Todsterbensgrippekrank, Montag, Dienstag, Fieberwahn, Termine im Nacken, sich irgendwie nach Mainz gequält und auch noch Spaß dabei, die erste Ausstellung seit zwei Jahren in „echt“ darf man nicht verpassen und, puuuh, auf den letzten Drücker das Bild für die Gemeinschaftsausstellung abgegeben, erst mittwochs zaghafte Besserung dieser fiesesten Grippe seit über einem Jahrzehnt, elender Schnupfen geht und geht nicht weg, donnerstags in die Zweitheimat per Zug, ellenlange Rheintalfahrt und im Blick aus dem ICE-Fenster, das Klopfen unterm Zug nicht ignorieren könnend, sich eine Zugkatastrophe ausmalend mit zig entgleisten, ineinander verschränkten Wagen, alles nur noch Matsch, Menschen, Zug, Schienen, Gepäck, alles Matsch und herrjeh, wie soll denn da einer überleben und dieses Bild gaukelt, zum Glück ohne zu ängstigen, eher spielerisch katastrophesk, bis nach Basel zum Umstieg, wo in einem Bummelzug ein verwirrter Kerl dein Handy will, du es ihm nicht gibst, weil er alles zubluten und -rotzen würde, aus dem Mund kommt Schleim, aus der Nase Blut, schlecht rasiert, vernarbt, mit sich selbst brabbelnd, jemand gab ihm ein Taschentuch und du bist versucht zu sagen, drück’s gut drauf, bleib ruhig, lehne dich zurück, aber er diktiert halb hängend im schaukelnden Zug eine Nummer einer diakonischen Anstalt irgendwo, beinahe hätte ich gesagt, diabolische Anstalt, wo tatsächlich jemand rangeht und als man sagt, ein gewisser Jochen blutet im Zug, nicht schlimm, er will zu ihnen, was soll ich tun, kommt nur die Antwort, nichts tun, das macht er immer so, wälzt seine Dinge auf Passanten ab, die dann hier anrufen, sag ihm, er soll nach Bad Krotzingen, denn da gehört er hin, herrjeh, was für eine verflixte Woche voller Leere, Trauer, Krankheit, Spinner, kalter Herzen, despotischer Idioten und das soll man dann alles noch irgendwie zusammenbringen im eigenen kleinen Kopf, am besten in einem einzigen Satz.
Mediatheksfleddern
Roundabout
Wenn man sich einen Künstler ins Atelier einlädt, der eine Ausstellung mit dem Titel „Roundabout“ macht, passieren merkwürdige Dinge mit dem Frühstücksei.
Info zur Ausstellung Roundabout gibt es auf http://rinckenhof.de
Facts about Kunststraßen 6
In den ersten Jahren des konzeptuellen Kunststraßenbaus führten die Strecken über lange Distanzen auf Fahrradreisen kreuz und quer durch Europa und Deutschland. Norwegen, Schweden, Finnland, Irland und Spanien waren die angepeilten Ziele. In Abständen von zehn Kilometern fotografierte ich die bereiste Strecke, stets den Blick Richtung Reiseziel gerichtet.
Die kurzen Strecken kommen.
Was in der Ferne geht, geht auch daheim, dachte ich mir irgendwann und begann auf Spaziergängen, etwa von Mainz nach Wiesbaden, Fotostrecken zu erwandern. Die Bildabstände schrumpften von zehn Kilometern auf zum Beispiel 120 Doppelschritte (ca. 80 Meter). Auf zahlreichen Postrouten in Rheinhessen fotografierte ich den Weg in 1 Kilometer-Abständen. Einige dieser Konzeptkunststraßen wurden in Mainz und Wiesbaden ausgestellt, viele liegen noch heute unveröffentlich im Negativarchiv.
2001 entstand die Kunststraße 11 (Kelf) als Rauminstallation auf einem eigens reservierten Parkdeck in einem Zweibrücker Parkhaus. Sie dokumentiert den Weg vom Flugplatz Zweibrücken zur Fachhochschule. Die beiden Gebiete waren Konversionsprojekte. Ehemalige militärische Objekte wurden in zivil nutzbare Gebiete umgewandelt. Das Projekt Kelf wurde vom Kultursommer Rheinland-Pfalz und der Stadt Zweibrücken unterstützt.
Facts about Kunststraßen 5
Die Einladungskarten zu den ersten Kunststraßen-Fotoinstallationen waren Handabzüge im Format DIN lang. Je drei unterschiedliche Motive passten auf ein Stück Fotopapier. Ich nutzte Negativstreifen aus der Kunststraßenserie, die mit Tesafilm auf bedruckte Folie geklebt wurden. Der Einladungstext wurde zuvor per Tintentstrahldrucker drei mal an die entsprechenden Stellen gedruckt. Logischerweise musste ich drei verschiedene Negativstreifen benutzen, um einen Kontaktabzug zu bestücken. Die einzelnen Karten wurden per Schlagschere aus dem etwa A 4 großen Blatt geschnitten.
Somit gibt es von den drei wichtigsten Ausstellungen der ersten Jahre eine geringe Stückzahl von handabgezogenen echten Fotos, die als Einladungskarte verschickt wurden. Die Rückseiten waren mit Etiketten aus Papier versehen.
Es würde mich interessieren, ob der ein oder andere die Einladung aufgehoben hat.


