mich daher ausquartiert im Zelt weitab des Ateliers am Südrand des einsamen Gehöfts. Auf einem unheimlichen, erdigen aber flachen Platz unter einem Nussbaum, auf dem kein Kräutchen wächst. Ob es am Nussbaum liegt und am Dauerschatten, dass da nichts wächst, oder ob es sich, wie ich scherzhaft plapperte, dabei um einen keltischen Richtplatz handelt? Stille. Ab und zu kracht ein Schuss. Jäger sind in den umliegenden Maisfeldern auf Wildschweinejagd. Morgendämmerung. Nuss fällt aufs Zeltdach und ein Tier reißt eine ganze Serie von Äpfeln von einem der Bäume, was ein eigenartiges Geräusch ist. Nie gehört. Das Geräusch eines einzelnen fallenden Apfels mal zehn. Pferdeäpfel klingen so ähnlich.

Heute ist der Hauptabend des Kunstzwergfestivals. Irgendwie lief es mit der Presse mächtig schief: Aufmacher des halbseitigen Vorberichts ist eine relativ bekannte Zweibrücker Band, die aber gar nicht auftritt. Riesenbild der Band als Titel. Ich glaube, es gab Riesengezeter. Die Kulturredakteuerin hatte mir eigens aus Kanada eine Dringlichkeitsmail geschickt, ich solle das in Ordnung bringen. Das seltsame an der Situation ist, dass es eine Situation ohne Schuldigen ist. Journalist F., der den Artikel schon vor Wochen verfasst und in die Redaktion gesendet hatte, schöpfte sein Wissen aus der Kunstzwergseite, auf der wiederum, weil man sich mit der Band nicht einigen konnte, das Programm kurzfristig abgeändert wurde. Leider erst nachdem Journalist F. sein Wissen geschöpft hatte. Wer hätte geahnt, dass dieser Zeitungsartikel eine tickende Zeitbombe ist. Frühmorgens überlege ich, ob die Welt mit ihren schlimmen Konflikten, Krieg, Leid und Elend dieser Tage auch nur in eine verquere Situation ohne Schuldigen geraten ist. Ob es eine ganz natürliche Sache ist. Dass Missstimmungen wie aus dem Nichts entstehen. Eine Checksumme von verketteten Umständen, deren Zusammenhänge nicht in menschlichen Geschicken liegen. Gegen Elf erwacht. Hinterm Zelt stehen quadratmeterweit Pilze. Die waren doch gestern noch nicht da? Egal. Es wird ein schöner Tag, hoffe ich und die Fans der Band, die nicht auftritt, haben hoffentlich den Dementibericht in der Zeitung noch gelesen.

Von Kunde zu Kunde und von Künstler zu Künstler

Die ersten Gäste bzw.  der „Staff“ zum Kunstzwergfestival sind eingetrudelt. Gestern nachmittags tuckere ich mit Trecker und Anhänger zum nahegelegenen Getränkehändler, 25 Kilometer pro Stunde schnell, eine ewige Autoschlange hinter mir herziehend. Ab und zu kann überholt werden. Kurz vor der Müllkippe, die sich mit Asbestbeseitigung ein paar Euro dazu verdient, stehen zwei Laster am Straßenrand, die mich zuvor überholt hatten. Die Fahrer zurren die eigentlich luftdichte Abdeckung fest, damit sie bei der Annahme der zwanzig Tonnenlast nicht abgewiesen werden. Muss ja alles seine Ordnung … abends kommt das Organisationsteam mit einem Auto voller Technik, Lautsprecher, Computer usw. Freund QQlka ist auch mit dabei, was mich jubeln macht. Und Ober-Kunstzwerg-Vampir Brandstifter spielt auf dem PC sein neuestes Stück „Von Kunde zu Kunde“, das er gemeinsam mit Edita Karkoschka vertont hat. Den ganzen Abend dudelt das Lied und wir versuchen, die Hintergründe herauszufinden, was den junggebliebenen „Er“, Jahrgang 51 wohl veranlasst haben mag, in einem Edekamarkt in Chemnitz eine Kontaktanzeige aufzuhängen am Schwarzen Brett. Von Kunde zu Kunde. Dass er sich damit in der Asphaltbibliotheque verewigt, hätte er wohl nicht gedacht.

Hier ein Link zu einer Podcastseite, auf der man das Stück hören kann – leider wird zuvor Werbung eingeblendet.

http://www.podcast.de/episode/245331912/Begehungen+2014+-+Von+Kunde+zu+Kunde/

Übervollmonat

Manchmal kommt es mir so vor, als wäre die Kunst nur die Fortsetzung der Landwirtschaft mit anderen Mitteln. September ist ein Fluch. Erntemonat. Eine Ausstellung hetzt die andere. Seit halb sechs wach. Kaffee. Kälte kriecht ins Kreuz. Ich bin zu faul, den Ofen in der Künstlerbude anzuschüren. Sonne komm‘ endlich!

Ein Kunstereignis jagt das nächste und über allem gaukelt das Offene Atelier in zwei Wochen. Muss noch Bilder bestellen, Tinte, Papier und obendrein habe ich mir noch das Mittelrhein-Projekt zur Chefsache erklärt, sprich, ich blogge mir innerlich die Finger wund :-). Die Freunde vom Mainzer Kunstverein Walpodenstraße trudeln heute Nachmittag ein und dann wird es für drei Tage ziemlich stressig hier auf dem einsamen Gehöft. Das Atelier ist Austragungsort der elften Kunstzwergfestivals. So spaßig die Sache wird, so schwierig ist es auch für mich. Das Organisationsteam beansprucht die Künstlerbude. Ich habe dann keine Privatsphäre mehr, weil ja die Künstlerbude ein katarktisch fraktales Konstrukt ist, das man am ehesten als Einraumstudio bezeichnen könnte. Sessions bis drei Uhr nachts. Die Suffnasen werden nonstop am Tresen lungern und labern labern labern. Nicht dass ich nicht auch Freude daran hätte, ab und zu, aber doch nicht drei Tage am Stück! Gestern diagnostiziere ich eine Art Autismus, der sich darin äußert, dass ich ruckzuck das Interesse verliere an Gesprächen. Sei es noch so interessant. Irgendwann erreichen Situationen einen Wendepunkt, ab dem es weh tut, zu kommunizieren, bzw. das Gegenüber kommunizieren zu lassen. Unermüdliche Wordbucket-Challenge. Ich selbst verfalle in eine schweigende Starre, die das Gegenüber nur noch mehr zum Reden, reden, reden anstachelt. Meine Schwester besucht uns nachmittags und berichtet über eine Bande von Taubstummneppern auf einem Supermarktparkplatz, die nur so taten, als könnten sie nicht reden und sammelten Unterschriften, baten um Spenden. Wenn es die Situation erlaubt, durchwühlen sie die Taschen ihrer Opfer nach Geld. Die Schwester redet und redet und wiederholt sich. Wendekreis des Schmerzes: ich lasse sie zusammen mit meiner Mutter stehen und als ich ein paar Minuten später zurückkehre ins Haupthaus, redet sie immer noch.

Die Schwester trifft keine Schuld, klar. Ich vermute, das Problem liegt darin, dass wir im weltweiten aufblähungs- und immer-mehr-Wahn verlernen, was Stille ist, was Stillstand und Rückschritte sind. Hand in Hand geht der große Bruder Wachstum mit seinen Geschwistern aus allen Bereichen des Lebens. Die Menschen verlernen, Leerräume zu lassen. Und je mehr man selbst Leerräume lässt, zum Beispiel im Zwiegepräch, desto mehr werden sie von anderen vereinnahmt.

Halb neun jetzt. Keine Sonne. Klamm sind die Finger. Ich überlege, ob ich diesen Artikel ebenso wie den vorigen in die Privatschleife des Blogs schicken soll … ach, seis drum, es muss auch mal wieder Alltagstexte geben, gewürzt mit der Bitternis eines guten Schusses Larmoyanz, sonst verliert man ja jegliche Leutseligkeit … schaut mal vorbei beim Kunstzwerg.

Und jetzt raus, schuften.

Burgenblogger im Mittelrheintal – Bedienungsanleitung für eine Ritterburg

Raubritterburg Sooneck im UNESCO Welterbe Mittelrheintal

Burg Sooneck am Mittelrhein - Strichzeichnung
Ihr Burgen-Basiskit im Mittelrheintal (Skizze): Burg Sooneck zwischen Bingen und Bacharach.

Wir beglückwünschen Sie zum Kauf des Burgen-Basiskits Sooneck. Unser langlebiges Top-Modell, das wir im Mittelrheintal schon seit nahezu achthundert Jahren anbieten, wird Ihnen viel Freude bereiten. Bitte prüfen Sie den Inhalt auf Vollständigkeit. Das Burgenkit enthält neben der Burganlage selbst auch ein 67 Kilometer langes Stück Rheintal inklusive einer der wichtigsten europäischen Wasserstraßen, zwei Bahnlinien, zwei Bundesstraßen und ein Gefolge von etwa 200.000 Menschen, die sich dicht an dicht in den etwa dreißig Gemeinden drängen. Neben zahlreichen Niederwäldern und einer beträchtlichen Fläche Weingütern beinhaltet Ihr Burgenkit eine Fülle unentdeckter Kleinode und skurriler Begebenheiten. Um sie zu entdecken und nutzbar zu machen, empfehlen wir Ihnen unser Burgherrenkit Irgendlink (Zubehör ist nicht im Basiskit enthalten).

Zubehör Burgherrenkit Irgendlink

Mit dem Modell Irgendlink als Flaggschiff unseres Unternehmens lassen wir keine Wünsche offen. Ursprünglich als Reisekünstler-Set konzipiert, kann das Modell auch zu beliebigen anderen blogtechnischen Zwecken eingesetzt werden. Schon 2010 wurde mit dem Modell Irgendlink das wohl erste deutschsprachige Buch, das auf einem Smartphone geschrieben wurde, erzeugt. Und zwar täglich live berichtend vom Camino Frances, dem spanischen Teil des Jakobswegs. Unter dem Titel „Schon wieder ein Jakobsweg“ ist es seit 2013 als eBook und gedruckt erhältlich. Weitere live gebloggte Reisen, bei denen das Modell Irgendlink seine Tauglichkeit im täglichen Blogeinsatz unter Beweis stellte, führten fotografierend und bloggend einmal rund um die Nordsee („Ums Meer“) auf Europas längstem Fernradweg, der North Sea Cycle-Route. Hier leisteten die serienmäßig eingebauten guten Englisch-Kenntnisse in Sprache und Schrift wertvolle Dienste. Obschon das Burgherrenmodell schon im Jahr 1966 konzipiert wurde, lässt es keine Wünsche offen an die Ansprüche einer hochdigitalisierten Zeit. Sei es programmierend per PHP und Skripten auf dem eigens angeschlossenen Webserver oder gestaltend im reinen HTML- und CSS-Modus. Last but not least lassen sich verschiedene Textmodi einstellen, mit denen sie nach Belieben eine klassische Reportage erstellen oder, wenn Sie es ein bisschen verrückter mögen, auch mal fiktiv abstrakte Elemente einspielen können. Schlagworte Ihrer Wahl wie zum Beispiel Mittelrhein lassen sich auf Knopfdruck programmieren und suchmaschinenwirksam unterbringen, ohne dabei die LeserInnen zu stören. Aufgewachsen mit dem Internet und – ein Jahr vor der Anerkennung des Mittelrheintals zum Welterbe – für das Internet zugelassen, ist bei unserem Top-Modell bisher noch nie ein Fehler aufgetreten. Viele renommierte Kundinnen und Kunden waren stets zu 100 Prozent zufrieden. Unter ihnen die Rheinpfalz (www.rheinpfalz.de) und das Welterbe Salzwelten Hallstatt (http://www.salzwelten.at/de/hallstatt/bergwerk/), das 2013 eine durch Irgendlink live gebloggte Reise auf 120 Keramikfließen im Memory of Mankind (http://www.memory-of-mankind.com/) einlagern ließ.

Erst kürzlich war die Einheit drei Wochen lang per Fahrrad und zu Fuß von der pfälzischen Heimat in Zweibrücken bis zum Gotthard, dem Ursprung des Rheins, unterwegs.

FAQ

Was passiert beim Einschalten des Burgherrenkits?

Das Modell Irgendlink wird unverzüglich seine Arbeit in dem gewählten Arbeitsmodus aufnehmen. Zu Fuß und per Rad werden die Geheimnisse, Anekdoten und die Geschichte des Mittelrheins erforscht, wobei Ausflüge in die Geschichte und der nahe Kontakt zu den Menschen oberste Priorität genießen. Im Fotomodus erstellt das Modell atemberaubende Bildcollagen und Panorama-Aufnahmen.

Was macht eigentlich der Knopf Kreativmodus an meinem Burgherrenkit Irgendlink?

Er schaltet die Einheit auf zufällige Wiedergabe. Entweder werden Sie verstört die Ergebnisse beobachten, oder vor Entzücken in die Luft springen.

Welche Erfahrung hat das Modell?

https://irgendlink.de/2009/04/29/ein-hohelied-auf-die-bloggosphare/

Fachgerechte Entsorgung

Ihre Ritterburg ist zu 100 Prozent natürlich abbaubar. Sollte sie einmal kaputt gehen, lassen Sie sie einfach ein paarhundert Jahre stehen und nichts wird mehr davon übrig bleiben.

Service

Unser Service steht Ihnen wochentags zwischen 8 und 12 Uhr und zwischen 13 und 17 Uhr zur Verfügung. Per E-Mail rund um die Uhr.

Wenn Sie diese Bedienungsanleitung bis zu Ende gelesen haben, senden Sie bitte eine E-Mail an unsere Serviceabteilung.

Jürgen Rinck

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In der Rubrik Mittelrhein sammeln sich ab September 2014 alle Artikel zu dem Thema. Außerdem bietet die Rubrik eine erweiterte Linkliste auf der rechten Seite, die zu interessanten anderen Burgenbloggern führt und zu den Hintergrundinformationen.