Liebe “Ah, das Love-Ding” Suchende

laut Statistik wird dieses Blog per Suchmaschine nur durch den Suchbegriff „Ah, das Love-Ding“ gefunden. Damit Ihr nicht ins Leere tappt: ja, ich kenne die Autorin, und ja, ich habe ein Nacktfoto von ihr – aber Ihr wollt sicher ihre Homepage ansteuern, das Begriffsstudio (das schreibt man mit doppelEFdoppelES).

Das Love-Ding gibt es für 18,90 € bei kookbooks ISBN-10 3-937445-20-X

Letzte Ausstellung

Allgemeines Lebensgewirre. Am Wochenende letzte Ausstellung (zusammen mit dem Mainzer Kunstverein) – Ingelheim, Bahnhofstraße 78, Kunsthalle Schwaab, freundlich gesponsort von dem rheinhessischen Möbelgiganten und unzähligen Pizzabäckern und Weinhändlern.

Die Kunst ist endlich abgewickelt. Gute Position, wie man sie etwa als Kletterer auf rotem Fels im Pfälzer Wald hat: du hast mit allmöglichen Tricks und viel Mut den Felsvorsprung erreicht und schaust, beraubt jeglichen Atems, hinab ins Tal. Ein lauer Wind umspült die Nase. Der Wald riecht gut. Befriedigendes Gefühl. Aus dem Rucksack kramst du eine Flasche Bier, öffnest sie mit dem Karabinerhaken, der dich sicherte, legst die Beine übereinander, lässt den lieben Gott eine gute Fiktion sein.

Zum ersten Mal seit Jahren habe ich die Fernsicht und das Gefühl auch im richtigen Leben. Der Kopf ist endlich frei. Neues Leben steht bereit. Wenn alles gut geht, ist die Sache schon am Freitag im Kasten.

Punktlandung.

Nebenbei die Welt des CMS entdecken. Drupal entwickelt sich zu meinem Lieblings Content Management System. Befindet sich zwar derzeit noch in englischer Oberfläche, aber es ist ein selbsterklärendes Etwas. Erste Serverumzugexperimente waren erfolgreich, so dass es ein gut praktikables Ding ist, mit dem man durchaus Kunden zufrieden stellen kann. Zwei Kunstvereine stehen als Testkandidaten zur Verfügung
Beim Telefonieren mit dem potentiellen Chef tauchte die Frage auf, ob ich Typo3 kann. Ich sagte nein. Drückte es aus wie etwa ein Vampir, der fleht, tu das Kreuz weg! Typo ist eine Strafe. „Das dauert einen Monat, und dann ist noch nichts designed,“ sagte ich. Der potentielle Chef beruhigte mich: „Macht nichts, war ja nur eine Frage.“ Um mich zu beschwichtigen, lockte er mit einer sündhaft teuren Kamera, die sie gekauft haben, und die noch niemand in der Firma bedienen kann, von 30 Megapixeln war die Rede. Ich phantasierte von einem drei Meter breiten Plotter und einem Ultra an Technik.

Phantastische Gebäude.

Weiß nicht, ob ich dieses Blog beenden muss, wenn ich mich demnächst auf dem Arbeitsmarkt tummele – ich hätte, im Gegensatz zu Momentan, etwas zu verlieren.

Wie geht es weiter? Werden die beiden Bücher des Jahres 2006 noch fertig? Werde ich das wilde Pferd Typo3 reiten lernen müssen? Ist dem Scheitern nun endgültig ein Riegel vorgeschoben? Obsiegt die unterdrückte Lust auf Lohnsteuerklasse 1? Wird die verrückte R. mit dem aufgespießten Kopf von Ex M. eines Tages vor meiner Haustür stehen? Wird es je wieder eine Irgendlink-Kunstausstellung geben? Was machst du wenns brennt?

Ah, das Love-Ding

Heute Abend 20:30, Deutschlandfunk
Monika Rinck liest “Ah, das Love-Dingâ€? (Teil 1).

(Teil 2 am 15.11.06).

Live-Stream wahlweise als Flash, MP3, OGG oder WMP bei www.dradio.de.

An den Grenzen,

jaja, an den Grenzen. Ist es immer spannend. Man kann von Hüben nach Drüben sehen und umgekehrt. Das Unbekannte fasziniert.

An den Grenzen ist mein Heim. An der deutsch-französischen ganz konkret.

Aber auch im übertragenen Sinn bewege ich mich immer an der Grenze. Die Grenze zwischen Gutbürgertum und Kunstspinnerei. Ich bin ein Wechselbalg. Ich laufe seit zig Jahren auf einem schmalen Grat. Schwindelfrei, zum Glück. Weiß nicht, wie lange das gut geht.

Das muss scheitern, sagt der Akrophobiker.

Die Grenze ist mitten in meiner Wohnung. Wenn ich die Tür zum Atelier öffne, stehe ich in der Kälte. Jener Kälte, die den ganz normalen Straßenberber umgibt, und zwar für immer. Ich bin den Straßenberbern nicht fern. Von meinem privilegierten Posten aus beobachte ich sie. Genau wie auch sie mich beobachten – meinetwegen in der Bahnhofstraße in Ingelheim, wo sie auf Parkbänken sitzen und die merkwürdigen Typen beobachten, die alle 20 Meter stehen bleiben und mit Fotoapparat, Zeichenblock und Schreibpapier seltsame Dinge tun. Wie Gegener stehen wir einander gegenüber an gut befestigten Grenzlinien.

Nur zum Spaß vorhin die Pforte zum Atelier passiert und die eiskalte Luft inhaliert. Grenze warm-kalt. Noch immer kreischen Vögel auf dem Weg nach Süden. Ich ahne sie frierend über dem Scheunendach im Vollmond.

Der schmale Grat zwischen Ehrbarkeit – soundso solltest du Leben – und der Welt jenseits der Akrophobie ist mein Heim. Vielleicht ist das ein Privileg. Hat je ein Mensch sich wohlgefühlt auf einem Balkon im fünften Stock ohne Geländer?

Ja, ich in Prag zusammen mit meinen Freuden Leb und Sukai. Wir ließen die Beine baumeln, tranken Bier und beobachteten zwei Schlawiner, wie sie ein meterhohes Christuskreuz aus einer Kirche entwendeten. (Die Polizei alarmierten wir nicht, weil wir kein tschechisch sprachen und Bier tranken und es aus dem fünften Stock bis zur Telefonzelle ziemlich weit war – wie wir in dieses Abbruchhaus mit Balkon ohne Geländer gekommen waren wollten wir auch nicht erklären).
In der Tat ist es nur ein simples psychologisches Spiel: man steht mit wie ohne Geländer exakt 30 cm vor dem Abgrund. Die Aufgabe ist, sich mit wie ohne Geländer gleich sicher zu fühlen.

Ich bin der, der sie tut

Die Brille ist dreckig. Ich nehme sie besser ab. Wenn ich sie morgen suche, brauche ich nur diesen Blogeintrag zu lesen: Mann, die Brille liegt auf dem Schreibtisch, direkt neben dir. Neben Zetteln und Stiften und Plastiktüten.

Übrigens: du solltest die Brille putzen, bevor du sie aufsetzst!

Ein bisschen Chaos. Die Bude riecht nach Tomaten. Ich habe die Ernte getrocknet und mit Kräutern in Öl eingelegt.

Mjam mjam.

Überall liegt Kunst.

Und Kassenzettel.

Brot liegt auch herum.

Die Bude ist warm.

Der Holzofen schnurgelt.

Seit gestern kreischen Vögel über dem Gehöft, ziehen nach Süden. Pfeile aus hunderten von Tieren stehen am Himmel. Sie keuchen gegen den Wind. Das ist mystisch.

Die Sonnenuntergänge sind unbezahlbar, knallrote Etwase hinter kahl gefegten Pappeln.

Diese Zeit ist gut. Mein Leben geht Hand in Hand mit der allgemeinen Konjunktur. In den letzten Wochen haben sich unglaubliche Dinge ereignet – nicht zuletzt, dass die Wespe mich angerufen hat und mir einen zwar unbequemen aber doch nicht auszuschlagenden Vorschlag unterbreitet hat. Die Wespe ist ein stolzer Mensch, der nicht zuhören kann. Selbstverliebt wie alle Künstler (außer mir).

Heute mit Journalist F. auf einen Sprung nach Mainz, um die Kunstwerke anzuliefern, die in der Ingelheim-Ausstellung gezeigt werden. Journalist F. kredenzte Fotos, ich serielle Arbeiten aus 2005. Die neuen Sachen hängen ja noch in der Galerie Beck.

Dort gibts übrigens Morgen einen Sondertermin: Spaziergang mit dem Künstler im original Bliestallabyrinth. Der Künstler bin ja ich. Muss ich also die Wanderschuhe anziehen und mit kunstbeflissenen Menschen ein bisschen plaudern und wandern. Die Oberbürgermeister der beiden miteinander konkurrierenden Städte, durch die das Labyrinth führt, haben erwartungsgemäß abgesagt (die Absagen sind ein Indikator, dass man wahrgenommen wird; nicht immer habe ich Absagen erhalten).

Eine zwanglose Sache also. „Hundebesitzer,“ sagte Journalist F., „du wirst mit allen Hundebesitzern der Region spazieren gehen. Die stehn auf Spaziergänge. Die werden das Nützliche mit dem Kunstgenuss verbinden.“

Die Laudatorin J. ist allerdings die Einzige, die fest zugesagt hat. Und die hat keinen Hund. Eigentlich wäre es traumhaft, alleine mit der Laudatorin loszulaufen. Dann könnte man schamlos das GPS auspacken und ungehemmt auf Geocache-Tour gehen. Aber ich fürchte, es werden noch einige Spaßbremsen auftauchen, die nur die ach so hohe Kunst im Sinn haben.

Und wie geht das nun zusammen: ich müsste doch derjenige sein, der die Kunst ernst nimmt?

Stimmt nicht!

Ich bin der, der sie tut.

Sollen sich die Anderen den Kopf darüber zerbrechen.

Genug geredet. Ich sollte diesen Beitrag beenden.

Hmmm?

Mit einem Semikolon, ja mit einem Semikolon.

Das scheint mir an dieser Stelle angebracht;